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Östrogen, #MeToo und das Märchen vom Froschkönig

Östrogen – ganz sicher das seltsamste und rätselhafteste Hormon der Welt. Während Radikal-Genderisten in Abrede stellen, dass das gesellschaftliche  Beziehungsgefüge der Geschlechter überhaupt irgendetwas mit biologischen, also auch hormonellen, Grundlagen zu tun hat, machen ihre ideologischen Artverwandten, die Kritiker der angeblichen Herrschaft des Mannes über die Frau, die ebenso angebliche soziopathische Reaktion des Mannes auf das Hormon Östrogen zum Angelpunkt des gender-feministischen Befreiungskampfes.

Meinungvon Christian Zeitz
8 Minuten
<p>Symbolbild: Pikrepo [CC0]</p>

Symbolbild: Pikrepo [CC0]

Eine Analyse dieses seltsamen Phänomens lässt sich am schnellsten anhand einer kurzen Geschichte politisch relevanter Sex-Skandale darstellen: John F. Kennedy, Bill Clinton, Silvio Berlusconi, Dominique Strauss-Kahn – sie alle reagierten auf die Aufnahme der Östrogen-Witterung mit dem Missbrauch unbedarfter Opfer. Als solche jedenfalls sieht der gängige Narrativ Marilyn Monroe, Monica Lewinsky, Ruby Rubacuori und das New Yorker Zimmermädchen Nafissatou Dallo. Während die genannten Skandale zwar publikumswirksam und spektakulär, aber realpolitisch praktisch folgenlos waren, hat ein Sex-Skandal, der demselben Darstellungsmuster folgt, weltrevolutionäre Karriere gemacht: derjenige des mächtigen Film-Produzenten Harvey Weinstein, der beschuldigt wurde, hilflose und abhängige weibliche Personen zu Affären bzw. mindestens zu sexuellen Handlungen genötigt zu haben.

Der Skandal um den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein hat die Welt verändert wie noch keine Affäre zuvor. Nachdem im Oktober 2017 mächtige US-amerikanische Medien substantielle Anschuldigungen gegen Weinstein veröffentlichten, beschritten – zuerst einzelne und dann rasch mit zunehmender Akzeleration immer mehr – Frauen den Weg in die Öffentlichkeit, um ihre Erlebnisse als Opfer der sexuellen Aggression Weinsteins bekannt zu machen. Innerhalb kürzester Zeit “outeten” sich dutzende mehr oder weniger bekannte weibliche Angehörige des Film-Biz sowie ehemalige Mitarbeiterinnen, die den schwerreichen Unterhaltungs-Mogul der sexuellen Belästigung, Nötigung und gar Vergewaltigung beschuldigten. Weinstein, der in seiner Branche seit vielen Jahren für seine Übergriffe bekannt gewesen sei, bestritt die Vorwürfe stets, was weitere Opfer auf den Plan rief, von denen nicht wenige mit der Schilderung konkreter Erlebnisse und traumatisierender Demütigungen aufwarteten.

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Die Ausweitung der Beschuldigungen beschränkte sich keineswegs auf den sowieso mäßig sympathischen Weinstein. In Windeseile fühlten sich zahlreiche weitere Frauen ermutigt bzw. berufen, andere, meist prominente, männliche Protagonisten der Unterhaltungsindustrie als sexuelle Gewalttäter und sich selbst als Opfer in die Öffentlichkeit zu bringen. Ganz Hollywood, aber auch andere Bereiche des öffentlichen Lebens, wie Politik und Hochkultur, schienen in kurzer Zeit in einem Morast moralischer Verkommenheit und Gewalttätigkeit zu versinken. Ein Massenphänomen war geboren. Kein Tag, an dem nicht neue Enthüllungen angekündigt wurde, kein Medium, das sich der parteiergreifenden Berichterstattung entziehen konnte. Kommentare um Kommentare, Bekenntnisse um Bekenntnisse, Fernsehdiskussionen um Fernsehdiskussionen. Und rasch durchbrach das Massenphänomen die Grenzen des schillernden Hollywood, breitete sich über alle möglichen Gesellschafts- und Berufsbereiche und de facto rund um den Erdball aus.

