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Meinung

Bei der Corona-Impfung feiert die Staatspropaganda fröhliche Urständ

Julian Schernthaner

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Das „Licht am Ende des Tunnels“ soll sie also bringen, die hastig entwickelte Impfung gegen das Coronavirus. Ein kleiner Pieks, der gerade nach Weihnachten für eine Wiedergeburt sorgen soll. So ist das offizielle Narrativ – und etablierte Medien spielen artig mit. Wer so eine umfassende Propaganda von öffentlicher Seite hingegen kritisch sieht, dem unterstellt man das Übelste.

Kommentar von Julian Schernthaner

Mit Faszination verschlang ich in meiner Jugend dystopische Romane wie „1984“ von George Orwell und „Schöne neue Welt“ von Aldous Huxley. Wie die meisten Menschen meiner Generation hielt ich diese Bücher für übertriebene Horrorszenarien, die niemals Realität würden. Dann kam der Sonntag nach der diesjährigen Weihnacht. Auf großen Bildschirmen konnten die Bürger zum Frühstück beobachten, wie die erste Spritze als Soma (bei Huxley eine Droge, die alle Unnehmlichkeiten hinfort fegt) für die Massen einer betagten Dame in den Leib gerammt wurde.

Regierung als Teil einer peinlichen Inszenierung

Eine solche Impfung, das ist ein Staatsakt, also befanden sich der Kanzler und der Gesundheitsminister mit im Raum. Nach der Inszenierung hingen sie der Dame an den Lippen. Sie freute sich, bald ihre Kinder und Enkel wieder ohne Einschränkungen sehen zu können – eine Sehnsucht nach dem Wichtigsten, der Nähe zu den Liebsten. Es ist beinahe grotesk, dass neben ihr genau zwei zentrale Vertreter jener Regierung stehen, die es ihr mit überbordenden Maßnahmen unmöglich machten.

Monate, nachdem man unsere Großeltern zu ihrem vermeintlichen Schutz wegsperrte und inzwischen viele Familien miterleben mussten, wie diese in der Einsamkeit verenden, missbraucht man die Alten als Versuchskaninchen für die Impfung. Natürlich, für diese Alterskohorte ist das Virus tatsächlich am ehesten gefährlich. Aber der Impfstoff wurde vor allem an gesunden und jüngeren Menschen in der Feldstudie erprobt. Was könnte also schiefgehen?

Die Crux mit der Statistik und den Impfschäden

Immerhin, wenn die Impfung doch mehr Nebenwirkungen hat als befürchtet, sind sie für die Statistik wohl nicht „an“ der Impfung, sondern „mit“ derselben verstorben. Man kennt diese Zahlenspiele längst aus der anderen Richtung, um die Situation dramatisch erscheinen zu lassen. Als Corona-Toter zählt seit einiger Zeit jeder, der in den vier Wochen vor dem Tod ein positives Testresultat produzierte. Selbst dann, wenn er, wie bei einem Steirer geschehen, einen Unfalltod erlitt.

Freilich bleibt zu hoffen, dass schwere Nebenwirkungen eine absolute Seltenheit bleiben. Aber: Es sind immer Menschen, die es betrifft – und Familien, die darunter leiden müssen. Und diese haben absolut nichts an Entschädigung zu erwarten. Nachdem die EU bereits für die Hersteller die Haftung auf ein Minimum beschränkte, schmetterte auch Türkis-Grün einen Antrag zur Übernahme von Impfschäden durch die öffentliche Hand im Parlament ab.

„Historischer Tag“ dank Staatsfunk unvergesslich…?

Aber das ist Zukunftsmusik, zurück zur Jetztzeit. In knapp zehn Monaten erzählte Anschober etwa 90 mal und Kurz über 50 Mal der Bevölkerung in einer Pressekonferenz etwas vom Pferd. Also dürfen an diesem „historischen Tag“ (O-Ton Kurz) beide nicht fehlen. Der Kanzler spricht von einem „Anfang vom Sieg über die Pandemie“, er habe das freilich immer gewusst. Dabei vergisst er nicht, dass er Globalisierungsfan ist: „Ohne die global vernetzte Forschung wäre dieser Tag nicht möglich“.

Bei so viel Selbstherrlichkeit würde man annehmen, kritische Medien würden die Handelnden in der Luft zerreißen. Aber Fehlanzeige: Der ORF bettete das Schauspiel in eine mehr als zweistündige „ZiB Spezial“ ein. Da ist bis zum Überlebenden eines schweren Verlaufs und seiner Geschichte alles dabei. Natürlich ohne die Einordnung, dass auch dieser trotz seiner Immunität sich im Jänner wird freitesten müssen. Und falls es je Nachteile für Ungeimpfte geben soll, wird auch er impfen müssen.

Maßnahmenkritiker als willkommene Sündenböcke

Ein besonders unfassbarer Teil der ORF-Propaganda-Show war dabei der Auftritt von Birgit Schwarz. Die Berlin-Korrespondentin fiel im November negativ auf, als sie nach dem islamistischen Wien-Terror davon faselte, dass man sich in Deutschland mit der öffentlichen Reaktion zurückgehalten habe, weil man abwarten wollte, ob es sich um einen rechtsextremen Anschlag handle. Dass alles, was ihr nicht gefällt, etwas mit dem rechten Rand zu tun haben muss, ließ sie auch diesmal durchklingen.

