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„Das ist eine große Fehlleistung des rechten Kulturbetriebs“

Volker Zierke hat im vergangenen Jahr sein Erstlingswerk „Enklave“ veröffentlicht. Im Tagesstimme-Interview spricht er über sein Buch, Einflüsse und die politische Empörungsindustrie.

Interviewvon Redaktion
8 Minuten Lesezeit
<p>Volker Zierke.  ©  Jungeuropa Verlag.</p>

Volker Zierke. © Jungeuropa Verlag.

Tagesstimme: Sehr geehrter Herr Zierke, bislang dürften Sie nur einer Minderheit des rechten Lagers ein Begriff gewesen sein. Nach verschiedenen Beiträgen für Projekte wie die Zeitschrift „Die Kehre“ oder dem Blog des „Jungeuropa-Verlags“ haben Sie vor knapp zwei Monaten ihr Erstlingswerk „Enklave“ beim Jungeuropa-Verlag veröffentlicht und dürften damit mittlerweile auch mehr Personen bekannt sein. Können Sie sich, bevor wir über das Buch sprechen, dennoch zum Beginn einmal unseren Lesern kurz vorstellen?

Volker Zierke: In aller Kürze: Ich bin 1992 geboren, erlebte Kindheit und Jugend im schönen Unterallgäu und war ab 2012 zwei Jahre Zeitsoldat bei der Bundeswehr und habe anschließend als Redakteur bei der Deutschen Militärzeitschrift in Schleswig-Holstein gearbeitet. Inzwischen lebe ich in Dresden und habe nebenher, sozusagen als Hobby, zum Schreiben von Prosa-Texten gefunden.

Tagesstimme: Wie sehr haben Sie Ihre eigenen Bundeswehr-Erfahrungen in das Buch einfließen lassen? Und wie war diese Zeit, wenn Sie heute zurückblicken?

Zierke: Was ich über die Bundeswehr denke, habe ich in einem Kapitel von „Enklave“ zusammengefasst, nämlich dem über die „Akademie“. Leider habe ich während meiner Dienstzeit zu viele Monate auf sinnlosen Lehrgängen, Schulen und Fakultäten verbracht, die mit Militär eigentlich wenig zu tun haben. Die Zeit in der Truppe war aber grandios – geprägt von Kameradschaft, Zusammenhalt und Tradition. Diese beiden Seiten, Licht und Schatten, sind beide in „Enklave“ eingeflossen, vieles darüber hinaus ist eher als „Wunsch“ formuliert, welche Erfahrung das Militär eigentlich bieten sollte. Wie das heute in der Bundeswehr ist, möchte ich mir gar nicht vorstellen.

„Enklave ist anders.“
Tagesstimme: Wie bereits erwähnt haben Sie in der jüngsten Vergangenheit für verschiedene Plattformen und Medien der „Mosaikrechten“ (Benedikt Kaiser) geschrieben. Ihre Beiträge fallen dabei aus dem üblichen Raster – Themen sind nicht Migration, Gender-Mainstreaming oder die konservative Revolution, sondern Black Metal und Wanderungen abseits der üblichen Wege. Wie kommt es zu so einer Themenauswahl abseits des „rechten Mainstreams“?

Zierke: Naja, es gibt ja schon genug Leute, die über Migration und Gender Mainstreaming schreiben, und die können das ja auch besser. Die akademische Aufschlüsselung solcher Themen ist mir nie sonderlich gut gelungen – jedenfalls war sie nie Herzensangelegenheit –, daher schreibe ich gerne über Themen, die meiner Meinung etwas unterrepräsentiert sind und die mir wichtig sind. Vielleicht kommt es auch daher, dass ich – schon immer übrigens – meine Texte aus dem Affekt schreibe. Vielleicht ist „Enklave“ deswegen auch so vergleichsweise kurz geraten. Da hat meine Wut nicht länger gehalten.

Tagesstimme: Literatur wird auf der Rechten eher stiefmütterlich behandelt. Gibt es Autoren oder Bücher, die Sie besonders geprägt haben?

Zierke: Ohne Zweifel: Christian Kracht, Hermann Hesse, Ernst Jünger, Hunter S. Thompson. Ich glaube, wenn man die mischt, kommt irgendwie „Enklave“ dabei heraus. Aber auch ansonsten ist das, was ich schreibe, letztendlich ein Spiegelbild meiner Erfahrungen und multimedialen Beschallung. Vielleicht schreibe ich mal einen in Ostsachsen spielenden Italo-Western.

