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Deutschland

Erstmals negative Handelsbilanz – was nun?

Erstmals seit der Nachkriegszeit importierte der „Exportweltmeister“ im Mai 2022 mehr Waren und Dienstleistungen als er exportierte. Der Ökonom Jurij Kofner erklärt die Ursachen und zeigt mögliche Auswege.

Meinungvon Jurij Kofner
3 Minuten
<p>Bild: Jurij Kofner</p>

Bild: Jurij Kofner

Die deutsche Handelsbilanz sank auf minus einer Milliarde Euro vom Höchststand von fast 250 Milliarden Euro im Jahr 2017. Zusammen mit der in der Geschichte der Bundesrepublik beispiellosen hohen Inflationsrate von knapp acht Prozent ist dies das „Menetekel“ für die drohende Implosion der deutschen Wirtschaft.

Vielfache Gründe

Die Gründe für diese dramatische Umkehrung sind zweifach. Zum einen stagnierte das Wachstum der deutschen Exporte in den vergangenen Jahren. Hauptfaktor hierfür ist die abnehmende internationale Wettbewerbsfähigkeit. So rutschte Deutschland im Länderindex Familienunternehmen von Rang 9 beim Amtsantritt Merkels auf Rang 16 im Jahr 2021 ab. Auch die Hoffnung, Exportmeister vom „grünen Technologien“ zu werden, geht kaum in Erfüllung. Die Ausfuhren von Solarmodulen, Wechselrichtern, Windkraftanlagen, Elektrolyseuren und elektrische Batterien stagnieren oder sinken, insbesondere im Vergleich zu China.

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Verschärft wird die ganze Situation durch Containerfrachtengpässe. In der Nordsee standen im Juni zwei Prozent des weltweiten Seehandels „im Stau“, zusätzlich zu den ständigen Hafenschließungen in China aufgrund dessen No-Covid-Doktrin. Neben einem stagnierenden Exportwachstum ist die negative Handelsbilanz vor allem auf die extrem gestiegenen Preise für Energieimporte, aber auch für Rohstoffe zurückzuführen. So hat sich beispielsweise der Börsenimportpreis für Erdgas bis Juli diesen Jahres auf knapp 130 Euro pro MWh von unter 20 Euro im Jahresdurchschnitt 2021 vervielfacht. Und der Hamburger Rohstoffpreisindex stieg auf über 150 Euro von knapp 100 Euro im vorangegangenen Jahrzehnt.

Hausgemachte Gründe aus der Politik

Die Hauptfaktoren für diese Preisexplosion sind vor allem hausgemacht: die Energiewende und der Verzicht auf russische Energieträger. Wieder einmal profitiert auch Washington maßgeblich von der Sanktionspolitik Deutschlands, das verzweifelt versucht, einen Teil der Öl- und Gasimporte aus Russland mit denen aus den USA zu ersetzen. Da aber amerikanisches Tankergas- und Öl viel teurer ist, schlägt sich das maßgeblich in der Statistik in Form der negativen Handelsbilanz nieder. Was könnte eine pragmatisch orientierte, im nationalen Interesse handelnde Bundesregierung tun, um diesen negativen Trend umzukehren?

Nun, zuerst sollte es billige Energie für seine Wirtschaft ermöglichen, indem es aus dem Atom- und Kohleausstieg aussteigt. Mit unter fünf Cent pro KWh sind das die generationsmäßig günstigsten importunabhängigen Energieträger. Die Rückverlagerung der Produktion (Reshoring und Nearshoring in der Fachsprache) sind beliebte Forderungen der Rechten. Dies lässt sich langfristig aber nicht durch Protektionismus, sondern einzig und allein durch die Verbesserung der Standortbedingungen effektiv umsetzen: niedrigere Steuern, wenig Bürokratie, günstige und sichere Energie, gut ausgebildete Fachkräfte, gute Infrastruktur, etc.

Rückkehr der Kernenergie?

Viele Rohstoffe und wichtige Energieträger für die deutsche Industrie, wie Kernbrennstoffe, Öl, Gas und zukünftig auch Wasserstoff, können jedoch nicht einfach „zu Hause“ produziert werden und müssen daher weiterhin aus dem Ausland bezogen werden. Handelsdiversifikation durch langjährige Lieferverträge mit vielen neuen Handelspartnern ist hier das Gebot der Stunde. Da über die Hälfte der Länder der Erde sowieso keine „lupenreinen“ Demokratien sind, dürfen eigene Wertvorstellungen hier nur eine untergeordnete Rolle spielen. Entscheidend müssen nun mal halt die nationalen realpolitisichen Wirtschaftsinteressen sein.

Dazu gehört auch, die Lieferkettengesetzgebung und den CO2-Grenzausgleichsmechanismus der EU (Klimazoll) aufzugeben. Beide sind von grüner Ideologie getrieben, werden am Ende sowohl den Entwicklungsländern als auch der Umwelt schaden und dabei die deutsche Wirtschaft jährlich ca. 2,5 Prozent des Bruttosozialprodukts kosten.


Zur Person:

Jurij C. Kofner ist gebürtiger Münchner und arbeitet als Ökonom beim Miwi Institut. Zudem ist er als Fachreferent für Wirtschaft, Energie und Digitales bei der AfD-Fraktion im Bayerischen Landtag angestellt.

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