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Dokumentiert

„Mit tiefster Verachtung“ für den Generalstabschef

In Frankreich sorgt ein offener Brief mehrerer Ex-Generäle für hitzige Debatten (HIER vollständig nachlesen). Die Offiziere warnten darin vor einer Desintegration der Gesellschaft, dem wachsenden Islamismus und einem drohenden Bürgerkrieg. Den Initiatoren und Unterzeichnern drohen nun allerdings Konsequenzen, wie Generalstabschef François Lecointre ankündigte. Die Ex-Generäle sollen aus dem Militär ausgeschlossen werden, die aktiven Soldaten müssten sich vor einem Militärtribunal verantworten. Nach den angedrohten Strafen nahm General a.D. Christian Piquemal erneut Stellung in einem offenen Brief. Weil der ehemalige Kommandant der Fremdenlegion 2016 die untersagte Pegida-Demonstration in Calais organisiert haben soll, wurde er nach der Veranstaltung verhaftet, anschließend vor Gericht jedoch freigesprochen.

4 Minuten Lesezeit
<p>Frankreichs Generalstabschef<br />
François Lecointre. Bild: Jérémy Barande&nbsp;/&nbsp;<a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.flickr.com/people/117994717@N06">Ecole polytechnique Université Paris-Saclay</a></p>

Frankreichs Generalstabschef
François Lecointre. Bild: Jérémy Barande / Ecole polytechnique Université Paris-Saclay

Die TAGESSTIMME veröffentlicht die deutsche Übersetzung des Schreibens:

Offener Brief an General François Lecointre, Oberbefehlshaber der Armee

Freitag, 30. April 2021

Herr General,

Sie sind Oberbefehlshaber und in dieser Funktion ist es Ihre erste Aufgabe, die aktiven Soldaten und die im Ruhestand zu verteidigen und zu unterstützen. Sie jedoch bevorzugen offensichtlich die Hexenjagd.

Durch Ihre vorbehaltslos untertänige geistige Disziplin, Ihren entsetzlichen Karrierismus, Ihre beklagenswerte Unterwerfung unter die politischen Machthaber, tun Sie das Gegenteil dessen [was Sie tun müssten] und Sie sind bereit, aus Gefälligkeit und Erbärmlichkeit, Ihren Standesgenossen und Ihren Vorgängern den Kopf abzuschneiden. Erbärmlich!

Sie wissen es, die Aufgabe eines Chefs, der diesen Namen verdient, ist es, seine Untergebenen, seine Waffenbrüder, seine Vorgänger zu schützen, anstelle sie den politischen Machthabern am Abgrund auszuliefern, um sie an den Pranger zu stellen. Sie haben sicherlich Angst, der Armeeministerin zu missfallen, der Sie mit unvergleichlichem Eifer und mit dem Benehmen eines Speichelleckers dienen! Da Sie ja schon an der Spitze der Armee stehen, was erwarten Sie noch? Die Sterne eines Maréchal de France [Marschall von Frankreich, sehr selten vergebene, höchste militärische Ehrenbezeichnung, häufig erst nach dem Tode verliehen, zuletzt 1967 an Général Juin]?

Die Zeiten eines Juin, De Lattre, Leclerc, Bigeard, die von ihren Männern verehert wurden und mit den politischen Machthabern auf Augenhöhe sprachen, sind lange vorbei. Ihre moralische Autorität dient dagegen nur dazu, im Boden niederzuknien und den kleinen Finger auf die Naht der Hose zu legen. Haben Sie eigentlich noch einen Rest von Stolz?

Wie viele Franzosen und Soldaten empfinde ich eine maßlose Verachtung für Sie. Ja, ich bin entlassen worden aufgrund des Dekrets des Präsidenten der Republik vom 23. August 2016 nach einem positiven Bescheid des Obersten Rats der Landstreitkräfte, der disziplinarisch zusammengetreten war (sechs aktive Generale mit Stimmmehrheit verlangten meine Entlassung), aber ich bereue nichts. Angesichts des Nichtrespekts des Rechtsstaats in Calais habe ich Alarm geschlagen, was dazu geführt hat, dass der Staat die Situation im ‘Dschungel’ angegangen ist.

Sie haben es gewagt, im ‘Figaro’ über mich zu schreiben: „Ich werde ihm einen Brief schicken, in dem ich ihm sagen werde, dass er unwürdig ist, dass er die Armee beschmutzt, sie dadurch schwächt, dass sie zu einem Objekt landesweiter Polemik geworden ist.“

Herr General, machen Sie sich nicht die Mühe, verschwenden Sie nicht Ihre Zeit mit Schreiben, ich werde Ihr Geschreibsel nicht einmal öffnen. Sie sind derjenige, der die Armee beschmutzt, einzig und alleine Sie, täuschen Sie sich nicht. Die Franzosen, die es genau wissen, haben ihr Lager gewählt und täuschen sich nicht.

Ja, ich stecke lieber in meiner Haut als in Ihrer. Nehmen Sie zur Kenntnis, dass das Urteil Ihrer Standesgenossen und Ihrer Untergebenen nicht schmeichelhaft ist, und das ist noch schöngeredet! Ich kann mich im Spiegel anschauen, aber ich befürchte für Sie, dass Sie das nicht können.

Sie bevorzugen es, „Köpfe abzuschneiden“, Ihre Standesgenossen zu bestrafen, das Rückgrat zu krümmen und mit unvergleichlichem Eifer den politischen Machthabern zu dienen. Nein, nehmen Sie zur Kenntnis, dass niemand den Tag ihres Abgangs bedauern wird.

Um zu enden erinnere ich Sie an zwei Zitate, die Ihr Verhalten perfekt illustrieren:

„Wenn überall nur noch Vorsicht waltet, gibt es keinen Mut mehr.“ – Kardinal Mercier

„In Frankreich lässt man diejenigen ruhen, die Feuer legen und verfolgt diejenigen, die Alarm schlagen.“ – Nicolas de Chamfort

Durch Ihre Unterwürfigkeit und Ihre Unterwerfung unter die politischen Machthaber ähnelt Ihr Verhalten mehr dem eines Technokraten als dem eines Soldaten. Der echte Ehrverlust eines Generals ist der Ihre.

Mit tiefster Verachtung

General des Armeekorps (ER) Christian Piquemal


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