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Interview

Nahostexperte Ochsenreiter: „Europas Syrienpolitik ist selbstmörderisch”

Redaktion

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Afrin, Ost‐Ghouta, Türken gegen Syrer, Dschihadisten gegen Assad‐Anhänger: Der Krieg in Syrien ist plötzlich auch in den westlichen Medien wieder präsent. Wir sprachen mit dem zuerst!-Chefredakteur und Nahostexperten Manuel Ochsenreiter über die Ereignisse in der Krisenregion.

Tagesstimme: Herr Ochsenreiter, bis vor kurzem hörte man noch vom „Ende des IS” und einem möglichen Frieden in Syrien. Gerade scheint der Konflikt aber an mehreren Fronten zu eskalieren. Was passiert hier gerade?

Ochsenreiter: Während die syrische Armee derzeit in Ghouta die letzten von Terroristen besetzte Gebiete befreit und säubert, ist der Konflikt im Norden des Landes noch etwas komplizierter – vor allem wegen der destruktiven Rolle der Türkei, der USA und Teilen der kurdischen Kämpfer. Insgesamt kann man aber im Falle Syriens schlecht von einer „Eskalation“ sprechen. Die syrische Regierung hat die Kontrolle über die meisten vormals von terroristischen Banden beherrschten Gebieten wiedererlangt. Viele Binnenflüchtlinge konnten in ihre Städte und Dörfer zurückkehren, man beschäftigt sich bereits mit dem Wiederaufbau des Landes.

Tagesstimme: Die jüngsten Ereignisse drehen sich vor allem um die Städte Afrin und Ost‐Ghuta. Wie verlaufen dort die Gräben?

Ochsenreiter: In Ost‐Ghouta kämpft die syrische Armee gegen verschiedene radikal‐islamistische Milizen. In Afrin findet seit Januar die „Operation Olivenzweig“ statt, eine türkische Militäroffensive auf syrischem Boden gegen die dort dominierenden Kurdenmilizen, die wiederum von den USA zuvor quasi ausgerüstet und finanziert wurden. Auf türkischer Seite kämpfen auch radikal‐islamische Terrorgruppen, während die Kurden von Syrien und dem Iran unterstützt werden. Dort sieht man einen klassischen Stellvertreterkonflikt, aber im Prinzip auch einen inneren „NATO‐Konflikt“ zwischen Washington und Ankara.

Tagesstimme: Wieso sind die beiden Städte jeweils so wichtig? Was steht für die Fraktionen auf dem Spiel?

Ochsenreiter: In Ost‐Ghouta haben sich bereits zu Beginn des Krieges 2011 dschihadistische Banden eingenistet und die Kontrolle übernommen – sozusagen als islamistisches Bollwerk vor den Toren der Hauptstadt Damaskus. Dort haben die Islamisten eine bizarre Schreckensherrschaft errichtet, das Gebiet wurde eine Hochburg des Menschenhandels und Schmuggels. Außerdem diente Ghouta auch als „Brückenkopf“ der Terroristen für Angriffe auf die syrische Hauptstadt. Die Befreiung Ghoutas ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zum Ende des Krieges. Afrin wiederum liegt in jenem Gebiet, das separatistische syrische Kurden als „Föderation Nordsyrien – Rojava“ bezeichnen – also eine eigene, kurdische Entität mit dem Endziel der Abspaltung von Syrien. Die Türkei wiederum, die bereits seit Beginn des Krieges islamistische Terrorbanden in Syrien unterstützt, versucht, ihren Machteinfluss nach Nordsyrien auszubreiten. Beispielsweise plünderten Terrormilizen das Industriegebiet von Aleppo und transportierten die gestohlenen Maschinen mit logistischer Unterstützung aus Ankara über die syrisch‐türkische Grenze. Auch die aktuelle Militäroperation dient in Wirklichkeit nicht dem eigenen türkischen Sicherheitsinteresse, sondern der Expansionspolitik Ankaras.

Tagesstimme: In der heimischen Presse wird vor allem von Luft‐ und Raketenangriffen auf Zivilisten durch Assad‐Truppen berichtet…

Ochsenreiter: Die westliche Presse übernimmt meist ungeprüft die Propagandamärchen islamistischer Terroristen. Es trifft allerdings zu, dass die Dschihadisten Zivilisten daran hindern, die Kampfzonen zu verlassen oder diese auch als „menschliche Schutzschilde“ benutzen. Leider liest man von solchen Kriegsverbrechen kaum etwas in unseren etablierten Medien.

