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Preis des Zögerns

USA und China kaufen Baumaterial in Deutschland auf

Die Preise für Baurohstoffe sind zuletzt stark angestiegen. Das ergibt große Probleme für die Baubranche.

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Symbolbild (CC0).

China und die USA nutzen ihren Startvorteil: Weil sie früher als Europa die im Zusammenhang mit dem Coronavirus verfügten Beschränkungen aufgegeben haben, zieht dort die Wirtschaft deutlich an. Auch der Immobiliensektor floriert, es wird so viel gebaut wie schon lange nicht mehr. Hingegen erwachen viele europäische Staaten kaum aus der Pandemie-Schockstarre. Auch Deutschland nicht. Die heimische Nachfrage springt nur zögerlich an und viel später als die des Auslands. Heimische Baustoffproduzenten orientieren sich nun in Richtung Export. Europa ist ans Ende der Lieferpriorisierungskette gerutscht, was die wirtschaftliche Erholung wohl erschweren wird.

Nahezu die Hälfte aller Häuser, die derzeit in den USA zum Verkauf stehen, findet innerhalb der ersten Woche einen Käufer. Die Immobilienbranche erlebt goldene Zeiten. Der Wunsch der „Home-Office“-Veteranen nach mehr Wohn- und damit Arbeitsfläche lässt die Preise steigen und führt zu immer größeren Investitionen in Immobilienprojekte. China hatte die wirtschaftliche Aufholjagd überhaupt schon Ende letzten Jahres eröffnet und setzt seine teils gigantischen Bauunternehmungen fort. Weshalb aber ist dieser Kaufrausch in Übersee für die heimische Wirtschaft relevant?

USA exportieren Inflation

Bedingt durch diese Entwicklungen ziehen auch die Kosten für Baumaterialien in den USA kräftig an. Die Preise für Bauholz stiegen auf ungekannte Höhen (TAGESSTIMME berichtete). Nun sind US-amerikanische Baufirmen bereit, Baustoffe für viel Geld auch aus Europa zu importieren. Was zuerst nach freudigen Nachrichten für heimische Baustoffhersteller und die Handelsbilanz klingt, entpuppt sich auf den zweiten Blick als Hemmnis für die deutsche Wirtschaft. Auch hierzulande wird fleißig gebaut: In Hamburg, München, aber auch in der österreichischen Hauptstadt Wien herrscht Baustellenhochkonjunktur. So entsteht beispielsweise in der Hansestadt mit dem Elbtower ein neues Wahrzeichen, in München baut Google ein neues Entwicklungszentrum im ehemaligen Postpalast für mehrere hundert Millionen Euro, und in Wien investiert der Bauträger Signa beinahe eine halbe Milliarde Euro in ein neues Kaufhaus auf der Mariahilfer Straße.

Die US-Nachfrage im Ausland exportiert nun die dort anziehende Inflation nach Europa. Die Zahlungsbereitschaft der US-Importeure übersteigt zuweilen die der heimischen Unternehmen. Diese müssen zuwarten oder gehen ganz leer aus. Wer in Kalifornien oder Florida im Vergleich zum Vorjahreszeitraum das Vierfache für Material ausgeben müsste, ist gerne bereit, in Europa das Doppelte des dortigen Preises zu zahlen und nimmt dafür auch lange Lieferwege in Kauf. Es kommt zu Engpässen und Preissteigerungen, die wohl bis auf weiteres anhalten werden.

Deutschland hinkt hinterher

Die im Vergleich wesentlich stärkere wirtschaftliche Erholung im Ausland hemmt die Deutschlands. Für ihre Kunden spiele der Preis keine Rolle mehr, berichten amerikanische Importeure von Baumaterialen. Hauptsache, es wird geliefert! Die Investitionsbereitschaft der US-Haushalte in Eigenheime – unterstützt durch fiskalpolitische Programme und niedrige Finanzierungskosten – erlaubt es den Bauunternehmern, die steigenden Kosten weiterzuverrechnen. Deutsche Bauunternehmer hingegen sehen ihre Gewinnspanne im Bieterkampf um Materialien verpuffen.

Zugleich bleiben Lieferungen aus China, beispielsweise von Plastikrohren, aus. Dort reichen die Produktionskapazitäten gerade noch, um die heimische Nachfrage zu bedienen; europäische Kunden müssen sich hinten anstellen. Deutschland ist in dieser Angelegenheit ganz und gar dem ökonomischen Schwergewicht der USA und Chinas ausgeliefert: Solange die Nachfrage dort weiter so stark steigt, werden auch hierzulande die Preise nicht so rasch sinken.

Das Nadelöhr bei den Herstellern

Gerade bei den Preisen für Bauholz lässt sich ein interessantes Phänomen beobachten: Stiegen diese auch in Deutschland zuletzt stark an, so sanken die Einkaufspreise für Rohholz im Vergleich zum Beginn des letzten Jahres um drei Prozent. Sägewerksbesitzer wird es freuen! Dieser Umstand offenbart, wo sich die Engpässe im Güterstrom befinden: Es sind nicht die Rohstoffe, die fehlen, sondern die Produktionskapazitäten dort, wo diese veredelt werden. Das Land bräuchte mehr Sägewerke und Hochöfen. Die Digitalisierung kann eben herkömmliches verarbeitendes Gewerbe doch nicht ersetzen.


Verweise:

US-Nachfrage für Bauholz in Europa

Deutliche Steigerung bei Baumaterialien

Deutsche Holzpreise

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