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Wien‐Verkehrsplaner Knoflacher: „Wir haben systematisch Stau erzeugt”

Bild (Hermann Knoflacher im 'Gehzeug'): Muhwiki /Institut für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik, TU Wien via Wikimedia Commons [CC BY-SA 2.0 AT

Für erhitzte Gemüter sorgen Aussagen des Wiener Verkehrsplaner Hermann Knoflacher, wonach man in der österreichischen Hauptstadt als bewusste Autofahrer‐Schikane gezielt Staus produziert habe. Die Wiener Opposition sieht die Bestätigung ihrer jahrelangen Einwände gegen die rot‐grüne Verkehrspolitik.

Der gebürtige Kärntner und emerierte Professor der TU Wien gilt seit Jahrzehnten als ausgewiesener Kritiker des motorisierten Individualverkehrs. Vor über 40 Jahren erfand der selbsterklärte Öffi‐Fan das sogenannte „Gehzeug”, welches dem Verbraucher vor Augen führen soll, welchen immensen Platzverbrauch ein Autofahrer im Vergleich mit anderen Verkehrsteilnehmern einnimmt.

Verkehrsexperte bestätigt: „Wir haben die Autofahrer genervt”

Nun bestätigte der Fachmann, der außerdem für die Verkehrsplanung bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi (Russland) zuständig war, den Verdacht vieler Wiener Autofahrer. Dieser Eindruck wurde seit Längerem auch in einer Facebook‐Gruppe, welche den Rücktritt der Wiener Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) fordert, von einer Vielzahl an Usern geäußert und dokumentiert. Die meisten Beschwerden über die Verkehrsstadträtin betreffen dort dieses Themengebiet.

Wie die Krone berichtet, sagte Knoflacher in einem Spiegel-Interview wörtlich:

 „Wir haben die Autofahrer genervt. Wir haben Straßen verengt und systematisch Stau erzeugt“

Er erwähnte dabei auch spezielle Praktiken, mit welchen Mitteln man die Verwendung des Autos unattraktiv machen wollte:

An den Straßenbahnhaltestellen wurden Gehsteige bis zum Ausstieg vorgezogen, sodass die Autofahrer nicht nur halten mussten, bis das Ein‐ und Aussteigen beendet war und die Tram weiterfuhr, sondern auch noch um diese Verkehrshalbinseln herumkurven mussten.“

Knoflacher‐Aussagen häufig umstritten

Knoflacher ist bereits länger für seine markigen Sprüche zum Thema Automobil ebenso bekannt wie umstritten. Zwischen durchaus konstruktiven Denkanstößen zum Thema Mobilität finden sich auch regelmäßig Wortmeldungen, welche Autofahrer etwa als „dumpfer als Steinzeitmenschen” bezeichnen. Ein anderes Mal befand er, dass diese „mit einem Menschen, der zu Fuß geht, weniger gemeinsam als ein Mensch mit einem Insekt” hätten. Solche Aussagen führten in der Vergangenheit bereits zu reger Empörung.

Verkehrsclubs und Opposition üben Kritik

Bestätigt sieht sich indes die Opposition in der Bundeshauptstadt in ihrer jahrelangen Kritik an der Verkehrsplanung. Für ÖVP‐Klubobmann Manfred Juraczka mache dies „mehr als deutlich, wie die rot‐grüne Stadtregierung Verkehrsplanung” verstehe, dies sei „inakzeptabel”. Auch der Wiener FPÖ‐Verkehrssprecher, Anton Mahdalik wertete die erwähnten Maßnahmen als „Beweis für das Versagen der städtischen Verkehrsplanung”.

Auch für die Automobilclubs sind derartige Maßnahmen untauglich. Der ÖAMTC veröffentlichte eine Aussendung, wonach man bei der Verkehrsplanung auf Dialog setze. Man distanziere sich vom „Bekämpfen und dem gegenseitigen Ausspielen einzelner Mobilitätsgruppen”. Bereits 2013 kritisierte die damalige ARBÖ‐Generalsekretärtin Lydia Ninz die Vision Knoflachers von einer autofreien Stadt als „Illusion”. Ein „Feldzug gegen das Auto” sei „kein Konzept”.

 

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