Tagesstimme: Welche Rolle kommt noch den Großmächten – Russland und den USA – in Syrien zu? Was erhoffen diese sich von den neuerlichen Vorgängen?

Ochsenreiter: Während Russlands Rolle in der Vergangenheit immer wichtiger wurde, scheint der Einfluss Washingtons auf den Kriegsverlauf immer weiter abzunehmen. Grundsätzlich gibt es einen Interessenswiderspruch zwischen Russland und den USA: Moskau braucht Stabilität, Washington wiederum Instabilität. Ein Sieg der Islamisten in Syrien wäre fatal für die Russische Föderation, da der Funken leicht auch beispielsweise auf den Kaukasus überspringen könnte. Viele „Freiwillige“ aus dem Nordkaukasus – zum Beispiel aus Dagestan und Tschetschenien kämpfen als Terroristen in Syrien. Für Moskau ist es wichtig, das Problem bereits auf dem syrischen Kriegsschauplatz zu lösen, bevor es die russische Grenze erreicht. Russland hat also ein legitimes Sicherheitsinteresse und ist zudem mit Damaskus offiziell verbündet. Die USA sind – im Übrigen auch wie in Europa – eine raumfremde Macht. Als solche spielt es für die USA keine Rolle, ob Syrien im Chaos versinkt. Es hat kaum Auswirkungen auf die Sicherheitsinteressen von Washington. Durch die westliche Destabilisierungspolitik in der Region will sich Washington nicht nur den billigen Zugang zu Ressourcen sichern, sondern auch Konkurrenzmächte wie Russland, China oder auch den Iran herausfordern.

Tagesstimme: Aus einer europäischen Perspektive: Was wäre nun das beste für uns in Syrien? Wie wahrscheinlich ist das Eintreten eines solch günstigen Falles?

Ochsenreiter: Sowohl die Politik Washingtons als auch die Moskaus lassen sich logisch erklären. Europas Syrienpolitik wiederum scheint geradezu selbstmörderisch zu sein. Obwohl Europa im Prinzip die gleichen Interessen wie Russland in der Region hat – also Stabilität – unterstützt es die Destabilisierungspolitik der USA. Das ist in etwa so, als helfe man einem zugereisten Brandstifter, in der Nachbarwohnung zu Feuer zu legen. Und später wundert man sich darüber, dass es auch in der eigenen Wohnung brennt. Die Flüchtlingswelle kam nicht überraschend. Im Prinzip hat die europäische Politik selbst die Lunte dafür gelegt, indem sie den Amerikanern folgte. Eine europäische Politik, die den eigenen Sicherheitsinteressen dient, würde sofort jede Unterstützung für die sogenannte „bewaffnete Opposition“ – also die Terroristen in Syrien – einstellen. Sie würde die Wirtschaftssanktionen gegen Damaskus aufheben und sie würde – wie Russland – die syrische Armee in ihrem Kampf gegen den Terror unterstützen. Europäische Sicherheitsbehörden würden eng mit syrischen Stellen zusammenarbeiten, um islamistische Kämpfer, die nach Europa eingesickert sind, ausfindig zu machen. Bislang scheint dies alles leider noch äußerst unwahrscheinlich.

Tagesstimme: Vielen Dank für das Interview!

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5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    Peter Lüdin

    8. März 2018 at 22:07

    Wir müssen die Ursachen dieser Angriffe bekämpfen, diejenigen finden, die aus Afghanistan, aus Tschetschenien oder aus Saudi‐Arabien kamen, einer Gehirnwäsche unterzogen wurden und nun freudig in den Tod gehen. Wir müssen diese Menschen loswerden und mit denen arbeiten, die bereit sind, eine Lösung zu finden. Es ist leider so, dass eine aufgezwungene Kultur von Fanatikern, diese Kultur der Intoleranz im Konflikt endet und dieser Konflikt in einer Kultur des Todes mündet. Sie verhängen Gesetze, sie verbieten Frauen, ihre Häuser zu verlassen, sie zwingen sie, den Schleier zu tragen, sie behandeln sie wie Sklaven. Leute wie diejenigen, die das Bataclan in der französischen Hauptstadt angegriffen haben, gibt es hier zu Hunderttausenden. Warum sind diese Menschen hier keine Kriminellen, wenn sie es in Europa sind? Wir können nicht mit diesen Leuten leben.“

