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„The Northman“

Stelle dich deinem Schicksal

Nicht nur die Serie „Vikings“ war enorm erfolgreich, mit „Thor“ hat auch das Marvel-Universum nordische Mythologie bereits erfolgreich vermarktet. Nun bringt Hollywood mit „The Northman“ zum ersten Mal seit Jahrzehnten einen Wikingerfilm zurück auf die Kinoleinwände.

3 Minuten
<p>Szene aus &#8222;The Northman&#8220; © Universal Pictures International</p>

Szene aus „The Northman“ © Universal Pictures International

Eine Leserrezension

„Conquer Your Fate“, stelle dich deinem Schicksal, stand auf Ankündigungsplakaten zum neuen Kinofilm „The Northman“. Zwar wurde der Name des eigentlich beworbenen Films auf den Plakaten vergessen, was zu zahlreichen Witzen über den Fehler führte, dennoch fasste der kurze Satz das zentrale Motiv des Filmes zusammen. Das Schicksal trifft nicht nur in germanischen Sagen wie dem Nibelungenlied oder in den Schicksalsfäden spinnenden Nornen der nordischen Mythologie als eigene Macht auf, sondern auch in dem immerhin 90 Millionen Euro teuren neuen Film von Robert Eggers. Historische Genauigkeit zeigt der hierzulande eher unbekannte Regisseur nicht nur damit; bereits mit seinen beiden vorherigen Filmen „The Witch“ (2015) und „Der Leuchtturm“ (2019) hat er sich einen Ruf als Experte in Sachen historischer Akkurarität erarbeitet.

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Amlethus & Hamlet

In „The Northman“ geht er sogar noch weiter als in den beiden vorherigen Filmen. Nicht nur Kostüme und Kulissen sind bis ins Detail mit Historikern und Archäologen abgestimmt, er engagierte sogar eigenes einen Linguisten, der erarbeiten sollte, wie Wikinger aus dem zehnten Jahrhundert modernes Englisch sprechen. Aber auch abseits dessen kommen Freunde der skandinavischen Geschichte und Mythologie auf ihre Kosten. Die Mischung aus Abenteuer und Thriller beinhaltet nicht nur zahlreiche Elemente aus der Wikingerkultur, sondern bringt den Zuschauer auch zu sonst eher vernachlässigten Parten der Wikingergeschichte wie dem Reich der Kiewer Rus und Island.

Kulturell interessierte Kinogänger können zudem erkennen, dass die Vorlage des Epos die Amlethus-Saga ist, auf der schon Shakespeares Drama „Hamlet“ basierte. Wo „Hamlet“ jedoch zweifelt, verfolgt der Wikingerprinz Amleth als Hauptcharakter energisch und ohne Zweifel seine Rache und sein Schicksal. Begleitet wird die Geschichte, wie so oft in entsprechenden Werken, von jeder Menge Blut. Tatsächlich beinhaltet der Film eine Menge an Brutalität, die einen über die Altersfreigabe ab 16 Jahren mehr als einmal erstaunen lässt. Im Gegensatz zu anderen Hollywood-Filmen wirkt diese Brutalität und die Mengen an Filmblut jedoch nie unfreiwillig komisch oder übertrieben, sondern sie unterstreichen nur die Ernsthaftigkeit, die sich durch den ganzen Film zieht.

Der nordischen Welt ist er dabei nicht nur darin treu, sondern auch im Ende. Ungewohnt für Hollywood gibt es am Ende keine klare Positionierung und keine Seite repräsentiert gut oder böse, am Ende geht es – wie in der Nibelungensage und anderen Epen – auch nicht darum, sondern um die Erfüllung des (oft grausamen) Schicksals.

Wikinger-Epos ohne linke „Woke“-Kultur

In linken Kreisen sorgt der Film nicht nur deswegen und wegen der Überdosis an „toxischer Maskulinität“ für Aufregung, sondern auch weil keine ethnischen oder sexuellen Minderheiten im Skandinavien des 10. Jahrhunderts vorkommen. Das mag zwar geschichtlich richtig sein, ist aber heutzutage bereits politisch mehr als unkorrekt. Für jeden der angesichts des zunehmenden Einflusses der „Woke“-Kultur auf Spielfilme und Serien nur noch den Kopf schütteln kann, sicherlich eine angenehme Abwechselung. Wer zusätzlich mit blutvergießenden Wikingern und Odins Raben etwas anfangen kann, wird damit bei „The Northman“ eine gute Unterhaltung finden. Kulturell und geschichtlich Interessierte werden zudem zahlreiche Details und Anspielungen wieder erkennen und in eine durchaus realistische Darstellung der Wikingerwelt eintauchen können.

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