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Das Ende der autonomen antifa [w] – Älterwerden und Auflösen

Die autonomen antifa [w] aus Wien hat Bescheid gegeben, dass sie sich selbst auflöst. Naja, nicht nur. Der Rest an Aktivisten findet sie sich in der Plattform Radikale Linke wieder und macht weiter.

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<p>Symbolbild Antifa-Fahne. Bild: Metropolico.com</p>

Symbolbild Antifa-Fahne. Bild: Metropolico.com

Ist es anstrengend, ein Antifa zu sein? Wenn man den auf Indymedia am 13. Dezember 2021 veröffentlichten Abschiedsbrief liest, dann könnte man diesen Eindruck haben. Zu viel zu tun mit dem Gegner, der wie eine Hydra immer neue Köpfe hat, immer mehr aufsteht, dazu der Gruppenzwang, die ganzen Regeln für Cis, Mädels und Trans – und dann trotz alledem: linke Macker, die die männlichste Variante vom Linkssein spielen: Schwarzer Block, vorne ein Banner, seitlich Banner, alle Sturmhaube, das Feeling von Militanz leben.

Arbeitsalltag im Schwarzen Block

Oder doch, um den Filmtitel einer aktuellen Doku von Linksxtremen über die Corona-Demos aufzugreifen: einfach konformistische Rebellen? Offenherzige Bilanz nach zwölf Jahren autonomer antifa [w]: „Und so reproduzierte unsere Gruppe, im festen Glauben daran, kritisch der eigenen Szene und unversöhnlich den herrschenden Zuständen gegenüber zu agieren, verlässlich die Organisationsform, die sie doch mit am meisten verachtete (und auf die sie spöttelnd herabblickte): die hippe (Polit-)Agentur im Spätkapitalismus. Flache Hierarchien, flexible Arbeitszeiten und gemeinsames After-Work-Beer inklusive. Polemisch ausgedrückt war und ist, wer die Organisierungsform in der autonomen antifa [w] erfolgreich überstanden hat, für den Arbeitsmarkt perfekt vorbereitet.“

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Die Geschichte der Gruppe ist, laut Selbstbezichtigung, eng mit der Uni verknüpft, will sagen, es sind halt viele linke Studenten. Dementsprechend war der Kampf gegen Burschenschaften das erste Thema und da war der WKR-Ball schnell der Fokus linksextremen Agierens: „Das NOWKR-Bündnis sah sich 2014 mit Ermittlungen wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung konfrontiert, welche letztlich ins Leere führen mussten, so lächerlich und unhaltbar waren die Vorwürfe. Im Jahr 2015 mobilisierte das Bündnis schließlich ein letztes Mal gegen den Akademikerball und löste sich anschließend auf.“ 2015 ist überhaupt ein hartes Datum, die Migrationswelle nach Deutschland schwappt durch Wien: „In der Vernetzungsarbeit mit Betroffenen und antirassistischen Strukturen waren wir von Beginn an nachlässig. Gleichzeitig sahen wir uns unzähligen rassistischen Mobilisierungen gegenüber, denen man nur mehr hinterherrennen konnte.“ Will sagen: Die Identitären als neurechte Jugendbewegung haben die autonomen antifa [w] wirklich getriggert.

Am Ende aber dann doch die Erfahrung, dass vielleicht ein größeres Dach mehr bringt: „Unser politisches Engagement hat sich in den vergangenen Jahren auch weiter in die Plattform Radikale Linke verlagert. Die Erfahrung zeigt, dass die kleingruppenübergreifende Vernetzung nicht nur dem Erfahrungsaustausch dient, sondern sich so auch größere Projekte, beispielsweise in feministischen und antifaschistischen Kämpfen, besser realisieren lassen.“ Same same but different … 

Neuer Name, selbe Bande

Politischer Radikalismus kann ehrlich sein, aber auch anstrengend. Und irgendwann ist dann die Studentenzeit vorbei: „Als Einzelpersonen sind auch wir auf – leider allzu bekannte – Probleme und Grenzen linksradikaler (Szene-)Politik gestoßen. Neben einem starken Uni-Bezug stellte unser oben beschriebener ‚Antifa-Lifestyle‘ ein inkompatibles Lebenskonzept zu den schwer zu vermeidenden Sachzwängen der Lohnarbeit und den – zumindest vermeidbaren – Verpflichtungen familiärer Natur dar. Veränderte Lebensumstände, z.B. nach dem Studium, vor allem das Wegbrechen von zeitlichen Ressourcen, stellten uns vor Herausforderungen, an denen wir als Gruppe – wie ganz grundsätzlich weite Teile der linksradikalen Szene – leider gescheitert sind.“ Aus Maus?

Nein, engagierte Menschen lösen sich trotzt fast rührender Ehrlichkeit nicht auf. Und gleich nachdem der Text gepostet war und viele Freunde und Genoss:innen bedauernd „oh“ gerufen haben und sich bedankten – darunter auch die ehemaligen Wiener Vizebürgermeisterin Birgit Hebein, eh bekannt für ihre gute Vernetzung mit linken Extremisten – zieht der Restbestand der Autonomen sofort das lebende Kaninchen Plattform Radikale Linke aus dem Zylinder. Ist das nicht das Gleiche? Dort werden sie dann weiter machen – wohl wie bisher und mit anderen Studenten, bis die Wirklichkeit des linkskleinbürgerlichen Lebens sie einholt. Bis dahin Motto: „Ohne Aufbau keine Zerstörung.“ Und die, die dann wirklich groß geworden sind, werden irgendwann bei den Grünen wieder auftauchen.

Der ganze Abschiedsbrief: Ohne Zerstörung kein Aufbau – zur Auflösung der autonomen antifa [w]

autonomen antifa [w] auf Twitter

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