FPÖ - Unterschreiben gegen Impfzwang
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ZWISCHENRUF

Dem Volk die Gesundheit

Corona ist eine seltsame Krankheit. Und die TAGESSTIMME braucht harte Diskussionen, die wir uns zumuten sollten, gerade weil wir beim Thema Corona nicht alle einer Meinung sind.

Meinungvon Redaktion
5 Minuten

Die Pandemie verändert das Bewusstsein und verwischt die Grenzen. Im vierten Lockdown wirkt alles rundherum hysterischer, gleichzeitig scheint der Lockdown keiner mehr zu sein, weil alles längst seine eigene Normalität hat und der Staat, der unwichtige, keine Kraft mehr hat irgendetwas durchzusetzen. Gleichzeitig gibt es ganz paradoxe Verschiebungen. Linksextreme Autonome demonstrieren sozusagen auf Seiten der Polizei bei Corona-Demos für Impfungen und Disziplin – jetzt auch gemeinsam mit dem freiheitlichen Medienmacher Andreas Mölzer –, die vermeintlich „rechts-autoritären“ Freiheitlichen haben sich (fast) komplett auf die Seite der Impfgegner geschlagen und monieren individuelle Freiheiten.

Corona als politisches Mobilisierungsthema

Der freiheitliche Kurs unter dem agilen, neuen Obmann Herbert Kickl bringt die Partei aus dem Ibiza-Schatten heraus, stabilisiert sie bei rund 20 Prozent und wird sie, wenn die Verschärfungen in der Gesellschaft so anhalten, weiter nach oben bringen, wobei wir nebenan auch noch die Entstehung einer monothematischen Anti-Impf-Partei sehen. Politisch ist das ebenso erfreulich wie die Anti-Corona-Demos als Happenings auf der Straße, deren Wirklichkeit so wenig mit täglichen Medienberichterstattung zu tun hat.

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Ist damit alles gut? Nein. Und nur um es gesagt zu haben: Einige – um nicht viele zu sagen – sehen in der Impfung und der damit verbundenen Herausforderung nicht die Katastrophe, um die es jetzt geht in der Bewältigung einer Pandemie. Freilich: Politikversagen an allen Fronten. Und zur Hysterie der Menschen kommt die Medien hinzu, die sensationsgeil immer aufs Neue schüren und sich dabei immer weniger plural anführen.

Wobei sich Diskussionen schon kaum mehr führen lassen, weil alle so erregt sind. Also langsam und fürs Protokoll: Impfen ist Zivilisationsstandard bei uns im Westen. Wir alle sind in der Schule zum Impftermin gegangen, ohne dass irgendwer gekreischt hätte. Auch eine Impfpflicht ist nichts Neues: 1940 wurde die Impfpflicht gegen die Tuberkulose eingeführt, nach Jahrzehnten galt sie dann als ausgerottet. 2015 sind im Zuge der Asylwelle wieder TBC-Fälle aufgetreten. Auch wenn die Corona-Impfung neu ist und schnell entwickelt wurde, nach Millionen Impfungen kann man sagen, dass sie in punkto Gefahr komplett durchschnittlich ist. Die Wirkungsweise ist weder mysteriös, noch geheimnisvoll, die neue Herausforderung ist das Virus und die Hilflosigkeit weinerlicher westlicher Gesellschaften. Auch die esoterische Impfkritik ist etwas, das in diesem Land von den Gegnern der Impfgegner zwecks Vorführung der Dummen noch größer vorgespielt wird, als es ist.

Wer die Bekämpfung einer Krankheit den Politikern überlässt, kommt auf seltsame Lösungen, sei es, dass da kurz mal vorzugsschülermäßig mit Maßnahmen geprotzt wird, sei es dass medizinische Erkenntnisse und Notwendigkeiten politisiert und in Diskussionen geworfen werden, wo es für Politiker wenig zu diskutieren gibt. Und Laien als Impfexperten sind auch nicht das Gelbe vom Ei, aber ja: Meinungsfreiheit. Letztendlich muss man manchen einfach ihren Glauben lassen, sich dabei umdrehen und leise für sich denken: „Die spinnen, die Impfgegner …“

Eine Gesellschaft ohne Disziplin

Will sagen: Diese Impfung hat Auswirkungen auf Erkrankungs- und Hospitalisierungsraten und es ist gut, dass so schnell etwas zur Bekämpfung der Krankheit aus China entwickelt wurde. Die Disziplin, diese neue Möglichkeit auch so flächendeckend anzuwenden, dass damit alles abgefedert sein könnte, fehlt der westlichen Gesellschaft freilich längst. Gerade den Deutschen wurde sie ja über Jahrzehnte ausgetrieben und das linksesoterische Gequatsche vermengt mit Gossen-Globalisierungskritik führt zu dem Totalunfall, den die heimische Corona-Bekämpfung jetzt darstellt.

Was wir auf der Straße sehen, ist aber nicht die stilisierte Skurrilität, die über die Medien kommt, sondern eine breite Bewegung von Menschen, die Angst vor den Folgen der jetzigen Entwicklung haben: wirtschaftliche Krise, Arbeitslosigkeit, Armut … da rollt etwas auf uns zu, denn es ist eine Illusion, dass der Staat „Freeze“ sagen kann, alles finanziert und dann geht es auf Knopfdruck normal weiter. Und da ist auch der politische Ansatzpunkt für die Protestbewegung. Natürlich ist auch die Frage, ob Impfen eine Pflicht oder eine freiwillige Entscheidung ist, eine politische Frage, die diskutiert werden muss und kann. Noch viel mehr ist es aber die Zukunft der Gesellschaft nach Corona. Es ist aber nicht Aufgabe von Parteien, den Menschen Gesundheitstipps zu geben. „Volksgesundheit“ ist halt ein Wort, das man heute nicht mehr so mag … 

Dennoch, dem Volk die Gesundheit: Das wird nicht ohne Impfung und letztendlich vermutlich auch nicht ohne Impfpflicht gehen. Medizinisch-wissenschaftlich dem Virus entgegentreten und verhindern, dass irgendein Polit-Kauderwelsch den Kampf gegen die Krankheit ersetzt. Gleichzeitig die Proteste verschärfen, weil es um die Zukunft des Landes geht und weil das Virus nur etwas ist, das die wirtschaftlichen und sozialen Probleme verdeckt. Das wissen auch die, die versuchen die Demonstrationen jetzt großzügig abzudrehen, weil sie ihnen die Legitimität absprechen.

Die FREILICH Politische Studie 8 „Kurz muss weg – Corona-Proteste und Antiregierungs-Demonstrationen in Österreich“ gratis im Download.


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