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Heimgang einer Reporter-Legende

Nahost-Experte Ochsenreiter ist tot

Eine unerwartete und schockierende Trauernachricht erfasst die patriotische Publizistik. Der rastlose Frontreporter und Nahost- sowie Osteuropa-Experte Manuel Ochsenreiter verstarb mit nur 45 Jahren. Er hinterlässt eine große Lücke.

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<p>Manuel Ochsenreiter (1976-2021) war dafür bekannt, sich immer ein eigenes Bild vor Ort zu machen, Foto: Archiv des Autors</p>

Manuel Ochsenreiter (1976-2021) war dafür bekannt, sich immer ein eigenes Bild vor Ort zu machen, Foto: Archiv des Autors

Moskau. – Der langjährige Chefredakteur des Zuerst!-Magazins schloss am Mittwoch für immer seine Augen. Es waren Augen, die in der viel zu kurzen Zeit, die ihm auf dieser Erde vergönnt war, viele Orte sahen. Augen, die sich immer ein eigenes Bild machten. Und es verstummt eine gewichtige Stimme: Eine Stimme, die sich nie ein Blatt vor den Mund nahm und die immer messerscharfe Analyse liefern konnte. Viele seiner Weggefährten äußern sich nach seinem Heimgang mit bewegenden Nachrufen über das bewegte Leben von Manuel Ochsenreiter.

Ein bewegtes Leben: Immer der kritische Blick vor Ort

Und die Weggefährten sind gerade in der freien Publizistik viele. Ochsenreiter wurde am 18. Mai 1976 in Isny geboren – einer der vier Gemeinden des württembergischen Allgäu. Die Bodenständigkeit seiner Heimatregion spiegelte sich in seiner gemütlichen und leutseligen Art wieder – die dennoch rastlos war. Denn während die Korrespondenten etablierter Medien aus Hauptstadtbüros fabulierten, berichtete Ochsenreiter vor Ort. Ob Balkan, Libanon, Syrien oder die Ukraine: Kein Konfliktherd konnte so feurig sein, als dass er sich nicht mutig an die Front begab, um die authentischsten Eindrücke zu bekommen.

Seine journalistische Karriere nahm Fahrt auf, als er im zarten Alter von 18 Jahren bei der Jungen Freiheit anheuerte, dort später einer der jüngsten Ressortleiter war. Nach zehn Jahren bei der konservativen Zeitung zog es ihn zur Deutschen Militärzeitschrift, seit 2011 war er Chefredakteur des Monatsmagazins Zuerst!. Neben waghalsigen Vor-Ort-Recherchen brachte er seinen Lesern patriotische Stimmen aus dem europäischen Ausland näher, die im deutschsprachigen Raum heute sonst wohl nicht dieselbe Bekanntheit hätten. Sein Lebenslicht brannte nur 45 Jahre lang, aber es brannte hell.

Rege Anteilnahme in der patriotischen Publizistik

Nichts konnte seinen unermüdlichen journalistischen Drang, von den Brennpunkten dieser Erde zu berichten, bremsen, wie Johannes Schüller für den Wochenblick schreibt: „Auch nachdem er 2014 in Syrien einen Herzinfarkt erlitt und vor Ort in medizinische Behandlung musste, gab der gebürtige Allgäuer seinen Kampf für einen stets nach Objektivität strebenden ‚Haltungsjournalismus‘, der diesen Namen wirklich verdient, nicht auf.“ Auch bei sei Zuerst! betont man seine Unermüdlichkeit: „Unser einziger Trost ist, dass unser Freund, der in seiner Rastlosigkeit schon mehr als nur ein Leben gelebt hat, sich nun von seinem irdischen Lebensmarathon ausruhen darf.“

Auch Compact-Chefredakteur Jürgen Elsässer fand bewegende Worte: „Ein grausamer Verlust! Er war einer der besten Leute auf der politischen Rechten, aufrecht und treu, dabei immer humorvoll und nicht verbiestert. Mir war er ein guter Kamerad, und wenn Not am Mann war, waren wir füreinander da.“ Bei Info-Direkt verwies man auf Ochsenreiters verbindenden Charakter: „Konkurrenzdenken unter den patriotischen Medien war Manuel Ochsenreiter immer fremd – ihm ging es ausschließlich um die gemeinsame Sache.“ Die Verlegerin Ellen Kositza wiederum teilte eine Erinnerung aus der Frühphase des publizistischen Schaffens, die Wege der beiden sollten sich immer wieder wohlwollend kreuzen.

Auch weitere Publizisten aus dem patriotischen Lager bekundeten ihre Anteilnahme und äußerten sich persönlich betroffen. Der Journalist und Autor Volker Zierke („Enklave“) dankte ihm etwa als prägendes Vorbild für seinen journalistischen Weg.

Messerscharfe Analysen und brenzlige Anwürfe

Wie messerscharf seine Analysen waren, zeigte er auch im Frühjahr 2018. Unser Medium war gerade einmal einen Monat alt, trotzdem scheute er sich nicht, der Tagesstimme Rede und Antwort zu stehen. Seine damalige Einschätzung zur Problematik der westlichen Außenpolitik ist zeitlos: „Sowohl die Politik Washingtons als auch die Moskaus lassen sich logisch erklären. Europas Syrienpolitik wiederum scheint geradezu selbstmörderisch zu sein. Obwohl Europa im Prinzip die gleichen Interessen wie Russland in der Region hat – also Stabilität – unterstützt es die Destabilisierungspolitik der USA. Das ist in etwa so, als helfe man einem zugereisten Brandstifter, in der Nachbarwohnung zu Feuer zu legen.“

Apropos Brandstiftung: In den letzten Jahren seines Lebens sah er sich mit einem üblen Vorwurf konfrontiert. Polen unterstellte ihm, er habe in der Westukraine einen Brandanschlag gegen eine Einrichtung der ungarischen Minderheit geplant, organisiert und finanziert. Seine Weggefährten hielten dies für eine fingierte Behauptung, nehmen auch in ihrem Nachruf Bezug darauf. „Allzu offensichtlich war hier der Versuch, einen unerwünschten Journalisten und politischen Analysten durch konstruierte Vorwürfe in Misskredit zu bringen“, so Schüller. Und Elsässer schrieb: „Jeder, der ihn kannte, wusste: eine schmutzige Lüge! Manuel war kein Gewaltanhänger. Er war sanft, vielleicht zu sanft.“


Weiterlesen:

Nahost-Experte Ochsenreiter: „Europas Syrienpolitik ist selbstmörderisch“ (06.03.2018)

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