Bericht vor Ort

Der islamistische Terrorangriff in Rambouillet

Vor einer Woche tötete ein Islamist eine französische Polizistin in der Nähe von Paris. Eva-Maria Michels war danach vor Ort und sprach mit einer Zeugin sowie mehreren Polizisten und Passanten. Das Erlebte schildert sie im folgenden Bericht für die TAGESSTIMME.

12 Minuten
<p>Bild: Eva Michels.</p>

Bild: Eva Michels.

Am Freitag, den 23. April 2021, gegen 14.20 Uhr schneidet der Islamist Jamel Gorchene der Polizeisekretärin Stéphanie M. im Kommissariat der Police Nationale in Rambouillet im Département Yvelines, 40 Kilometer vom Zentrum von Paris entfernt, mit einer 23 Zentimeter langen Messerklinge die Kehle durch. Das Verbrechen geschieht in der Schleusenkammer aus schusssicherem Glas des Eingangsbereiches des Kommissariats, nachdem Stéphanie M. in Zivil vom Parkplatz zurückkehrt, wo sie den Parkschein für ihr Auto erneuert hat. Gorchene hat ihr aufgelauert und betritt die Schleuse zusammen mit ihr, was eindeutig darauf schließen lässt, das er vorsätzlich handelt. Dort drückt er sein unbewaffnetes Opfer an die Glaswand und sticht ihm in den Rücken, bevor er ihm die Kehle durchschneidet. Einem Polizisten im Inneren des Kommissariats, der Zeuge des Anschlags wird, gelingt es, die Schleuse zu öffnen und den Islamisten, der ihm noch sein Tatmesser und einen „Allahu akbar“- Ruf entgegenschleudert, mit zwei Schüssen zu neutralisieren.

Stadtzentrum gesperrt

Das Stadtzentrum von Rambouillet, einer bürgerlich-wohlhabenden 24.000-Einwohner-Kleinstadt am Rande der Grande Couronne, dem erweiterten Speckgürtel um Paris, wird daraufhin weiträumig abgesperrt. Die Hauptpost und die Kirche, beide ca. 100 Meter Luftlinie vom Kommissariat entfernt, werden evakuiert und geschlossen. Ununterbrochen rücken unter Sirenengeheul schwerbewaffnete Polizeieinheiten aus der gesamten Region an. Es bilden sich Staus und ein moderates Verkehrschaos.

Enthüllungen über die ÖVP

Ein ca. 60jähriger Mann und eine mittelalte, elegante schwarze Frau nähern sich mit Paketen unter dem Arm der Sperre in Nähe der Post. Einer der schwerbewaffneten Polizisten hält die beiden auf und erklärt, dass die Post geschlossen sei. Beide wollen wissen, ob etwas in der Post passiert sei. Der Polizist antwortet nur: „Nein, im Kommissariat.“ Der Mann dreht sich um und geht wortlos weg. Die schwarze Frau ruft mit rollendem afrikanischem ‘R’: „Im Kommissariat?!“ Nach einer kleinen Pause lässt sie, immer noch mit ihrem afrikanischen Akzent, eine Schimpfkanonade los: „Frankreich ist schuld! Sie lassen alle rein, die nur kommen wegen des Geldes! Sie holen die Wahnsinnigen aus ganz Afrika hierhin, anstelle die Grenzen zu kontrollieren! Sollen sie bei den Arabern bleiben und sich dort gegenseitig die Köpfe abschlagen! Die Franzosen sind Idioten! Sie kapieren nichts. Ich bin für meine Familie in Afrika Dreck, aber mein Geld nehmen sie gerne!“ An den Polizisten gewandt fährt sie fort:“ Ich darf das sagen, weil ich ja schwarz bin. Wenn Sie das sagen würden, würde man Sie als einen elendigen Rassisten beschimpfen. Ich weiß, wen ich wähle!“ Damit dreht sich die Dame um und geht strammen Schrittes zurück.

