Verbinde Dich mit uns

Interview

Felix Menzel: “Der Globalkapitalismus ist kein Naturgewächs”

Redaktion

Veröffentlicht

am

Der Publizist Felix Menzel hat eine Denkfabrik für Wirtschaftskultur gegründet. Bildrechte: Felix Menzel

Der deutsche Publizist Felix Menzel hat die erste patriotische Denkfabrik für Wirtschaftskultur in Deutschland ins Leben gerufen (Die Tagesstimme berichtete). Im Interview mit der Tagesstimme erklärt Menzel seine Beweggründe und warum die patriotische Opposition neben der Einwanderungskritik auch soziale, ökologische und ökonomische Standpunkte erarbeiten muss.

Die Tagesstimme: Herr Menzel, Sie haben die neue patriotische Denkfabrik für Wirtschaftskultur namens Recherche Dresden ins Leben gerufen. Beschäftigt sich das patriotische Milieu zu wenig mit Wirtschaft oder wozu braucht es eine solche Denkfabrik?

Menzel: Fangen wir mal so an: Gleich nach der Eröffnung unserer Denkfabrik haben uns einige Linke vorgeworfen, wir würden Diskurspiraterie betreiben. Wir scheinen also einen wunden Punkt berührt zu haben. In der Tat sind wir von der strategischen Notwendigkeit unserer Denkfabrik überzeugt: Es reicht für die patriotische Opposition nicht aus, nur am Straßenrand zu stehen und gegen die Asylpolitik zu protestieren. Dies ist ungemein wichtig, da uns die Masseneinwanderung der letzten Jahre in existentieller Weise bedroht.
Trotzdem ist eine Ausweitung der Kampfzone geboten. Wir müssen weitere Politikfelder besetzen und soziale, ökologische und eben auch ökonomische Standpunkte erarbeiten. Dies gilt insbesondere, da wir nach den ersten Wahlerfolgen der AfD aufzeigen müssen, wie wir diese Gesellschaft als Patrioten gestalten wollen, wenn man uns einmal machen ließe.

Freiheitliche Wirtschaftsordnung ohne Wachstumszwang

Zu dem Aufbau der Denkfabrik kam es aber noch aus einem viel unspektakuläreren Grund: nämlich schlicht aus Erkenntnisinteresse. Die Frage nach einer freiheitlichen Wirtschaftsordnung, die dem Wachstumszwang nicht erliegt, bildete schon immer einen Schwerpunkt meines Denkens. 2013, also mittlerweile vor fünf Jahren, haben wir dem erstmals in unserem Buch Junges Europa ein Kapitelchen gewidmet und in dieser Zeit auch schon einige Interviews mit Experten wie Holger Rogall geführt. 2015 habe ich dann begonnen, für die Zeitschrift Sezession eine Serie zur Wachstumskritik zu schreiben. Im letzten Jahr schließlich habe ich meine Überlegungen zur nachbarschaftlichen Marktwirtschaft in meinem Büchlein Alternative Politik dargelegt.

Ich hoffe, dies verdeutlicht, dass der Vorwurf der kurzsichtigen Diskurspiraterie unberechtigt ist. Vielmehr wollen wir gerade die Stärken des konservativ-patriotischen Denkens auf dem ökonomischen Feld in Erinnerung rufen, weil wir da an grandiose Theoretiker anknüpfen können. Rolf Peter Sieferle, Ernst Nolte („Marxismus und Industrielle Revolution“), Wilhelm Röpke, Oswald Spengler, Werner Sombart, Max Weber, Friedrich List und viele andere Geistesverwandte haben uns noch viel zu sagen.

Die Tagesstimme: Als erstes Projekt gibt Recherche Dresden künftig einen Infobrief, eine Art patriotisches Wirtschaftsmagazin, heraus. In der Ankündigung zur ersten Ausgabe findet man von Ihnen auch den Beitrag “Globalkapitalismus oder nachbarschaftliche Marktwirtschaft”. Würden Sie unseren Lesern bitte kurz skizzieren, wie eine nachbarschaftliche Marktwirtschaft im Gegensatz zum globalen Kapitalismus aussehen könnte?

Menzel: Man muss dazu eines begreifen: Der Globalkapitalismus ist kein Naturgewächs, sondern das Ergebnis einer systematischen, staatlich gesteuerten Umverteilung nach oben hin zu Großunternehmen, die inzwischen meist vollkommen entortet agieren und zu einer ökonomischen Vereinheitlichung der Welt beitragen, die ich gerade auch aus kulturellen und marktwirtschaftlichen Gründen ablehne.

