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Gerald Grosz

„Die FPÖ gibt es nicht mehr zum Hofer-Preis“

Wenn die gesamte Nomenklatura in Österreich einem gackernden Hühnerstall gleicht, wenn die Quacksalber der Nation in einer unverhohlen konzertierten Aktion die FPÖ in den Umfragen gen Keller absacken lassen, wenn sich Journalisten, wie politische Mitbewerber gleichermaßen einhängen und auf den neuen FPÖ-Chef einschießen. Ja dann haben die Freiheitlichen alles richtig gemacht und die Ära der lähmenden Nettigkeit spät aber doch auf den Komposthaufen der parteiinternen Geschichte verfrachtet.

3 Minuten Lesezeit
<p>Norbert Hofer und Herbert Kickl im Nationalrat. © Parlamentsdirektion / Johannes Zinner</p>

Norbert Hofer und Herbert Kickl im Nationalrat. © Parlamentsdirektion / Johannes Zinner

Gastkommentar von Gerald Grosz

Mit der Designierung von Herbert Kickl zum neuen Obmann beenden die Freiheitlichen die letzten allzu offen zur Schau gestellten Versuche einiger türkiser Querverbinder in den eigenen Reihen, wieder in das türkise Koalitionsbett als nützlicher Idiot und Mehrheitsbeschaffer des knabenhaften Alleinregenten Kurz zu kriechen. Im Gegensatz zu Hofer, Haimbuchner und Co, die den Ibiza-bedingten Bruch der letzten türkis-blauen Koalitionsregierung bis heute nicht verdaut und verkraftet haben, hat Herbert Kickl – der intellektuelle Kopf und das rhetorische Schwert – am Tag des Endes der Regierung im Frühjahr 2019 in der Sekunde seine eigene Politik wieder auf Opposition umgestellt, das geliebte weil einflussreiche Ministeramt geistig wie kommunikativ schlagartig hinter sich gelassen und die Schienen innerhalb seines parteiinternen Einflussbereiches auf Angriff gelegt.

Besser gefürchtet als bemitleidet

Warum? Weil Kickl im Gegensatz zu den in der privilegierten Vergangenheit schwelgenden Parteifreunden erkannt hat, dass man sich eine Regierungsbeteiligung mit erfolgreichen Wahlen erkämpfen muss und nicht erbetteln kann. Weil er erkannt hat, dass man zuerst das Vertrauen der Menschen mit einer klaren und verlässlichen Linie wieder gewinnen, sich im Parteienspektrum wieder Respekt verdienen, wieder Kraft sammeln muss, um in einer künftigen Regierung aus einer Position der Stärke heraus agieren zu können.

Natürlich ist der Wechsel von Hofer zu Kickl ein Desaster für die ÖVP, denn die Freiheitlichen gibt es somit nicht mehr zum Hofer-Preis. Allein diese Tatsache sollte es auch für die freiheitliche Basis wieder verständlich machen, warum sich das Establishment mit allen Mitteln gegen die FPÖ einschießt. Und auch hier gilt der Leitsatz: Besser gefürchtet als bemitleidet zu werden.


Zur Person:

Gerald Grosz, geb. 1977, ist Grazer Unternehmer und landesweit bekannt für seine politischen Kommentare in Online- wie Printmedien. Er war 1992–2005 Mitglied der FPÖ, unter anderem langjähriger Pressesprecher von Sozialminister und Vizekanzler Herbert Haupt, und trat in der Folge zum BZÖ über, wo er zeitweise als Generalsekretär (2006–2008) sowie als Parteiobmann (2013–2015) fungierte.


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