„Ey, seid ihr Journalisten?“

Am Rande des Parks gegenüber der Absperrung der Straße, die zum Kommissariat führt, stehen ein paar Journalisten. Manche Passanten bleiben neugierig stehen und schauen in die Straße, andere wissen nicht, was passiert ist, und fragen die Journalisten, die recht karge Antworten geben. Immer wieder Bestürzung, Unverständnis, Kopfschütteln: „In Rambouillet? Hier ist es doch eigentlich ganz ruhig!“ Dann ein letzter betroffener Blick über die Straße und die Passanten gehen langsam weiter. Das weiße Fahrzeug einer Entminungseinheit fährt vorbei in Richtung Post und Kirche. Im Inneren vier vollständig vermummte Polizisten. Aus der Gegenrichtung kommt ein Wagen mit Sirene und quietschenden Reifen, aus dem vier verwegen aussehende Männer in dunkler, sportlicher Zivilkleidung und der orangefarbenen Polizeiarmbinde springen, die BAC, die Kampfeinheit für gefährliche Einsätze in den Banlieues und gegen organisierte Kriminalität. Ein kleiner roter Polo kommt von hinten und hält neben den Journalisten. Aus den beiden geöffneten Fenstern gucken grinsend drei junge schwarze Männer mit Dreadlocks und Jogginganzug, der Banlieue-„Uniform“. „Ey, seid Ihr Journalisten?“, ruft einer von ihnen. Keine Antwort. „Ey, was schreibt Ihr denn? Was können wir denn morgen in der Zeitung lesen?“, ruft er provozierend. Einer der schwerbewaffneten Polizisten nähert sich dem Auto und bedeutet dem Fahrer, weiterzufahren, was dieser dann auch tut.

Ein wenig später auf der anderen Seite der Straße, die zum Kommissariat führt. Hier haben sich nicht nur eine große Anzahl von Journalisten aller großen Medien platziert, sondern auch zahlreiche Bürger stehen betroffen herum. Michel, ein in Jeans, spitzen Schuhen aus buntem Krokoleder und kornblumenblauer Daunenjacke gekleideter Mann Ende 50 mit weißer Mähne, steht unter Schock. „Stéphanie war nicht nur eine Kollegin meiner Lebensgefährtin, sondern auch eine Freundin. Ich kann nicht fassen, was passiert ist. Ich bin einfach hier, um Präsenz zu zeigen. Ob meine Lebensgefährtin später irgendetwas zu dem Mord sagen wird, weiß ich nicht. Sie steht unter Schock.“ Unter Schock steht auch Elisabeth. Sie arbeitet im Finanzamt direkt gegenüber des Polizeikommissariats. Von ihrem Arbeitsplatz war sie Zeugin des Terrorangriffs. „Zuerst dachte ich, dass es sich um eine Antiterrorübung handelt“, berichtet sie völlig verstört. „Erst als wirklich Blut fließt und Stéphanie wohl schon verloren ist, habe ich begriffen, dass es ein echter Anschlag ist. Alles ging so schnell. Aber ich kann immer noch nicht glauben, was geschehen ist. Rambouillet ist nicht Saint Denis.“

„Die Linken zerstören unser Land!“

Patricia Guilbaud, eine verrentete ehemalige Angestellte der Krankenhausverwaltung und ehemalige Stadträtin des Rassemblement National, streift mit FFP2-Maske und auf ihren Spazierstock gestützt durch die Menge der Journalisten und der wartenden Bürger. Immer wieder hört man sie ausrufen: „Es reicht! Eine Mama von zwei Kindern! Damit werden sie nicht durchkommen! Nicht in Rambouillet! Nicht in meiner Stadt!“ Colette, eine ca. 70jährige Frau mit zwei wunderbaren Medaillen in Münzgröße an einer langen Halskette, pflichtet ihr bei. Auch sie steht unter Schock. „Ich hätte auf den Terroristen treffen können, wenn ich ein paar Minuten eher Richtung Post gegangen wäre. Mein Weg führt am Kommissariat vorbei. Ich geh da jeden Tag her. Ich will mir gar nicht ausmalen, was mir hätte passieren können! Man ist nirgends mehr sicher. So etwas passiert jetzt seit Hollande und Macron. Vorher unter Sarkozy gab es das nicht. Vor einigen Jahren wurde ich von Zigeunern in der Metro von Paris angerempelt, die mir dann versuchten, mein Portemonnaie zu stehlen. Das ist das Frankreich von Mitterand, Hollande und Macron. Die Linken zerstören unser Land.“

Davon, dass Sarkozy der Erfinder der virtuellen Politik mit getürkten Statistiken ist und dass die Bürgerlichen unter dem Tandem Giscard-Chirac in den 70er-Jahren für die Familienzusammenführungs- und Immigrationsgesetze sorgten, will Colette nichts hören. Wenn die Bürgerlichen regieren, ist für sie die Welt in Ordnung. Patricia Guilbaud, die Colette auffordert, ihre Stoffmaske über die Nase zu ziehen, steckt dagegen die Bürgerlichen und Linken in den gleichen Sack: „Sie sind alle verantwortlich! Sie weigern sich seit 50 Jahren gleichermaßen, die Grenzen zu schließen. Doch ich werde mich damit niemals abfinden. Ich bin die Tochter eines Résistance-Kämpfers. Ich werde bis zu meinem letzten Atemzug für mein Frankreich kämpfen! Widerstand!“, ruft sie. „Für Stéphanie müssen wir mindestens einen Trauermarsch organisieren.“ Dafür ist auch Colette.

