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Patriotische Comicmacher als Zankapfel

In der Szene ist der Teufel los

Als die Macher von „Hydra Comics“ aus Dresden ihren nonkonformen Comicverlag gründeten, taten sie das auch mit der Absicht, die einschlägige Szene etwas aufzumischen, einen frischen Wind einzubringen. Am Ende war alles, was sie offenbar dafür tun mussten, sich zu gründen und ein erstes Comicheft herauszubringen. Denn schon gehen sich die Szenegrößen an die Gurgel.

3 Minuten Lesezeit
<p> © Hydra Comics.</p>

© Hydra Comics.

Dresden. – Vor wenigen Wochen versuchte „Hydra Comics“-Gründer Michael Schäfer sich im Interview mit der Tagesstimme in einer Standortbestimmung. Er stellte fest: „Wie derzeit in allen Kulturbereichen gibt es auch in der Comicszene den Versuch, Ideologie über Kunst zu stellen […]  Zu viele lassen sich das gefallen, weil sie einfach keinen Ärger haben wollen oder Angst um ihre wirtschaftliche Existenz haben“. Selber erlaube man sich hingegen „den Luxus, anzuecken“. Es waren fast prophetische Worte.

Prolog: Ideologie über Kunst stellen

Denn nun ist der Teufel los. Grund dafür ist, dass die Comixene – 1974 begründetes, seitdem dreimal eingestelltes und ebenso oft wiederbelebtes Urgestein unter den Fachmagazinen – einen kurzen Artikel verfasste, in dem in neutralen Worten aus der Pressemitteilung von „Hydra Comics“ zitiert wurde, dass es die Jungs aus Sachsen gibt. Keine Vorschusslorbeeren, keine wohlwollende Rezension, keine Gemeinmachung – aber eben auch keine kritische Einordnung: einfach nur ein sachlicher Bericht.

Teile der Comicszene verlieren aus diesem Grund nun aber vollends die Fassung. Den Anfang machte der Betreiber des Szeneblogs Bizarro World, der immer wieder Gastbeiträge für Comixene anlieferte. Die neutrale Vorstellung der patriotischen Kollegen war ihm aber zu viel: Das sei ein Beitrag, der „weder mit [s]einen moralischen noch ethischen Prinzipien vereinbar“ sei. Er hätte niemals in einem Medium Platz finden dürfen, an dem er partizipiert. Dem Magazin stehe er deshalb als Autor nicht länger zur Verfügung.

Zweiter Akt: Lieber nicht anecken …

Das war aber nur die Spitze des Eisberges, denn kurz darauf begann es auch bei Comixene selbst gehörig zu brodeln. Ein Social-Media-Betreuer des Magazins nutzte den offiziellen Twitter-Account, um seine Mitarbeit aufzukündigen. Besonders skurril: Diesen Schritt begründete er mit der Notwendigkeit zur Toleranz.

Dritter Akt: Bedrohung wirtschaftlicher Existenz

Aber selbst dort hörte die Kernschmelze innerhalb der etablierten Teile der Comicszene nicht auf. Denn der große Splitter-Verlag, eigentlich für hochwertig herausgegebene Comicbände und Graphic Novels bekannt, entschied sich nun offenbar, wirtschaftlichen Druck auf die in der Szene beliebte, aber regelmäßig finanziell klamme Comixene auszuüben. Man drohte offen mit dem Entzug der lukrativen Werbeschaltungen.

Epilog: Magazin fügt sich artig dem Diktat

Nachdem Leser, Mitarbeiter und Werbepartner reihum nach einer Distanzierung gerufen hatten, folgte diese am späten Mittwochabend. Beschwichtigend erklärte man – wohl auch um Schadensbegrenzung bemüht, dass man „diesen Veröffentlichungen kein Forum bieten“ wolle.

Daher suche man nun für die Folgeausgabe einen Autor, der einen Hintergrundbericht zu „Hydra Comics“ verfasse – alternativ sei dies Chefsache. Die Kritiker überzeugt das nicht, in den Kommentaren geht der Shitstorm nämlich weiter.

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