    (euronews‐arzt‐in‐aleppo‐die‐angst‐ist‐immer‐dabei)

  2. Avatar

    Heimatrecht

    9. März 2018 at 0:23

    Dummdreiste Putin/Assad‐Propaganda. „Die Tagesstimme” reiht sich in die gleichgerichteten Blogs der „Infokrieger” ein.
    Das ist die dunkle Seite dieser Medien – die Verbreitung hemmungsloser Lügenpropaganda für Putin und seine Marionetten wie zB. Assad.
    Nicht ein einziger kritischer Satz an den Terroristen Putin und Assad ist bei diesen „Infokriegern” angesichts der an der syrischen sunnitischen Mehrheitsbevölkerung gegenwärtig durchgeführten Massenmord‐ und Vertreibungspolitik zu lesen.
    Sollte Assad den Krieg gewinnen, werden wir die Folgen tragen!
    Denn die hierher gekommenen Syrer sind alles Assad‐Gegner und die können dann nicht mehr in ihr Land zurück.
    Und die Putin/Assad‐Propagandisten die im Netz ihrer Lügen gefangen sind, was werden sie tun?
    Von ethischen Betrachtungsweisen mal ganz abgesehen.
    Über den Krieg in Syrien informiert man sich besser hier:
    https://twitter.com/YallaSouriya

  3. Avatar

    Heimatrecht

    9. März 2018 at 0:39

    Gib den Feind einen bösen Namen und sorg dafür, das der sich verbreitet.
    Putins Propagandisten haben mit ständigen Wiederholungen und Zensur Putin‐kritischer Stimmen einen vernichtenden Sprachgebrauch durchgesetzt. Jeder Assad‐Gegner wird konsequent als „Terrorist”, „Dschihadist”, mindestens aber als „Islamist” bezeichnet. Selbst westliche Medien haben aus Desinteresse und Dummheit diesen Sprachgebrauch teilweise schon übernommen. Und der Assad gilt selbstverständlich als „sekulär” wobei man sagen muß, es ist schon klug von ihm, sich nur in westlicher Kleidung zu zeigen. Gleichzeitig aber betreibt er, der einer 6% Minderheit angehört und bei freien Wahlen niemals eine Chance hätte, eine Vertreibungspolitik gegen die sunnitische Mehrheitsbevölkerung. Dazu bedient er sich der Russen, also des Schweines Putin, der Syrien nur als eine Kolonie betrachtet und die Syrer als Laborratten, an denen er die neuesten Waffen seiner Armee testen kann und den Persern, die mit Gewalt das sunnitische Syrien schiitisieren wollen. 48000 Russen und 70000 iranische Söldner und schiitische Fundamentalisten kämpfen für Assad und das soll nun die „syrische Armee” sein. Gut ein paar Syrer sind auch dabei, Wehrpflichtige, deren Familien bedroht werden und schiitische Fundamentalisten.

  4. Avatar

    Realistischer

    9. März 2018 at 13:23

    Die Angestellten‐Mentalität muss sich immer einen Auftraggeber suchen.
    Aber das eigene Volk darf es nicht sein, denn das wäre böser Populismus.
    Also dienen sie fremden Interessen aus dem Westen und dem Süden.
    Aus dem Osten nicht, aber nur weil die aus dem Westen dagegen sind.

  5. Avatar

    Heimatrecht

    9. März 2018 at 16:30

    Dein Kommentar wartet auf Freischaltung.” beim 2. Kommentar.
    Auch hier tut man sich schwer, Putin/Assad‐kritische Meinungen zuzulassen.
    Aber selber regt man sich über die Zensur bei den etablierten Medien, beim MuKu‐Thema auf.
    Wie heuchlerisch!

