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Umfrage bestätigt

Meinungskorridore in Österreich immer enger

Um die freie Meinungsäußerung in Österreich ist es schlecht bestellt: Zu diesem Schluss kann man zumindest aufgrund der Gemütslage der heimischen Bevölkerung kommen. Denn inzwischen glaubt jeder Zweite, dass er sich ein Blatt vor den Mund nehmen muss.

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<p>Symbolbild: Pixabay</p>

Symbolbild: Pixabay

Linz. – Dabei zeichnet sich auch heraus: Wer mit dem Zeitgeist geht und sich eher links verortet, spricht häufig freier – während sich Dissidenten gerade rechts der Mitte in der Öffentlichkeit häufiger mit ihrer Meinung hinter dem Berg halten. Demgegenüber halten sich gerade Linke einerseits für besonders tolerant, was andere Meinungen betrifft – und sind dann doch schockiert, wenn sie im eigenen Umfeld auftreten. Mit politischer Korrektheit haben die Österreicher hingegen auch ein Problem.

Äußerung am ehesten bei gleichgesinntem Umfeld

Die Feststellungen der detaillierten, repräsentativen Umfrage von „Market“ im Auftrag des Standard mit 803 Teilnehmern im wahlberechtigten Alter sind ebenso breit wie interessant. Ganze 86 Prozent hielten sich für tolerant gegenüber anderen Meinungen und 78 Prozent sahen im Bekanntenkreis auch die eigenen Meinungen respektiert. Dies hat aber auch damit zu tun, dass 64 Prozent angaben, sich in einem politisch homogenen Umfeld zu bewegen – am höchsten war dieser Wert erwartungsgemäß bei Grün- und ÖVP-Wählern.

Die relativ Geschlossenheit der Meinungsblasen dürfte allerdings auch erklären, weshalb 57 Prozent aller Befragten ein Problem mit Vorschriften hat, was man noch sagen darf und wie man sich zu verhalten habe. Dies führt zur sonderbaren Situation, dass zwar mehr als die Hälfte (52 Prozent) der Österreicher glaubt, die meisten Landsleute denken ähnlich wie sie – sich aber trotzdem häufig nicht traut zu sagen, wie sie wirklich – gerade zu Reizthemen – denken (53 Prozent).

Politisch korrekter Druck, klare linksliberale Hegemonie

Aus welcher Richtung der Konformitätsdruck kommt, ist auch klar: Während die Hälfte sich davor fürchtet, wegen seiner Meinungen fälschlich ins „rechte Eck“ gestellt zu werden, sorgt sich nur jeder Dritte vor dem „linken Eck“. Dabei zeichnet sich wohl auch eine Verschiebung des Diskurses ohnehin nach links ab. Denn jeder Zweite hält die „political correctness“ für übertrieben, die Mehrheit lehnt sogenannte „gendergerechte Sprache“ ab. Nur Grünwähler finden diese Themen mehrheitlich unproblematisch.

Die Befürchtung, dass Österreicher einfach nur gerne am Stammtisch über „die Anderen“ herziehen wollen, bewahrheitet sich allerdings nicht. 55 Prozent bemühen sich aus Rücksicht auf Mitmenschen, auf Ethnophaulismen wie „Zigeuner“ oder „Neger“ zu verzichten. Dafür, dass diese zunehmend aus literarischen Werken verschwinden sollen, hat allerdings nur jeder vierte noch Verständnis.

Linke halten sich für tolerant – sind es aber oft nicht

Interessant ist die politische Streuung der jeweiligen Empfinden. Zwei Drittel der FPÖ-Wähler glauben an eine Verengung der Meinungskorridore, 80 Prozent der blauen Basis sorgt sich vor der Abkanzelung im „rechten Eck“. Dies dürfte auch damit zu tun haben, dass patriotisch denkende Bürger offenbar einen größeren Wert auf Meinungspluralismus im eigenen Umfeld legen – quasi ein Spiel mit dem Feuer und dem Wissen, die eigene Meinung könnte nicht geteilt werden.

Grüne hingegen halten sich wiederum häufig für tolerant, sind dann immerhin in zwei Drittel der Fälle schockiert über vermeintlich „extreme“ Meinungen im eigenen Umfeld schockiert. Sie sind es auch, die sich als einzige mehrheitlich mit politischer Korrektheit anfreunden können. Sie äußern sich auch am ehesten frei zu den eigenen Standpunkten – gemeinsam mit den NEOS-Wählers. Letztere gestehen sich indes, ähnlich wie ÖVP-Wähler, wiederum immerhin die eigene Intoleranz ein.

Städtische Bessergestellte erleben Meinungsklima günstiger

Spannend sind bei solchen Befragungen auch immer die Vergleichswerte innerhalb des Landes. Und tatsächlich: Je wirtschaftlich unabhängiger, städtischer und jünger ein heimischer Bürger ist, desto eher äußert er seine Meinung. Auch ein hoher formaler Bildungsgrad fördert demnach die Redefreudigkeit. Arbeiter und Landbevölkerung bemerkt die Veränderungen zwar oft und heißen sie nicht gut – äußern ihren Dissens aber auch seltener.

Es entsteht der Eindruck: Meinungsfreiheit ist der Luxus der Bessergestellten und der Gewinner des aktuellen Zeitgeists. Über 40 Prozent sind entsprechend der Ansicht das eine kleine Elite bestimmt, was gesagt werden darf. Was der Standard als „in Verschwörungstheoretiker-Kreisen gängige Theorie“ abqualifiziert, ist vermutlich vor allem ein Ausdruck des Gefühls, dass die Meinungsfreiheit von oben herab und auf Geheiß einer lauten Minderheit beschnitten wird.

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