Das Kieler Institut für Weltwirtschaft hat kürzlich errechnet, dass der deutsche Staat 2017 inklusive Steuervergünstigungen Subventionen in Höhe von 118 Milliarden Euro per Gießkanne verteilt hat. Das landet fast ausschließlich bei den Großen, während der Mittelstand vernachlässigt wird und der normale Arbeitnehmer die Hälfte seines Lohnes für Sozialabgaben und Steuern berappen muss.
Hinzu kommt die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank, über die eine schleichende Enteignung des Bürgers betrieben wird, währenddessen durch die Anleihenkäufe in Höhe von bald 2,5 Billionen Euro Zombieunternehmen und Zombiestaaten künstlich am Leben gehalten werden, die unter normalen Umständen längst zahlungsunfähig wären. Wir haben also das seltsame Phänomen, dass aktuell aufgrund des Wachstumszwangs mit Hilfe von Geldsozialismus der Globalkapitalismus aufrechterhalten wird. Das ist eine tickende Zeitbombe, die sich niemand traut zu entschärfen, weil die Begleiterscheinungen vermutlich sehr heftig wären.

Soziale Beziehungen in Regionen stärken

Wir können da nun leider nicht ohne Weiteres aussteigen. Deutschland und Europa waren schon immer überdurchschnittlich in die Weltwirtschaft eingebunden. Wir steigen mit ihr auf und wir fallen mit ihr gemeinsam auf die Nase. Was wir dennoch tun können, ist die unterste Ebene unserer Wirtschaft zu stärken, statt die höchste immer weiter zu subventionieren. Das meine ich mit nachbarschaftlicher Marktwirtschaft. Wir müssen schauen, wie wir gerade mit den Werkzeugen der Digitalisierung die ökonomischen und sozialen Beziehungen in jeder Region und in jedem Ort verbessern können. Dies halte ich für die dringend notwendige Alternative zum Sozialstaat, der anonyme Umverteilungen vornimmt, über die sich niemand so richtig freuen kann. Wir werden das auch noch konkretisieren, z.B. was dies für die Rente bedeuten könnte.

Die Tagesstimme: Auf der Homepage der Denkfabrik findet man vier Punkte zur “Agenda 2030”. Als erster Punkt steht die Forderung “Die Politik der ‘Geldschöpfung aus dem Nichts’ muss beendet werden”. Welche Alternativen zum aktuellen Geldsystem sind dabei Ihrer Ansicht nach am interessantesten und erfolgversprechendsten?

Menzel: Ach, interessant sind die allermeisten alternativen Geldsysteme. Es wäre sicherlich spannend, mal ein Jahr auf der Basis von Schwundgeld zu arbeiten, dann das Vollgeld auszuprobieren, um schließlich am Ende auch noch Free Banking zu testen. Das Experimentieren mit lebendigen Gemeinschaften und Gesellschaften sollten wir aber besser den Linken überlassen. Wir setzen erst einmal darauf, die Debatte über diese ganzen Geldsysteme in Gang zu bekommen, indem wir sie mit all ihren Vor- und Nachteilen beschreiben.

Rückkehr zu einer gesunden Eigentumsökonomik

Aus meiner konservativen, vorsichtigen Sicht heraus würde es schon einer Revolution gleichkommen, wenn wir zu einer gesunden Eigentumsökonomik zurückkehren, wie sie Gunnar Heinsohn skizziert hat. Das heißt, wenn der Grundsatz wieder uneingeschränkt gelten würde, dass jeder Schuldner Sicherheiten hinterlegen muss und jeder Gläubiger über ausreichend Eigenkapital verfügen muss, wäre schon viel gewonnen. Ich möchte das große „Aber“ bei diesem Plan jedoch nicht unerwähnt lassen: Vermutlich würde bereits dieses eigentlich selbstverständliche Reförmchen den nächsten Finanzcrash auslösen. Genau das macht es so schwierig, Veränderungen anzuschieben.

Die Tagesstimme: In den letzten Monaten gewannen Kryptowährungen wie Bitcoin immer mehr an Einfluss. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung. Hat Bitcoin eine Zukunft?

