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Siegfried Bublies

„Alle Imperien und Großreiche sind bisher zerbrochen“

Nach 20 Jahren ist die nationalrevolutionäre Zeitschrift „wir selbst“ wieder zurück. Die TAGESSTIMME sprach aus diesem Anlass mit dem Verleger Siegfried Bublies über Ziele und Ausrichtung des Projekts.

Interviewvon Redaktion
6 Minuten
<p>Siegfried Bublies.</p>

Siegfried Bublies.

TAGESSTIMME: Sehr geehrter Herr Bublies, 20 Jahre sind seit dem Erscheinen der letzten Ausgabe von „wir selbst“ vergangen, nun kam für viele überraschend mit einer neuen Ausgabe ein Neustart des Projekts. Wie kam es dazu?

So vollkommen überraschend war es für manche doch nicht. Bereits 2019 hatten wir – noch etwas vorsichtig und tastend – eine Online-Ausgabe ins Leben gerufen, die schnell wieder Autoren fand – einige aus der alten wir selbst-Mannschaft, aber auch aus der jüngeren Generation- und sich wachsender Beliebtheit bei den Lesern erfreute. Die guten Zugriffszahlen ermunterten uns schließlich, auch wieder eine Druckausgabe zu wagen.

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Die Zeitschriftenlandschaft hat sich seit der letzten Ausgabe enorm verändert. Von „rechts“ gibt es bereits verschiedenste Angebote. Wieso braucht es Ihrer Meinung nach noch das zusätzliche Angebot durch „wir selbst“?

Die Frage ist natürlich berechtigt. Das Zeitschriftenangebot aus dem konservativen und rechten Spektrum ist tatsächlich vielfältig und auch qualitativ auf einem erfreulich hohen Niveau. In aller Bescheidenheit möchte ich aber darauf hinweisen, dass die Redaktion unserer Zeitschrift in der Vergangenheit, also von 1979 bis 2002 und teilweise auch in der Online-Ausgabe seit 2019, einen spezifischen politischen Ansatz vertreten hat, der so von keinem anderen Medium jemals wieder versucht wurde: den Brückenschlag zwischen Linken und Rechten, also ein Forum zu bieten für geistige Auseinandersetzungen zwischen gegnerischen oder auch oft nur vermeintlich unvereinbaren politischen Positionen. In der Vergangenheit ist uns dies immer wieder gelungen. Wir gehörten ja auch zu den ersten aus dem rechten Lager hervorgegangenen Zeitschriften, die sich den Themen Ökologie und Kapitalismuskritik gewidmet haben.

Es umgab die „wir selbst“ eine ganz besondere Aura, wenn in unserem Blatt Rudolf Bahro, der DKP-Funktionär Richard Scheringer, die Sozialdemokraten Prof. Arno Klönne, Prof. Peter Brandt, der Antifaschismusforscher Dr. Peter Dudek, Richard Schröder (ehemaliger Fraktionsvorsitzender der SPD in der Volkskammer der DDR, Anm. d. Red.) oder Paulus Buscher (Edelweiß-Pirat und Widerstandskämpfer im Dritten Reich, Anm. d. Red.) neben Konservativen und Rechten zu Wort kamen. Das ist danach nie wieder gelungen. Es erscheint mir aber äußerst reizvoll, diesen Forumscharakter der alten „wir selbst“ neu aufleben zu lassen, wenigstens ein Angebot zum lagerübergreifenden Disput zu machen. Dass die Fronten sich in den letzten Jahren jedoch extrem verfestigt haben und die Manie eines „antifaschistischen“ Selbstdarstellungszwanges heute selbst weite Teile des bürgerlichen Lagers erfasst hat, ist mir durchaus bewusst. Umso verlockender die Aufgabe, daran etwas zu ändern.

Die neue Ausgabe fällt um einiges dicker aus als die alten Ausgaben, mit 146 DIN A4 Seiten macht man vielen Büchern Konkurrenz. Gleichzeitig wirkt die neue Ausgabe weniger nationalrevolutionär als vergangene, bis auf zwei antikapitalistische Texte könnten die Veröffentlichungen auch in bürgerlich-konservativen Magazinen abgedruckt werden. Wie sieht es hinsichtlich der Blattlinie in Zukunft aus?

Als unsere Zeitschrift 1979 gegründet wurde, war Deutschland noch geteilt, der Ost-West-Konflikt drohte infolge der Stationierung von Mittelstreckenraketen durch die USA und die Sowjetunion im geteilten Deutschland zu eskalieren. Die nationale Frage war tatsächlich eine revolutionäre, denn sie hatte durchaus eine systemüberwindende Sprengkraft. Der Zusammenbruch des Sowjetimperiums hatte bekanntlich nicht nur ökonomische Gründe, sondern war in erster Linie eine Folge des Strebens der Völker im sowjetischen Machtbereich nach Selbstbestimmung und Erhalt ihrer eigenen Identität.

