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Denkfabrik Republik21

Der pathologische Wahn von der ideologiefreien Mitte

Mit einem Manifest für „bürgerliche“ Politik will die Denkfabrik Republik21 den geistigen Kulturkampf gegen links und rechts beginnen. Für die Journalistin Zita Tipold stellt dieser Versuch eine durchsichtige Aktion mit wenig Erfolgschancen dar.

Meinungvon Zita Tipold
4 Minuten
<p>Bild: privat</p>

Bild: privat

Der pathologische Mitte-Wahn von Vertretern eines „bürgerlich“-patriotischen Kurses ist mitunter gefährlicher für den Erhalt des Eigenen als jede offen linke Agenda. Am Montag stellte die noch junge Denkfabrik Republik21 (R21) ihr Manifest vor. Ob der darin geäußerten Positionen können Rechte und Konservative eigentlich nur müde den Kopf schütteln. Das liberale Lager scheint einfach nicht dazuzulernen.

Initiatoren des Projekts sind unter anderem der Historiker Andreas Rödder und die ehemalige Familienministerin Kristina Schröder (CDU). Den Angaben auf der Internetseite der Denkfabrik zufolge wollen sie Widerstand gegen „Identitäre von links und rechts“ leisten.

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„Die Grundlagen der freien Gesellschaft und unseres demokratischen Gemeinwesens werden durch populistische und extremistische Rechte ebenso wie durch woke Linke bedroht“, heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten Positionspapier.

Bereits an dieser Stelle irrt R21. Während woke Linke nicht nur die Deutungshoheit in der westlichen Gesellschaft erlangt haben und unliebsame Stimmen mal eben aus der Öffentlichkeit wegcanceln können, haben Rechte aktuell keinerlei gesellschaftliche Macht inne. Dennoch scheuen sich die Initiatoren nicht, die linke Mär vom rechten Schreckgespenst zu schüren.

Ihre absurde Abgrenzungsmotivation führen sie wie folgt aus: „Sowohl die radikale Rechte wie die woke Linke stehen für eine identitäre Politik, die nicht auf individuellen Freiheitsrechten und dem Prinzip des gleichen Rechts für alle basiert, sondern Sonderrechte für bestimmte Gruppen reklamiert – seien es ‘Opfergruppen‘ einerseits oder ein ethnisch homogenes ‘Volk‘ andererseits.“

Republik21 fehlt der Biss

Den Begriff „Volk“ in Anführungszeichen zu setzen, offenbart in jedem Fall eine radikale Gesinnung – jedoch die von R21. Immerhin ist das „deutsche Volk“ die Marmorsäule, welche die Gesellschaft trägt, die die Denkfabrik doch angeblich stärken will. Folgt man dem Manifest, ist von „konsequenter Rechtsstaatlichkeit“ die Rede. Auch aus diesem Blickwinkel ist der Begriff „Volk“ also eigentlich nicht verhandelbar.

Eine neue bürgerliche Politik, wie sie R21 fordert, müsse sich des „Kulturkampfes der identitätspolitischen Linken und der identitären Rechten“ annehmen und Feinde der liberalen Demokratie zurückdrängen, heißt es in dem Manifest weiter. Während die letzten Restbestände gesellschaftlicher Normalität in Deutschland zunehmend unter Beschuss von radikal linksliberalen Kräften stehen, versuchen Rechte und Konservative sich trotz aller Drangsalierung dem Trend entgegenzustellen. Und die Denkfabrik? Die nimmt all ihren Gratismut zusammen, um sich als Retter in der Not zu inszenieren.

Statt die eigene Positionierung gegen Wokeness und Cancel Culture uneingeschränkt stehenzulassen, setzen die Initiatoren auf vorsorgliche Abgrenzung gegen rechts. Es ist nicht nur der Mut, der fehlt, es ist auch der Biss. Wofür schließlich kämpft R21? Nach eigenen Angaben weder für die Dekonstruktion des Eigenen, noch dessen Erhalt. Der Bewahrungswillen der Gruppe endet bei bedeutungsleerem Verfassungspatriotismus.

Es braucht ein entschiedenes Nein

Es ist ein zahnloser Widerstand, bei dem es an Willen und Möglichkeit fehlt, tatsächlich etwas zu verändern. Auf ihrer Internetseite präsentiert die Denkfabrik ihre Themen. Vorne mit dabei: die offene Gesellschaft. „Deutschland ist als offenes Land schon immer Start- und Zielpunkt von Migration gewesen und hat davon stark profitiert“, lautet die klare Ansage von R21. Zudem fordern sie einen intensiveren Einsatz gegen eine „tatsächliche Benachteiligung“ von Minderheiten, statt Quotenregelungen. Damit ist im Grunde alles gesagt. Ziel der Gruppe ist kein politischer Kurswechsel. Im Gegenteil. Die Devise lautet: Fortschritt? Unbedingt, aber etwas langsamer und nur mit meiner Zustimmung.

Statt auf Veränderung zu drängen, stabilisieren Projekte wie R21 die schon vor langer Zeit fehlgeleitete gesellschaftliche Entwicklung. Die Initiatoren machen sich zum Erfüllungsgehilfen eben jener linken Akteure, die sie eigentlich kritisieren, indem sie deren Narrative auf eigene Faust bespielen, statt sie abzulehnen. Die einzig richtige Antwort auf grundsätzlich Falsches ist kein schwammiges Hin und Her, sondern nur ein uneingeschränktes, entschiedenes Nein.


Zur Person:

Zita Tipold, geboren 1995, ist Redakteurin bei der konservativen Wochenzeitung Junge Freiheit aus Berlin und studierte Geschichte sowie Deutsche Literatur in Konstanz. Ihre Abschlussarbeit schrieb sie über Viktor Orbán als Identifikationsfigur für ein unabhängiges Ungarn. Sie hat ungarische Wurzeln und Familie in dem Land.

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