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Der deutsche Gottesstaat

Die Klimareligion und ihre Jüngerinnen

Zu Tausenden werden die Symbole einer neuen Religion im ganzen Land errichtet: Windräder. Weniger, um Strom zu produzieren, das können Atomkraftwerke besser und verlässlicher, sie sind die weit sichtbaren Zeichen eines neuen autoritären Gottesstaates. Die Energiewende ist kein Projekt des Fort, -sondern des Rückschritts, geprägt und durchdrungen von religiösen bzw. magischen Vorstellungen.

Werner Reichel
Meinungvon Werner Reichel
9 Minuten

Papst Franziskus bedankt sich 2019 am Petersplatz bei Greta Thunberg für ihr Wirken. Der Berliner Bischof Heiner Koch vergleicht sie im selben Jahr mit Jesus Christus. Koch sagt im öffentlich-rechtlichen Radio, ihn würden Gretas Schulstreiks und „die Freitagsdemos ein wenig an die biblische Szene vom Einzug Jesu in Jerusalem“ erinnern. „Unsere Welt und auch unsere Kirche braucht von Zeit zu Zeit echte Propheten“, so der Bischof.

Sogar die katholische Kirche, die sich im Zuge des linken Umbaus der westlichen Gesellschaften selbst zu einer gutmenschlichen NGO degradiert hat, sucht als zeitgeistige Trittbrettfahrerin ihre Zukunft und Daseinsberechtigung nicht mehr im christlichen Glauben, sondern in der neuen Klima-Religion. Die Klimabewegung ist erfolgreich in jenes Vakuum vorgestoßen, das die katholische und protestantische Kirche in Europa hinterlassen haben. Der gedankliche Schritt von Gott zum Klima ist kein sehr großer. An die Stelle Gottes ist die Natur, „Mutter Erde“ getreten.

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Gott und Natur werden gleichgesetzt. Das Göttliche und die Welt sind ident. Diese Vorstellung ist nicht neu. Man nennt sie Pantheismus. Der britische Philosoph John Toland prägte Anfang des 18. Jahrhunderts diesen Ausdruck, für ihn war die Gesamtheit der Dinge der einzige und höchste Gott. Die Vorstellung Gott und Natur seien eins bzw. die gesamte Natur (Schöpfung) sei beseelt, ist aber viel älter. Sie findet sich in den meisten Naturreligionen. Man spricht von Animismus. Die linke 68er-Bewegung hat diese primitiven, magisch-religiösen Vorstellungen indigener Völker im Westen nach Jean-Jacques Rousseau erneut populär gemacht.

Öko-Kult als Staatsräson

Die Grünen und andere Anhänger der Klimareligion, die ja Epigonen der 68er sind, haben den geistigen, kulturellen und technischen Fortschritt der vergangenen Jahrhunderte ausgeknipst und ihren Öko-Kult zur Staatsräson erhoben. Alle müssen sich den Regeln dieser Bewegung unterwerfen, die gesamte Politik baut auf den Dogmen dieser atavistischen Naturreligion auf.

Das Fundament der deutschen Energiewende sind nicht Wissenschaft, Vernunft und Empirie, sondern (proto)religiöse, Denkmuster. Die Entscheidung, mit Ende dieses und nächsten Jahres die letzten verbliebenen sechs deutschen Kernkraftwerke vom Netz zu nehmen, um „die Menschheit zu retten“, basiert nicht auf rationalen und evidenzbasierten Überlegungen.

Der Atomausstieg erinnert mehr an einen Exorzismus, der Austreibung bzw. Verbannung böser Energien. Wer, wie die Grünen, das „Klima retten“ will – allein die Vorstellung das Klima „retten“ zu können respektive zu müssen, zeigt die tiefe Verwurzelung der deutschen Energiepolitik im Magischen, Irrationalen, Religiösen – dürfte Kernkraftwerke nicht schließen, sondern müsste neue entwickeln und bauen, wie das in Russland oder China geschieht.

