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„Der Hofer wars“ – Der FPÖ-Übergangsobmann

Norbert Hofer ist am Dienstag überraschend und ohne Kenntnis der Parteispitze als Bundesparteiobmann zurückgetreten. 2019 hatte er die FPÖ von Heinz-Christian Strache übernommen. Nun übergibt er sie wieder. Ein Portrait.

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<p>© Parlamentsdirektion / Johannes Zinner.</p>

© Parlamentsdirektion / Johannes Zinner.

„Sie werden sich noch wundern, was alles möglich ist“, ist wohl der gängigste Spruch von Norbert Hofer, gefallen im Bundespräsidentenwahlkampf 2016. In ihm ist er zwar knapp gescheitert, erreichte aber als Freiheitlicher doch das beste Wahlergebnis, das die FPÖ sozusagen je hatte. Der Spruch wurde vom politischen Gegner als drohend-dräuend verstanden, von eigenen als Ankündigung einer rechten Wende in Österreich, wie sie später mit Türkis-Blau und Sebastian Kurz/HC Strache erfolgreich versucht wurde. Heute wundert sich wieder wer, was möglich ist, die ganze FPÖ, der ihr Obmann abhanden gekommen ist. Der ließ im Konflikt mit FP-Klubobmann Herbert Kickl um den Oppostionskurs einfach los: „Ich lasse mir nicht jeden Tag ausrichten, dass ich fehl am Platz bin.“ Kritiker in der Partei meinten noch immer, dass Hofer am liebsten und um jeden Preis mit Kurz wieder wollte.

Norbert Hofer wurde am 2. März 1971 in Vorau geboren und ist in Pinkafeld aufgewachsen. Hofer hat seinen Hauptwohnsitz im Südburgenland, ist verheiratet und hat vier Kinder. Nach der Matura an der Höheren Technischen Bundeslehranstalt für Flugtechnik in Eisenstadt war er als System­ingenieur bei der österreichischen Fluglinie Lauda Air beschäftigt. Sein Hobby, der Flugsport, wurde ihm im Jahr 2003 zum Verhängnis. Er stürzte mit dem Paragleiter ab und zog sich schwere Wirbel­säulen­ver­letzungen zu. Hofer leidet seitdem an einem inkompletten Querschnittssyndrom.

Hofer als Dritter Nationalratspräsident. Bild: © Parlamentsdirektion / Thomas Topf.

Fast Bundespräsident

Von 1996 bis 2007 war Hofer Landesparteisekretär der FPÖ-Burgenland, seit 2006 ist er stellvertretender Landesparteiobmann. Von 1997 bis 2007 war er Gemeinderat in Eisenstadt. Von 1994 bis 2006 war Norbert Hofer Stadtparteiobmann der FPÖ in der Landeshauptstadt Eisenstadt, von 2004 bis 2010 Bezirksobmann in Eisenstadt. Von 2000 bis 2006 war Norbert Hofer Klubdirektor im Freiheitlichen Landtagsklub im Burgenland. Nach der Nationalratswahl im Oktober 2006 zog er als Abgeordneter in den Nationalrat ein. 2005 wurde Hofer erstmals zum Vizeparteiobmann der Freiheitlichen Partei Österreichs gewählt. Am 18. Juni 2011 wurde im Rahmen des 30. Bundesparteitages der FPÖ in Graz das unter der Verantwortung von Norbert Hofer erstellte neue Parteiprogramm der Freiheitlichen Partei Österreichs einstimmig beschlossen – ein traditionelles Programm mit deutlich nationalen Ansagen. Hofer selbst ist auch Ehrenmitglied einer pennalen Studentenverbindung, hatte aber auch sehr viel Freude am St. Georgs Orden des Hauses Habsburg. Den Identitären in ihrer Verfolgung hat mehrfach eher gemeine Aussagen nachgeschickt, was möglicherweise nicht alle gewundert hat.

Von 2013 bis 2017 hatte Hofer das Amt des Dritten Präsidenten des Nationalrats inne. Bei der Wahl zum Bundespräsidenten 2016 erreichte Hofer die Stichwahl und unterlag allerdings dem Grünen-Ex-Partei-Obmann Alexander Van der Bellen in der Stichwahl. Trotzdem wunderte man sich, dass so ein Wahlergebnis in Österreich möglich ist. Auf das sehr beachtliche Ergebnis folgten in der neuen Koalitionsregierung Ministerwürden: Am 18. Dezember 2017 wurde Hofer als Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie angelobt.

Parteiobmann rechtskonservativer Mittellage

Nachdem Ibiza die rechtskonservative Regierung aus der Bahn geworfen hatte, erfolgte Hofers Rücktritt von diesem Amt am 22. Mai 2019 und er kehrte als Nationalratsabgeordneter ins Parlament zurück, wo er fortan die Funktion des Klubobmanns der FPÖ bekleidete. In der schwierigen Situation hat er Parteiobmann wesentlich dazu beigetragen, die Partei wieder zu stabilisieren. Norbert Hofer war Spitzenkandidat der FPÖ bei der Nationalratswahl im September 2019, zog am 23. Oktober 2019 in den Nationalrat ein und wurde an diesem Tag auch zum Dritten Präsidenten des Nationalrats gewählt. Je mehr sich mit Corona aber die politische Lage verschärft hat, desto weniger wurde der staatstragende Habitus Hofers von der freiheitlichen Basis goutiert. Das im Gespür, hat der freiheitliche Bundesparteiobmann heute selbst die Konsequenzen gezogen – ohne dass allerdings irgendwer in der Partei davon wusste. Alle haben sich gewundert, dass das möglich ist.

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