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Die Wissenschaft

Gibt es sie?

Gerade in der Corona-Krise berufen sich Politiker auf die Wissenschaft. Doch damit wollen die Regierenden oft nur ihre umstrittenen Entscheidungen als alternativlose Maßnahmen verkaufen.

Géza Ákos Molnár
9 Minuten
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Symbolbild (CC0).

Kommentar von Géza Ákos Molnár

I. Wie beim Klima, so bei Corona.

Merkel, Kurz, Spahn, Anschober und wie sie alle heißen: Sie sind sich ihrer Sache gewiss. Sie berufen sich unisono und mantraartig auf die Wissenschaft und auf die – natürlich unentwegt gegenderten – Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Die Wissenschaft verpflichtet. Die Wissenschaft fordert. Es gibt nur eine Wahrheit, die auf der einen Erkenntnis der einen Wissenschaft beruht.

Alternativen, die manch einer postuliert, mögen alles mögliche sein, wissenschaftlich begründbar sind sie von vornherein nicht.

Das steckt hinter den Postulaten unserer Regierungen heute. Der rhetorischer Trick dabei ist simpel.

Wissenschaft konnotieren die meisten Menschen mit Autorität, mit sachlich nicht hinterfragbarer Autorität. Wissen ist Macht. Wissenschaftliches Wissen bedeutet noch viel mehr Macht.

Freilich: Die meisten Menschen wissen nicht, was Wissenschaft ist, was Wissenschaftler wirklich wissen und dass sie vor allem – logischerweise – vieles nicht wissen.

Das nämlich verschweigen unsere Merkel und unser Kurz geflissentllich. Dann wäre ja der Trick auch kein Trick mehr. Und alles wäre viel mühsamer. Und wo blieben dann die Devotion und der Gehorsam der Bürger?

Weil die meisten Menschen Wissenschaft als allerhöchste Autorität ansehen, suggerieren unsere Merkels und Kurzens mit ihrer ständigen Berufung auf die Wissenschaft zweierlei – und das funktioniert!

1. Wir Regenten haben Recht. Wer gegen unsere Entscheidung ist, handelt gemeingefährlich, weil er die zweifellos unfehlbaren Erkenntnisse der Wissenschaft frech negiert und damit das Heil der Menschen angesichts von Hitze und Virus sabotiert.

2. Sie suggerieren: Es gibt keine Alternative. Wir müssen so und so handeln. Zählen Sie einmal mit, wie oft unsere Regierungen sagen: „Wir müssen!“

Ergebnisse der Suggestion:

a. Wer dagegen ist, setzt sich ins Unwissen und ins Unrecht. Niemand will sich ins Unrecht setzen und sich als Unwissender darstellen. Scham sticht Widerspruch. Schweigen sticht Widerstand.

b. In Alternativen zu denken ist unwissenschaftlich. Das kommt daher gar nicht erst in Frage. Einbahn sticht Gegenverkehr. Diversity im Denken? Pfui Teufel!

Konsequenz: Klima und Corona – alle diesbezüglichen Entscheidungen, Gesetze und Verordnungen sind wissenschaftlich begründet und daher alleinseligmachend, alleinheilend, alleinrettend.

II. Ich stelle dagegen:

1. Wissenschaftler sind demütig.

Ich habe schon einige Wissenschafter näher kennengelernt, mit ein paar wenigen verbindet mich Freundschaft. Was mich bei ihnen immer tief beeindruckt hat, ist ihre Demut.

Sie hat mich immer gewundert. War ich doch demütig vor ihnen, wussten sie doch so unglaublich viel, dass ich aus dem Staunen nicht herauskam.

Was ist das Geheimnis hinter ihrer Demut?

Der Wissenschaftler weiß sehr, sehr viel. Je mehr er aber weiß, desto mehr Fragen stellt er. Und desto mehr erkennt er, dass er so vieles nicht weiß.

„Wir wissen das nicht“ oder „Was wir noch nicht wissen“ oder „Was wir uns nicht erklären können“ gehört zu den Standardsätzen eines jeden tiefgehenden Gesprächs.

Wer Denken und Fühlen von Wissenschaftlern aus der Nähe beobachten will, der lese dieses Buch: Werner Heisenberg, Der Teil und das Ganze. Gespräche im Umkreis der Atomphysik. Heisenberg lehrt uns staunen.

2. Wissenschafter wissen: Irren ist menschlich.

Irren ist auch im Denken, Forschen, Interpretieren von Experimenten und so weiter möglich, ja: Man muss mit dem Irren sogar rechnen.

Jürgen Habermas hat den Begriff „erkenntnisleitendes Interesse“ geprägt. Das ist verkürzt gesagt der vom Wissenschaftler gewählte Blickwinkel, unter dem er – dann mit der dem Blickwinkel entsprechenden Methodik – den Gegenstand seiner Forschung untersucht.

