Italien

Land im Oster-Lockdown, aber Migranten dürfen landen

Auf der auf etwa halbem Weg zwischen Tunesien und Sizilien gelegenen Mittelmeerinsel kam einmal mehr eine große Gruppe illegaler Migranten an Land.

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<p>Symbolbild: Migranten auf einem Schlauchboot / Mstyslav Chernov/Unframe [<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0">CC BY-SA 4.0</a>], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Refugees_crossing_the_Mediterranean_sea_on_a_boat,_heading_from_Turkish_coast_to_the_northeastern_Greek_island_of_Lesbos,_29_January_2016.jpg">via Wikimedia Commons</a> (Bild zugeschnitten)</p>

Symbolbild: Migranten auf einem Schlauchboot / Mstyslav Chernov/Unframe [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons (Bild zugeschnitten)

Lampedusa. – Am Ostersonntag kamen insgesamt 430 Menschen auf der Insel an. Nach einem Schiff mit 215 Einwanderungswilligen an Bord folgten drei Boote mit 57, 70 respektive 88 Migranten. Zuerst hatte die NGO „Alarm Phone“ nahegelegene Schiffe aufgefordert, die sich mutmaßlich in Seenot befindlichen Personen aufzulesen. Sie appellierte an die Öffentlichkeit, „keine Ostertragödie“ geschehen zu lassen.

Kein Kontakt von Migranten zu Einheimischen

Die Neuankömmlinge wurden teilweise umgehend in den Hotspot der Insel gebracht, wo sich derzeit etwa 700 Migranten aufhalten. Insgesamt 80 Minderjährige wurden per Fähre weiter nach Sizilien gebracht, 202 Erwachsene auf ein Quarantäneschiff geschickt. Soweit die Wetterlage es zulässt, könnten weitere Migranten ihnen folgen.

Enthüllungen über die ÖVP

Angesichts der Corona-Lage sorgen sich viele Italiener vor der Möglichkeit einer wechselseitigen Ansteckung von Migranten und Einheimischen. Der Bürgermeister der Gemeinde Lampedusa e Linosa, Salvatore Martello, betonte allerdings, dass die Wohnbevölkerung der Insel mit frisch angekommenen Migranten bislang nicht in Kontakt kamen.

Ganz Italien über Ostern eine „rote Zone“

Auf Lampedusa gelten über das verlängerte Osterwochenende wie in ganz Italien jedenfalls jene strengen Corona-Regeln wie sonst in den sogenannten „roten Zonen“. Die Ausnahme davon wären „weiße Zonen“, diese gibt es aber derzeit ebenso wie „gelbe Zonen“ nicht; alle italienischen Regionen stehen ohnehin gerade auf „orange“ oder „rot“. In roten Zonen dürfen Italiener nur für triftige Gründe wie den Arbeitsweg ihr Domizil verlassen.

Der Besuch bei anderen Personen, etwa Freunden oder Verwandten ist dort unter Strafe verboten, selbst wenn diese in derselben Gemeinde wohnen. Jede Bewegung muss schriftlich über ein Formular dokumentiert werden. Hier gab es allerdings eine kleine Osterausnahme: Einmal täglich ist ein Besuch bei einem Zwei-Personen-Haushalt innerhalb derselben Region ausnahmsweise gestattet. Die Einreise in eine (andere) Region wiederum ist nur im absoluten Notfall möglich.

Migrantenankünfte als ewig junges Konfliktthema

Gerade der Umstand, dass sich Italiener nicht einmal im eigenen Land frei bewegen dürfen, während Migranten weiterhin landen dürfen, birgt einiges politisches Konfliktpotenzial. Auch in anderen Ländern Europas sorgt eine solche Dichotomie mitunter für breites Unverständnis. Italien kämpft mit abertausenden Migrantenankünften pro Jahr, fühlt sich von seinen europäischen Partnern in der Frage oft allein gelassen.

Als dann im Jahr 2018 der Lega-Politiker Matteo Salvini zum Innenminister wurde, warb dieser für eine härtere Gangart in der Asylfrage, tatsächlich nahmen danach Überfahrten und Ankünfte ab. Nach dessen Ausscheiden aus dem Amt weichte die folgende Mitte-Links-Regierung die Regelungen auf, die Überfahrten wurden wieder zahlreicher. Salvini selbst musste sich wegen Hafensperren vor Gericht verantworten, verteidigte aber sein Vorgehen öffentlich – Tagesstimme berichtete.

Auch in diesem Jahr ist es nicht die erste große Ankunft von Migranten auf italienischem Staatsgebiet. Erst vor zwei Wochen wurde ein Schiff der NGO „Sea Watch“ vor Sizilien festgesetzt. Im Feber legte dort die „Ocean Viking“ von „SOS Mediterranée“ mit über 400 Migranten an Bord an.


Weiterlesen:

Hunderte Migranten an Bord: „Sea Watch“-Schiff vor Sizilien festgesetzt (22.03.2021)

Im Schatten der Pandemie: Hunderte Migranten landen in Sizilien (09.02.2021)

Salvini kämpferisch: „„Bin stolz, Italien verteidigt zu haben!“ (31.07.2020)

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