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Hannes Gnauck (AfD)

„Der Parteinachwuchs hat einen gewissen Vorbildcharakter“

Hannes Gnauck wurde im Oktober zum Vorsitzenden der Junge Alternative gewählt. Freilich hat mit ihm über seine Vision einer patriotischen Jugend und seiner kommenden Amtszeit gesprochen.

Interviewvon Bruno Wolters
7 Minuten
<p>Bild: Filmkunstkollektiv</p>

Bild: Filmkunstkollektiv

Freilich: Sehr geehrter Herr Gnauck, an dieser Stelle noch einmal: Herzlichen Glückwünsch zu Ihrer erfolgreichen Wahl zum JA-Bundesvorsitzenden! Mit 92 Prozent der Stimmen haben Sie ein sensationelles Ergebnis eingefahren und können somit auf einen großen Vertrauensvorschuss bauen. Haben Sie das erwartet? Ist so ein gutes Ergebnis nicht gleichzeitig eine Last?

Hannes Gnauck: Ich bin natürlich überaus dankbar für die Wahl zum Bundesvorsitzenden. Und das Ergebnis hat mich geradezu überwältigt. Meine geplante Kandidatur machte schon einige Wochen zuvor die Runde und somit war es wenig überraschend, dass es keinen Gegenkandidaten gab. Aber die 92 Prozent sind natürlich dennoch überraschend und Grund zur Freude. Das damit geschenkte Vertrauen werde ich in höchsten Ehren halten und mich mit aller Kraft dafür einsetzen, dieses Vertrauen zu bestätigen.

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Auf was können sich junge Patrioten unter Ihrer Amtszeit freuen? Gibt es schon konkrete Pläne, die Sie hier verraten können?

Wir haben uns natürlich vieles vorgenommen. Über genaue Pläne, Aktionen und Termine wird aber in absehbarer Zeit informiert. Wir haben als neuer Vorstand unsere konstituierende Sitzung hinter uns, die Geschäftsbereiche verteilt, einen Rundbrief vorbereitet, eine neue Patria-Ausgabe in Planung. Die größeren Zielvorhaben und Veranstaltungspläne werden ausgearbeitet.

Im „JA-Kessel“ war in den letzten Jahren immer wieder ein großer Druck zu spüren. Mit der beruhigenden und erfolgreichen Amtszeit von Carlo Clemens kam wieder Ruhe in die patriotische Jugendbewegung. Wie wird Ihre Führung aussehen?

Es ist ja nun kein Geheimnis, dass die Junge Alternative für viele AfD-Funktionäre bestimmter Art immer ein Dorn im Auge gewesen ist und auch bleiben wird, gerade mit dem Kurs, für den unsere Jugendorganisation steht. Nur sind viele von diesen Leuten zum Glück nicht mehr in der Partei – und damit hat der öffentlich ausgetragene Streit ebenso nachgelassen. Das betrifft auch die JA. Sie wurde in der Regel als Spielball missbraucht. Das haben wir vor etwas über einem Jahr nochmals erleben müssen, als mit Neumann und Clemens ein Ausgleichvorsitz angestrebt wurde – der allerdings nicht lange weilen durfte.

Nach dem Abgang von Jörg Meuthen und der Wahl des neuen AfD-BuVos haben die Angriffe in dieser Qualität endlich aufgehört. Nun kann die angestrebte Arbeit, die Professionalisierung und auch die kreative Gestaltung patriotischer Nachwuchspolitik endlich in Angriff genommen werden. Ich möchte für diese Phase des Wandels an der Spitze die notwendige Anleitung und Schützenhilfe bieten. Durch meine Schnittstelle mit dem Parlament können viele Prozesse beschleunigt werden und wichtige Anliegen der Jugend in die Mitte der Verantwortungsträger gebracht werden. Eine starke Verzahnung von JA und AfD ist das Ziel. Genau dafür werde ich mich ununterbrochen einsetzen.

Der JA-Kongress in Apolda machte auf einen Außenstehenden in Sachen Professionalität, Außenwirkung und Seriosität einen großen Eindruck. Vertreter der Partei, die JA und das Vorfeld ergaben ein schönes und harmonisches Bild. Wird das der Goldstandard für die nächsten Jahre sein? Kann sich die Mutterpartei vielleicht sogar etwas davon abgucken?

Ich bin stolz auf die Entwicklung der JA und insbesondere das öffentliche Auftreten unserer patriotischen Jugend. Das ging ja bereits mit mehreren Aktionen vergangenes Jahr los, wie der Großdemonstration gegen die Corona-Maßnahmen oder jene zur Rettung des Märchenwaldes. Die Junge Alternative ist als politische Organisation nicht mehr wegzudenken, die Mutterpartei kommt um sie als Faktor nicht mehr herum. Und das ist auch gut so.