Die Unschärfe, der blinde Fleck – ja, Fehler, Mängel, Irrtümer sind in der Wissenschaft selbstverständlich nie ausgeschlossen.

Und wenn es nur daran liegt, eine bestimmte relevante Frage nicht gestellt zu haben, die Antwort auf sie also gar nicht auftauchen kann. Da entsteht dann ein unfertiges Bild des Gegenstandes der Forschung. Solange man sich der Unfertigkeit bewusst ist, ist noch alles gut.

Ist man sich dessen nicht bewusst – oder ist das jemand schlicht egal, dann kann das ganz fatale, womöglich letale Folgen für Menschen, Gesellschaften, Staaten haben.

Was, wenn wir nicht gefragt haben, was die Änderung der Erdachse für das Weltklima bedeutet? Oder die Aktivitäten der Sonne?

Was, wenn wir nicht gefragt haben, ob jemand an einem Virus oder lediglich mit ihm im Körper verstorben ist?

Was, wenn wir aus ideologischen Gründen bestimmte Fragen gar nicht mehr stellen dürfen, zum Beispiel in der naturwissenschaftlichen Disziplin der Anthropologie?

Damit Irrtum und Irrweg menschenmöglichst ausgeschlossen werden, falsifizieren und verifizieren seriöse Wissenschaftler allerselbstverständlichst alles, was sie entdecken und erkennen oder eben zu erkennen meinen.

Und sie stellen ihre Zwischenerkenntnisse vor und geben sie zur Disputatio frei. Das ist seriös und jeder Disziplin eigen.

Darum gibt es die feine Unterscheidung von zum Beispiel Hypothese, These, Theorie.

Der Weg zur tatsächlichen und unumstrittenen Erkenntnis, zum tatsächlichen Wissen ist ein langer und steiniger. Die Evolution ist nach 150 Jahren noch immer die Evolutionstheorie.

Ganz nebenbei: Bis tatsächliches Wissen in unseren Sprachgebrauch einfließt, dauert es noch einmal viel, viel länger. Die Sonne geht noch immer auf, und sie geht noch immer unter – sagen wir noch immer, weil wir es halt so sehen. Es ist aber nicht alles wahr, was wir sehen – nicht einmal beim Fernsehen.

3. Wissenschaftler sind Menschen wie Du und ich.

Sie sind mehr oder weniger eitel und neidig, karriere- und geldmotiviert und haben neben ihren intellektuellen Qualitäten das charakterliche Risiko zu tragen. Wie wir alle.

Oder sie sind existentiell von ihrer Forschungsarbeit abhängig von dem, der sie bezahlt. Manchmal zahlt sie die Regierung. Oder der nächstbeste Multimilliardär um die Ecke. Oder dessen NGO.

Neben dem Habermas’schen „erkenntnisleitenden Interesse“ gibt es das Molnár’sche (so viel Eitelkeit will jetzt sein) „erkenntnisleitende Motiv.“

Das Weltenklima zu lenken oder das global präsente Virus zu managen, in den höchsten Gremien der UNO oder im Kleinen im Think Tank eines österreichischen oder deutschen Bundeskanzlers berufen zu sein, das kann schon motivieren, auch erkenntnisleitend motivieren. Ein Wissenschaftler ist ein Mensch. Und ein Mensch ist ein Mensch.

Ein im Vergleich eher noch zu belächelndes, wenn dennoch auch erschreckend bezeichnendes Beispiel für die leichte Lenkbarkeit von Wissenschaftlern durch politische Motive ist folgendes:

Die Universitäten in Österreich haben sich darauf geeinigt, Diplomarbeiten und Dissertationen minder zu werten und zu benoten, wenn sie nicht durchgehend gegendert sind.

Wenn der angehende Mag.iur. also nicht „Steuerhinterzieherinnen und Steuerhinterzieher“ schreibt, kann das den Abschluss seiner Studien gefährden.

Und ob Du da ein erkenntnisleitendes Motiv kriegst! Das geht sehr schnell.

Und ob Du da das Staatsgrundgesetz aus 1867 einmal ganz schnell vergisst, nur um Deines Fortkommens willen: „Die Wissenschaft und ihre Lehre ist frei.“

1867 ist auch schon lange her. Da hat ein alter weißer Mann patriarchalisch regiert.

Welche Auswirkungen auf das Forschungsergebnis haben wohl gesellschaftspolitischer Druck, politische Wünsche = Befehle? Welche Auswirkungen haben beeindruckende Verlockungen welcher Art immer?