Immer wieder fahren dicke Limousinen mit schwarzverglasten Fenstern, die von Polizisten auf Motorrädern mit Sirene eskortiert werden, hinter die Absperrungen. Angeblich haben sich Premierminister Castex, Innenminister Darmanin und Regionalpräsidentin Pécresse angesagt. Auch die Spurensicherer von der Police Judiciaire, allesamt von Kopf bis Fuß schwarz vermummt, kommen und gehen.

„Der Rest ist dann die Folge“

Um die ganze Szene besser beobachten zu können, steht Abdelkader auf einem Stromkasten. Er ist ein schlanker, schwarz gekleideter redseliger ca. 30jähriger Algerier mit Piercing in der Augenbraue. 2015 kam er illegal als „Syrer“ über Deutschland nach Frankreich. „Deutschland ist super! Alles ist optimal organisiert, aber ich bin dann doch lieber nach Frankreich gegangen, weil sich Frankreich und Algerien einfach aufgrund von Geschichte und Sprache näher sind. Aber die Franzosen wollen uns nicht. Sie lassen uns nicht arbeiten. Wir können hier nicht normal leben, weil wir Ausländer sind. Ich habe nichts gegen Franzosen, ich habe sogar ein Kind mit einer Französin. Es gibt überall gute und schlechte Menschen. In Algerien war ich in der Armee. Ich bin weggegangen, weil sie an mir Medikamenteexperimente machen wollten. Die wollten mir was geben, damit ich besser kämpfe, aber das wollte ich nicht.“ Für Abdelkader steht fest, dass der islamische Anschlag ein Pseudo-Attentat ist. „Sie provozieren uns, bis wir die Nerven verlieren, um gegen uns kämpfen zu können, weil wir Ausländer sind“, ist er überzeugt. „Vor wenigen Tagen haben sie mich auch verhaftet wegen Terrorismusverdachts. Ich war fünf Tage im Gefängnis, dann mussten sie mich wieder freilassen. Solche Taten geschehen dann beim Verhör, weil die Polizisten keinerlei Respekt zeigen. Ich bin sicher, dass die Polizistin den Tunesier in den Keller des Kommissariats geführt hat und bei der Leibesvisitation respektlos war. Der Rest ist dann die Folge.“

Politiker-Reden und ein „Störenfried“

Das Gespräch mit Abdelkader endet abrupt, weil die Polizei alle Bürger des Platzes verweist. Nur Journalisten dürfen bleiben. Premierminister Castex und der Oberstaatsanwalt des Nationalen Antiterrorgerichts, Jean-François Ricard, werden sprechen. Es ist eine dieser standardisierten Erklärungen aus leeren Satzbausteinen, die beide in weniger als fünf Minuten nacheinander verlesen, bevor sie sich wieder in ihre Limousinen zurückziehen. Doch es kommt zu einem ungeplanten Zwischenfall: Einem kräftigen, mittelalten Mann ist es gelungen, sich unter die Journalisten zu mischen. In dem Moment, in dem Premierminister Castex abtritt, ruft er für alle unüberhörbar: „Bürger Castex, bist Du stolz auf deine Bilanz?! Bürger Castex, vergiss nicht, dass du da bist, wo du bist, wegen uns, dem Volk!“ Geschäftiges Schweigen. Der Premierminister und mit ihm die gesamte offizielle Delegation versuchen, sich so schnell wie möglich zu verdünnisieren. Patricia Guilbaud nähert sich dem Mann und ruft: „Bravo!“ Ein Reporter eines großen Mediums kommt und will den Mann interviewen. Doch Patricia Guilbaud ist schneller und fragt stattdessen den Reporter: „Wie kann es sein, dass keiner von Ihnen eine Frage an diese Leute hat?! Wie kann das sein, dass Sie sie damit durchkommen lassen, einfach nur ihre standardisierte Betroffenheitskundgebung zu machen und wieder zu verschwinden? Was sind Sie für Journalisten?!“

