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Buchkritik

„Ein ganzerer Mann“ von Jack Donovan

Im Februar 2020 erschien im Verlag Antaios der abschließende Teil Jack Donovans Männlichkeits-Trilogie. Wie vermutlich wenige andere Autoren hat sich der durchaus streitbare US-Amerikaner Gedanken zur Männlichkeit in der modernen Welt und der Reflektion der eigenen Erfahrungen auf dem „Weg der Männer“ gemacht. Angesichts der fortschreitenden Dekonstruktion aller männlichen Werte ist es daher umso interessanter, sich mit den Texten Donovans zu befassen.

Meinungvon Gastautor
3 Minuten Lesezeit
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Das Buch „Ein ganzerer Mann“ von Jack Donovan. Bild: Verlag Antaios.

Eine Leserrezension

Wer schon immer wissen wollte, was Nietzsche angesichts der heutigen „Clownwelt“ (wie ein populäres Internet-Meme die heutigen Zustände treffend beschreibt) gesagt hätte, wird wohl bei Jack Donovan zumindest eine Ahnung davon bekommen, denn die Beeinflussung des Amerikaners durch den Deutschen zieht sich von den Titeln bis zur letzten Seite wie ein roter Faden durch die Trilogie. Zwar reicht er weder sprachlich noch inhaltlich an das „Dynamit“ Nietzsche heran, doch für moderne „Schneeflocken“ und „Safe space“-Bewohner dürfte der Sportler und Autor dennoch genug Sprengkraft beinhalten.

Männer-Trilogie

Die beiden Vorgängerwerke „Der Weg der Männer“ (Antaios, 2016) und „Nur Barbaren können sich verteidigen“ (Antaios, 2017) muss man zum Verständnis des letzten Teiles nicht gelesen haben, die Lektüre empfiehlt sich aber für einen umfassenderen Einblick in Donovans Weltbild. In „Der Weg der Männer“ betrachtet Donovan die Krise der Männlichkeit in der modernen Welt und stellt die vier Tugenden Kraft, Tapferkeit, Kompetenz und Ehre auf. In „Nur Barbaren können sich verteidigen“ geht er schließlich auf sein – für viele Europäer in Teilen vermutliche eher befremdliches – tribalistisches Weltbild ein, dass sich gerade nicht an Volk, Nation und Staat, sondern am Männerbund (oder wie er, „typisch US-amerikanisch“, formuliert: die „Gang“) orientiert.

„Ich bin ein Mann, und das ist gut so“

In „Ein ganzerer Mann“ widmet er sich abschließend dem, was aus seiner Sicht der Einzelne braucht, um ein ganzer Mann zu werden. Donovan rezeptiert dabei aber nicht einfach nur einen blutleeren Traditionalismus, sondern kritisiert einen solchen sogar da, wo es ihm angebracht erscheint. Mittelpunkt ist dabei die von Nietzsche entlehnte Unterscheidung zwischen Herren- und Sklavenmoral und dessen Konzeption von Vornehmheit. Diese sieht er im Widerspruch mit dem „Imperium des Nichts“, wie Donovan unsere heutige Welt nennt. Sein Fazit des Weges zum ganzen Mann gegen das Imperium des Nichts: „Ich bin ein Mann, und das ist gut, denn ich liebe mich selbst und mein Leben und mein Schicksal, und ich will um meiner selbst willen mehr von dem werden, was ich bin.“

Viele Punkten werden für entsprechend vorgebildete oder einfach in ihrer Identität gefestigte Leser nicht völlig neu sein, dennoch dürfte sich auch für jene die Lektüre lohnen. Zum einen bietet sie einen teils neuen Blick, zum anderen ist eine breitere theoretische Unterbauung im Diskurs gegen „toxische Männlichkeit“ und andere zersetzende Dekonstruktionen der Moderne stets hilfreich. „Ein ganzer Mann“ ist somit sowohl für solche Leser etwas, die bereits einer sind, als auch für jene, die es noch perfektionieren wollen.

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