RFS Wien

„Impf-Pickerl trennt Studenten in zwei Klassen“

Dass ungeimpfte Studenten beim Eingang zur Universität separiert und vor den Augen aller kontrolliert werden, sei entwürdigend, erklärte Manuel Litzke, RFS-Obmann an der Wirtschaftsuni Wien.

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<p>Bild: Campus der WU Wien / Bild: Peter Haas (<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en">CC BY-SA 3.0</a>)</p>

Bild: Campus der WU Wien / Bild: Peter Haas (CC BY-SA 3.0)

Wien. – Seit Montag kann sich jeder geimpfte oder genesene Student der Wirtschaftsuniversität Wien (WU) einen Sticker abholen, um schneller in den Hörsaal zu gelangen. Ungeimpfte und Studenten, die zwar Antikörper haben, aber nicht offiziell in Quarantäne waren, müssen sich weiterhin anstellen, um ihr Recht auf Bildung warnehmen zu dürfen. Mit dem „Impf-Pickerl“im Studentenausweis teile man die Studenten der WU künftig in zwei Klassen, kritisierte Matthias Kornek, Bundesobmann des Rings Freiheitlicher Studenten (RFS), heute in einer Aussendung.

„Ungeimpfte öffentlich gebrandmarkt“

„Die Corona-bedingte Zweiklassengesellschaft wird an den Hochschulen immer weiter ausgebaut“, so Kornek. Während man an medizinischen Universitäten in Innsbruck oder Graz als Ungeimpfter gar nicht mehr studieren dürfe, werde man an der WU „mit dem Schlangestehen vor dem Gebäude öffentlich als Ungeimpfter gebrandmarkt und benachteiligt“. In diesem Zusammenhang erwähnte der RFS-Bundesobmann auch deutsche Universitäten, die ähnliche Modelle eingeführt haben. Studenten der Leibnitz Universität Hannover und der Hochschule Hannover etwa können nun seit Semesterbeginn bunte Armbänder tragen, wenn sie geimpft oder genesen sind. Jene Studenten, die keinen Impf- oder Genesenennachweis vorweisen können, erhalten kein Band (DIE TAGESSTIMME berichtete). Für Kornek ist klar: „Was vor wenigen Monaten noch wüste Verschwörungstheorien waren, wird immer mehr zur Realität.“

Enthüllungen über die ÖVP

Kontrollsystem gilt zunächst bis Ende Februar

Der Sticker wird auf den Studentenausweis geklebt und muss beim Eingang zum Hauptgebäude des Unicampus im 2. Bezirk vorgelegt werden. Studenten, die nicht geimpft sind, müssen sich weiterhin jeden Tag testen lassen. Auch Studenten, die zwar genesen sind, aber nicht offiziell in Quarantäne waren, müssen sich weiter anstellen. Dieses Kontrollsystem soll zumindest bis Februar 2022, also bis zum Ende des Wintersemesters, gelten und Geimpften oder Genesenen das Betreten von sowie den Aufenthalt in den Gebäuden der WU sowie die Teilnahme an Präsenz-Lehrveranstaltungen und -Prüfungen an der WU „erleichtern“. Laut Homepage der WU soll der Impf- und Genesungsnachweis aber nur einmal überprüft und nirgends abgespeichert werden. Auch die Ausgabe des Stickers soll nirgends erfasst werden. Im Falle einer Genesung muss diese bis mindestens 27. Februar gelten, wie es auf der Homepage weiter heißt.

Hohe Impfquote unter Studenten

In Österreich waren mit Stand Ende August 79 Prozent der Studenten zwischen 18 und 34 Jahren gegen Covid-19 geimpft. Die Impfquote der Studenten liegt damit deutlich über jener der Gleichaltrigen in der Gesamtbevölkerung, wie Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) Anfang Oktober mitteilte. Deshalb sei ein Präsenzbetrieb und auch ein studentisches Leben außerhalb möglich. Gerade angesichts der hohen Impfquote zeigte sich auch RFS WU Obmann Manuel Litzke bestürzt über die Einführung des „Impf-Stickers“. Dass ungeimpfte Studenten beim Eingang zur Universität separiert und vor den Augen aller kontrolliert werden, sei in gewisser Weise auch entwürdigend. „Da bereits 80 Prozent der Studenten geimpft sind, fallen Ausnahmen natürlich sofort negativ ins Auge“, so Litzke. Damit sorge die WU nicht für eine Normalisierung, sondern leiste der gesellschaftlichen Spaltung Vorschub.

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