„Verehrte Dame, eine Fragestunde war nicht vorgesehen …“, versucht sich der Journalist zu verteidigen. „Bah“, erwidert die ehemalige Stadträtin mit Blick auf den Zwischenrufer, „wenigstens der Herr hier hat Eier und Ehre!“ Der Reporter versucht noch einmal, mit diesem ins Gespräch zu kommen: „Was hat Sie zu Ihrem Zwischenruf veranlasst?“ Der Herr antwortet ruhig, aber sehr sicher: „Es reicht. Seit 40 Jahren lassen die Politiker im Lande aus Feigheit oder Unfähigkeit, ich weiß nicht genau, was überwiegt, Kriminelle einwandern und rechtsfreie Zonen entstehen, die heute praktisch extraterritoriale Gebiete sind, wohin ich als Franzose nicht mehr hingehen kann, obwohl es mir eigentlich zusteht, mich in meinem eigenen Land frei bewegen zu können. Ich habe nichts gegen Einwanderer, Araber oder Muslime. Aber wenn sie herkommen, haben sie unsere Gesetze zu akzeptieren. Es ist an der Zeit, dass unsere Politiker verstehen, dass unsere Geduld mit ihnen am Ende ist und dass sie damit beginnen, die Kriminalität zu bekämpfen. Es kann so nicht weitergehen. Wir hatten den Mord am Polizistenehepaar in Magnanville, dem zu Hause bei sich aufgelauert wurde. Wir hatten den Mord an Samuel Paty. Nun haben wir den Mord an Stéphanie. Es reicht mit offenen Grenzen und der Regularisierung illegaler Einwanderer!“ Der Reporter bedankt sich für das Interview und geht weiter.

„Das Problem nicht die Hautfarbe, sondern das Verhalten“

Viele Bürger kommen zu den Absperrungen und rufen den Polizisten zu: „Danke, dass Sie da sind! Danke, dass Sie uns beschützen. Sie sind alles, was Frankreich und die Franzosen noch haben! Wir stehen hinter Ihnen!“ (Wahrscheinlich in Anspielung an all die Rassismusvorwürfe, die von Linksextremisten, radikalisierten Immigranten und indirekt auch von der Regierung gegen die Polizei insbesondere seit „Black Lives Matter“ erhoben werden.) Die Polizisten scheinen müde zu lächeln, soweit man das von den Augenbewegungen ablesen kann, und sagen höflich: „Danke.“ Doch wie sehen sie die nahe Zukunft? Damien, ein ca. 30jähriger schlanker Polizist macht sich keine Illusionen. „Es wird nicht besser werden. Eher schlimmer. Aber was sollen wir tun? Wir können nichts anderes tun, als den Gang der Geschichte zu erleiden.“ Ist er wütend? „Ja, schon etwas. Auf die Islamisten, die einfach so das Leben einer Kollegin auslöschen, aber auch auf die Politiker, die die Verantwortung für die Entwicklung tragen. Die Fehler wurden schon vor langer Zeit gemacht. Heute zahlen wir den Preis dafür. Wir können nur hoffen, dass die Politiker langsam aufwachen.“ Eine Gruppe von jungen Schwarzen in Jogginganzug und Baggy Pants mit Basecap auf dem Kopf und klobigen falschen Brillanten im Ohr taucht feixend vor der Absperrung auf. Sie machen ein paar provokative Gesten, so als seien sie der Chef im Haus, grinsen und ziehen wieder schleppenden Schrittes ab, nachdem ein zweiter schwerbewaffneter Polizist zu Damien hinzutritt und ihnen bedeutet zu verschwinden. „Das ist unsere typische ‘Klientel’“, erklärt Damien mit Blick auf die Gruppe der schwarzen Jugendlichen. „Man wirft uns Rassismus vor, wenn wir sie kontrollieren. Dabei ist das Problem nicht die Hautfarbe, sondern das Verhalten.“

Jean-Pierre, ein kräftiger Stadtpolizist (entspricht in Deutschland einem Mitarbeiter des Ordnungsamtes) um die 50 zuckt die Schultern auf die Frage, was er empfinde. „Was soll ich sagen? Natürlich trauere ich um die Kollegin, aber sollen wir machen? Die Lage ist, wie sie ist. Schauen sie sich die Geschichte an: Warum sind die Europäer in den Orient gezogen? Um den Muslimen den Kopf abzuschneiden, den sie zuvor den europäischen Pilgern abschnitten. Jetzt sind sie halt wieder dran und schneiden uns in Europa den Kopf ab. Was soll man machen mit Religionen? Die einen gehen beichten, um sich Vergebung zu erkaufen, die anderen gehen morden, um sich Vergebung zu erkaufen. Das ist doch beides völlig krank und absurd. Das Problem sind die Religionen. Sie haben eh beide den gleichen Ursprung.“


Zum Thema:

POLITIKON 2 „Wider die Islamisten“ von Irfan Peci ist um Euro 9,50 .- im FREILICH-Buchladen erhältlich.

Dokumentiert: Frankreichs Soldaten gegen den Islamismus (28.04.2021)

Islamistischer Messermord: Weitere Details bekannt (27.04.2021)

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