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Antikörper-Medikamente kommen in Deutschland erstmals zum Einsatz

Um Lieferengpässe mit Impfstoffen zu überbrücken, lässt Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) neue Antikörper-Medikamente in Deutschland zu.

2 Minuten Lesezeit
<p>Symbolbild Labor (CC0)</p>

Symbolbild Labor (CC0)

Berlin. – Bereits nächste Wochen sollen zum ersten Mal in Deutschland Antikörper-Medikamente zur Behandlung von COVID-19-Erkrankungen eingesetzt werden. Grund dafür ist die schleppende Lieferung von Impfstoffen von BioNTech, Pfizer und AstraZeneca.

Spahn: „Wie passive Impfung“

200.00 Dosen der bisher in der EU noch nicht zugelassenen Medikamente hat die Bundesregierung für insgesamt 400 Millionen Euro gekauft. Dabei handelt es sich laut Bundesgesundheitsministerium um die Medikamente „Bamlanivimab“ des US-Pharmakonferns Eli Lilly und um „Casirivimab/Imdevimab“ des US-Pharmakonzerns Regeneron Pharmaceuticals. Beide Mittel erhielten in den USA eine Notfallzulassung. Aufgrund der bislang fehlenden Zulassung in Deutschland bzw. der EU sollen die Antikörper-Mittel nur in Universitätskliniken unter strenger Kontrolle eingesetzt werden.

„Sie wirken wie eine passive Impfung“, erklärte nun Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zu den Mitteln. Demnach könnten die Medikamente besonders bei der Behandlung von Risikopatienten helfen.

Experten reagieren unterschiedlich

Die Infektiologin Marylyn Addo warnte jedoch vor zu hohen Erwartungen: „Die Daten sind vielversprechend, aber momentan geht keiner in der Expertengemeinschaft davon aus, dass das nun das Medikament ist, dass den Schalter in der Pandemie umlegt.“ Das Arzneimittel könne ein weiterer Baustein sein zur Bekämpfung der Covid-Pandemie.

Der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Prof. Wolf-Dieter Ludwig, zeigte sich wiederum kritisch über den Kauf der Medikamente. Er ist der Ansicht, dass die Wirksamkeit bei der Corona-Behandlung noch nicht genügend durch Studien belegt sei. Der Kauf von 200.000 Dosen sei deshalb verfrüht. Der Einsatz sollte derzeit „unbedingt“ nur im Rahmen von klinischen Studien erfolgen, sagte Ludwig gegenüber „ZDFheute“.

Für Prof. Patrick Cramer vom Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie ist der Kauf des Medikaments dagegen „sinnvoll“. Dadurch schaffe man sich zusätzliche „Handlungsoptionen“, sagte er „ZDFheute“. Bei den bisherigen Tests an kleineren Personengruppe zeigten sich aus seiner Sicht „solide Trends, die auf die positive Wirkung der Antikörper hinweisen“.

Ein US-amerikanischen Forscherteam um den Bioinformatiker Jesse Bloom von der University of Washington in Seattle fand allerdings auch Hinweise darauf, dass die Antikörper-Medikamente den Selektionsdruck für das Virus erhöhen und so zu Mutationen führen können.

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