Bundeswehrverband

„Sanierungsbedarf der Streitkräfte ist brutal“

Nach Einschätzungen des Deutschen Bundeswehrverbandes ist maximal die Hälfte aller Waffensysteme der Bundeswehr einsatzbereit. Die neuesten Berechnungen des Verteidigungsministeriums hierzu seien „abstrus“.

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<p>Symbolbild Bundeswehr: By ©Bundeswehr/S.Wilke (originally posted to Flickr as Panzergrenadiere) [<a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0">CC BY 2.0 </a>], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundeswehr_Panzergrenadiere.jpg">via Wikimedia Commons</a> [Bild zugeschnitten]</p>

Symbolbild Bundeswehr: By ©Bundeswehr/S.Wilke (originally posted to Flickr as Panzergrenadiere) [CC BY 2.0 ], via Wikimedia Commons [Bild zugeschnitten]

Berlin. – Nachdem es in einem Bericht des Bundesverteidigungsministeriums Anfang Dezember hieß, dass durchschnittlich 74 Prozent der Hauptwaffensysteme einsatzbereit seien, hat sich jetzt der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes, Oberstleutnant André Wüstner, zu Wort gemeldet. In einem Interview mit der Welt kritisierte er das Ergebnis des Verteidigungsministeriums, welches auf „abstrusen Berechnungsmodellen“ beruhe. Mit der täglichen Lebenswirklichkeit in der Truppe habe dieses nicht ansatzweise etwas zu tun.

Verbands-Chef Wüstner: „Lage ist prekär“

„Solche Meldungen irritieren die Truppe und zeichnen in der Gesellschaft ein falsches Bild“, sagte Wüstner dazu weiter. „Ob in einer Einsatzflottille der Marine, einer Division des Heeres oder einem Luftwaffengeschwader: Überall verwalten die Frauen und Männer noch immer den Mangel, allen vor vielen Jahren politisch ausgerufenen Trendwenden zum Trotz.“ Der Sanierungsbedarf der Streitkräfte sei eben nach wie vor „brutal“, schlussfolgert Wüstner. Seinen Einschätzungen zufolge sind höchstens 50 Prozent aller Waffensysteme der Bundeswehr verwendungsfähig. Bei einigen Systemen wie Hubschraubern oder alten Tornados sei es noch schlimmer, da wäre die Lage prekär.

Enthüllungen über die ÖVP

Für die Soldanten würde die schlechte Einsatzbereitschaftslage vor allem Frust bedeuten, warnte der Oberstleutnant. Und weiter: „Wenn die Kameraden dann noch von 74 Prozent Klarstand der Waffensysteme lesen, sorgt das in Teilen für Verdrossenheit oder zumindest für einen Verlust an Glaubwürdigkeit von Politik.“

Warnung, weiter an der Landesverteidigung zu sparen

Der Verbandschef warnte zudem davor, auch angesichts der Kosten der Corona-Pandemie, an der Sicherheit zu sparen: Innere und äußere Sicherheit seien Kernaufgabe staatlichen Handelns. „Schauen Sie sich doch um in der Welt – Sie werden keine Himmelsrichtung ohne sicherheitspolitisches Risiko für Deutschland und Europa finden“, so Wüstner.

Deshalb sei es richtig, dass ein Bündnis wie die Nato wieder mehr in Verteidigungsfähigkeit und Abschreckung investiere. „Und deshalb muss Deutschland als wirtschaftlich stärkstes Land in Europa seine Zusagen einhalten, sich aber gleichzeitig auch im eigenen Land, Stichwort Cyber-Attacken oder Terrorismus, besser als bisher aufstellen.“

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