Die geschilderte öffentliche und massenhafte Beschäftigung mit dem Phänomen der Vergemeinschaftung von Sexualität und Gewalt hatte bereits in den ersten Tagen ihres Entstehens eine wuchtige marketingtechnische Schlagseite: die Kreation einer leistungsfähigen Dachmarke: #MeToo – die Wirksamkeit dieser Chiffre muß jeden Marketing-Verantwortlichen der Markenartikelbranche vor Neid erblassen lassen. Das Kürzel #MeToo induziert bis heute geradezu auf Knopfdruck gewünschte gleichgeschaltete Verhaltensweisen: “Ich auch” – bin Opfer eines Mannes, eines fiesen Lüstlings, aber gleichzeitig auch Kämpferin gegen das Unrecht und Vollstreckerin der gerechten Vergeltung; bin Opfer auch der Gesellschaft, deren strukturelles Unrecht mich bis jetzt zum Schweigen gezwungen hat, und jetzt gleichzeitig Tabubrecherin und selbstbewußte Bekennerin des Ausbruchs aus dem Käfig der virtuellen Gefangenschaft, repräsentativ für die Vielen, Soldatin gegen das Böse und Bannerträgerin einer gerechten Zukunft. MeToo, MeToo – emotionales Outing und theatralische Frauensolidarität, inszeniert in Unterhaltungsformaten und pseudowissenschaftlichen Diskursen. Die Protagonistinnen formieren sich förmlich zu einer Armee der gesellschaftlichen Gegenwehr.

Die Golden Globe-Verleihung des darauffolgenden Jahres (Jänner 2018) wurde zu einer Machtdemonstration der #MeToo-Bewegung umfunktioniert. Die gesamte Choreographie wurde ihrer Agenda untergeordnet, wobei diese vom Aufschrei gegen sexuelle Gewalt auf den Kampf gegen die “Diskriminierung der Frauen” und für “Geschlechtergerechtigkeit” in ihrer allgemeinsten Form ausgeweitet wurde. Mit dem bejubelten Auftritt der drei Milliarden Dollar schweren Medien-Ikone Oprah Winfrey wurde eine weitere Brennstufe gezündet, als diese die Vorgabe der New York Times vom 1. Jänner aufgriff und die Komplementär-Marke “Times up” in die Schlacht warf. Große Entzückung! Der Übergang von der bloßen Empörung über die symbolische kollektive Rebellion zum politischen Revolutionsanspruch war vollzogen. “Times up”, die Zeit ist reif für eine Umgestaltung der Geschlechterbeziehungen, für eine Überwindung der gesellschaftlichen Verhältnisse, für eine Beseitigung des momentanen Machtgefüges insgesamt. 

Was kann erhabener sein als die Gewißheit, dass die eigene Moralität auch gleichzeitig das Fundament einer politischen Legitimation der längst fälligen Revolution bildet?  Der ‚MeToo-Feminismus fußt auf dem Phantasma der Gender-Ideologie, die die Geschlechter-Identitäten nicht als mit der biologischen Natur untrennbar verbundene Ganzheiten, sondern als gesellschaftlich konstruierte Verhaltens-Stereotypen sieht, in denen die biologische Grundlage von untergeordneter Bedeutung ist. „Mann“ und „Frau“ seien im wesentlichen nur Rollen, die die Menschen spielen, um den Erwartungen der Gesellschaft oder ihres unmittelbaren Umfeldes Rechnung zu tragen. Um dieser Vorstellung Rechnung zu tragen, stellt diese Ideologie dem Begriff des biologischen Geschlechts („sex“) das soziale Geschlecht („gender“) entgegen oder lehnt in seiner radikalen Variante eines biologisch präformierten Geschlechts als zureichendes Unterscheidungsmerkmal überhaupt ab. 

Die Gender-„Theorie“ hat zahlreiche Konsequenzen von großer Tragweite. Dies zeigt sich im Zu-Ende-Denken des perspektivischen Endpunktes genderistischer Visionen. Die Auflösung der Mann-Frau-Dualität in einer multipolaren Geschlechterordnung verbindet den Anspruch auf radikale Autonomie des Individuums mit dem alten sozialistischen Ideal der Gleichheit.  Diese Vision ist der innerste Kern des Kultursozialismus. Der Sozialismus des 21. Jahrhunderts greift tief in die Naturgeschichte des Menschen selbst ein. Er ist das Konzept einer „anthropologische Revolution“ – einer Empörung gegen die Normalität der Schöpfung, gegen die Komplementarität der Geschlechter, gegen die aus Mann, Frau und Kindern geformte Familie und gegen die Einbettung der Menschnatur in eine entlang tradierter Werte gewachsene Kulturordnung.

Als Mutter und Zentralfigur der modernen „Gender-Theorie“ gilt die amerikanische Sprachwissenschaftlerin Judith Butler (geb. 1956). Butler lehnt nicht nur die Begriffe „männlich“ und „weiblich“ als Kategorisierungen zweier bestehender Geschlechter ab, sondern bestreitet die Bedeutung des biologischen Geschlechts grundsätzlich. „Anatomie ist kein Schicksal.“ Die Körper selbst seien kulturabhängig und entstünden in ihrer jeweiligen Ausformung als Interpretationen diskursiver Kommunikation. Butler ist die Hauptinitiatorin der „Queer-Theorie“, die sich als Frontalangriff auf die sturmreif geschossenen Reste der „bürgerlichen Gesellschaft“ begreift. Als deren Prägematrix wird das Syndrom aus kapitalistischer, rassistischer und sexistischer Repression betrachtet, das mit dem Schlagwort der „Zwangsheteronormativität“ belegt wird.  