Tagesstimme: Ihr Erstlingswerk ist vergleichbar unpolitisch, wenn man es etwa mit den bekannten Werken Raspails oder anderer gängiger rechter Autoren vergleicht. Auch Sie selbst haben in einem Blogbeitrag gemeint, „Enklave ist anders“. „Wenn ich die rechte Literatur der letzten Jahre über einen Kamm scheren müsste, so bliebe ich als desillusionierter, verbitterter und wütender Leser zurück“, haben sie in dem Beitrag weiter ausgeführt. Mittelpunkt Ihrer Novelle ist daher nicht eine weitere Variation des Untergangs des Abendlandes, sondern eine fiktive Militäreinheit und ihr „Kodex“. Woher stammt die Idee und der Entschluss zu dem Buch? Und warum braucht es solche Literatur von rechts, könnte der geneigte Leser nicht einfach zu den gängigen unpolitischen Verkaufsschlagern des Buchhandels greifen?

Zierke: Ich würde nicht sagen, dass „Enklave“ unpolitisch ist. Wäre ich ein Normalo bei Kiepenheuer & Witsch, würden „Welt“-Rezensenten von einem „hochpolitischen“ Werk sprechen. Ich glaube, das ist eine große Fehlleistung des rechten „Kulturbetriebs“, falls es sowas gibt; nämlich die eigenen Überzeugungen immer per Holzhammer an den Mann bringen zu wollen – ohne zweite Ebene, ohne Ironie, Augenzwinkern. Und ich glaube, dass sich um diese Einstellung herum eine Industrie gebildet hat, die hauptsächlich damit beschäftigt ist, diese Art von Produkt an den wütenden Bürger zu bringen. Dann braucht man sich aber auch nicht wundern, wenn im patriotischen Lager eine Art und Weise des politmedialen Konsums kultiviert wird, bei der sich lediglich in bester „Unfassbar!“-Manier über irgendetwas, was Merkel oder Söder gesagt haben, aufgeregt wird.

Ausgangspunkt war deswegen nicht die Politik, sondern erst einmal die Überlegung, ob ich es schaffen würde, ein halbwegs spannendes und literarisch „gutes“ Buch zu schreiben. Was da hinter der Fassade und in meinem Kopf dazu abläuft, ist ja erstmal zweitrangig und bleibt ja ohnehin dem mündigen Leser zur Interpretation überlassen. Von daher habe ich zu Beginn erst einmal angefangen zu „erzählen“ und all die Feinheiten und Hintergründe und das ganze Szenario, das in „Enklave“ beschrieben wird, kamen erst später hinzu.

Ich glaube, das ist deswegen wichtig, weil man sich sonst an tagespolitischen Themen abarbeitet, ohne Gegenangebote zu schaffen, seien sie nun kultureller oder politisch-weltanschaulicher Art. Dann bleibt es bei der aufmerksamkeitsheischende Empörungsliteratur, die jeden konstruktiven Ansatz, ja, jeden darüberhinausgehenden Gedanken verhindern.

Tagesstimme: In Ihrer Novelle geht es unter anderem um den Krieg als großes Abenteuer. Passt dieses Motiv heute überhaupt noch in unser „posthistorisches Zeitalter“?

Zierke: Mehr denn je. Erst das Fehlen des „Krieges“ macht das uns ja bemerkbar. Ich würde den „Krieg“ in dem Fall aber auch eher als Metapher sehen. Anders ausgedrückt sind ja heutige realexistierende militärische Konflikte eine langanhaltende, zermürbende und zutiefst sinnlose Sache. Vielmehr beschreibt „Enklave“ doch die Suche nach der „Aufgabe“ und dem Finden bzw. die Erfüllung dieses Wunsches an unerwarteten Orten. Das hat nichts mit einem mit Waffen auszufechtenden Krieg zu tun. Um mit dem überstrapazierten Tyler Durden zu sprechen: „We have no great war, or great depression. The great war is a spiritual war. The great depression is our lives.“ Und damit ist eigentlich schon zu viel gesagt.

