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Studie in Sachsen

Jedem dritten Polizisten gehen Corona-Maßnahmen zu weit

Die Corona-Maßnahmen finden in verschiedenen Bereichen und Laufbahnen der Polizei unterschiedlich starken Zuspruch. Manche Beamte stufen die Interventionen als „verfassungsmäßig zweifelhaft“ ein und zeigten sich befremdet über ihre Aufgaben im Zuge der Durchsetzung der Corona-Maßnahmen, heißt es in der Studie.

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Symbolbild (CC0)

Rothenburg/Oberlausitz. – Das Sächsische Institut für Polizei- und Sicherheitsforschung (SIPS) veröffentlichte jüngst eine Studie zum Thema „Polizeidienst in Krisenzeiten“. In dieser ging es um eine „Beschäftigungsbefragung zur Corona-Pandemie der Polizei Sachsen“. Die teilnehmenden 2.323 Beamten wurden unter anderem zu ihrer Einstellung hinsichtlich der Pandemie, der Angemessenheit der Corona-Maßnahmen und ihrem Berufsethos befragt. Zuerst hatte die Bild über die Untersuchung geschrieben und berichtet, dass das sächsische Innenministerium über die nicht beauftragte Studie verärgert gewesen wäre und sie lieber geheim gehalten hätte. Aus den Ergebnissen geht hervor, dass knapp jedem dritten Polizisten die Maßnahmen und „Corona-Beschränkungen“ zu weit gehen.

Polizist: „Dafür sollte man ehemalige Stasi-Mitarbeiter einsetzen!“

So äußerten manche Beamte in den Freitextkommentaren der Studie den Eindruck, dass die Interventionen aus ihrer Sicht nicht selten „verfassungsmäßig zweifelhaft“ seien und sie das „fragile gesellschaftliche Vertrauen in die Polizei erschüttern bzw. vorhandenes Misstrauen vertiefen“ würden. Andere Befragte zeigten sich befremdet über ihre Aufgaben im Zuge der Durchsetzung der Corona-Maßnahmen, heißt es in der Studie. „Ich bin nicht Polizist geworden, um Leute zu bespitzeln oder herauszufinden, ob drei Omas im Park aus zwei oder drei Haushalten stammen. Dafür sollte man ehemalige Stasi-Mitarbeiter einsetzen! Bürger werden zur Denunziation verleitet, das finde ich nicht gut!“, lautet hierzu ein Kommentar eines Polizisten.

Unterschiedliche Einstellungen innerhalb der Polizei

Mit 32 Prozent empfanden im Vergleich zur deutschen Gesamtbevölkerung im Befragungszeitraum deutlich mehr Bedienstete der sächsischen Polizei die Corona-Maßnahmen als zu weit gehend. Weitere 32 Prozent beurteilen die Maßnahmen jedoch als „genau richtig“ und 25 Prozent finden, sie gehen „nicht weit genug“. Gut jeder Zehnte meinte zudem, dies nicht beurteilen zu können. Des Weiteren war ein reichliches Drittel der befragten Polizeibediensteten „eher“ oder „voll und ganz“ der Ansicht, die Medien würden die gesundheitliche Gefahr einer Infektion mit dem Coronavirus übertreiben. Nur knapp ebenso viele hatten den Eindruck, das sei „eher nicht“ oder „überhaupt nicht“ der Fall.

Zu diesen Unterschiedlichen Bewertungen beitragen würden drei verschiedene „Einstellungstypen“, so die Studie: die „unsicheren Konformisten“ (46 Prozent der Belegschaft), die „besorgten Interventionisten“ (32 Prozent der Belegschaft) und die „unbesorgten Skeptiker“ (22 Prozent der Belegschaft). Sie würden sich klar hinsichtlich ihrer Ansteckungssorgen, ihrer Wahrnehmung der Gefährlichkeit des Virus sowie ihrer Einstellungen zur Befolgung und Durchsetzung von Corona-Regeln unterscheiden. Diese drei Typen hätten also sehr verschiedene Wahrnehmungen der Corona-Pandemie und würden folglich auch das polizeiliche Krisenhandeln sehr unterschiedlich bewerten.

Zuspruch der Maßnahmen vor allem in den höchsten Laufbahngruppen

Interessanterweise sind diese „Einstellungstypen“ laut der Studie in den verschiedenen Bereichen und Laufbahngruppen der sächsischen Polizei unterschiedlich stark ausgeprägt. „Der Anteil besorgter Interventionisten ist in der höchsten Laufbahngruppe, in Stabs- und Verwaltungsstrukturen sowie in Forschung und Lehre besonders hoch. Dort wird die Corona-Pandemie demnach im Mittel ernster genommen und einschneidende Maßnahmen genießen mehr Zuspruch als auf der Ebene des operativen Maßnahmenvollzugs“, so die Befunde der Befragung.

Ungeachtet dieser Heterogenität verbinde die Belegschaft der sächsischen Polizei ein ausgeprägtes polizeiliches Berufsethos. Einer großen Mehrheit von knapp 80 Prozent sei es wichtig, die geltenden Corona-Regeln auch selbst einzuhalten. Doch immerhin 15 Prozent der befragten Polizisten befanden sich zum Befragungszeitpunkt in innerer Opposition zur beruflichen Aufgabe, die Einhaltung der Maßnahmen in der Gesellschaft durchzusetzen, so der Forschungsbericht.

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