FPÖ - Unterschreiben gegen Impfzwang
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Wirbel um Tennis-Ass

Australien will genesenen Đoković ausweisen

Das Tauziehen um das Antreten des Tennis-Weltranglistenersten im Profitennis beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres ist um eine Facette reicher. Der mutmaßlich ungeimpfte Rekordgewinner der Australian Open hatte eine medizinische Ausnahmegenehmigung beantragt – könnte nun aber über ein angeblich fehlerhaftes Visum stolpern. Am Flughafen verweigerte man Đoković die Einreise. Die Causa könnte diplomatisches Ungemach nach sich ziehen.

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<p>Bild (Đoković 2018): Carine06 from UK via <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Novak_Djokovic_Queen%27s_Club_2018.jpg">Wikimedia Commons</a> [<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.en">CC BY-SA 2.0</a>] (Bild zugeschnitten)</p>

Bild (Đoković 2018): Carine06 from UK via Wikimedia Commons [CC BY-SA 2.0] (Bild zugeschnitten)

Melbourne. – Australien fährt bei den Corona-Maßnahmen ein besonders strenges Regime. Nachdem man sogar im Ausland lebenden Staatsbürgern seit fast zwei Jahren die Einreise schwermacht, hangelte sich der Staat – bzw. seine Teilbundesstaaten – im Vorjahr von Lockdown zu Lockdown, die trotz damals recht niedriger Inzidenzen rigoros durchgezogen wurden. Es folgte eine beispiellose Impfkampagne, nach der das Corona-Vakzin in vielen Fällen sogar zur Voraussetzung für die Berufsausübung gilt. Nun sollte eine 1G-Regel auch für die sportliche Prestigeveranstaltung No.1 in „Down Under“, den Australian Open, gelten.

Medizinische Ausnahme sollte Antreten sichern

Nachdem einige Athleten lange Zeit mit der Sinnhaftigkeit der Spritzen haderten, entzündeten sich schon vor Monaten heftige Diskussionen über die Veranstaltung und den Impfstatus der Sportler. Auch Österreichs Tennis-Aushängeschild Dominic Thiem gehörte zu den Spätentschlossenen, empfing seinen Erststich erst im Spätherbst, nachdem sich sogar Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) in die Debatte einmischte. Doch der Weltranglisten-Erste Novak Đoković blieb hart. Seit Monaten beantwortete er keine Fragen zu seinem Impfstatus – sprach sich aber gegen einen Zwang aus. Bekannt ist allerdings der Umstand, dass er in der Vergangenheit bereits eine Corona-Erkrankung überstand.

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Angesichts der engen Bindung des Serben zu den Australien Open – neun seiner 20 Grand-Slam-Titel (beides ist Rekord) errang er im Melbourne Park – konzentrierte sich das öffentliche Interesse daher auf die Frage nach seinem Antreten. Vor wenigen Tagen ließ Đoković dann durchklingen, dass er eine medizinische Ausnahmegenehmigung erhielt. Von 29 Anträgen auf eine solche war nur eine Handvoll erfolgreich – seine zählte dazu. Obwohl die Ärzte die Anträge „blind“ bearbeiteten – sie wussten nicht, ob sie den Antrag des „Djokers“ oder eines Qualifikanten bearbeiteten – kochte daraufhin eine öffentliche Debatte über die Sondererlaubnis hoch.

Ungereimtheiten bei Visum: Anhörung am Montag

Auch australische Politiker schalteten sich in die Debatte ein. Sie argumentierten etwa damit, dass die Australier die Prozedur ebenfalls über sich ergehen ließen, und es somit ein „Schlag ins Gesicht“ ihrer Landsleute sei. Premier Scott Morrison etwa bekundete. „Regeln sind Regeln, vor allem, wenn es um unsere Grenzen geht. Niemand steht über diesen Regeln.“ Und so wurde Đoković die Unterstützung verweigert, als er am Flughafen von Melbourne einreisen wollte. Offiziell geht es um ein angeblich ungültiges Visum infolge eines falschen Formulars.

Denn auch bei der Einreise verlangt der ozeanische Staat von Ankommenden eine doppelte Impfung oder eine gültige medizinische Ausnahmegenehmigung. Đoković könnte sich laut Spekulationen australischer Medien auf seine vormalige Genesung berufen haben. Jenes Formular, das er verwendete, soll eine solche Ausnahmeregelung aber gar nicht vorsehen. Er wurde stundenlang befragt und letztlich in einem Quarantänehotel untergebracht. Fans demonstrierten teils für seine Freilassung. Ursprünglich sollte Đoković am Donnerstag abgeschoben werden, doch er erstritt sich eine gerichtliche Anhörung.

