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Expertin erhebt schwere Vorwürfe nach Hochwasser-Katastrophe

Vielerorts wurden die Menschen von der Schwere des Hochwassers überrascht. Doch Hochwasserexperten hatten schon Tage vorher detaillierte Daten vorliegen. Die britische Professorin Hannah Cloke spricht deshalb von einem „monumentalen System-Versagen“.

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Symbolbild (CC0).

Berlin. – Nach bisherigem Stand sind bei der Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Reinland-Pfalz mindestens 160 Menschen zu Tode gekommen. Noch immer werden Personen vermisst. Häuser, Straßen und Brücken sind zerstört. Vielerorts ist die Versorgung mit Strom, Gas und Wasser noch nicht wieder hergestellt. Angesichts dieses Ausmaßes wird nun Kritik am Verhalten der deutschen Regierung und Behörden im Vorfeld der Katastrophe laut. So gibt beispielsweise die britische Hochwasser-Expertin Hannah Cloke der Bundesregierung und dem deutschen Katastrophenschutz-System eine Mitverantwortung für die verheerenden Folgen des Hochwassers.

Expertin spricht von „monumentalem System-Versagen“

Cloke, Professorin für Hydrologie an der Universität Reading, gehört zu den Entwicklern des Europäischen Hochwasser-Warnsystems (Efas). Wie die britische Times berichtet, habe das System bereits am 10. Juli, also vier Tage vor Beginn der Überschwemmungen, Warnungen vor Hochwasser an die deutsche und belgische Regierung übermittelt. Wie unter anderem die Junge Freiheit unter Berufung auf die Times schreibt, seien erste Anzeichen der Katastrophe vor neun Tagen von einem Satelliten entdeckt worden. „In den nächsten Tagen schickte ein Team von Wissenschaftlern den deutschen Behörden eine Reihe von Prognosen, die so genau waren, dass sie sich nun wie eine makabre Prophezeiung lesen: Das Rheinland sollte von ‘extremen’ Überschwemmungen heimgesucht werden, vor allem entlang der Erft und der Ahr sowie in Städten wie Hagen und Altena“, so die Times. Cloke erklärte gegenüber dem Blatt: „Die Tatsache, dass Menschen nicht evakuiert wurden oder die Warnungen nicht erhalten haben, legen nahe, dass etwas schiefgegangen ist.“ Für sie handelt es sich um ein „monumentales System-Versagen“.

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Deutscher Wetterdienst: „Haben getan, was zu tun war“

Es sei „unglaublich frustrierend“, erläuterte Cloke gegenüber dem ZDF. „Schon mehrere Tage vorher konnte man sehen, was bevorsteht.“ Die notwendigen Warnmeldungen der Wetterdienste seien rausgegangen. „Doch irgendwo ist diese Warnkette dann gebrochen, sodass die Meldungen nicht bei den Menschen angekommen sind.“ Der Deutsche Wetterdienst (DWD), welcher die Efas-Daten erhalten hatte, äußerte gegenüber dem ZDF: „Wir haben getan, was zu tun war.“ Bis auf die einzelnen Gemeinden genau habe man einen Tag vor der Katastrophe „vor Regenmengen von bis zu 200 Litern pro Quadratmeter gewarnt“. Kritisch wurde darauf hingewiesen, dass die vom DWD übermittelten Warnungen „nicht von allen Medien“ geteilt worden seien. Die Unwetterwarnungen gebe der Deutsche Wetterdienst schließlich an die Katastrophenleitstellen der betroffenen Gemeinden weiter. „Dort wird entschieden, ob beispielsweise evakuiert wird“, heißt es vom DWD gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland hierzu weiter.

Warnsirenen funktionieren vielerorts nicht

Thomas Linnertz, Präsident der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD), die in Rheinland-Pfalz den Katastrophenschutz koordiniert, äußerte den Verdacht, dass viele Menschen die Warnungen falsch eingeschätzt hätten. „Es gab schon am Mittwoch Warnungen des Deutschen Wetterdienstes, auch Katwarn und Nina („Warn-Apps“) haben ausgelöst. Viele Menschen haben jedoch gedacht, dass vielleicht der Keller volllaufen würde. Aber so hohe Pegelstände wie bei der Ahr, das hat noch niemand erlebt, das hat uns alle überrascht“, so Linnertz im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Wegen des Ausfalls von Mobilfunk- und Strom hätte man viele Menschen nicht erreichen können, erklärt Linnertz weiter.

Dass vielerorts Warnsirenen nicht funktionieren, wissen Bund und Länder spätestens seit dem misslungenen bundesweiten „Warntag“ am 10. September 2020. Viele Sirenen blieben stumm oder Warnungen kamen mit halbstündiger Verspätung an. „Wir werden uns mit den Warnsirenen noch einmal beschäftigen müssen. Bund und Länder arbeiten nach dem wenig gelungenen Warntag daran, dass die Warnsysteme verbessert werden“, so Linnertz hierzu. Im Moment sei es jedoch noch zu früh, um detaillierte Schlüsse aus dem Hochwasser zu ziehen. Man konzentriere sich noch immer auf die Menschenrettung.

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