Ex-Kurz-Generalsekretär Linhart wird neuer Außenminister

Die türkise Kanzler-Rochade machte auch die Nachbesetzung des Außenministers nötig. Das Rennen zwischen zwei ranghohen Beamten, deren Karriere dort unter Kurz so richtig in Fahrt kam, machte schlussendlich Michael Linhart, zuletzt österreichischer Botschafter in Paris.

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<p>Michael Linhart, Alexa Wesner, Sebastian Kurz (v.l.n.r.). Bild: U.S. Embassy Vienna<a href="https://www.flickr.com/photos/usembvienna/31551626063/">Flickr</a> [<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/">CC BY-ND 2.0</a>]</p>

Michael Linhart, Alexa Wesner, Sebastian Kurz (v.l.n.r.). Bild: U.S. Embassy ViennaFlickr [CC BY-ND 2.0]

Wien. – Bis zuletzt war auch der ehemalige Regierungssprecher Peter Launsky-Tieffenthal als aussichtsreicher Kandidat gehandelt worden. Stattdessen wird der Berufsdiplomat Linhart nun wohl zum Nachfolger des Kurz-Vertrauten Alexander Schallenberg, nachdem dieser ins Kanzleramt rückt. Es ist der nächste Karrieresprung des in Vorarlberg aufgewachsenen Linhart, der schon von 2013 bis 2018 als Generalsekretär im Außenministerium fungierte und damit der ranghöchste Beamte des Ressorts war. Seine damalige Spitzenposition endete mit dem Wechsel von Kurz zu Karin Kneissl.

Steile Diplomaten-Karriere im schwarzen Parteiumfeld

Linhart entstammt selbst einer Diplomatenfamilie, wurde in der türkischen Hauptstadt Ankara geboren, als sein Vater an der dortigen Botschaft arbeitete. Wie viele Kinder gehobener Familien besuchte er in der Jugend das Gymnasium des Jesuitenkollegs in Feldkirch. Mit dem Jus-Studium in Wien trat er auch in eine katholische Studentenverbindung ein. Einen ähnlichen Werdegang als Vorbereitung für eine große Polit-Karriere hatte – bis auf die Studienwahl – sein Bruder Markus Linhart, der von 1998 bis 2020 über zwei Jahrzehnte lang ÖVP-Bürgermeister in Bregenz war.

Enthüllungen über die ÖVP

Nach diplomatischen Stationen von Michael Linhart in Syrien und Kroatien holte ihn der damalige Außenminister Wolfgang Schüssel 1995 in sein Kabinett. Kurze Zeit war unter dessen Kanzlerschaft auch sein außenpolitischer Berater. Nach einigen Jahren an der Spitze der Entwicklungshilfe-Organisation des Außenministeriums und Stationen als Botschafter in Syrien und Griechenland machte ihn Michael Spindelegger schließlich zum Generalsekretär des Ressprts. Diese Position behielt er auch unter dessen politischen Zögling und Amtsnachfolger Sebastian Kurz.

Schallenberg & Linhart als „enge Kurz-Vertraute“

Das Verhältnis zwischen den beiden soll stets wohlwollend gewesen sein, der Kurier bezeichnete Linhart schon im Jahr 2017 als „engen Vertrauten“ von Sebastian Kurz. Für Schallenberg gilt ohnehin dasselbe: Jener war sogar Pressesprecher von Michael Spindelegger – neben einem gewissen Thomas Schmid, der im aktuellen Skandal um Sebastian Kurz eine zentrale Rolle spielen soll. Kurz ernannte Schallenberg 2013 zum Leiter der Stabsstelle für strategische außenpolitisch Planung, 2016 zum Sektionschef der Europa-Sektion des Außenministeriums.

Vor diesen Personalentscheidung wird umso deutlicher: Mit dem Abgang von Sebastian Kurz aus dem Kanzleramt ist dessen Rolle nicht geringer. Neben der neuen Rolle als Klubchef stellte er auch bei seiner Nachfolge sicher, dass enge Vertrauenspersonen diese besetzen würden. Die Besetzungen könnten nun die Ansicht der Opposition, wonach das „System Kurz“ ungebrochen an den Schalthebeln sitzen, weiter befeuern.

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