Serbischer Präsident stellt sich hinter „Djoker“

Damit kann Đoković zumindest bis Montag in Australien bleiben. Doch mittlerweile drohen sogar diplomatische Verstimmungen. Die serbische Öffentlichkeit ist empört über die Behandlung ihres berühmten Landsmannes. Bei einer Pressekonferenz erklärte sein Vater Srđan Đoković seinen Sohn zum Freiheitskämpfer. Denn „Novak ist Serbien und Serbien ist Novak. Er wird kämpfen wie wir und wie wir Serben zusammen mit dem ganzen Balkan.“ Der Einsatz seines Sohnes sei „das Licht am Ende des Tunnels“ für eine „Welt der Freiheit“.

Auch Staatspräsident Aleksandar Vučić schaltete sich in die Debatte ein. Er führte noch am Mittwoch mit „Nole“ ein Telefongespräch: „Ich habe ihm gesagt, dass ganz Serbien hinter ihm steht. Unsere Behörden werden alles unternehmen, damit die Schikanierung des weltbesten Tennisspielers aufhört. In Übereinstimmung mit internationalem Recht wird Serbien für Novak Đoković, für die Wahrheit und die Gerechtigkeit kämpfen.“ Er sprach dem Sportler auch Mut zu: „Übrigens: Novak ist stark, so wie wir das von ihm kennen!“

„Fall Đoković“ polarisiert in sozialen Medien

Die Einreiseverweigerung schlug auch in sozialen Medien hohe Wellen, die Meinungen gingen auseinander. So bemängelte ein britischer Journalist aus dem freien Medienbereich, dass man Đoković „wie einen Terroristen“ behandeln würde. Er machte sich Sorgen, dass man mit einfachen Bürgern wohl noch übler umgehen könnte.

Ein syrischstämmiger Kollege, der in Deutschland schreibt, sah dies ähnlich. Er bezeichnete Đoković als Helden. Bei der Gelegenheit erinnerte er auch noch einmal an das Schicksal des US-Basketballers Kyrie Irving. Dieser verzichtete auf eine Impfung und nahm dafür auch Millioneneinbußen in Kauf – im Heimstadion kann er wegen der New Yorker 1G-Regelung nicht für die Brooklyn Nets auflaufen. Doch er blieb stark und erkämpfte sich die Gelegenheit, wenigstens Auswärtsspiele bestreiten zu dürfen.

Eine AfD-Europapolitikerin sagte Đoković sogar ihre volle Unterstützung zu. Obwohl Serbien nicht Teil der EU ist, erkennt sie in seiner Weigerung, seinen Impfstatus preiszugeben, eine stellvertretende symbolische Verteidigung der EU-Grundrechtecharta, die eben genau dieses Recht auf informationelle Selbstbestimmung beinhaltet.

Andere waren hingegen der Ansichten, dass es eben Regeln gebe, an die man sich zu halten habe. In Australien bedeute dies die Inanspruchnahme der Impfung, so ein deutscher Sportreporter.

Manche Nutzerin freute sich über die „Gerechtigkeit“, die Đoković nun widerfahre.

Immer wieder Wirbel um Sportler-Impfstatus

Es ist nicht das erste Mal, dass die Entscheidung eines europäischen Sportlers, gegen indirekte Impfzwänge einzutreten, hohe Wellen schlägt. Erst im November verzichtete ÖSV-Skistar Franziska Gritsch auf zwei Amerika-Rennen, weil sie sich nicht impfen lassen möchte. Es folgte eine tagelange mediale Debatte darüber. Nach einer derzeitigen Infektion wird sie bei den meisten Folgerennen wohl selbst eine Genesenen-Ausnahme beantragen dürfen.

Für Schlagzeilen sorgte auch der Fall des Schweizer Abfahrers Urs Kryenbühl. Dieser genießt in seiner Schweizer Heimat einen Genesenenstatus. Die kanadischen Behörden erkannten diesen aber nicht an, weshalb er nicht an den Rennen in Lake Louise zu Saisonbeginn teilnehmen konnte.

In der Folge bekam das Speed-Ass sogar Morddrohungen. Im deutschen Fernsehen wurden diese nach Ansicht einiger Twitter-Nutzer teilweise heruntergespielt. Insbesondere der Umstand, dass Ex-DSV-Siegläufer Felix Neureuther die Ansicht vertrat, Kryenbühl hätte sich „ja impfen lassen können“, verärgerte so manchen Skisportfan.

Ebenfalls für Aufregung sorgte schon zuvor die „Causa Kimmich“. Dem Bayern-Spieler drohte zeitweise sogar die Streichung seines Gehalts, als er zum zweiten Mal als ungeimpfte Kontaktperson in Quarantäne sollte. Letztendlich lieferte er aber einen positiven Test ab und hatte Anspruch auf Krankengeld. Während man an ihm ein Exempel statuierte und sich sogar die deutsche Bundesregierung in die Diskussion einschaltete, nimmt man die aktuelle Infektion mehrerer „geboosterter“ Teamkollegen wenige Wochen später in der Öffentlichkeit nur mit einem Schulterzucken auf…


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