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Baerbock und Laschet

Weichen für deutsches Kanzlerduell gestellt?

Am Montag respektive in der Nacht auf Dienstag entschied sich mutmaßlich bei mehreren deutschen Parteien, mit welchen Spitzenkandidaten sie in die Bundestagswahl im Herbst gehen.

3 Minuten Lesezeit
<p><a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:2019-05-30_Armin_Laschet-3903.jpg">Olaf Kosinsky</a>, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en">CC BY-SA 3.0 DE</a>, via Wikimedia Commons [Bild zugeschnitten]</p>

Olaf Kosinsky, CC BY-SA 3.0 DE, via Wikimedia Commons [Bild zugeschnitten]

Berlin. – Bei der Union hatten sich die jeweiligen Chefs von CDU und CSU, Armin Laschet und Markus Söder, bis zuletzt ein erbittertes Duell um die Kanzlerkandidatur geliefert. Während Laschet gerade in den höheren Parteikreisen – wohl auch aufgrund der programmatischen Merkel-Nähe beliebt ist, hatte Söder auf bessere Umfragewerte an der Basis und im Volk verwiesen. Dennoch fiel das Votum des CDU-Bundesvorstandes deutlich zugunsten Laschets aus – 31 zu neun bei sechs Enthaltungen.

Laschet-Kür: Droht Union ein Wahl-Debakel?

Theoretisch ist das Rennen um die Spitzenkandidatur damit noch nicht gelaufen: Söder wollte zunächst auf die Stimmung in der Union-Bundestagsfraktion bauen, in der er sich im Vorteil und Laschet im Hintertreffen wähnte. Schon am Montag entschied sich der aus Franken stammende Ministerpräsident Bayerns allerdings dafür, sich dem Wunsch der Schwesterpartei fügen zu wollen – auch wenn er gegen ihn und für seinen nordrhein-westfälischen Amtskollegen ausfiele.

Zahlreiche Beobachter sehen in Laschets Kür dennoch eine Art Pyrrhussieg. Denn der Parteivorsitzende gilt nicht als die schillerndste Figur einer ohnehin in der Krise steckenden CDU. Gerade konservativere Parteivertreter sahen bereits in dessen Wahl zum Parteichef einen Fehler, viele bevorzugten hier eher Friedrich Merz. Mit Söder als Kanzlerkandidat befürchten manche, dass die Union in alle Richtungen „auslaufen“ könnte – Grüne, FDP und AfD schielen allesamt auf ihr Stimmen.

Beobachter sehen Baerbock im Vorteil

Nicht zuletzt deshalb rechnen viele bereits damit, dass Annalena Baerbock die nächste Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland wird. Am Montag wurde fix, dass die dem „Realo“-Flügel zugehörige Co-Parteichefin beim Urnengang den Vorzug vor ihrem Kollegen Robert Habeck erhält. Noch sind ihre Grünen laut Umfragen zwar nur auf dem dritten Platz – sind aber schon seit der letzten Wahl stetig im Aufwind. Den noch zweitplatzierten SPD-Finanzminister Olaf Scholz hat keiner auf der Rechnung.

Den Grünen, deren Bandbreite von linksliberal bis -radikal reicht, kommt zugute, dass sie in mehreren Lagern fischen kann. Neben den üblichen Wechselwählern im „rot-rot-grünen“ Sektor kann die Partei immer häufiger auch bürgerliche Wähler an sich binden. An elf von 16 Landesregierungen ist sie derzeit beteiligt, stellt in Baden-Württemberg den Ministerpräsidenten, sie hätten mehrere Optionen.

Außerdem hat die Partei einen soliden Stand bei etablierten Medien, Baerbock und Habeck sind seit einiger Zeit Dauergäste in Polit-Talks. Dies war auch in der Nachbetrachtung deutlich erkennbar. Die meisten größeren Nachrichtenstationen spickten diesen Beitrag vor allem mit positiven, unkritischen Worten. Ein ARD-Studio vergaß dabei sogar zeitweise – inzwischen ist der Tweet wieder gelöscht – in der Euphorie sogar, dass in Deutschland bereits seit 16 Jahren eine Kanzlerin regiert.

AfD will Parteibasis abstimmen lassen

Damit steht nun bei der Mehrheit der Parteien im Bundestag fest, mit welchem Spitzen- oder Kanzlerkandidaten sie in die Wahl im Herbst gehen. Auch wenn sich die FDP offiziell noch nicht festlegt, dürfte an Parteichef Christian Lindner einmal mehr kein Weg vorbei führen. Offener ist das Rennen hingegen noch bei der Linken, bei der zwar immer wieder Namen in den Ring geworfen werden, aber auch zwei Monate nach der Wahl der neuen Parteivorsitzenden keine Entscheidung getroffen hat.

Einen ganz anderen Weg möchte man bei der AfD gehen. Dort entschloss man sich kürzlich auf dem Bundesparteitag, anstelle der Delegierten die Parteibasis über die mutmaßliche Doppelspitze entscheiden zu lassen. Als aussichtsreichste Kandidaten gelten derzeit Co-Parteichef Tino Chrupalla für die eher sozialpatriotische Strömung und Joana Cotar für den bürgerlichen Teil der Partei. Man macht quasi dem Richtungsstreit zum Trotz aus der Not eine Tugend – das letzte Wort haben die Mitglieder.

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