Bogenschützen-Anschlag in Norwegen

Täter soll zum Islam konvertiert sein

Am Mittwochabend erschütterte ein fürchterlicher Angriff die norwegische Kleinstadt Kongsberg. Ein Mann (37) soll mit einem Sportbogen wild um sich geschossen haben. Beim Angriff starben fünf Menschen, die Behörden gehen mittlerweile von einem möglichen islamistischen Anschlag aus. Einige Medien blamierten sich zuvor mit einer peinlichen Falschmeldung.

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<p>Symbolbild (norwegische Polizei): Wolfmann via <a href="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/9/98/Norwegian_police_officers_with_high-visibility_uniform_vests_%28utrykningspolitiet_holder_vakt_under_folkearrangement%29_in_Christies_gate_in_Bergen%2C_Norway_2018-03-17_a.jpg/1536px-thumbnail.jpg">Wikimedia Commons</a> [<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en">CC BY-SA 4.0</a>] (Bild zugeschnitten)</p>

Symbolbild (norwegische Polizei): Wolfmann via Wikimedia Commons [CC BY-SA 4.0] (Bild zugeschnitten)

Kongsberg. – Am Donnerstagnachmittag gab der norwegische Geheimdienst PST neue Details zum aktuellen Ermittlungsstand preis. Demnach handle es sich womöglich nicht um einen herkömmlichen Amoklauf – vielmehr bestehe „der Anschein eines Terrorakts. Unter Tatverdacht steht ein dänischer Staatsbürger, der in der 80km südwestlich von Oslo gelegenen Kleinstadt wohnte. Er soll laut Ermittlungsbehörden zum Islam konvertiert sein, es gab bereits früher „Befürchtungen einer Radikalisierung“.

Pfeil und Bogen in Norwegen keine Waffen

Trotz dieser Erkenntnisse – die seit mindestens über einem Jahr bekannt waren – will sich die norwegische Polizei nicht auf ein Motiv festlegen. Der Angriff ereignete sich in der Innenstadt von Kongsberg, unter anderem war eine Filiale der Supermarkt-Genossenschaft Coop. Auffällig ist die Wahl der mutmaßlichen Tatwaffe – denn Pfeil und Bogen gelten in Norwegen als Sportgerät. Auf diese Weise unterliegen sie logischerweise nicht dem strengen Waffenrecht im nordeuropäischen Land.

Enthüllungen über die ÖVP

Die Politik bekundete ihre Anteilnahme, gleichzeitig entbrannte nun eine Diskussion zur Ausrüstung der norwegischen Polizei. Diese ist in den meisten Fällen nicht bewaffnet, die für das Polizeiwesen zuständige Behörde ordnete allerdings bereits „als Vorsichtsmaßnahme“ an, dass Beamte künftig mit Feuerwaffen ihren Streifendienst versehen sollen. Der mutmaßliche Attentäter befindet sich in Gewahrsam, im norwegischen Justizsystem drohen ihm maximal 21 Jahre Haft.

„Drachenlord“ als Schütze: Medien kopierten Falschinfo

Bevor das islamistische Motiv offenkundig wurde, war im Netz wild über die Bluttat spekuliert worden. Dabei blamierten sich unzählige Medien diverser Länder, die einer Falschinformation aus sozialen Medien auf dem Leim gingen. Dort hatten bislang unbekannte Personen das Gerücht in die Welt gesetzt, es handle sich beim Täter um eine Person mit dem Namen „Rainer Winklarson“, der die Tat in einem Video angekündigt habe. Tatsächlich dürften sich Online-Nutzer einen Schabernack erlaubt haben.

Dabei spielten sich auf den berüchtigten mittelfränkischen YouTuber Rainer W. alias „Drachenlord“ an, dessen Haus seit Jahren regelmäßig von seinen „Hatern“ belagert wird. Oft kommt es dabei zu einer Auseinandersetzung. Trotz der leicht zu entlarvenden Falschinfo wuchs sich die Situation zur handfesten Zeitungsente aus: Medien etwa aus Griechenland, Italien oder Albanien kopierten diese „Info“ ohne weitere Prüfung – darunter auch bekannte Portale wie „Corriere della Sera“ oder „Euronews“. Teilweise verwendeten sie sogar ein Foto des vermeintlichen Schützen.

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