Interview Kultur

Anbruch.info: „Wir arbeiten an einer geistigen Renaissance Europas”

Bildquelle: anbruch.info

Das Blog Anbruch (anbruch.info) sieht sich als eine Plattform für Kultur und Theorie. Die Macher haben sich zum Ziel gesetzt, die eigene Kultur und die spezifisch europäischen Denktraditionen wiederzuentdecken und damit an einer möglichen geistigen Renaissance Europas mitzuarbeiten. Wir haben uns mit dem 27-jährigen Leiter Tano Gerke, Student der Geschichte und Religionswissenschaft in Münster, unterhalten, um mehr über dieses neue Projekt, das auch Teil des AK Nautilus ist, zu erfahren.

Die Tagesstimme: Hallo Tano, Du leitest das neue Projekt Anbruch. Kannst Du unseren Lesern ein wenig darüber berichten? Was genau hat es damit auf sich und wieso gibt es dieses Blog?

Tano Gerke: Ich habe Anbruch vor einiger Zeit mit einem guten Freund (Oliver) ins Leben gerufen, der auch einer der wichtigsten Autoren auf Anbruch ist. Die Idee des Blogs ist daraus resultiert, dass sich im Jahr 2015 mit Einsetzen der großen Flüchtlingswelle alle konservativen und identitären Blogs stark auf dieses Thema konzentriert haben. Für uns war allerdings klar: Wir fokussieren uns darauf, unsere eigene Kultur und die europäischen Denktraditionen zu entdecken, um somit an einer möglichen geistigen Renaissance Europas mitzuarbeiten. Es geht auch darum, den Pluralismus in dem dissidierenden Milieu möglichst groß zu halten und neue Anknüpfungspunkte zu schaffen. Wir dürfen uns nicht nur auf ein Thema konzentrieren.

Die Tagesstimme: Wie kamst Du gerade auf den Namen „Anbruch”?

Tano Gerke: „Anbruch“ trägt natürlich eine gewisse Doppeldeutigkeit in sich. Zum einen kann Anbruch im Sinne des Brechens und der Beschädigung verstanden werden, also beispielsweise für das Brechen der bestehenden weltanschaulichen Hegemonie. Zum anderen kann Anbruch aber auch für den Anbeginn von etwas Neuem stehen, ein neues Europa beispielsweise. Für uns beinhaltet dieser Anbruch die eigene Kultur zu verstehen und für junge Leute zugänglich zu machen. Wenn wir nicht schaffen, unsere Sprache und unseren Ansatz zu modernisieren, werden wir junge Leute, die im Sog der Digitalisierung und in Großstädten aufgewachsen sind, nicht erreichen können. Zunächst geht es allerdings um den Einzelnen, der Teil dieses Anbruchs ist, daher lautet unser Leitmotiv auch: „Entdecke deine Kultur. Erkenne dich selbst.”

Die Tagesstimme: Was hebt Anbruch von anderen Theorie-Blogs aus dem konservativen und patriotischen Milieu ab?

Tano Gerke: Für uns ist klar, es ist unbedingt notwendig auch den konservativen Ansatz einer kritischen Revision zu unterziehen. Die Verhältnisse im 21. Jahrhundert sind andere als im 19. oder 20. Jahrhundert, die Strukturen sind nicht vergleichbar. Es bleibt uns daher keine andere Möglichkeit, unser Denken an die Verhältnisse anzupassen, auch wenn das vielen Leuten sehr schwerfällt. Was wir brauchen, ist eine neue Offenheit in der Theorie, ohne dabei die Grundsätze auflösen.
Übrigens kann man unsere Texte künftig auch als Podcast anhören und herunterladen. Wir haben dazu einen eigenen YouTube-Kanal eröffnet.

Die Tagesstimme: Bei einem Blick auf die Homepage fällt auf, dass ihr euch auch intensiv mit linker Theorie auseinandersetzt. Woher rührt das Interesse daran?

Tano Gerke: Der Marxismus und das „linke Denken“ war und ist für unzählige Menschen die weltliche Erlösungsideologie par excellence und daher ist auch Teil unseres Anliegens, nachzuempfinden, warum diese politische Religion die Herzen von Millionen eroberte. Darüber hinaus gibt es als links geltende Theoretiker, die auch uns etwas zu sagen haben. So beispielsweise Walter Benjamin mit seiner Theorie über die technische Reproduktion oder Adornos Theorie der Kulturindustrie. Wir müssen unseren Literaturkanon über die Klassiker der „Konservativen Revolution“ hinaus erweitern, da schadet es nicht, einen Blick nach Links zu werfen und zu fragen, was können wir anwenden, was nicht.

Die Tagesstimme: Anbruch ist seit neuem ein Projekt des AK Nautilus. Auf welche Arten kann man eure Arbeit unterstützen?

Tano Gerke: Wichtig ist es natürlich, unsere Sachen zu lesen, sich anzuhören und zu verbreiten. Man kann uns auch Texte zukommen lassen, wir suchen immer wieder neue Autoren. Auf der anderen Seite kann uns jeder unterstützen, indem er den AK Nautilus finanziell unterstützt. Damit sichert man nicht nur den Fortbestand und den Ausbau von Anbruch, sondern fördert insgesamt die unabhängige Informationsarbeit.

Die Tagesstimme: Vielen Dank für das Gespräch!

 

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