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Julian H. vor Wirecard-U-Ausschuss

Der Ibiza-Detektiv in Deutschland

Der in Österreich einsitzende Ibiza-Filmer Julian H. hat vor seiner Auslieferung am 5. März 2021 auch vor dem deutschen Wirecard-Ausschuss ausgesagt. Das ergab wenig neue Fakten, aber doch ein paar interessante Facetten.

4 Minuten Lesezeit
<p>Symbolbild Bundestag: Qualle [<a href="http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html">GFDL</a> oder <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/">CC-BY-SA-3.0</a>], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bonn_Bundestag_Plenarsaal1.jpg">von Wikimedia Commons</a> [Bild zugeschnitten]</p>

Symbolbild Bundestag: Qualle [GFDL oder CC-BY-SA-3.0], von Wikimedia Commons [Bild zugeschnitten]

Der Wirecard-Skandal hat eine komplett andere Dimension als der Urlaubsfilm aus Ibiza. Dennoch hat der deutsche Untersuchungsausschuss den inhaftierten Ibiza-Detektiv antanzen lassen, um sich mit ihm über Österreich und allfällige Verflechtungen der Skandale zu unterhalten. Julian H. spricht vor Bundesdeutschen über das System Österreich: besonders unterhaltsam, wenn er so banale Dinge, wie die Realverfassung der Alpenrepublik, den Proporz, abgeordneten Bundesbürgern erklärt, also politische Macht ist immer Teilhabe an staatlichem Besitz. Ansonsten ist viel „Nein, weiß ich nicht“ dabei.

Die Häufung von ÖVP-Politikern

Dennoch sind auch da einige Bekenntnisse: „Ibiza war für mich eine Entwicklung, wenn man so will. Also, ich ging rein in das Projekt im Prinzip als Freundschaftsdienst gegenüber diesem Anwalt, und es entwickelte sich dazu, dass ich, ich glaube, ab einem gewissen Zeitpunkt zu der persönlichen Überzeugung kam, dass hier Einfluss auf österreichische Politik genommen wurde, teils vom Ausland aus durch Geldzahlungen und Geldtransfers.“ Und da geht es dann nicht mehr um Ibiza, sondern um den großen Skandal und seine Auswirkungen auf das kleine Land. „Bei Wirecard fiel mir dann – nachdem ab Sommer 2019 nach Veröffentlichung ja klar war, dass es unmöglich sein konnte, dass Strache quasi alleine hier Malversationen getrieben hatte, die niemandem aufgefallen wären – speziell bei den Dokumenten von Herrn K. auf: die Gehäufung von Ex-Politikern der ÖVP, in dem Fall speziell mit Sicherheitshintergrund, speziell aus dem Kabinett des Innenministers Strasser, was mein Interesse weckte“, spricht Julian H. vor den deutschen Wirecard-Ausschuss. Weitere Schnittmengen seien klarerweise die Österreichisch-Russische Freundschaftsgesellschaft gewesen. Und er versucht immer wieder auf die FPÖ und ihre russischen Connections hinzuweisen. Neben den Wirecard-Bossen Markus Braun und Jan Marsalek gehören ja auch andere österreichische Politiker unterschiedlicher Parteien dem Verein an, meinte Julian H.. Man schreibe ihr „im In- und Ausland eine bedeutende Rolle“ innerhalb der Geheimdienste zu.

Beim Ibiza-Video bestätigt Julian H. recht direkt, dass es alle eigentlich längst vor der Veröffentlichung gekannt hätten. Anscheinend wollten manche das doch haben: Denn Julian H. wird befragt, ob „es sich um die Kanzlei von SPÖ-Anwalt Michael Pilz handelt, der mit Ibiza-Anwalt Ramin Mirfakhrai über den Erwerb des Videomaterials verhandelt“ habe. Und er bestätigt das: „Dass es Verhandlungen gab, ist mir bekannt. Aber der Punkt war: Das Ibiza-Video sollte dazu dienen, den Bodyguard von Strache abzusichern. Und dazu hat Anwalt Mirfakhrai Kontakt aufgenommen zu diversen politischen Seiten, die seiner Meinung nach wohl relevant waren. Ich war nicht direkt involviert in diese Kontaktaufnahmen. Ich wusste, dass es sie gibt. Das hat nicht geklappt am Ende, wie man gesehen hat.“

Wollte die SPÖ kaufen?

Dazu kommt später die Frage, ob ihm „Geld geboten wurde, wenn (er) fälschlich die SPÖ als Auftraggeber des Ibiza-Videos hinstellen“ würde. Julian H. bestätigt solche Angebote „von zwei Leuten aus dem Glücksspielumfeld und einem Mitbeschuldigten, die mir nahelegten, ich solle doch an mich denken“ und konkretisiert: „Die Angebote kamen von Ende Mai bis kurz vor Veröffentlichung des Buches der Obermayers, wo man mir dann letztmalig sagte: Das ist deine letzte Chance. Akzeptiere zwei Millionen, bevor das Buch rauskommt. Gib uns das Video und belaste entweder die Strabag oder die SPÖ.“

Ibiza-Video war den wichtigen Leuten im Land bekannt

Zur Frage, ob es andere Videos gäbe, von denen er Kenntnis habe, hat sich Julian H. beim österreichischen Ibiza-Ausschuss ja entschlagen. In Deutschland war er beim nicht öffentlichen Teil der Anhörung nicht ganz so verschlossen. Wie auch ZackZack meldet, bestätigt er, von einem gehört zu haben und jemanden zu kennen, wo es angeblich um Gastronom Ho und eine ÖVP-Runde mit Sebastian Kurz bei ihm gegangen sei – und um Kokain. Gesehen habe er das Video aber nicht. Was Julian H. aber dem deutschen Wirecard-Untersuchungsausschuss ganz klar bestätigt: „Also, das Thema, das das Ibiza- Video behandelt, war sicher ab einem gewissen Zeitpunkt dem Großteil der politischen Kreise in Wien zumindest peripher oder kursorisch bekannt. Ja, davon kann man ausgehen.“ Was wohl so viel heißt wie, dass allen politischen wesentlichen Kreisen des Landes der zumindest der Inhalt des Ibiza-Films bekannt war, vor er „aufgedeckt“ wurde. Oder anders gesagt: Wir werden uns noch wundern, wer den Film alles kannte, bevor er zum Skandal wurde …

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