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Blick nach links

Kommt die Wagenknecht-Partei?

Sahra Wagenknecht gilt unter vielen Wählern als vernünftige Stimme der Linkspartei. In Talkshows und Reden vertrat sie zuletzt immer wieder Positionen, die in breiten Teilen des Publikums auf Zustimmung treffen, in der eigenen Partei aber unbeliebt sind. Hat ihre jüngste Rede den Bogen so weit überspannt, dass die Linkspartei sich endgültig spalten wird? Und wie geht es dann weiter mit den SED-Nachfolgern?

Meinungvon Erik Ahrens
3 Minuten
<p>Bild: metropolico.org</p>

Bild: metropolico.org

Während die AfD mit ihrer Herbstkampagne die Probleme der Bürger anspricht und Einheit signalisiert, steht die Linkspartei kurz vor der Spaltung: Sahra Wagenknecht, die wohl bekannteste Linken-Politikerin, muss vielleicht bald aus der Partei ausscheiden. Zumindest, wenn es nach dem Willen einiger ihrer „Genossinnen“ geht. Der MDR fasst die Situation wie folgt zusammen:

„Drei mitteldeutsche Landtagsabgeordnete der Linken haben den Ausschluss von Sahra Wagenknecht aus der Linken-Bundestagsfraktion gefordert. Grund ist Wagenknechts umstrittene Rede zur Russlandpolitik. Die Abgeordneten Katharina König-Preuss, Henriette Quade und Juliane Nagel fordern in ihrem offenen Brief auch den Rücktritt der Fraktionsvorsitzenden.“

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Der Brief auf es-reicht.org, der Wagenknecht überdies Nationalismus und Querfront-Affinitäten vorwirft, wurde bis jetzt von über 1.900 Personen unterzeichnet. Darunter sind laut Aussage der Seite viele Mitglieder und hochrangige Funktionäre der Linkspartei.

Wagenknecht ohne die Linke

Mit ihren Standpunkten steht Wagenknecht außerhalb der Positionen, die die Linke auf ihrem letzten Bundesparteitag beschlossen hat. Doch ganz alleine steht sie dennoch nicht da: Einige bekannte und bei den Stammwählern beliebte Politiker der Partei sind implizit oder explizit auf ihrer Seite.

Bei einer anstehenden Spaltung könnte die Mehrheit der Mitglieder und Funktionäre in der Linken bleiben – die „Zugpferde“ bei den Wahlen stehen jedoch teilweise im Wagenknecht-Lager. Demnächst könnte also eine linkspopulistische Wagenknecht-Partei zu Wahlen antreten. Ob diese größeren Erfolg hat als die gescheiterte „Aufstehen“-Bewegung, bleibt abzuwarten.

Die Linke ohne Wagenknecht

Die Linkspartei selbst würde jedoch gewiss durch den Wagenknecht-Austritt einen großen Bedeutungsverlust in den Augen der Wähler erleiden. Alle Positionen, die eine Linkspartei ohne Wagenknecht-Flügel vertritt, werden von SPD und Grünen längst professioneller und reichweitenstärker vertreten.

Bleibt die Frage, ob Janine Wissler das gelingen wird, was nach dem Bundesparteitag im Raum stand: Eine Transformation der Linkspartei hin zur One-Woman-Show, ähnlich wie Christian Lindner die FDP nach ihren desolaten 4,8 % und dem Ausscheiden aus dem Bundestag 2013 über einige Jahre zur Lindner-Partei ausbaute. Das Rezept ging auf: Nur mit dem Personenkult und der Marke Lindner, die für Dynamik und ein linksliberales Freiheitsverständnis steht, schaffte die FDP es in die Ampelregierung.

Wenn Wissler dies schaffen sollte, wird sie langfristig zwei Ziele erreichen müssen: Einerseits ihren Markenkern und ihr öffentliches Bild von der unbekannten Linken hin zur populistischen Vorkämpferin der Armen und Unterdrückten ausbauen müssen (eine deutsche Alexandria Ocasio-Cortez), und andererseits ihre innerparteiliche Konkurrenz marginalisieren. Dass sie sich weitgehend im Hintergrund hält, während die Antifa-Abgeordneten aus dem Osten Wagenknecht rausmobben, steht der bei Marx21 ausgebildeten Trotzkistin zumindest strategisch nicht schlecht zu Gesicht.


Zur Person:

Erik Ahrens wurde 1994 in Frankfurt am Main geboren, wo er von 2014 bis 2020 Gymnasiallehramt studierte. 2020 gründete er gemeinsam mit Bruno Wolters das „konflikt Magazin“.


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