Dass wir nach historischen Vorbildern suchten und sie auch teilweise in einzelnen Gruppen und Persönlichkeiten fanden, die in den 20er und 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts zur Konservativen Revolution gerechnet wurden, ist richtig. Die „linken Leute von rechts“, die sich damals vor allem in nationalrevolutionären Gruppen zusammenfanden, suchten ja nach einem Weg, die nationale Frage mit der sozialen Frage zu verbinden. Die Notwendigkeit einer solchen Verknüpfung ist heute noch so aktuell wie damals. Wir sehen uns somit durchaus in der Tradition dieser speziellen Denkrichtung, auch wenn wir natürlich versuchen, zeitgemäße politische Lösungen zu artikulieren.

Inhaltlich wollen wir außerdem verstärkt unser Augenmerk auf kulturelle Fragen richten, ein Betätigungsfeld, das von anderen Zeitschriften doch oft recht stiefmütterlich behandelt wird, im Sinne einer metapolitisch orientierten Arbeit aber von enormer Bedeutung ist.

Ihre erste Ausgabe widmet sich dem Ukrainekrieg, also einem aktuellen Thema. Können Sie bereits sagen, welche Schwerpunkte in den nächsten Ausgaben behandelt werden sollen? Zudem haben Sie angekündigt, dass neue Ausgaben „unregelmäßig“ erscheinen werden. Haben Sie dennoch eine Zielvorgabe, wie viele Ausgaben pro Jahr Sie publizieren wollen?

Die nächste Ausgabe, die im September erscheinen soll, wird sich vorrangig dem Thema „Rückkehr der Geopolitik“ widmen. Damit schließen wir an die Themen der letzten Ausgabe, etwa den Ukrainekrieg, an, wollen aber raumbezogene Machtfragen, die Gefahren der Globalisierung und ethnisch-nationale Widerstandspotentiale gegen universalistische, völker- und kulturplanierende Ideologien in einen Zusammenhang stellen und verdeutlichen.

Wir streben allenfalls eine vierteljährliche Erscheinungsweise unserer Zeitschrift an. Das bedeutet, dass wir kaum aktuelle Themen behandeln können. Stattdessen möchten wir unseren Autoren Raum geben für fundierte Beiträge mit theoretischem Tiefgang. Das hat wiederum zur Folge, aus Gründen der Vielfalt ein möglichst großes Meinungs- und Themenspektrum in jede Ausgabe packen zu müssen. Der Umfang wird also auch in zukünftigen Ausgaben ähnlich der Ausgabe im Mai 2022 sein.

Die Probleme in Deutschland spitzen sich immer weiter zu: Soziale Verwerfungen, Identitätsverlust, Abgabe von Souveränität und viele weitere offene Fragen warten auf Antworten von „links“, „rechts“ und jenen, die sich in keinem der beiden groben Raster wieder finden. Inwieweit kann „wir selbst“ zur Beantwortung beitragen und wie sehen Sie persönlich die nächsten Jahre? Gibt es Hoffnung für all jene, denen die nationale Identität am Herzen liegt?

Es ist richtig: Die von Ihnen genannten Probleme werden schärfer zutagetreten und sich mit Sicherheit schon in absehbarer Zeit krisenhaft zuspitzen. Die etablierte Politik hat – ganz im Banne einer liberalkapitalistischen und globalistischen ideologischen Fixierung – keine Antworten zu bieten. Auch unsere Autoren und Mitarbeiter haben natürlich keine ausgefeilten Konzepte, sind nicht allwissend. Aber wir sind bestrebt, auf grundsätzliche Fehlentwicklungen aufmerksam zu machen. Dazu gehören nach unserer Meinung die fehlende Akzeptanz des ethnisch-nationalen Selbstbehauptungswillens der Völker seitens der politischen und medialen Klasse, die Servilität der etablierten Politik gegenüber der westlichen Führungsmacht USA und die Gefahren, die unserem Land und allen europäischen Ländern durch eine zunehmende Entsolidarisierung als Folge einer fortschreitenden Multikulturalisierung drohen. Nationale Identitätsarbeit darf sich zukünftig nicht weiter durch eine Verfeindung zwischen freisinnigen Linken und Rechten behindern lassen. Dazu möchten wir einen kleinen Beitrag leisten. Aber das ist eine harte Kärrnerarbeit!

Und Hoffnung für alle, denen das eigene Volk und die Völker allgemein als gewachsene Kultur- und Abstammungsgemeinschaften am Herzen liegen? Ja, die gibt es. Ein Blick in die Geschichte genügt: Alle Imperien und Großreiche sind bisher an den inneren Widersprüchen zerbrochen. Der leider zu früh verstorbene Soziologe Henning Eichberg, der unsere Zeitschrift viele Jahre begleitet und geprägt hat, sah die Haupttendenz der Moderne nicht auf dem Weg hin zu größeren Einheiten, sondern in der „Balkanisierung für jedermann“, also hin zu identitätskonformen kleineren Gemeinschaften. Völker als Lebens- und Solidargemeinschaften, die sich der Entfremdung in einer globalisierten Welt entgegenstemmen.


Zur Person:

Siegfried Bublies, Verleger, geboren 1956, Gründer der Zeitschrift „wir selbst“ im Jahre 1979, Inhaber des Bublies Verlages und des Lindenbaum Verlages.

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