Aber weil der Klimawandel oder auch die Corona-Pandemie als göttliche Strafen für unsere Sünden gesehen werden, lassen sich diese Probleme und Krisen nach den Vorstellungen der Gläubigen eben nicht technologisch oder medizinisch, also pragmatisch lösen. Um die Klimakatastrophe, die drohende Apokalypse, abwenden zu können, müssen wir unser gesamtes Leben ändern und Opfer bringen, ein anderer Weg ist undenkbar.

Das predigen die Propheten und Priester dieser neuen Ersatzreligion unablässig auf allen Kanälen. Deshalb darf der CO2-Ausstoß mit dem Bau neuer Atomkraftwerke oder der Entwicklung neuer Technologien nicht reduziert werden. Das würde der Klima-Lehre, bei der Opfer und Verzicht ein hohen Stellenwert haben, widersprechen. Im deutschsprachigen Raum, wo es besonders viele und fanatische Anhänger der Klimareligion gibt, wird deshalb eisern am Atomausstieg bzw. Antiatomkurs festgehalten. Man hat sich gegen alle Pro-Atom-Argumente immunisiert, während im Rest Europas die Kernkraft eine Renaissance feiert.

Kommunistische Ideologie

Die grüne Heinrich-Böll-Stiftung hat ein Papier erarbeiten lassen, das den Klimawandel ohne Technik stoppen möchte. Es ist ein Regelwerk für ein sündenfreies Leben, eine Aufzählung, wie die Menschheit durch Verzicht auf Fleisch, Flugreisen, Wohnfläche, Eigentum, Autos, Konsum etc. die Natur, also Gott, wieder besänftigen kann. Die Welt und die Menschheit können nur errettet werden, wenn jeder Last, Verzicht und Leiden auf sich nimmt. Die kommunistische Ideologie hat im Öko-Kult eine neue Heimat, ein neues Trägermedium gefunden

Weshalb auch der kommunistische Papst Franziskus, der aus der katholisch Kirche eine weitgehend bedeutungslose Unterströmung der Klimareligion gemacht hat, das nachpredigt, was die Grünlinken fordern. In seiner Enzyklika „LAUDATO SI’“ schreibt er: „Die Menschheit ist aufgerufen, sich der Notwendigkeit bewusst zu werden, Änderungen im Leben, in der Produktion und im Konsum vorzunehmen, um diese Erwärmung (…) zu bekämpfen.“ Das hätten Greta Thunberg und Karl Marx nicht besser ausdrücken können.

Man nennt das neumodisch „Degrowth-Strategie“. Armut für (fast) alle. Entscheidend ist das persönliche Opfer für ein höheres Ziel, unabhängig von seinen realen Auswirkungen auf das Klima und die Umwelt. Das religiöse Opfer gehört ebenso zu den zentralen Säulen der Klimabewegung wie ihr Absolutheitsanspruch. Ein Abweichen von oder Infragestellen der Klima-Dogmen, der absoluten Wahrheit, wird politisch, gesellschaftlich und rechtlich zunehmend geächtet und sanktioniert. Wer sich nicht vollständig den Regeln des CO2-und Corona-Kultes unterwirft, ist ein moderner Sünder, Teufelsanbeter, Häretiker, Ketzer. Heute nennt man sie Klima- oder Coronaleugner, ihr gesellschaftlicher Status ist ähnlich wie damals.

Die zeitgenössischen Scheiterhaufen, auf denen die Ungläubigen als abschreckendes Beispiel verbrannt werden, sind nicht mehr aus Holzscheiten errichtet, sie lodern jetzt im Fernsehen und im Internet. Dort werden die modernen Leugner als Faschisten und Nazis gebrandmarkt. Das ist in unserer Gesellschaft die Höchststrafe, so wie man damals eine Hexe oder mit dem Teufel im Bunde war. Der österreichische Vizekanzler Werner Kogler von den Grünen bezeichnete vor kurzem die Teilnehmer der großen Corona-Demos in Wien, also die Ungläubigen, als „Staatsverweigerer, Demokratiefeinde, Neonazis und Neofaschisten“. Mehr Hass und Verachtung geht aus Sicht eines Linken, eines Gläubigen nicht. Diese Demonstranten, Skeptiker sind die Feinde und Sündenböcke des neuen Gottesstaates, an dessen Spitze Figuren wie Kogler oder in Deutschland Baerbock stehen.

