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Nahost-Konflikt

Wirbel um Palästina-Sager von „Fridays for Future“

Seit etwas mehr als einer Woche dominiert der Israel-Palästina-Konflikt neuerlich die internationalen Schlagzeilen. Die Debatte polarisiert sich zusehends – und nun gibt es einige Aufregung um offizielle Beiträge in sozialen Medien vonseiten der Klimabewegung „Fridays for Future“ (FFF) – auch intern.

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Symbolbild (CC0).

Die alten Gräben sind wieder aufgebrochen: Nachdem mehrere arabische Familien aus den Häusern, die sie bewohnten, geworfen werden sollten, folgten zunächst Proteste, später Raketen auf Israel und in weiterer Folge wechselseitige Gewalthandlungen. Weltweit solidarisierten sich Menschen mit beiden Seiten, wobei es in mehreren europäischen Städten zu lautstarken Pro-Palästina-Demonstrationen kam, bei denen mancherorts auch antisemitische Parolen skandiert wurden. In Österreich sorgte die Beflaggung des Bundeskanzleramts mit der Israel-Fahne für innen- und außenpolitische Verstimmung. Nun droht der Bewegung „Fridays for Future“ Ungemach, weil sie sich auf die arabische Seite schlugen.

Solidaritätsbekundung mit Pathos

Der Wirbel entzündete sich am Mittwoch in sozialen Medien, nachdem der internationale FFF-Account eine Stellung im Konflikt bezog. In einem mehrteiligen Instagram-Post schrieben sie: „Unsere Herzen sind bei all den Märtyrern, die ihre Leben verloren haben. Die Gewalt und der Verlust von Leben sind eine Trägodie, es wird nicht vergessen werden, dass sie ihr Blut gaben. Mögen aus den Erinnerungen ein Segen und eine Revolution erstehen“.

Für Aufregung sorgte auch eine weitere Passage im Beitrag: „Die Verbindung zwischen einem Volk und seinem Land übersteigt jedes politische Motiv. Das Land fördert das spirituelle und kulturelle Wohlergehen, verbunden mit einer Verantwortung, es zu hegen, wenn es von Generation zu Generation weitergegeben wird und dabei eine Verbindung zwischen selbigen schafft.“ So mancher Kommentator fühlte sich dabei an die historische „Blut und Boden“-Ideologie erinnert.

Interne Kritik und Empörung in der Öffentlichkeit

Im Nachlauf prasselte ein regelrechter Shitstorm auf „Fridays for Future“ herein. Es hagelte Vorwürfe, sie würden sich mit vermeintlichen antisemitischen Narrativen gemein machen – andere wiederum sahen darin ein Indiz, dass die Klimabewegung durch linksextreme Akteure unterwandert seien. Die Parteinahme für Palästinenser im laufenden Konflikt ist nämlich seit Jahren ein Fixpunkt bei diversen linken Gruppierungen.

Interessant war dabei, dass bereits diese Darstellung auch für einigen internen Dissens sorgte. Denn der Deutschland-Ableger der Bewegung rund um die Grünen-Jungpolitikerin Luisa Neubauer distanzierte sich vorsorglich von der Stellungnahme der Mutterorganisation. Dabei soll ihnen aber nur gestattet worden sein, ihren Widerspruch auf zwei der neun Slides darstellen zu dürfen. Auf Twitter stellten die deutsche Gruppe klar, dass man sich „in aller Deutlichkeit von allen Inhalten“ distanziere.

Erklärungsversuche mit wiederholter Seitenwahl

Nach dem ersten Gegenwind suchte die Gruppe in den späten Abendstunden ihr Heil in der Flucht nach vorn – und versuchte sich in einem Twitter-Thread zu erklären. Dabei sorgte sie aber für neue Verwerfungen, da so mancher Nutzer nicht mit der Deutung, dass die – in Österreich von allen Parlamentsparteien missbilligte Bewegung „Boycott, Divestment and Sanctions“ (BDS) lediglich in manchen Ländern „von ihrer ursprünglichen Absicht abweicht“.

Man stelle sich gegen „Siedler-Kolonialisierung“ und gegen „alle Formen des Kolonialismus und systematische Repression durch Militärs und Institutionen. Die Diskussionen um das Thema seien aus dem Kontext gezogen worden und würden Juden und Palästinensern gleichermaßen schaden. Es gelte aber, sich auf die Seite aller ausgegrenzten Gruppen zu stellen, denn deren Befreiung sei im gemeinsamen Interesse.

Medienleute halten Standpunkte für antisemitisch

Die Reaktion auf die Stellungnahmen war höchst unterschiedlich. Die liberal-konservative Online-Zeitung eXXpress sah darin einen endgültigen Dammbruch und befand, dass FFF damit „Hamas-Propaganda verbreitet“ habe. In der Vorwoche war bereits die Galionsfigur der Bewegung, die Schwedin Greta Thunberg (18) ins die Kritik geraten, weil sie Tweets einer prominenten BDS-Unterstützerin weiterverbreitete. Ein Focus-Kommentator sprach daraufhin von Gretas „hässlicher Seite“.

Vertriebenen-Thematik als Aufhänger

Die polarisierende Thematik findet aber auch einige Behandlung im patriotischen Spektrum, wo die Standpunkte zur Israel-Palästina-Thematik ebenso gespalten sind wie in der linken Reichshälfte. Das Spektrum reicht bekanntlich von vorauseilender Israel-Solidarität bis hin zur Parteinahme für die Belange der Araber, auch vor dem Hintergrund der starken Schutzfunktion der USA über Israel sowie eben eines Vertreibungs-Aspektes.

Streit um Konflikt und österreichische Neutralität

Eine dritte Gedankenschule wiederum zeigt Verständnis für die Belange beider Seiten und setzt auf Vermittlung statt Seitenwahl. Zu dieser scheint auch FPÖ-Chef Norbert Hofer zu gehören, der scharfe Kritik an der Israel-Flagge auf offiziellen Gebäuden übte, da dies mit der österreichischen Neutralität nicht zu vereinbaren sei. Er verwies dabei auf die Vermittlerfähigkeiten des einstigen SPÖ-Altkanzlers Bruno Kreisky als Leitbild.

Die ÖVP warf ihm daraufhin vor, bei „Corona-Leugner, Identitären und Antisemiten“ punkten zu wollen – ein steiler Vorwurf gerade vor dem Hintergrund der jüdischen Wurzeln des Ex-Kanzlers.


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