Menzel: Mit dem Bitcoin habe ich mich noch nie ausführlich beschäftigt. Ich kann dazu also keine Expertenmeinung abgeben, denke aber, dass die dahinterstehende Blockchain-Technologie in der Tat eine Zukunft hat. Als defensiver Investor ganz im Sinne Benjamin Grahams schreckt mich die hohe Volatilität des Bitcoin ab. Ich bin kein Spekulant, sondern setze am Kapitalmarkt langfristig auf große und kleine Unternehmen, von denen ich überzeugt bin und bei denen ich nicht auf die tagesaktuellen Auf und Abs schauen muss. Die Einhaltung des eben skizzierten Grundsatzes der Eigentumsökonomik kann ich beim Bitcoin ebenfalls nicht erkennen. Von daher ist er für mich lediglich ein Krisensymptom. Viele Anleger suchen nach alternativen Währungen und landen dann halt beim Bitcoin oder anderen Kryptowährungen.

Die Tagesstimme: Nicht nur im patriotischen Milieu allgemein, sondern auch in der Alternative für Deutschland (AfD) finden sich mitunter unterschiedliche Positionen – von wirtschaftsliberal/libertär bis zu eher “sozialistischen” Ideen. Wie ist Ihr Eindruck: Könnten das noch zu großen Konflikten innerhalb der Partei führen?

Menzel: Ehrlich gesagt, glaube ich das nicht. Dazu eine kleine Anekdote: Ich besuchte vor einigen Tagen einen Vortrag von Peter Boehringer, dem Vorsitzenden des Haushaltsausschusses. Boehringer ist dem libertären Spektrum zuzuordnen. Davon war bei dem Vortrag aber kaum etwas zu spüren. Vielmehr ging er gegenüber dem Publikum sogar so weit zu sagen, dass auch die AfD das derzeitige Rentensystem komplett unangetastet lassen will, selbst wenn das den Bund pro Jahr in naher Zukunft über 100 Milliarden Euro kostet.

Die Begründung dieser Position von Boehringer war dabei absolut schlüssig: Er verwies darauf, dass die AfD erst einmal auf anderen Baustellen Erfolge erzielen muss. Die Migrationspolitik kostet nach offiziellen Schätzungen jährlich um die 20 Milliarden Euro. Inoffiziell dürften wir uns den 50 Milliarden Euro nähern. Ebenso fatal sind die Pläne der Europäischen Union, die nach dem Brexit noch mehr Geld von Deutschland haben will. Es handelt sich hier um jährlich zusätzliche 12 Milliarden Euro.

Ich vermute, dass bei diesen Punkten in der gesamten patriotischen Opposition – parlamentarisch und außerparlamentarisch – Einigkeit besteht. Die Aufgabe der AfD ist es daher, diese Konsensmeinung im Streit mit den anderen Parteien voranzubringen. Das wird schwer genug. Für die weitergehenden Visionen ist dann unsere Denkfabrik zuständig. Deshalb machen wir das ja.

Die Tagesstimme: Zurück zu “Recherche Dresden”. Wie kann man das Projekt unterstützen?

Menzel: Aus Politik und Unternehmen haben sich in den letzten Wochen schon erstaunlich viele Mitstreiter gefunden, die etwas für unsere Zeitschrift Recherche D beitragen wollen. Auf diesem Wege ist also eine dezentrale Mitarbeit möglich. Wir suchen ganz speziell nach Autoren, die aus der Praxis, Wissenschaft und Politik kommen. Gern können sich aber auch Studenten einbringen, sofern sie bereit sind, für eine Recherche in die Universitätsbibliothek zu gehen.

Darüber hinaus freuen wir uns natürlich über jeden neuen Abonnenten. Um ein Magazin wie Recherche D langfristig mit renommierten Gastautoren und Interviewpartnern betreiben zu können, brauchen wir mindestens 1.000 Abonnenten. Da sind wir auf einem guten Weg. Trotzdem ist die Strecke noch weit.

Bei Veranstaltungen, Studien und dem, was wir an Netzwerkarbeit leisten, sind wir zudem auf Spenden angewiesen und haben dafür im Hintergrund den gemeinnützigen Verein Journalismus und Wissenschaft aufgebaut. Wer unsere Denkfabrik für Wirtschaftskultur also unterstützen möchte, hat allerhand Möglichkeiten, dies zu tun. Jede Mithilfe, jeder Hinweis und jeder noch so kleine Spendenbetrag bringt uns dabei voran.

Die Tagesstimme: Vielen Dank für das Interview, Herr Menzel!

