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Klassik als „Rassismus“

Mitarbeiter der Elite-Uni Oxford will Notenblätter streichen

Mitarbeiter der renommierten University of Oxford sind offenbar der Ansicht, dass die traditionelle Methode, Musik zu notieren, ein Überbleibsel der Kolonialzeit sei. Entsprechend benachteilige dies Studenten mit nicht-europäischen Wurzeln.

4 Minuten Lesezeit
<p>Symbolbild: Pixabay</p>

Symbolbild: Pixabay

(Aktualisiert, 31.03.2021, 13:00 Uhr: Ursprünglich hieß es in der Überschrift, die University of Oxford wolle, Notenblätter streichen. Wir haben dies korrigiert und die Stellungnahme der Universität hinzugefügt.)

Oxford. – Die Stilblüten politisch-korrekter Zensurgelüste nehmen in Großbritannien immer absurdere Formen an. Viele Sachen, die selbst die kühnsten Witzbolde noch vor einigen Jahren bestenfalls als satirische Bezugnahme ausgewiesen hätten, werden Realität. Mittlerweile ist man auf der Insel so weit, dass Mitarbeiter einer der ältesten Hochschulen des Landes der Ansicht sind, dass Notenblätter „mitschuldig an weißer Vorherrschaft“ seien. Die Uni-Offiziellen dementieren aber jedwede Absicht, diese abschaffen zu wollen, es geht der Musikfakultät nur um eine Erweiterung des Lehrplans. Bei derartigen Vorstößen handle es sich nur um die Einzelmeinung eines Mitarbeiters.

Notenblätter als vermeintlich koloniales Erbe

Der Kontroverse vorausgegangen waren Berichte in britischen Zeitungen wie der Daily Telegraph oder Breitbart London. Nach der Rassismus-Debatte des Vorjahres will auch das Institut für Musikwissenschaften seinen Anteil dabei haben, etwas „inklusivere“ Lehrpläne zu schaffen. Entsprechend möchte man künftig auch dort seinen Fokus weniger stark auf die europäische Kultur legen.

Insbesondere die Notierung von Kompositionen auf Notenblättern ist dem Vorstoß des Uni-Mitarbeiters ein Dorn im Auge. Dabei handle es sich um die „Darstellung eines kolonialistischen System“, das sich in einer „Mittäterschaft mit der Ideologie der weißen Vorherrschaft“ befinde, so interne Dokumente, die dem Telegraph zugespielt wurden.

Kein Witz: Mozart & Co. als Abbild der Sklaverei-Zeit

Aber dabei hört es nicht auf: Denn demnach sei auch die Instrumentenauswahl ein Problem. Seinen Absolventen das Klavierspiel zu lehren oder sie zu Dirigenten auszubilden könnte „farbige Studenten in Bedrängnis bringen“. Dies habe damit zu tun, dass die dafür nötigen Fähigkeiten enge Verbindungen zu „weißer, europäischer Musik“ aufweisen.

Des unterstreichen sie mit dem Umstand, dass klassische Komponisten wie Beethoven, Mozart oder Schubert einen wichtigen Teil des aktuellen Lehrplans ausmachen. Ein solches Kurrikulum konzentriere sich aber zu sehr auf „weiße europäische Musik aus der Zeit der Sklaverei“.

Inwiefern Musikgenies aus Ländern ohne oder mit erst sehr später kolonialer Vergangenheit dies belegen, bleibt das Papier freilich schuldig. Auch darüber, dass sowohl die Notation auf Notenblättern als auch manche klassische Musik – wie etwa gregorianische Choralgesänge – deutlich älter sind als der Anfang des europäischen Sklavenhandels, verliert der Urheber der Idee kein Wort.

Nicht-europäische Musik soll stärker in den Fokus

Vielmehr dürfte es vor allem um den radikalen Umbau des Studiums gehen. Denn die Fakultät will sich nach den Erfahrungen der „Black Lives Matter“-Demos stärker auf „nicht-eurozentrische“ Musik-Traditionen ausrichten. Hip-Hop und Jazz sollen eine wichtigere Rolle spielen, ebenso afrikanische Volksmusik und Weltmusik. Auch aktuelle Populärmusik und Themen, die von „Dua Lipas Livestream-Record“ bis hin zu „Künstlern, die Trump die Verwendung ihrer Lieder untersagten“ sollen vorkommen.

Für Kritiker sind derartige Ideen – ob nun Einzel- oder Mehrheitsmeinung – absurd. Der Londoner Bürgermeisterkandidat der Heritage Party, David Kurten – der selbst einen schwarzen, jamaikanischen Vater hat – konnte laut Breitbart nur den Kopf schütteln. Er sagte: „Um Himmels Willen! Oxford sollte eine jener Unis sein, die zu akademischen Glanzleistungen beseelt. Sie sollte nicht mit ‚Woke‘-Unsinn wie ‚klassische Musik ist Rassismus‘ und ‚Notenblätter sind nicht inklusiv‘ hausieren gehen“.

Nichts und niemand ist vor dem Bildersturm gefeit

Dabei handelt es sich längst um keinen Einzelfall an britischen Universitäten mehr. Erst vor einigen Monaten sorgte die Uni Leicester mit einem ähnlichen Plan für Wirbel. Dort kam der Vorschlag auf, das Nationalepos Beowulf und den mittelalterlichen Chaucer-Klassiker Canterbury Tales aus dem Kurrikulum zu streichen. Ihren Platz sollten moderne Texte über „Rasse, Ethnie, Sexualität und Diversität“ einnehmen. Auch dort ging es offiziell nur um eine Erweiterung des Lehrplans.

Dass Identitätspolitik im Bildungssystem Einzug hält, ist aber auch kein spezifisch britisches Problem. Im US-Staat Oregon verwunderte die Anweisung, künftig mehrere Antworten bei Rechnungen als richtig zu werten, weil traditionelle Mathematik rassistisch sei. Eine nach Abraham Lincoln benannte Schule in Kalifornien änderte gar den Namen, weil der Präsident, der die Sklaverei abschaffte, angeblich „nicht genug“ für Farbige getan habe – Tagesstimme berichtete.

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