Natürlich hat der Parteinachwuchs einen gewissen Vorbildcharakter entwickelt, gerade was die Professionalität betrifft. Unsere Partei ist von der deutschen Jugend und den Menschen mittleren Alters, die berufstätig im Leben stehen, geprägt. Das lässt sich ästhetisch und programmatisch noch nicht an jeder Stelle abbilden, aber die JA ist zu einem wichtigen Korrektiv für die „Verboomerung“ der AfD geworden. Und in diesem Sinne wird sie in ihrer Bedeutung weiterwachsen, das verspreche ich. Die Impulse für die Zukunft der AfD kommen aus den Reihen der JA, kein Zweifel.

Die Zusammenarbeit zwischen AfD und JA verlief nicht immer glücklich – was werden Sie an dieser Stelle unternehmen, um das Verhältnis zu verbessern?

Dieser Bundesvorstand soll eine Erneuerung darstellen, für eine Einheit von Partei und Nachwuchs. Das war in der Vergangenheit leider nicht der Fall, das bekannteste Beispiel war wohl die Intrige des Meuthen-Vorstandes gegen den Co-Bundesvorsitzenden der JA, Marvin Neumann. Diese Tage sind nun aber vorbei. Mit meinem Bundestagsmandat hat der Bundesvorsitz der Jungen Alternative auch noch mal einen anderen Stand in Partei und Bundestagsfraktion. Die Kommunikation ist durch meine Einbindung als Mandatsträger automatisch gegeben und der neue Parteivorstand hat begriffen, dass man nunmehr als Einheit agieren muss. Ich bin äußerst optimistisch, was die zukünftige Zusammenarbeit betrifft.

Letztes Jahr konnten Sie erfolgreich in den Bundestag einziehen, nun folgt der Schritt an die Spitze der JA. Die Karriere funktioniert – die Bodenständigkeit haben Sie dabei nicht verloren, wenn man ihre Auftritte in den letzten Monaten verfolgt hat. Wie schaffen Sie den Spagat zwischen Politiker für das Volk und Partei sowie Parlament? Wie gehen Sie mit den vielen neuen großen Schritten in Ihrem Leben um? Fällt es Ihnen schwer, das alles miteinander zu vereinen?

Ich bin noch immer derselbe ostdeutsche Sohn der Uckermark, derselbe Oberfeldwebel der Bundeswehr aus Prenzlau. Natürlich lernt man, wächst man, feiert Erfolge und Niederlagen – aber ich habe nicht die Absicht, in irgendwelchen angeblich elitären Kreisen der Bundesrepublik „anzukommen“. Dafür bin ich nicht in die Politik gegangen, im Gegenteil. Ich will die Selbstbeschäftigungs- und Beweihräucherungsspirale der Parlamentarier durchbrechen. Der Elfenbeinturm in Berlin ist das Problem, und nicht das Ziel. Ich möchte als Junge aus dem Volk genau diese Haltung im Parlament vertreten. Das ist es, was „Alternative“ im Namen der AfD auch bedeutet muss, wenn man tatsächlich einen Politikwandel im Sinne Deutschlands erreichen will.

Die Systemmedien haben wie erwartet auf Ihre Wahl reagiert. „Junge Alternative wählt als Extremisten eingestuften Soldaten zum Bundesvorsitzenden“ (SPIEGEL), „Rechtsextremist Hannes Gnauck aus Brandenburg wird Chef von AfD-Jugend“ (MAZ), „Hannes Gnauck: Identitärer Hipster“ (ND) – Was denken Sie zu solchen Aussagen? Herr Gnauck, sind Sie ein „Extremist“?

Also bei dem Wort „Hipster“ musste ich schon lachen. So wurde ich definitiv noch nie genannt. „Identitär“ im Übrigen auch nicht. Ansonsten ist es das typische Spiel: Brutale Überschriften mit Trigger-Begriffen, aber keine Substanz im Text. Es gibt keine Belege für die Vorwürfe, nur die immer selben Referenzen, das ewige Abschreiben der Journalisten. Aber so funktionieren unsere Medien und ihr Diffamierungsspiel nun mal. Und nein, ich plane nicht die Anwendung von Gewalt zur Beseitigung des Staates – ich bin also kein Extremist.

Als jemand, der noch vor etwas über einem Jahr für diesen Staat in Afghanistan zu sterben bereit war, sind diese Vorwürfe besonders irritierend. Wie schnell unsere Regierenden und ihre hörigen Beamten mittlerweile bereit sind, Patrioten und Oppositionelle zu angeblichen Staatsfeinden zu erklären – das betrifft ja sogar friedliche Spaziergänger – ist schon sagenhaft. Und Zeugnis, wie schlecht es um die demokratische Substanz unseres Staates unter den etablierten Parteien steht. Es ist Zeit, dass der volksfeindliche Behördenschimmel endlich beseitigt wird, ehe unser Land verarmt, entdeutscht und zum Kriegsschauplatz geworden ist.

Herr Gnauck, vielen Dank für das Gespräch!


Zur Person:

Hannes Gnauck ist AfD-Bundestagsabgeordneter aus Mitteldeutschland. Der gebürtige Prenzlauer interessiert sich als ehemaliger Soldat vor allem für eine konservative Verteidigungspolitik. Seit Oktober 2022 ist Gnauck Vorsitzender Jugendorganisation der AfD.


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