Sie behauptete, dass maßnahmenkritische „Querdenken“-Demos angeblich „aggressiv“ waren und „von Rechtsextremen begleitet“ würden. Dabei würden auch „Impfgegner mitlaufen“, die Demos seien auch für Virustote verantwortlich – ein Vorwurf, für den jeder Beleg fehlt. Die Impfbereitschaft von zwei Drittel der deutschen Bevölkerung hält sie für überwältigend – das übrige Drittel ist nur ein „kleiner Teil Skeptiker“ und ein „sehr kleiner Teil, der sich sicher nicht impfen will“.

Schamloser Zynismus im Hause Wolf

Wie man beim Zwangsgebühren-Rundfunk über Maßnahmenkritiker denkt, führte auch ZiB2-Anchor Armin Wolf auf Twitter aus. Er ist nämlich der Ansicht, dass Demoteilnehmer eidesstattlich ihr Anrecht auf ein Spitalsbett aufgeben sollen. Was erlauben sich diese Menschen, dass sie von ihren Grundrechten Gebrauch machen?

Schnell hat also auch die angebliche Unantastbarkeit der Menschenwürde ihre Grenzen, solange es „die Richtigen“ trifft. Schon seine Ehefrau, Chefredakteurin einer Frauenzeitschrift, schockierte damit, dass sie Donald Trump bei dessen Corona-Infektion „ein bissl Röcheln“ wünschte. Man hat im Hause Wolf also ein ziemlich deutliches Bild von Gut und Böse.

Pseudo-religiöse Lubhudelei für die Impfung

Wer glaubt, nur öffentlich-rechtliche Medien fielen mit unkritischer Berichterstattung und jenseitigen Einordnungen auf, irrt. Das ganze bekommt beinahe religiöse Züge. Es ist die Rede von einem „Piks der Hoffnung“ (sic), von einem „Moment der Hoffnung“, von „Hoffnung in der Pandemie“. Sogar der Papst höchstpersönlich schließt sich dieser Erwartungshaltung an und sprach von einem „Licht der Hoffnung“. Diese frohe Botschaft wurde natürlich unkritisch durch den Blätterwald getragen.

Eine Journalistin der Bild schoss aber den Vogel ab. Sie bezeichnete die Impfung wegen der Entwicklung bei der Firma eines türkischstämmigen Arztes in Mainz gar als „deutsche Mondlandung“. Den Entwickler Uğur Şahin und seine Frau Özlem Türeci zeichnete sie in derart hagiographischen Zügen nach, dass man sie für die Wiedergeburt von Jesus und Maria persönlich halten könnte. Walther von der Vogelweide wäre über so viel poetische Minne wohl mehr als neidisch.

Hastig entwickelte Impfung als gutes Geschäft

Dass sich Entscheidungsträger in der Impfung einen Heilsbringer erträumen, mit dem sie aus der Sackgasse ständiger Lockdowns kommen, ist eine Sache. Auch, dass Bürger sich weniger aus Überzeugung denn aus Hoffnung, dass die ständigen Einschränkungen des Alltags ein Ende haben und ihre Arbeitsplätze sicher sind, dasselbe wünschen, ist menschlich begreiflich. Und trotzdem sollte man Vorsicht walten lassen. Auch Contergan galt einst als Wundermittel, ehe sich herausstellte, dass es für Fehlbildungen bei Neugeborenen verantwortlich war.

Besonders nachdenklich machte ein Twitter-Thread von CDU-Politiker Peter Tauber, der den Vergleich mit der Impfung gegen Kinderlähmung aufzog. Der kleine, aber feine Unterschied: An dieser forschte man über 20 Jahre lang und begnügte sich nicht mit hastigen Feldstudien. Auch wurden die Entwickler nicht damit reich, sondern stellten den Impfstoff der Menschheit kostenlos zur Verfügung. Gerade, dass Pharmariesen mit Milliardenbeträgen von der Angst profitieren, kann Zweifel begründen. Auch mögliche Langzeitfolgen einer neuartigen Impfung sind noch nicht abschätzbar.

Impf-Entscheidung reiflich überlegen

Ob die Impfung am Ende zur Normalität verhilft oder nur ein teurer Schuss in den volkswirtschaftlichen Ofen und Raubbau an unser aller Gesundheit ist, kann ich Ihnen heute nicht prophezeien. Aber ich werde nicht der erste in der Schlange sein, wenn auch jüngere Menschen impfen dürfen. Und ich rate auch Ihnen, werter Leser, dass Sie sich die Entscheidung reiflich überlegen. Wägen Sie ab, lesen Sie unterschiedliche Fachmeinungen, erinnern Sie sich, dass erst Widerspruch eine Debatte belebt.

Lassen Sie sich nicht dadurch zur Impfung zwingen, weil Ihnen die Politik einredet, irgendwann könnten sie dann vielleicht nicht mehr ins Kino oder ins Kaffeehaus. Eine solche Regelung hielte nämlich vor dem Verfassungsgerichtshof sowieso nicht. Ob Sie hingehen wollen oder nicht – das sollte immer Ihre freie Entscheidung bleiben dürfen. Und wenn Sie Zwänge – direkt oder über die Hintertür – an dunkle Zeiten erinnern, dann haben Sie jedes Recht Ihre Stimme dagegen zu erheben.

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