Solidarität

Ärzte bedanken sich in Videos bei #allesdichtmachen-Künstlern

Eine Woche, nachdem etwa fünfzig bekannte Schauspieler aus Deutschland und Österreich sich an der Satire-Videoaktion #allesdichtmachen beteiligten, ist das Thema – und auch die Debatte darüber – weiterhin in aller Munde. Weite Teile der Öffentlichkeit üben scharfe Kritik, das Publikum fühlt sich zu großen Teilen verstanden – und einige Ärzte zeigen nun selbst Gesicht.

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<p>Screenshots (2): YouTube; Komposition: Tagesstimme</p>

Screenshots (2): YouTube; Komposition: Tagesstimme

Berlin/Aichach-Friedberg. – Ins Leben gerufen wurde die Aktion von den beiden kritischen Medizinern Paul Brandenburg und Friedrich Pürner. Ersterer sorgt unlängst mit seinem offenen Arztbrief an Karl Lauterbach (SPD) für Furore – mehr als 13.000 Unterstützer stimmten der Ansage zu, dass jener seine politische Funktion und seine Tätigkeit als Mediziner sauberer trennen sollen. Pürner wiederum ging im Herbst mit scharfer Kritik an der Maskenpflicht an die Öffentlichkeit – der Amtsarzt wurde daraufhin innerhalb Bayerns zwangsversetzt. Er kennt das Gefühl des öffentlichen Gegenwindes also.

Zwei mutige Ärzte treten Soli-Aktion los

Nun nahmen sie im Kanal „danke-allesdichtmachen“ beide Videobotschaften auf, mit denen sich bei den Schauspielern für ihren Mut bedanken. Das Besondere an ihrer Aktion ist dabei, dass sie Berufskollegen animieren wollen, es ihnen gleichzutun und teilten einen Leitfaden, wie man sich an der Soli-Ation beteiligen kann. Und tatsächlich: Die Welle an Solidarität lief bereits in den ersten beiden Tagen intensiv an. Am Freitagmorgen waren es schon 26 solcher Videos.

Enthüllungen über die ÖVP

Auch Brandenburg und Pürner sprachen in ihren eigenen Videos zentrale Gründe an, warum sie die Aktion der Mimen begrüßten. Der Notarzt Brandenburg sieht in ihnen eine „geniale Kritik des Versagens unserer Regierung“. Für ihn zeigen die Kurzfilme „Mitgefühl und Menschlichkeit“, zudem seien sie lustig, was gerade in harten Zeiten wichtig sei. Pürner fügte hinzu, dass auch Ärzte niemals sollten, die Künstler hätten die negative Seite der Maßnahmen „auf ihre ganz spezielle Art und Weise“ aufgezeigt.

Plädoyer für Meinungsfreiheit, Dank für Vorbildwirkung

Schnell schlossen sich ihnen zahlreiche Berufskollegen an. Der Staufener Mediziner Thomas Külke zeigte sich begeistert von #allesdichtmachen: „Aus den treffenden Bildern eurer bitteren Ironie spricht die Empörung über das unerträgliche Unrecht, das uns alle beherrscht.“ Gleichzeitig sei die symbolische Wirkung groß für viele, sich aus der Deckung zu wagen: „Danke für euren Schritt, er steckt an.“

Auch in benachbarten Sparten zeigte man sich dankbar, wie das Video des Apothekers Felix Schielein zeigt. Der Nürnberger, der nach eigenen Aussagen „45 Jahre lang den Sinn und Unsinn der etablierten Medizin“ kennenlernen durfte, sieht die Kunstfreiheit in Gefahr. Dabei sei diese ein „untrügliches Zeichen“ von Demokratie und Freiheit.

Am Stilmittel der Schauspieler bediente sich indes die Frauenärztin Annette Müller. Denn sie empfahl sie den Künstlern einen Arzttermin, um die Sache mit „Mut, Provokation, Meinungsfreiheit“ wieder „auf eine gerade Linie“ zu bekommen. Damit spricht sie einerseits versteckt die häufige Pathologisierung von Dissidenten ironisch an – und bietet andererseits gleichzeitig ihr Ohr und ihre Unterstützung an.

Ärzte schöpfen aus eigenem Erfahrungsschatz

Mehreren Medizinern wiederum war es wichtig, auf die eigenen Beobachtungen zu den Folgen der Krise hinzuweisen. So etwa die Dresdner Kinder- und Jugendärztin Ingrid Heimke, die bei ihren jungen Patienten einen Anstieg an Depressionen und Essstörungen beobachten musste. Sie findet, die Aktion habe „den Menschen eine Stimme gegeben, die momentan zu wenig gehört werden“.

Der Psychiater Matthias Gubitz ging auf den Wunsch der Obrigkeit nach einer Angstmache beim Volk ein. Indem die Kulturschaffenden die Angst mit den Mitteln ihrer Kunst lächerlich gemacht hätten, hätten sie sich nicht nur ihrer Angst gestellt, sondern auch die Angst selbst gestellt.

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