Welt

Festnahmen im Kosovo: Erdogan demonstriert seine Macht

kremlin.ru [CC BY 4.0], via Wikimedia Commons

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat politische Gegner, die sich im Kosovo befanden, durch seine Sicherheitskräfte festnehmen und in die Türkei bringen lassen. Damit nimmt die Bereitschaft der Türkei, mutmaßliche Mitglieder der Gülen‐Bewegung auch mit illegalen Mitteln zu bekämpfen, immer weiter zu.

Am vergangenen Donnerstag wurden im Kosovo sechs mutmaßliche Anhänger der Gülen‐Bewegung festgenommen und kurz darauf mittels Privatflugzeug in die Türkei gebracht. Wie die Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) berichtet, wurde die umstrittene Aktion mithilfe des türkischen Geheimdienstes MIT durchgeführt. Ein rechtsstaatliches Auslieferungsverfahren gab es nicht.

Präsident kündigt Untersuchung an

Kosovos Ministerpräsident Ramush Haradinja will davon nichts gewusst haben und entließ daraufhin sowohl den Innenminister als auch den Geheimdienstchef. Die kosovarische Regierung betont, mit der Verhaftung und Auslieferung nichts zu tun gehabt haben. Präsident Hashim Thaci kündigte unterdessen eine gründliche Untersuchung des Falls an.

Erdogan bedroht Ministerpräsidenten

Wenig erfreut über die Reaktion des kosovarischen Ministerpräsidenten zeigte sich der türkische Präsident Erdogan. Er drohte Haradinaj am Samstag, er werde „dafür bezahlen, jene gefüttert zu haben, die in der Türkei einen Staatsstreich versuchten“.

Und Erdogan warnte weiter:

Wie kannst du so gegen die Türkei arbeiten? Was für eine Politik ist das? Ich weiß, dass meine kosovarischen Brüder gegen diese Entscheidung sind. Du wirst dafür zur Rechenschaft gezogen: Die Karriere des Premiers wird zu Ende gehen.“

Türkei geht gegen Gülen‐Bewegung vor

Seit dem misslungenen Putschversuch im Sommer 2016 werden immer wieder Aktivisten und Mitglieder der Gülen‐Bewegung, der ein maßgeblicher Anteil am Putsch vorgeworfen wird, von der türkischen Regierung festgenommen – im eigenen Land mehr als 50.000 Menschen. Um einer Festnahme zu entgehen, sind viele Menschen ins Ausland geflüchtet. Die USA und ein Großteil der europäischen Länder stehen den Auslieferungsanträgen skeptisch gegenüber und gewähren den Verfolgten Schutz.

1 Kommentar

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  • Durch die Schluchten des Balkan …ein albanischer Parallelstaat neben Albanien. Das ist auch ein Ergebnis des Vielvölkerstaats Jugoslavien und seines Zusammenbruchs. Viele kleine „Fürsten” machen ihre eigene Politik. Unglaublich das Handeln innerhalb einer Regierung. Was hat den Innenminister da getrieben diese Leute R. Erdogan ans Messer zu liefern?

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