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Deutschland

Straße und Parlament dürfen für uns kein Gegensatz sein”

Redaktion

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von

ASDF AfD-Kandidat und "Zukunft Heimat"-Gründer Dr. Christoph Berndt. Foto: privat

In wenigen Wochen findet die Landtagswahl in Brandenburg statt. Die Tagesstimme hat deshalb ein Interview mit dem AfD‐Kandidaten Dr. Christoph Berndt geführt. Darin spricht der Gründer von Zukunft Heimat e.V. über seinen Slogan „Bürger‐Bewegung ins Parlament”, Björn Höcke und den „Flügel” sowie die Wahlziele der AfD.

Die Tagesstimme: Herr Berndt, Sie sind der Begründer des patriotischen Bürgerinitiative „Zukunft Heimat“ in Cottbus und haben dort seit mehreren Jahren Demonstrationen gegen die Asyl‐ und Migrationspolitik der Bundesregierung organisiert. Nun kandidieren Sie bei der Landtagswahl in Brandenburg auf Listenplatz zwei der AfD. Wieso nun dieser Schritt von der Straße in das Parlament?

Berndt: Bislang kandidiere ich ja nur, aber abgesehen davon dürfen Straße und Parlament für uns kein Gegensatz sein. Die Verteidigung des Eigenen, die Bewahrung und wo nötig die Wiederherstellung unseres Nationalstaates ist eine umfassende Aufgabe. Straßenprotest, parlamentarische Arbeit und metapolitische Hinterfragung müssen ineinandergreifen. Ich verstehe die AfD als Teil einer Volksbewegung und denke, dass ich als Stimme der Bürgerbewegung in der Partei wahrgenommen werde. Sollte ich in den Landtag gewählt werden, dann eben auch als Stimme der Bürgerbewegung im Parlament. Ich kandidiere schließlich auch mit dem Slogan: „Bürger‐Bewegung ins Parlament!

Die Tagesstimme: Werden Sie die Arbeit bei „Zukunft Heimat“ fortsetzen?

Berndt: Auf jeden Fall! Ich habe meinen Platz gefunden. Ich bin Teil der patriotischen Bürgerbewegung und kann mir nichts Besseres vorstellen. Und ich will meinen Teil dazu beitragen, um das Brandenburger Kooperationsmodell von AfD und Bürgerbewegung fortzuentwickeln.

Die Tagesstimme: In den Umfragen sieht es sehr gut aus für die AfD. Wie lautet das Wahlziel?

Berndt: Aus meiner Sicht gibt es zwei Ziele: Erstens so viele Stimmen wie möglich zu gewinnen und vielleicht sogar stärkste Kraft in Brandenburg zu werden. Zweitens mit der eigenen Stärke eine Regierungsbildung von SPD‐Linken‐Grünen zu verhindern.

Die Tagesstimme: Welche Themenschwerpunkte setzen Sie persönlich im Wahlkampf?

Berndt: Die Blickrichtung, die uns von den konkurrierenden Parteien unterscheidet: Die AfD hält am Volk und am Nationalstaat fest. CDU, SPD, FDP, Linke und Grüne, zumindest ihre Führungen, verneinen das Volk (Habeck), definieren es zur Bedeutungslosigkeit um (Merkel) und halten den Nationalstaat für überholt. Daraus ergibt sich alles Weitere: Die Ablehnung der illegalen Masseneinwanderung, die Forderungen nach besserer Bildung (die Hälfte der Brandenburger Schüler lernt nicht richtig Lesen und Rechnen), einer vernünftigen Energie‐ und Umweltpolitik (Stopp des Baus von Windkraftanlagen, keinen ideologiegetriebenen Kohleausstieg) und mehr direkter Demokratie (Hürden für Volksentscheide senken), um Beispiele zu nennen.

Die Tagesstimme: In den vergangenen Wochen wurde intensiv über Richtungsstreits in der AfD und speziell über Björn Höcke und den „Flügel“ diskutiert. Können Sie die Kritik an Höcke nachvollziehen und wie stehen Sie zum „Flügel“?

Berndt: Diskussionen gehören zu einer lebendigen Partei, auch solche über Personen. Und auch Björn Höcke hat ein Recht darauf, kritisiert zu werden. Im Fall der AfD und speziell von Höcke werden Diskussionen aber immer wieder von Gegnern außerhalb der Partei befeuert. Das kennen wir seit Jahren, und das sollten alle berücksichtigen, die Höcke kritisieren. Ich kann und will mir eine AfD ohne Björn Höcke und den „Flügel” nicht vorstellen.