Aus österreichischer Sicht darf man mit zweifelhaftem Stolz darüber erfüllt sein, dass einiges dafür spricht, dass derartige Gedanken im Wien des fin de siecle ihren Ausgang genommen haben. Rosa Mayreder (1858–1938), Literatin, Librettistin, Malerin und besonders die Leitfigur der „bürgerlichen Emanzipationsbewegung“ der Jahrhundertwende wandte sich leidenschaftlich gegen ein durch Kultur und Erziehung geformtes „Rollenbild der Ehefrau und Mutter“. Das „biologische Geschlecht“ sei willkürlich und hätte nichts mit der Persönlichkeit der Frau zu tun. Die tatsächlichen Geschlechter würden nichts Feststehendes, Abgeschlossenes besitzen, sondern seien frei formbar. Mütterlichkeit sei kein Wesenszug des weiblichen Geschlechts. In einer gerechten Gesellschaft sei ein „androgynes Menschheitsideal“ zu verwirklichen. In ihrem einschlägigen Buch „Geschlecht und Kultur“ (1923) greift sie den Wiener Philosophen Otto Weininger an, der durch seine frauenverachtende These, die Frau wäre ein völlig geistloses Wesen ohne Eigenständigkeit und Moral, in die Öffentlichkeit getreten war.

Es dürfte Mayreder nicht bewußt gewesen sein, dass sie trotz der Ablehnung von Weiningers Misogynie dessen anthropologische Generalkonzeption vollständig übernommen und zur Zentralkategorie des modernen Feminismus gemacht hatte. Weininger hatte, als knapp 23jähriger, in seinem monumentalen Werk „Geschlecht und Charakter“ (1903) die Vorstellung entwickelt, dass jeder Mensch eine Kombination aus männlicher und weiblicher Substanz wäre. Real existierende Menschen seien stets Zwischenformen, die es in ganz unterschiedlichen Mischungsvarianten geben würde. Die Extreme „reiner Mann“ und „reine Frau“ seien gedankliche Idealfälle, die nur in der sprachlichen Rekonstruktion entstehen würden. Das Buch, das von Genialität und Irrsinn gleichermaßen durchflutet ist, macht erkennbar, dass Weininger davon ausging, dass „männlich“ und „weiblich“ körperlose, oder besser gesagt: körperungebundene Kategorien seien. Eine der Folgen dieses Ansatzes ist, dass Weininger Homosexualität und Bisexualität nicht als Pathologien, sondern als sexuelle Mittelstufen auf einem unendlichen Kontinuum von gleichermaßen „normalen“ Kombinationsformen der Geschlechtlichkeit sieht. 

Der Genderismus ist also nur scheinbar konsequente Frauenpolitik. Er ist vielmehr Ausdruck des Wunsches zur Neuschaffung des Menschen und Anspruch auf eine Neugestaltung der menschlichen Gesellschaft und Kultur. Dieser Wunsch begründet die radikalste denkbare Revolution gegen das Bestehende. Dieses Ziel klingt nicht einfach nur “kühn”, sondern geradezu aberwitzig. Es kann politisch nur durchgesetzt werden, wenn der Maßstab der Normalität selbst gebrochen und das Dogma der gesellschaftlich-kulturellen Herkunft des Geschlechts rechtlich normiert und somit unangreifbar und unantastbar gemacht wird. Es kann nicht bestritten werden, dass diese Wahnvorstellung bereits wesentliche Bereiche des öffentlichen Diskurses völlig bestimmt.

Umso mehr stellt sich die Frage, wie eine so absurde Ideologie entstehen, und wie sie auf so eminente Weise gesellschaftlich wirkmächtig werden konnte. Ein möglicher Erklärungsvorschlag verweist auf die mythenbildende Wirkung der klassischen Märchenwelt. Hier findet sich der Topos des Wechsels unterschiedlicher Identitäten durch die Auflösung des Zusammenhanges von Körper und Geist. Im Märchen “Der Froschkönig” weist die Gestalt des garstigen Frosches das innere Wesen des schönen Prinzen auf. Offenbar ein archetypenbildender Mythos. Sollte dieser die Quelle des Gender-Wahns sein, besteht die Hoffnung, dass er durch beherzte Gegenwehr der Opfer des #MeToo-Östrogenismus wieder zum Verschwinden gebracht werden kann: Indem der häßliche Frosch gegen die Wand geknallt und damit wieder in den schönen Prinzen verwandelt wird.

Dieser Text von Christian Zeitz ist zuerst in Frank&Frei Xl.MMXXl “Östrogen – Wenn ein Hormon zur Ideologie wird” erschienen.

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