Johann Wolfgang von Goethe war auch mit den Wissenschaftlern wohl vertraut. Mit ihrer ganz und gar menschlichen Natur hat er auch so seine Erfahrungen gemacht. Ich zitiere ihn:

„Ich habe die Erbärmlichkeit der Menschen und wie wenig es ihnen um wahrhaft große Zwecke zu tun ist, nie so kennengelernt, wenn ich mich nicht durch meine naturwissenschaftlichen Bestrebungen an ihnen versucht hätte.

Da aber sah ich, dass den Menschen die Wissenschaft nur etwas ist, insofern sie davon leben, und dass sie sogar den Irrtum vergöttern, wenn sie davon ihre Existenz haben.“- Goethe 1825, zitiert nach Eckermann.

Wenn ich Greta T. und Angela M., wenn ich Sebastian K. und Rudolf A., wenn ich den UNO-Chef und die EU-Chefin „die Wissenschaft“ sagen höre, denke ich immer an Goethe.

Auch wenn ich von Berufungen auf IPCC und Charité, auf PiK und RKI höre, dann kommt mir Goethe in den Sinn.

III. Meine These zur Diskussion gestellt

Die Wissenschaft gibt es nicht! Wer sich andauernd auf „die Wissenschaft“ beruft und sich andauernd hinter ihr verschanzt, wendet sich gegen die Aufklärung. Der macht einen riesengroßen Schritt zurück in die Zeiten vor der Aufklärung.

Damals waren unfehlbare Dogmen und deren Ableitungen erkenntnisleitendes Interesse, und alleinseligmachende Herrscher vom Vatikan abwärts boten das erkenntnisleitende Motiv aller Forschung und Lehre.

Wer gesagt hat „Und sie dreht sich doch“ hat es nicht lange gesagt. Der Scheiterhaufen war ihm sicher, es sei denn, er widerrief.

Leben wir heute wieder in solchen Zeiten? Ich sage JA, leider.

An die Stelle der papistischen Inquisition ist heute die der – ich umschreibe es jetzt ganz grob – der neomarxistischen, feministischen political correctness in allen ihren Verästelungen getreten.

Was gedacht, gesagt, gefragt, gelehrt werden soll, ist vorgegeben – und was nicht, ist bei hoher Gefährdung der gesellschaftlichen, medialen, politischen, geschäftlichen oder forschenden Existenz striktest untersagt.

Wie es dem geht, der in Fragen des Klimas, der natürlichen Geschlechter von Mensch und Tier, oder in Fragen der Anthropologie und der Virologie (sogar die Virologie kriegt ein erkenntnisleitendes Motiv umgehängt!) sein „und sie dreht sich doch“ äußert, dem drohen Sanktionen ohne Ende bis zum Ende.

IV. Conclusio

Liebe Leser, lassen Sie sich nicht beeindrucken, wenn sich Politiker auf „die Wissenschaft“ berufen.

Sie wollen damit nur ihre autoritären Maßnahmen als kluge und, mit dem berühmten „wir müssen“ verbunden, als alternativlose Wohltaten verkaufen und durchsetzen.

Liebe Leser, lassen Sie sich nicht irritieren, wenn sie Sie als dumm, intellektuell minderbemittelt, als Sektierer oder Verschwörungstheoretiker oder was immer sonst diffamieren und diskreditieren, nur weil sie einer anderen als der verordneten Erkenntnis eher vertrauen und ihr anhängen.

Sie wollen damit die vielen Zweifler an der alleinseligmachenden Lehre einschüchtern und dazu anhalten, lieber zu schweigen.

Widersteht unseren Regierungen, sobald sie zu Regimen werden, indem sie in totalitärer Manier unter grobem Missbrauchs des Wortes „Wissenschaft“ zweifelhafte Erkenntnisse in zweifellos freiheitsberaubende Diktate umwandeln.

Bleibt misstrauisch: Solange uns Regierungen und ihre Medien (also bei uns eh fast alle) die Wissenschaft als einen einzigen, einstimmigen Chor mit ihrer ewiggleichen einzigen Melodie darstellen, dann ist das nur Propaganda. Da meistens penetrant vorgetragen, glücklicherweise oft leicht zu entlarven.

Bleibt misstrauisch: Solange sie uns keine seriösen Debatten unterschiedlicher wissenschaftlicher Positionen zeigen, mittels derer wir uns unser eigenes Bild von einem Thema machen können, stimmt etwas nicht.

Wenn öffentliche Disputationes und Diskussionen fehlen, dann haben wir es weder mit seriöser Wissenschaft noch mit seriöser Poltik zu tun. Und auch nicht mit seriösen Medien.

Auf den tagesaktuellen Punkt gebracht: Merkel und Kurz und ihre ARD/ZDF und ORF bevorzugen die Manipulation und das Diktat.

Wissen dagegen ist Macht. Macht mit!

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