Tagesstimme: Ihr Buch hätte rein für sich auch bei einem unpolitischen Verlag erscheinen können, stattdessen erschien es beim sonst vor allem für seine Übersetzungen bekannten Jungeuropa-Verlag. Wieso ein „unpolitisches“ Buch bei einem klar politischen Verlag?

Zierke: Da müsste man zuerst einmal darüber nachdenken, ob „Enklave“ den Ansprüchen elaborierter Verlage genügt hätte. Und wenn ja, in welcher Zeitspanne sich ein Lektor dazu bemüßigt gefühlt hätte, das Manuskript durchzulesen. Ich bin ja sehr ungeduldig.

Tagesstimme: „Enklave“ transportiert ja auch sehr männliche Werte, die in den westlichen Gesellschaften stetig erodieren. Kann es hier noch zu einer Revitalisierung kommen?

Zierke: Warum nicht? Bleibt nur die Frage, inwiefern das dann noch „westlich“ ist.

Tagesstimme: Sie haben auf dem Blog des Jungeuropa-Verlags mit dem Erscheinen von „Enklave“ eine Hoffnung verknüpft: „Vielleicht können sich nach Enklave mehr junge, mehr oder minder begabte Schriftsteller aufraffen und ihre Werke der Öffentlichkeit vorstellen. Vielleicht geben diese Autoren ihrer Generation die Bücher, die sie braucht.“ Nun sind die ersten Wochen ins Land geflossen und hunderte Patrioten haben ihr Buch gelesen. Wie waren die Rückmeldungen und gibt es erste Anzeichen für eine Erfüllung der Hoffnung?

Zierke: Also, ich hatte durchaus erwartet, dass die Rückmeldungen durchweg negativer wären. Einerseits ist der Spürsinn für Subtiles im eigenen Milieu weitestgehend verloren gegangen, andererseits denke ich schon, dass „Enklave“ trotz der Kürze etwas schwerer zu konsumieren, da nicht einfach zu verdauen ist. Vielleicht irre ich mich aber auch, denn die Rückmeldungen, die ich persönlich vermittelt bekam, waren alle durchweg positiv. Freilich gibt es aber den ein oder anderen, der sich gewünscht hätte, dass die Welt, das antiklimaktische Ende und die Hintergründe besser erklärt würden. Andererseits berichtete aber auch jemand auf dem Blog der „Blauen Narzisse“ ihm sei das Ganze zu offensichtlich. Soll heißen: Der Großteil der Rückmeldung war wohlwollend und das Buch hat sich recht gut verkauft.

Natürlich hoffe ich weiterhin auf junge Autoren, die jetzt nachziehen, allerdings lässt sich diesbezüglich wenig feststellen. Aber warten wir es ab, vielleicht sehen wir Zukunft bei „Jungeuropa“ oder anderswo noch mehr. Das Angebot, denke ich, steht weiterhin.

Tagesstimme: Die erste Auflage von „Enklave“ ist noch nicht ganz ausverkauft, dennoch wollen wir bereits den Blick in die Zukunft werfen. Was sind Ihre Wünsche für die rechte Literatur der nächsten Jahre und sind Ihrerseits bereits weitere Beiträge dazu geplant?

Zierke: Mehr frische Bücher, mehr frischer Wind wären ganz gut. Ich hoffe da vor allem auf kreative „Geschichtenerzähler“ und Künstler, die neue, eigene Ideen in gut geschriebene Texte, Comics, Videos und Filme einweben. Bedarf an Predigern habe ich erstmal nicht. Dass es in der Zukunft noch weitere Beiträge von mir gibt, würde ich nicht ausschließen, aber ich möchte nichts vollmundig ankündigen, was ich dann nicht halten kann. Nur eine Fortsetzung zu „Enklave“ wird’s erstmal wohl nicht.

Tagesstimme: Vielen Dank für das Gespräch!

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Über den Interviewpartner:

Volker Zierke, Jahrgang 1992, gehört zu einer Generation junger rechter Autoren. Mit seinem ersten Werk, der Novelle Enklave, schickt Zierke sich an, auch in der Literatur einen »jungen« Akzent zu setzen. Seit 2018 ist er als selbständiger Autor, Journalist und Politikberater in Dresden tätig. Mit Enklave legte Zierke sein Erstlingswerk vor und vermengt dort seine militärischen Erfahrungen mit Science-Fiction und jungeuropäischer Utopie.

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