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Günter Maschke ist tot

Der Ex-68er und Carl-Schmitt-Experte Günter Maschke ist Anfang der Woche in Frankfurt am Main verstorben. Das teilte die Sezession im Netz (SiN) am Mittwoch mit.

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<p><a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:G%C3%BCnter_Maschke_2015.jpg">Senator68</a>, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0">CC BY-SA 4.0</a>, via Wikimedia Commons</p>

Senator68, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Der 1943 in Erfurt geborene Günter Maschke war bereits in jungen Jahren in linksradikalen Zusammenhängen aktiv. So engagierte er sich u.a. in der illegalen KPD und später bei der anarchokommunistischen „Subversiven Aktion“ Thüringen und danach im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS). Weil Maschke 19565 den Wehrdienst verweigerte, musste er aus Deutschland fliehen und kam über Umwege nach Wien und beteiligte sich dort an der „Kommune Wien“ um Robert Schindel. Nach seiner Verhaftung bei einer Anti-Vietnam-Demonstration im Jahr 1967 sollte er eigentlich zurück nach Deutschland abgeschoben werden. Doch ließen ihn die Behörden schließlich nach Kuba ausreisen, wo er Asyl erhielt.

Doch die sozialistische Realität setzte bei Maschke ein Umdenken in Gang. Nachdem er offen Kritik am System geäußert hatte, wurde er wegen „konterrevolutionärer Verschwörung“ erneut inhaftiert und anschließend nach Spanien abgeschoben. Danach kehrte Maschke in die Bundesrepublik zurück und trat dort seine einjährige Haftstrafe wegen Fahnenflucht an. Nach seiner Freilassung arbeitete er als freier Journalist.

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Maschkes weiteren Weg fasst der Historiker und Publizist Karlheinz Weißmann im dritten des Staatspolitischen Handbuchs (»Vordenker«) folgendermaßen zusammen:

„Viele seiner Arbeiten dienten der Selbstkritik, zuerst aus einer unorthodox-linken, dann aus einer liberalen, zuletzt aus einer konservativen Position. Sein Orientierungspunkt wurde Carl Schmitt, dessen Schriften er schon länger gekannt, aber als Äußerungen des Feindes wahrgenommen hatte. Das änderte sich dramatisch seit dem Ende der siebziger Jahre. Jedenfalls zeigten viele Texte, die er als Redakteur der Frankfurter Allgemeinen veröffentlichte, einen zunehmend schärferen Ton.

Maschke bediente sich einer an Schmitt geschulten Begrifflichkeit und einer Lust, den Gegner zu reizen, die nur geduldet wurde, so lange ihm der Ruf anhing, ein seltsamer Linker, aber eben doch ein Linker zu sein. Das änderte sich nach einem Generalangriff auf Jürgen Habermas, der Maschkes Ausscheiden aus der FAZ erzwang.

Seitdem hat Maschke als „heimatloser Rechter“, Exeget und Fortsetzer Schmitts Außerordentliches geleistet und geholfen, die großen Konterrevolutionäre – allen voran Donoso Cortés – der Vergessenheit zu entreißen. Sein prägender Einfluss auf das Programm des Wiener Karolinger-Verlages oder die von ihm mit herausgegebene Zeitschrift Etappe sprechen für sich. Er gehört ohne Zweifel zu den bedeutendsten rechten Intellektuellen der Nachkriegszeit, wenngleich er jede Hoffnung auf praktische Wirksamkeit längst begraben hat.“

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