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„Kochtopf-Whirlpool“

Hotel verteidigt sich gegen Rassismus-Vorwürfe

Für Kritiker bedient der Whirlpool in Kochtopf-Optik offenbar „kolonialrassistische Klischees“. Sie sehen eine „Kannibalen-Konnotation“. Anderen wiederum fällt es schwer, die medial aufgebauschte Entrüstung über die „African Lodge“ nachzuvollziehen.

3 Minuten Lesezeit
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Symbolbild (CC0).

Thun. – Nachdem zuletzt der Erlebnistierpark Memleben in Sachsen-Anhalt mit Rassismusvorwürfen gegen seine Kindereisenbahn „Kongo-Bongo“ zu kämpfen hatte (TAGESSTIMME berichtete), gerät nun das Schweizer Hotel Delta Park in Thun ins Visier der Medien. Mit dem Whirlpool in Kochtopf-Optik, welcher sich in der „African Lodge“ befindet, bediene das Hotel rassistische Klischees, meinen Kritikern und sehen eine „Kannibalen-Konnotation“.

„Kolonialrassistische Symbolik“

Die vom Hotel bediente Symbolik des Kochtopfes würde sich in eine „kolonialrassistische Bildwelt“ einreihen, urteilen Barbara Miller und Simone Rees gegenüber dem Schweizer Boulevard-Blatt 20 Minuten. Beide forschen an der Universität Freiburg unter anderem im Bereich der „Postcolonial Studies“ und der Geschichte der Dekolonisierung. Einerseits würde diese Symbolik durch die Hervorhebung des Exotischen ein romantisches Bild des „vormodernen Afrikas“ reproduzieren, in welchem die Menschen von der Zivilisation unberührt, wie im Steinzeitalter leben würden. Andererseits spiele sie mit der Bedrohlichkeit des „Primitiven“, welches gerade in der Tourismus-Branche Faszination erwecken solle, meinen die beiden Forscherinnen. Und weiter: „Solche Symbole und Klischees bestehen in verschiedenen Bereichen der Schweizer Öffentlichkeit relativ lang unproblematisiert weiter.“

Hotel weist Vorwürfe zurück

Wie die Junge Freiheit unter Berufung auf 20 Minuten berichtet, wies das Hotel die Vorwürfe zurück: „Die African Lodge ist seit fünf Jahren in Betrieb und die beliebteste unserer drei Private Spas. Wir haben bisher keine negativen Rückmeldungen erhalten, auch nicht von Menschen mit anderer Hautfarbe, die bei uns zu Gast sind“, so der Hoteldirektor Mirco Plozza. In dem Hotel würden viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verschiedener Kulturen arbeiten, von denen sich bisher niemand davon angegriffen gefühlt hätte, fügte Plozza hinzu. Eine „Kannibalen-Konnotation“ sei bei der Gestaltung der Einrichtung nicht beabsichtigt gewesen, ergänzte er, räumte aber die Möglichkeit der Namensänderung der „African Lodge“ ein.

„Der Westen sollte manchmal aufhören, für die Afrikaner zu sprechen“

Im Gegensatz zu den Forscherinnen der Universität Freiburg, hat Mark Bamidele-Emmanuel, Chef des Online-Senders Diaspora TV und selbst aus Nigeria stammend, kein Problem mit dem „Kochtopf-Whirlpool“. Auf Anfrage von 20 Minuten entgegnete er: „Persönlich sehe ich ein kreatives Konzept.“ Dass der Topf auf Klischees anspielen soll, lässt er nicht gelten: „In den meisten afrikanischen Dörfern kochen wir mit drei Steinen und Holz.“ Weiterhin glaube er, dass kein Afrikaner die „African Lodge“ mit besagtem Whirlpool anstößig finden würde. Im Übrigen „sollte der Westen manchmal aufhören, für die Afrikaner zu sprechen“, findet Bamidele-Emmanuel. „Mir ist aufgefallen, dass sich in den meisten Fällen nicht einmal die Afrikaner beschweren, sondern einige NGOs, die Medienpräsenz gewinnen wollen. Afrikaner sind kluge Geschäftsleute und wir verstehen, wenn sie uns diskriminieren wollen, aber das ist bei diesem Hotelkonzept nicht der Fall.“

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