Dichotome Weltsicht

Moral und Glaube bestimmen die aktuelle Politik und öffentlichen Debatten in Deutschland und Österreich, nicht mehr Daten, Fakten und Vernunft. Auch wenn man sich noch so sehr darauf beruft. Weitere Parallelen zu anderen religiösen Bewegungen bzw. Sekten: Die Klima-Heilsverkünder halten sich selbst nicht an ihre strengen Regeln und sie unterteilen die Welt in „rein“ und „unrein“

Diese dichotome Weltsicht, diese Aufteilung in das Reine und Unreine schafft Ordnung und Übersichtlichkeit in einer ungeordneten, komplexen Lebenswelt. Dabei bezieht sich diese Einteilung zumeist auf unsichtbare Gefahren, wie etwa beim Klimawandel und Corona. An die Stelle von Geistern und Dämonen sind Viren, Strahlen und Treibhausgase getreten. Man bekämpft sie mit Ritualen, Opfern und gottgefälligem Verhalten. So unterscheiden die Klimagläubigen Energiequellen in sauber und schmutzig. Dabei spielt es keine Rolle, dass Windräder, die zur reinen und guten Energie gezählt werden, völlig ungeeignet sind, die „unreinen“ kalorischen Kraftwerke (Atom, Kohle, Gas) vollständig zu ersetzen. Es ist ebenfalls kein Zufall, dass Greta Thunberg, ein geistig beeinträchtigter, asexueller Teenager, der Reinheit und Jungfräulichkeit repräsentiert, zum Propheten und zur Symbolfigur dieser Bewegung wurde. Auch bei den Verkehrs- und Transportmittel wird in „reine“ – Lastenfahrräder, E-Autos – und „unreine“ – Verbrennungsmotoren – unterschieden, und entsprechend dieser Einteilung in Gut und Böse Politik gemacht. Auch wenn E-Autos außerhalb der religiös-spirituellen Sphäre alles andere als umwelt- und ressourcenschonend sind und man mit Lastenfahrräder nicht einmal den Bio-Supermarkt ums Eck mit Nachschub versorgen kann.

Weil es in diesem magisch-religiösen Universum keinen Raum für Grautöne gibt, es um Symbolik, Mythen und Rituale geht, wird eben die Atomkraft verbannt, obwohl sie keinerlei Treibhausgase produziert, obwohl sich dadurch die Blackout-Gefahr erhöht, die Stromversorgung unsicher und teurer wird. Solche profanen Überlegungen spielen bei diesen Reinigungs- und Verbannungs-Ritualen keine Rolle. Wichtig ist ihr symbolischer Gehalt, um die realen Folgen kümmern sich die Heilsherrscher nicht, wie der Soziologe Helmut Schelsky sie nannte. Für das „Reich der Notwendigkeit“, für die Bereitstellung der Infrastruktur und der Güter des täglichen Bedarfs sind die produzierenden und arbeitenden Schichten, die von ihren spirituellen Führern verachtet und ausgebeutet werden, zuständig.

Es werden deshalb auch nicht die Klimagläubigen in Deutschland oder Österreich sein, die mit ihren animistischen Ritualen CO2 in relevantem Ausmaß reduzieren werden, sondern die innovativen Forscher, Wissenschaftler und Techniker in jenen Nationen, in denen man an Wissenschaft, Technik und Fortschritt glaubt, also primär in Fernost und den USA.