Die Tagesstimme: Obwohl die AfD stärkste Kraft werden könnte, haben die anderen Parteien eine Koalition mit der AfD bereits ausgeschlossen. Was halten Sie von dieser Ankündigung und wäre die AfD bereit für eine Regierung?

Berndt: Solange die anderen Parteien unter der Fuchtel von Globalisten stehen, käme für mich auch aus AfD‐Sicht keine Koalition in Frage. Sollten die Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen für CDU und SPD schlecht ausgehen, wird sich Merkel nicht halten. Dann können sich neue Konstellationen ergeben. Angst vor einer Regierungsübernahme muss die AfD nicht haben. Nirgendwo in Deutschland. Was die jetzigen Regierungen in den Ländern und im Bund zu bieten haben, kann die AfD locker übertreffen.

Die Tagesstimme: Vielen Dank für das Interview!

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Interview

Wiesinger: „Brauchen mehr Ehrlichkeit in der Kunst!”

Julian Schernthaner

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am

ASDF Bild (Odin Wiesinger in seinem Atelier, 2019): Michael Scharfmüller (Info-DIREKT - Das Magazin für Patrioten) [mit freundlicher Genehmigung]

Der patriotische Maler Odin Wiesinger polarisiert und sorgt damit für heftige politische Diskussionen. Im Gespräch mit der Tagesstimme reflektiert er über die jüngste Kontroverse um seine Person, die Wichtigkeit von Heimat und den Zustand der zeitgenössischen Kunst‐ und Kulturszene.

Die Tagesstimme: Sehr geehrter Herr Wiesinger – vor einigen Wochen sorgte österreichweit für großes Aufsehen, dass Sie von der FPÖ für einen Posten im Kulturbeirat des Landes Oberösterreich vorgeschlagen wurden. Hat Sie diese hohe Wertschätzung überrascht – und wie eng ist Ihre Beziehung zu den Freiheitlichen?

Odin Wiesinger: Das hat nichts mit Wertschätzung zu tun, sondern ich bin FPÖ‐Mitglied und wurde gefragt, ob ich für die FPÖ in den Kulturbeirat gehen möchte. Im Nachhinein betrachtet: Leider habe ich mich überreden lassen!

Die Tagesstimme: Nach dieser Ankündigung machten diverse linke Politiker sofort gegen Ihre Nominierung mobil. Verstehen Sie die Kontroverse um Ihre Person? 

Odin Wiesinger: Diese Kontroverse verstehe ich nur insofern, als dass diverse politische Parteien des linken Spektrums, sowie der – leider immer mehr -politisch agierende Kulturbetrieb ein Feindbild brauchen. Dass man aber hier mit Unterstellungen, Manipulationen und Denunziation arbeitet, um gegen mich Stimmung zu machen,  finde ich sehr bedenklich.

Ein Beispiel: Über mich können sie oftmals Folgendes lesen: der „Burschenschafter‐Künstler”, der „rechtsextreme Künstler” und so weiter. Liest man derartige Attribute auch bei anderen Künstlern? … Da könnte man mit Bestimmtheit manchen als „linksextremen, SPÖ‐, KPÖ‐, et cetera Künstler“ bezeichnen, aber es wird nicht gemacht!

Die Tagesstimme: Etwa gleichzeitig ließ die Unterstützung des umstrittenen Blutmalers Hermann Nitsch für die Grünen‐Kandidatin Sarah Wiener die Wogen nicht annähernd so hochgehen. Wird hier mit zweierlei Maß gemessen?

Odin Wiesinger: Kurze und klare antwort: JA!

Die Tagesstimme: Letztendlich entschieden Sie, von einem Einzug in den Kulturbeirat Abstand zu nehmen. Welche Gründe haben Sie dazu bewogen, von Ihrer Nominierung zurückzutreten? Gab es auch Drohungen gegen Sie oder Ihre Familie?

