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Gruß an Tschetschenen-Führer?

Weiter Wirbel um Judoka Borchashvili

Seit Donnerstag sorgt eine Videobotschaft des Olympia-Bronzemedaillen-Gewinners Shamil Borchashvili für Aufregung. Darin soll der in Oberösterreich lebende gebürtige Tschetschene brisante Danksagungen an Akteure in seiner ursprünglichen Heimat getätigt haben. Er selbst dementiert eine politische Absicht hinter den Aussagen.

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<p>Bild Borchashvili: Screenshot YouTube; Bild Kadyrow: Kremlin.ru via <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ramzan_Kadyrov_(2018-06-15)_02.jpg">Wikimedia Commons</a> [<a href="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.en">CC BY 4.0</a>]; Komposition: Tagesstimme</p>

Bild Borchashvili: Screenshot YouTube; Bild Kadyrow: Kremlin.ru via Wikimedia Commons [CC BY 4.0]; Komposition: Tagesstimme

Wels/Wien. – Das ÖOC-Aufgebot schlägt sich bei den Sommerspielen in Tokio beachtlich: Gleich sieben Medaillen – fünf davon in Bronze – haben die heimischen Aktiven zu Buche stehen. Eine davon errang der Judoka Shamil Borchashvili (Klasse bis 81kg), der seit 2017 die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt. Seit seinem Medaillengewinn feiert die Öffentlichkeit seine Geschichte als große Erfolgsstory eines einstigen Flüchtlings, als erfolgreiches Integrationsbeispiel. Diese einhellig positive Erzählung erhielt durch eine Enthüllung von Irfan Peci nun einen kräftigen Dämpfer.

Grüßte Olympiaheld den Tschetschenen-Diktator?

Der Islamismus-Experte lud auf seinen YouTube-Kanal ein Video von Borchashvili hoch. In diesem würde der Olympionike seinen Erfolg „dem tschetschenischen Volk“ sowie dem in der russischen Kaukasus-Republik autoritär herrschenden Ramsan Kadyrow. Zusätzlich beende er seine Ansprache mit „dem von Islamisten benutzten Gruß ‚Allahu akbar‘ und erhobenem rechten Zeigefinger“. Der angebliche Gruß an Kadyrow lasse auch den einstigen Fluchtgrund als „völlig falsch“ erscheinen.

Peci ließ sich eigenen Aussagen zufolge von zwei unabhängigen muttersprachlichen Tschetschenen die Richtigkeit der Übersetzung bestätigen. Zudem verweist der als „Islamistenjäger“ bekannte Experte darauf, dass der Mitschnitt aus einem tschetschenischen Medium stamme und auch staatliche russische Medien eine ähnliche Übersetzung verwenden. Der Ausschnitt zeige „das wahre Gesicht des österreichischen Olympiahelden Borchashvili“, so Peci in seinem Telegram-Kanal.

Borchashvili will nur Sportkollegen gegrüßt haben

Nachdem erste Medien die Vorwürfe Pecis aufgriffen meldete sich auch Borchashvili zu Wort. Dieser will nun seine für Österreich errungene Medaille nicht dem tschetschenischen Volk gewidmet haben. Er habe nur ihm verbundenen Judosportlern beim Verein Edelweiß Grosny einen Gruß hinterlassen. Auch der Judoverband ist der Ansicht, dass das was „in den sozialen Medien jetzt als politische Botschaft verkauft wird“, in Wirklichkeit „ein Anfeuerungsruf, den tschetschenische Judoka beim Training und auch bei Wettkämpfen im Alltag verwenden“, sei.

Den Dank an Kadyrow stellte Borchashvili nicht in Abrede, will ihn aber auf dessen Unterstützung für die Sportler und die Ermöglichung ihrer Teilnahme in Tokio münzen. Gemeint sei dabei unter anderem Tamerlan Bashaev, ebenfalls Bronzemedaillengewinner (über 100 kg). Der tschetschenische Machthaber Kadyrow steht weltweit wegen Menschenrechtsverletzung und brutaler Verfolgung Oppositioneller unter Kritik; laut Peci ein besonders gefährliches Regime. Am Freitagabend erklärte der Islamismus-Experte zudem in einem Stream, weshalb er das Dementi von Borchashvili für unglaubwürdig hält.

Fürchtet Bundesheer einen möglichen Skandal?

Ob Borchashvili nun nur Sportskollegen gegrüßt haben will und sich seiner neuen Heimat Wels und Österreich verbunden fühlt oder doch einen umstrittenen ausländischen Machthaber gegrüßt hat: Die Causa hat einiges an Sprengkraft. Denn Borchashvili dient im österreichischen Bundesheer als Korporal, dort überprüft man die Vorwürfe intern. Sollte es zur Degradierung des gebürtigen Tschetschenen kommen, wäre dies nach Enthüllungen über mutmaßliche Islamisten-Sympathien eines Ex-Militär-Imams das zweite Mal, dass Peci einen möglichen Skandal im Einflussbereich des Heeres aufdeckt.

Aber auch die Polizei in Oberösterreich hatte Borchashvili in höchsten Tönen gelobt. Die dortige Exekutive hatte auf besonders überschwängliche Art und Weise kommentiert: Bei Borchashvili handle es sich um einen „waschechten Oberösterreicher und Vorbild für alle, denen Österreich zur Heimat werden soll.“ Er sei ein Zeichen für gelungene Integration. Womöglich könnte die Polizei genötigt sein, von dieser Bewertung noch abrücken zu müssen, sollten sich die Indizien weiter verdichten.

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