Gesellschaft

Kampf gegen Kurden: Bombe mit Widmung für Wiener Moscheeverein

Screenshot: Facebook / Aytwien Busbug

Eine der Bomben, mit der die türkische Armee derzeit die Kurden‐Miliz YPG im syrischen Afrin bekämpft, wurde einem Wiener Moscheeverein gewidmet.

Eine dem türkischen Moscheeverein Ahmet Yesevi Camii in Wien nahestehenden Facebook‐Seite veröffentlichte offenbar am 24. Februar 2018 das Bild einer Bombe. Darauf findet sich eine Widmung mit den Worten: „Für den Ahmet Yesevi und Selculku Verein – Afrin”.

Verein der Grauen Wölfe” postet Bild von Bombe

Der Wiener Politologe Thomas Schmidinger veröffentlichte am 28. Februar 2018 einen Screenshot des Postings, das besonders in der Kurden‐Community für große Empörung sorgen könnte:

Ein Wiener Verein der Graunen (sic!) Wölfe schickt Bomben nach Afrin und postet sie dann auf Facebook und schreib dazu, dass Gott die Soldaten nicht vergesse”, kommentierte Schmidinger, der u.a. zum Nahen Osten, Kurdistan und dem politischen Islam forscht, auf seiner Facebook‐Seite.

Bei besagtem Vereine handle es sich laut Angaben des umstrittenen Politologen um den in der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) organisierten Verein Ahmet Yesevi Camii in Wien.

Ehemaliger UETD‐Funktionär bezieht Stellung

Auf die Vorwürfe des Wiener Politologen reagierte schließlich auch der ehemalige stellvertretende Vorsitzende der AKP‐nahen „Union europäisch‐türkischer Demokraten” (UETD), Hakan Gördü, auf seiner eigenen Facebook‐Seite:

Gördü weist in seinem Posting daraufhin, dass „eine inoffizielle Seite einer Föderationsmoschee”, die von „Dritten” betrieben werde, das Bild veröffentlicht habe. Der ehemalige UETD‐Funktionär bezeichnete die Beschriftung der Bombe als „absolut makaber und deplatziert”. Was hingegen Schmidinger betreibe, sei das „andere Extrem”. Gördü warf dem Politologen vor, den Kommentar zum Bild falsch übersetzt zu haben und mit seinen Postings „Brandstiftung” zu betreiben.

Der Kommentar zum Bild laute: „Gott möge den Soldaten, die unseren Verein nicht vergessen haben, seine Gunst erweisen. Sie mögen ihren Nächsten zur Liebe (vor dem Tod) bewahrt sein.”. Schmidinger hätte daraus „Soldaten Gottes” gemacht, um einen „Jihadisten‐Eindruck” zu erwecken.

Zudem hielt Gördü fest, dass niemand jemandem eine Bombe geschickt habe. „Vielmehr hatte der Betreiber dieser Seite, der keine Berechtigung hatte, für diese Moscheefiliale zu posten, anscheinend einen Freund, der derzeit gegen die Terrororganisation YPG in Afrin kämpft.”

Kriegshetze von türkischen Moscheeverbänden”

Schließlich entgegnete Schmidinger unter Gördüs Facebook‐Beitrag:

Ich glaube auch nicht, dass türkische Moscheevereine per Post solche Bomben schicken (was ich auch nie behauptet habe), sondern, dass dieser Moscheeverein auf seiner Facebook‐Seite es bejubelt, dass in seinem Namen Bomben abgeworfen werden. Und das ist ein Skandal! Auf Ihr anderes AKP‐Propagandageschreibsel gehe ich nicht weiter ein. Beschäftigen Sie sich besser mit der Kriegshetze, die derzeit von türkischen Moscheeverbänden betrieben wird, als sich über mich aufzuregen.”

Konflikte zwischen Kurden und Türken

Seit die Konflikte zwischen Kurden und Türken in Syrien weiter eskalieren, kommt es auch in Österreich vermehrt zu Auseinandersetzungen zwischen den beiden Einwanderergruppen. Vor zwei Wochen kam es in Wien am Rande einer Kurden‐Demonstration zu schweren Ausschreitungen zwischen Türken und Kurden (Die Tagesstimme berichtete). Beide Seiten gingen sogar auf die Polizei los. Die Situation drohte zu eskalieren.

Weitere zwei Wochen davor hatten mutmaßliche Erdogan‐Anhänger eine Kurden‐Demonstration in Wien angegriffen. Bei dem Protest gegen den türkischen Militäreinsatz in Afrin zeigten die Teilnehmer auch Fahnen der YPG und der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK.

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