Odin Wiesinger: Diese ganzen Unterstellungen und ungustiösen Beschimpfungen haben in kürzester Zeit ein Ausmaß angenommen, das ich meiner Familie nicht auf Dauer zumuten wollte! Enttäuscht bin ich hier vom oberösterreichischen Landeshauptmann, der nur auf linke Zurufe reagierte, und mir nicht einmal die Möglichkeit einer Gegendarstellung beziehungsweise eines klärenden Gesprächs mit ihm gab.

Die Tagesstimme: Immer wieder unterstellen Ihre Kritikern Ihnen, sie würden rechtsextremes Gedankengut pflegen. Dabei verweisen sie auch auf streitbare Äußerungen Ihrerseits zu historischen Themen. Wie bewerten Sie solche Anschuldigungen?

Odin Wiesinger: Das sind keine Kritiker, sondern denkfaule Menschen, die jeden, der nicht sofort und eindeutig ihrem „linken Gedankengut“ und ihrer Weltsicht zuteilbar ist, als rechtsextrem bezeichnen!

Die Tagesstimme: Wie wichtig ist dennoch eine kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, um die Zukunft zu bewältigen?

Odin Wiesinger: Ich bin davon überzeugt, dass Geschichte keine „ideologische Einbahn“ sein sollte, und das passt natürlich so manchem nicht, der sich dann aus politischen Motiven heraus von vornherein einer kritischen Auseinandersetzung verweigert!

Die Tagesstimme: Im Zentrum der Kritik steht auch regelmäßig Ihre Altherrenschaft bei einer Mittelschulverbindung. Zurecht?

Odin Wiesinger: Ich bin Burschenschafter, und ich stehe dazu! Das ist ja auch nichts Verbotenes, auch wenn es den Grünen nicht gefällt, und von Teilen der Roten nicht erwünscht ist – die damit ihre Geschichte leugnen, denn die Begründer der österreichischen Sozialdemokratie, Adler und  Pernerstorfer, waren Burschenschafter!

Die Tagesstimme: Viele Ihrer Werke widmen sich tatsächlich Elementen aus der studentischen Tradition. Welche wichtigen Lehren nimmt ein Mensch von dieser für viele Leute kaum verständlichen Welt fürs Leben mit?

Odin Wiesinger: Richtig, einigen meiner werke liegen studentische/burschenschaftliche Motive zugrunde. Einige davon sind in Österreich, in der BRD und in der Schweiz zu finden, sogar in Chile und Amerika! Der Wahlspruch der Burschenschaft „Ehre – Freiheit – Vaterland“ hat meines Erachtens nach allgemeine Gültigkeit im Leben eines jeden Menschen.

Die Tagesstimme: Mehrere überregional bekannte, heimatverbundene Mundartdichter wie Franz Stelzhamer, Ludwig Luber oder Hans Schatzdorfer kamen wie Sie aus dem Innviertel, ebenso die Bildhauerdynastie Schwanthaler. Zahlreiche Maler wie Wilhelm Träger, Max Schlager oder Hans Schachinger wirkten ebenso in der Region. Als Andorfer Urgestein: Was macht das Innviertel für Künstler aller Art so attraktiv?

Odin Wiesinger: Es ist die Mischung aus Landschaft und Menschen, welche den Charakter einer Region prägt … leider werden die „echten“ Innviertler immer weniger! Aber ich möchte dazu einfach den „Franz aus Piesenham“ [Stelzhamer, Anm. der Red.] zitieren:

Frisch außa, was drin is,
nöt kriachn am Bauch,
frei d´Hand göbn,
ins Gsicht schaun,
is Innviertler Brauch.“

Die Tagesstimme: Ihre Malkunst sticht durch realistische Bilder hervor. In der Vergangenheit äußerten sie sich immer wieder kritisch über abstrakte und aktionistische Kunst. Glauben Sie, gegenständliche Kunst kann zeitnah eine Renaissance feiern?

Odin Wiesinger: Zur Zeit arbeite ich hauptsächlich realistisch. Natürlich habe ich mich auch kritisch über Kunst geäußert, da meiner Meinung nicht alles, was uns von Seiten der Medien als „abstrakte Kunst“ verkauft wird, auch Kunst ist! Der Aktionismus, wie ihn eine Wiener Gruppe prägte,  war nie „meine Sache“.

