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Luftangriff auf iranische Kräfte bei Kisweh: Syrien beschuldigt Israel

Symbolbild: F15-Kampfflieger der israelischen Luftstreitkräfte beim Start von der Militärbasis Uvda (2013). Via Wikimedia Commons [CC0]

In der Nacht auf Mittwoch kam es erneut zu Luftangriffen in der Nähe von Damaskus. Dabei sollen mindestens neun Menschen ums Leben gekommen sein. Derzeit deutet alles auf einen Luftschlag der israelischen Armee hin. Eine offizielle Bestätigung steht allerdings noch aus. 

Der Angriff fand bei Kisweh statt, einer mittelgroßen Stadt etwa 13 Kilometer südlich von Damaskus.  Einem Artikel der Süddeutschen Zeitung zufolge sollen sämtliche Tote iranische Staatsbürger sein. Es soll sich teilweise um iranische Regierungsgarden handeln, sowie Anhänger von Teheran‐nahen Schiiten‐Gruppen. Syrische Medien berichteten über den Abschuss zweier Raketen und machen das Nachbarland Israel für den Angriff verantwortlich.

Mutmaßliches Waffendepot in Kisweh

Zuvor warnten israelische Streitkräfte vor „ungewöhnlichen Aktivitäten iranischer Kräfte in Syrien”. Im Zuge dessen wurde auch die Militärpräsenz in den Golanhöhlen erhöht. Das Hügelland im syrisch‐israelischen Grenzgebiet steht seit 1967 unter israelischer Besetzung. Auch österreichische Soldaten leisteten dort von 1974–2013 einen UN‐Assistenzeinsatz, dieser sorgt auch nach dem Abzug der heimischen Blauhelme derzeit für einigen Gesprächsstoff.

Eine Bestätigung über die Verantwortung Israels, etwa durch dessen Militär, gibt es nicht. Allerdings fanden bereits im Dezember und April Luftschläge in diesem Gebiet statt, welche Israel zugerechnet wurden. Westliche Geheimdienste vermuten, dass der Iran bereits im Vorjahr eine ständige Basis in Kisweh einrichtete. Entsprechend gilt als mutmaßliches Ziel des nächtlichen Angriffs auch ein vermeintliches Waffen‐ und Raketendepot, zu welchem der Iran und die libanesische Hisbollah Zugang haben sollen.

Zusammenhang mit Trumps Atomdeal‐Ausstieg vermutet

Einige Beobachter vermuten zudem einen direkten Zusammenhang mit der Ankündigung Donald Trumps, das Atomabkommen mit dem Iran aufzukündigen. Bereits am Sonntag kündigten israelische Offizielle aus Politik und Militär eine „heftige Vergeltung” an, sollte es zu Angriffen von iranischer Seite kommen. Der Angriff in Kisweh geschah in unmittelbarer zeitlicher Nähe zur elfminütigen Rede es amerikanischen Präsidenten mit der Kunde, sich aus dem Atom‐Deal mit dem Iran zurückzuziehen.

Das unter seinem Amtsvorgänger Obama ausgehandelte Abkommen erlaubt dem Iran die Urananreicherung in bestimmten Mengen, etwa zur zivilen Nutzung der Kernenergie. Trump hält Versprechen des Iran, wonach man nicht an der Entwicklung von Atomwaffen arbeite, allerdings für „eine Lüge”. Das Land sei seiner Ansicht nach „der führende Unterstützer des Terrors im Nahen Osten”, die USA könne derzeit eine allfällige iranische Atombombe nicht verhindern. Teheran beteuerte indes seine Absicht, dennoch an den getroffenen Bestimmungen festzuhalten. Diverse EU‐Vertreter kritisierten diese Entscheidung Trumps. Israel‐Premier Benjamin Netanjahu hingegen lobte den Schritt als „mutig und richtig”.

1 Kommentar

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  • Der Iran hat sich die Vernichtung Israels auf die Fahnen geschrieben und ist mittlerweile in direkter Nachbarschaft (Syrien) militärisch aktiv. Das sich Israel das nicht gefallen lassen kann, ist absolut verständlich und nachvollziehbar. Israel wird weiterhin die passenden Antworten auf Irans Aktivitäten in Syrien finden.

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