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Britische Politikerin

„Nur internationaler Sozialismus kann Rassismus beenden!“

Mit einer umstrittenen Aussage machte die britische Zarah Sultana auf sich aufmerksam, die dem linken Parteiflügel der englischen Labour-Partei angehört. Sie ist der nämlich der Ansicht, dass der Kapitalismus eine Schuld an Rassismus hätte und erst internationaler Sozialismus diesen abschaffe.

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<p>Bild (Sultana 2019): Roger Harris via Wikimedia Commons [CC BY-SA 3.0] (Bild zugeschnitten)</p>

Bild (Sultana 2019): Roger Harris via Wikimedia Commons [CC BY-SA 3.0] (Bild zugeschnitten)

London. – Dass sich die Vertreterin der Parteilinken derart weit aus dem Fenster lehnt, ist wohl kein Wunder: Denn die 27-Jährige Muslima hat Wurzeln in Pakistan. Somit sieht sie sich qualifiziert, eine markante Position zum Thema eines angeblichen Rassismus einzunehmen. In einem Artikel für das vierteljährlich erscheinende linke „Tribune“-Magazin verband sie ihre beiden Steckenpferde und erklärte den Sozialismus zu einer vermeintlicher Lösung ethnischer Spannungen.

Rassismus „ein Merkmal“ des Kapitalismus

Anlässlich des „UN-Tages gegen Rassismus“ teilte Sultana ihren bereits im Jänner erschienenen Artikel in sozialen Medien. In jenem vertritt sie die Ansicht, dass Rassismus „kein Unfall, sondern ein Merkmal“ der aktuellen Gesellschaft sei. Denn sie hält ihn als „funktionalen Bestandteil des Haupttreibers unseres Wirtschaftssystem: Der Anhäufung von Kapital“.

Dies und nicht die Deckung menschlicher Bedürfnisse sei der Kern eines jeden kapitalistischen Systems. Daher, so Sultana, sei „Rassismus in seinen sozialen Beziehungen fest eingebettet“. Der Reichtum des einstigen britischen Empires fuße auf der „Ermordung, Zerstörung und Brutalisierung von Völkern rund um den Globus.“ Millionen wären gestorben und ganze Zivilisationen ausgelöscht.

Internationaler Sozialismus als Allheilmittel

Die Lösung dafür sieht Sultana in ihrer Interpretation der Schriften von Marx. Der Slogan ‚Arbeiter aller Welt, vereinigt Euch!‘ sei kein historisches Überbleibsel sondern ein Auftrag für die Jetztzeit. Ihrer Ansicht nach ruft diese Parole zu einem „internationalistischen Zugang zum Sozialismus, der Rassismus an seiner Wurzel bekämpft“ auf. Für diese hehre Vision lohne es sich zu streiten.

Diesen Standpunkt verteidigte sie bei ihrem Beitrag in sozialen Medien: „Rassismus ist ein Merkmal des Kapitalismus. Man benützt ihn im Inland, um unsere Gesellschaft zu spalten und im Ausland, um einen Imperialismus zu rechtfertigen. Gerade an diesem Tag müssen wir uns wieder dazu bekennen, eine Welt ohne Rassismus zu bauen, die den internationale Sozialismus bedeutet.“

Konservative kontern mit Verweis auf freien Markt

Naturgemäß keine Freude für diese gewagte Einstufung, die selbst kapitalismuskritischen Akteuren beiderseits der Mitte zu weit gehen dürfte, hatten die regierenden, marktliberalen Konservativen. „Der freie Markt ist es, der die Diskriminierung zerschlägt,“ so der Abgeordnete Paul Bristow. Er eliminiere „die Armut von Millionen in Ländern, die vom sowjetischen Modell der Planwirtschaft abrückten“. Er rverwies auch auf „rassistische und antisemitische Standpunkte“ in den Werken von Marx und Engels.

Die öffentliche Diskussion zentrierte sich in Großbritannien somit auf die Systemfrage. Breitbart London erinnerte an die „Vergötterung linker Regime“ seitens Sultana. Dies zeige sich, indem sie erst vor Monaten das „versklavende Medizinsystem des kommunistischen Kuba“ für den Friedensnobelpreis nominiert habe. Dies begründete sie damals damit, dass der zur Schau gestellte Internationalismus ein „unglaubliches Beispiel von Menschlichkeit und grenzüberschreitender Solidarität sei“.

Die Gefahren der linken Identitätspolitik

Dabei hat die Debatte einen weiteren Kernaspekt: Nämlich die verstärkte Identitätspolitik der neuen Linken. Während diese ihr Kernklientel des einheimischen Arbeiters schon seit Jahren nicht mehr zu bedienen weiß – diese wählen oftmals rechtspopulistische Parteien oder bleiben überhaupt zuhause – schreiben sie sich die Anliegen von Minderheiten quasi als „Ersatzbenachteiligte“ auf die Fahnen.

Die Linke schlägt sich zunehmend vorbehaltlos auf die Seite ethnischer Minderheiten, das führt auch dazu, dass sie gefährliche Entwicklungen innerhalb der Communities in sich aufsaugt. Dort fischt eine moderne linke Partei dann oft auch nach Wählern. In Großbritannien tobt etwa seit Jahren eine Debatte über antisemitische Ressentiments in der Labour-Partei, die gerade in der Ägide von Ex-Parteichef Jeremy Corbyn ihren Höhepunkt erreichte.

Diesen Umstand führen politische Beobachter mitunter auf diese „ethnische Wahl“ zurück. „Zu viele Labour-Politiker adoptierten feige jene anti-semitischen Tropen und Verdammung Israels, von denen sie glauben, dass es ihnen die Stimmen britischer Muslime bringt, anstatt sich gegen die Vorurteile in den Communities aufzulehnen,“ befand etwa Ruth Baroness Deech, die als unparteiische ‚Crossbencherin‘ im englischen Oberhaus sitzt.

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