Der Begriff ‚Renaissance’ ist vielleicht übertrieben, denn die gegenständliche Kunst war ja nie weg, obwohl sich das mancher gewunschen hätte! Mein Professor an der Kunsthochschule forderte immer „mehr Ehrlichkeit“ in der Kunst, das würde uns heute bestimmt nicht schaden.

Die Tagesstimme: Die linksgerichtete Plattform ‚Stoppt die Rechten’ hat wegen Ihrer Künstlersignatur eine Strafanzeige eingebracht, weil diese der historisch belasteten Odalrune ähnlich sehen soll. Wie bewerten Sie diesen Vorstoß – und was drückt Ihre Signatur tatsächlich aus?

Odin Wiesinger: Ich habe, um meine Skulpturen zu signieren,  vor ca. 25 Jahren (!!!) ein sogenanntes „Steinmetzzeichen“ in der Tradition der Dombauhütten kreiert. Es besteht aus einem O, einem W und den zwei i‐Punkten.

Diese Strafanzeige, das ist Denunziantentum, wie man es mit dem Ende der DDR und damit verbundener Stasi‐Methoden überwunden glaubte. Ein widerlicher Polit‐Aktivismus, der hier von dieser Plattform und einem ex‐Politiker der Grünen betrieben wird!

Die Tagesstimme: Vielen Dank für das Gespräch!

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Praktizierender Katholik zu sein ist beinahe schon ein rebellischer Akt”

Monika Šimić

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ASDF Symbolbild: Erst vor kurzem startete der neue Podcast "Jung. Europäisch. Direkt" / Bild: Pottcast

Im patriotischen Milieu entstehen immer mehr Projekte. Wir haben mit einem jungen Mann über seinen neuen Podcast und das Thema Katholizismus und die Neue Rechte gesprochen. Am Ende hat er uns auch schon den Namen des Gastes für die nächste Podcastfolge verraten.

Die Tagesstimme: Möchtest du dich unseren Lesern zu Beginn kurz vorstellen? 

Sehr gerne! Mein Name ist Maximilian. Ich bin 18 Jahre alt und komme aus Nordrhein‐Westfalen. Meine Interessen liegen sowohl bei klassischen Jugendbereichen, als auch bei deutscher und europäischer Kultur. Ich schaue gerne Fussball, bin Kirchgänger – höre von Rapmusik bis hin zu klassischer Musik alles. 

Die Tagesstimme: „Jung.Europäisch.Direkt“ – so lautet der Name deines Podcasts. Was erwartet die Hörer und worin unterscheidet sich dein Podcast von anderen? 

Es ist in erster Linie ein Sprachrohr, ich muss endlich den Mund aufkriegen und für meine Standpunkte einstehen. Diesen Podcast unterscheidet viel von anderen Podcasts. J.E.D. ist nicht sonderlich strukturiert und besitzt auch keine festen Uploadtermine. Im generellen kann ich freier agieren, meine Wunschgäste einladen wann ich will und die Themen behandeln, welche ich gerne behandeln will. Klar gehe ich auch auf Zuhörerwünsche ein, jedoch besitze ich eine lange Notizliste, auf denen bereits Themen stehen, welche von jungen Europäern definitiv noch angesprochen werden sollten. Generell unterscheidet sich mein Podcast von anderen durch die Freiheit, welche ich bei der Ausübung meiner »Agitation« habe. 

Die Tagesstimme: In der ersten Folge, die ja bereits online (hier nachhörbar) ist und in der es unter anderem um politische Theorien, Europa und die soziale Frage, Theologie, Lifestyle und Aktivismus geht, erklärst du, dass du Katholik bist. Was bedeutet es für dich persönlich in der heutigen Zeit praktizierender Katholik zu sein? 

Praktizierender Katholik zu sein, vorallem in meiner Altersklasse, ist beinahe schon ein rebellischer Akt. Freilich gibt es jene Liberalkatholiken vom Land, die Diversität und Nächstenliebe predigen, jedoch stehe ich konträr zu solchen Positionen. Ich gehe, wie bereits gesagt wurde, regelmäßig in die Kirche – doch dabei bleibt es nicht. Ich beschäftige mich mit katholischer Weltgeschichte und sehe eine Linie an Verteidigern des Glaubens in der Vergangenheit, nun in der Gegenwart bröckeln die Grundpfeiler des Katholizismus. Wir, sofern wir uns wirklich noch als »Konservative« verstehen wollen, müssen sanieren. Dazu später mehr, denn ich schweife ab.