Nicht die Zerstörung der Landschaft durch tausende von unzuverlässigen Windrädern, wie das aktuell die Ampelregierung in Berlin plant, ist die Lösung, sondern der Fortschritt in Kernspaltung, -fusion oder anderen hochentwickelten Technologien. Windräder sind vielmehr die markanten Symbole einer Religion, so wie Kirchtürme und Minarette. Überall in Deutschland sollen sie von der Macht der neuen Klimareligion künden. Auch das Tragen von FFP2-Masken ist vor allem ein Symbol der Unterwerfung unter die herrschende Klasse und ihrer Religion, wie das Kopftuch im Islam, und weniger eine medizinisch sinnvolle und wirksame Maßnahme.

Rettung der Menschheit

Wer die Menschheit retten möchte, und darum geht es bei grünlinker Politik letztlich immer, muss sein Leben den strengen Regeln der Klima- und Coronareligion unterwerfen, die wie viele andere Religionen, etwa der Islam, das gesamte Leben der Gläubigen regelt. Der Rechtgläubige muss strenge Ernährungsvorschriften (Bio, kein Fleisch etc.) einhalten, darf nur noch bestimmte Verkehrsmittel benutzen, muss die richtigen Parteien unterstützen und darf nur linientreue Medien konsumieren, er sollte zudem möglichst keine Kinder mehr in die Welt setzen, weil diese CO2-Emittenten sind.

All diese Glaubensvorschriften und Gebote für ein gott- bzw. naturgefälliges Leben seien wissenschaftlich fundiert, würden auf Fakten basieren, plappern die Gläubigen. „Die“ Wissenschaft, wird von den Corona- und Klimajüngern gerne und oft als Grundlage ihres Handelns genannt. Zu Unrecht. Die Wissenschaft wird missbraucht, um diesem religiösen Regelwerk und dem Machtanspruch der grünlinken Herrscher-Klasse in diesen Zeiten des kulturellen Über- und Niedergangs eine gewisse Legitimität zu verleihen. Der Klimagott bzw. seine Anhänger bestimmen unser Leben, nicht die Wissenschaft. Der Experte, der in den Medien die aktuell gültigen Lehrsätze verkünden und stützen darf, ist ein moderner Priester, zumal bei ihm nicht Wissen und Intelligenz, sondern Haltung, Moral und Glauben ausschlaggebend für seinen Status sind.

Auf „die“ Wissenschaft berufen sich die neuen Heilsverkünder nur, wenn sie jene Aussagen und Ergebnisse liefert, die ihre religiösen Vorstellungen stützen. Erkenntnisse, die dem herrschenden Zeitgeist widersprechen, werden verleugnet oder als „unwissenschaftlich“ gebrandmarkt. Dafür gibt es unzählige Beispiele. „Die Wissenschaft“ dient nun noch als Quelle der Rechtfertigung für die bestehende Moral, nicht mehr als Instrument eines interessenlosen Erkenntnisgewinns.

Die vielen Klima- und Corona(simulations)modelle braucht man als Rechtfertigung für die restriktive Klima- und Corona-Politik, sie sind die aktuelle Form der göttlichen Offenbarung. Durch sie werden nicht hinterfragbare Wahrheiten verkündet. Wer sich auf „die“ Wissenschaft beruft, um inhaltliche Auseinandersetzungen zu unterbinden, hat sich bereits als – wie es die Linken neuerdings ausdrücken – Schwurbler bzw. Gläubiger enttarnt.

Deshalb wird die autoritäre Corona-Politik übergangslos in eine mindestens ebenso restriktive Klimapolitik übergeführt werden. Deutschland und Österreich werden in Gottesstaaten umgebaut, an deren Spitze die selbsternannten Hüter des Klimas und der Volksgesundheit stehen. Weil Maßnahmen zur Rettung des Planeten und der Menschheit stets alternativlos sind, vom Antiatomkurs bis zur Corona-Impfung – wird man sich schon bald alle lästigen demokratischen Prozesse entsorgen können.

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