Die Tagesstimme: Du erwähnst zu Beginn deiner ersten Folge auch gleich den schwarzen Kardinal Robert Sarah, der immer wieder für Schlagzeilen sorgt, indem er sich kritisch zur Massenmigration äußert und vor dem „Untergang“ Europas warnt. Findest du, dass dies eine berechtigte Warnung ist? 

Selbstverständlich, Kardinal Sarah wäre sogar ein Wunschpapst meinerseits. Es klingt ironisch wenn ein »Rechter« sich einen schwarzen Papst wünscht, jedoch ist dieser Kardinal um einiges anständiger, markant konservativer und pro europäische Völker als bestimmte Elemente der aufkommenden Rechtsströme in Deutschland, die keinen wirklichen Strich zwischen Ethnie und Staatsbürgerschaft setzen können oder wollen.

Die Tagesstimme: Die jungen Europäer stehen deiner Meinung nach in „einer Tradition von christlichen Märtyrern, die sich geopfert haben“ und die diese Tradition auch auf friedliche Art und Weise in die heutige Zeit übertragen sollten. Wie ist das genau gemeint und wie könnte diese „Tradition“ übertragen werden? 

Diese Frage ist eine sehr gute Frage und ebenso die Möglichkeit meine Ausschweifung bezüglich der Frage zur heutigen Praktizierung des Katholizismus freien Lauf zu lassen. Katholizismus ist Vertrauen zu Gott in radikalster Form, wir stehen Rücken an Rücken in einem Meer aus Unvernunft und Vernichtung, freilich kämpfen wir mit den Karten welche uns gegeben wurden, wir bleiben friedlich.

Nun komme ich zu dem „Wie?” und das ist der schwierigste Punkt. Klar, man kann beten. Klar, das Vertrauen an Gott ist unzerrüttelbar – jedoch sollten wir Widerstand leisten. Wir werden Europa nicht durch Religion retten, jedoch muss jene eben mit überstehen, sonst bricht Europa auseinander. 

Wir sollten alle Themen von Migration bis Umwelt abdecken aber auch die theologischen, bei mir wohl eher integralistischen Ansätze aber nicht ausser Acht lassen. Wir sollten die Kirche, welche unter Liberalismus, Achtundsechzigertum und den vermeintlichen »Werten« der »Aufklärung« zu leiden hat, unterstützen und retten. 

Die Tagesstimme: Du sprichst in deiner ersten Folge auch darüber, dass viele Menschen aus der Kirche austreten. Wie könnte es der Kirche gelingen, die Menschen zu halten und vor allem auch für junge Menschen attraktiv zu bleiben? 

Das wird keine Aufgabe der Kirche sein, wenn die Menschen erst wieder anders und heimatlicher ihr Leben leben, finden sie auch so wieder zu Gott. Die breite Wiederfindung zu Gott wird durch eine gesamtkonservative Revolution als Nebenerscheinung auftreten, da bin ich mir doch sehr sicher.

Die Tagesstimme: Menschen und besonders Katholiken in Osteuropa sind, wie du betonst, viel traditioneller, religiöser. Geistliche bedienen sich teilweise „identitärer Rhetorik“ und seien identitären Aktivisten gar nicht so unähnlich, wie du behauptest. Denkst du, dass es bei Geistlichen in Mittel‐ und Westeuropa in dieser Hinsicht noch zu einer Wende kommen kann, oder ist es bereits zu spät? 

Aufgrund der Zersetzung der Kirche in Westdeutschland durch 68er, Liberale im Priestergewand und seltsame Multikulti‐Spender wird es tatsächlich zu spät sein. Klar gibt es konservative Inseln im Westen, die sterben aber Stück für Stück aus.

Die Tagesstimme: Zum Schluss noch eine letzte Frage zum Podcast – ist der Name des Gastes für die nächste Podcastfolge noch geheim, oder dürfen ihn unsere Leser vorab schon erfahren? 

Roman Möseneder hat bereits eine Einladung zum Podcast angenommen.

Die Tagesstimme: Vielen Dank für das Interview! 

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