 

Zum Interviewpartner:
Felix Menzel ist ein politischer Publizist und wurde 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz) geboren. Er studierte Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL an der Martin-Luther-Universität Halle Wittenberg. 2004 gründete er mit Mitschülern die Jugendzeitschrift “Blaue Narzisse” (BN) und war an der “konservativ-subversiven-aktion” (ksa) rund um den Verleger Götz Kubitschek beteiligt. Für die Reihe kaplaken des Antaios-Verlags publizierte Menzel das Band “Medienrituale und politische Ikonen”. Außerdem trat er bei der BN-Anstoß-Reihe in mehreren Bänden als Autor und Herausgeber hervor. 

Klicken zum Kommentieren

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Interview

Ruhrpott Roulette: “Keinen Bock auf Sojaunterhaltung von der Stange”

Julian Schernthaner

Veröffentlicht

am

ASDF Immer für einen Scherz zu haben: Kai und Marius - die bekannten Gesichter des jungen patriotischen Humor-Kollektivs "Ruhrpott Roulette". Bild: privat / Ruhrpott Roulette.

Im Interview mit der Tagesstimme spricht das aufstrebende Humor-Kollektiv “Ruhrpott Roulette” über patriotisches Selbstverständnis, die moralische Schieflage in der Kulturszene und die Wichtigkeit von Humor als politisches Mittel.

Die Tagesstimme: „Ruhrpott Roulette“ startete im Februar. Wer seid ihr, was bedeutet der klingende Name und was bewegte euch dazu, ein humoristisches Projekt ins Leben zu rufen? 

Ruhrpott Roulette: Grüßt euch! Unser Team besteht aus 5 1/2 identitären Aktivisten, unsere Frontschweine Marius und Kai, so wie Cassis und Falk in der Technik und Produktion. Musikalisch verstärkt werden wir von der Dame des Hauses; Melanie! Zuletzt bleibt noch unser “Praktikant” Felix zu nennen. 

Der Name ist eine Verpflichtung zu unserer Grundidee, zusammen mit dem Publikum den Kurs zu bestimmen. Wie beim richtigen Roulette haben wir vorher keine Ahnung, was uns das Schicksal serviert. Nur dass bei uns nicht der Zufall, sondern das Publikum entscheidet. Wir schnappen uns die besten Ideen aus den Kommentaren, arbeiten diese aus und stellen drei davon zur Wahl. Was ab da passiert, liegt in eurer Hand. 

Wie sind wir darauf gekommen? Naja, das ist wahrscheinlich für viele nachvollziehbar. Wenn man nahezu täglich mit den Problemen der heutigen Zeit konfrontiert wird, braucht man zwischendurch einfach was zum Abschalten. Die meisten unserer Zuschauer können diese Probleme zumindest nachvollziehen, das legt natürlich nahe, dass eben diese Zuschauer keinen Bock mehr haben auf hypermoralisierte Sojaunterhaltung von der Stange, ohne Gluten. So wie wir. Eben Zeit für etwas Neues. Daher haben wir das Experiment gewagt.

Die Tagesstimme: Bislang habt ihr mit Streetcomedy und einer Liedparodie auf besonders kurzweilige Formate gesetzt. Welche Zielgruppe wollt ihr mit euren Sketches bedienen und wie soll euer künftiges Portfolio aussehen? 

Ruhrpott Roulette: Wir haben ja erst vor relativ kurzer Zeit angefangen, haben aber auch von Anfang an gesagt, dass wir uns da nicht in Ketten legen wollen. In erster Linie machen wir Unterhaltung von Patrioten für Patrioten. In der derzeit gesperrten Folge 2 starten wir auch recht früh mit der Bedienung eines anderen Aspekts, indem wir der Opposition den Spiegel vorhalten.

Wir hatten allerdings gedacht, wir täten das humoristisch überspitzt, bis wir feststellen mussten, dass die SJW-Presse (“Social Justice Warrior”, Anm. Red.) das gleiche gemacht hat. Allerdings vollkommen unironisch! Grundsätzlich sprechen wir aber jeden an, der sich angesprochen fühlt. Wie die Wahl des Inhalts bleibt auch das dem Publikum überlassen. 

Zwar basiert unser Konzept auf der Teilhabe der Leute da draußen, aber wer langfristig auch überraschen will, der muss natürlich mit frischen Ideen auffahren. Daran arbeiten wir selbstredend stetig, aber um zu überraschen, darf man da auch nicht so viel im Vorfeld drüber reden. Sonst is langweilig. 

Die Tagesstimme: Die Zahl der kabarettistischen Projekte im patriotischen Milieu steigt rasant an. Wie wichtig ist Humor als politisches Mittel? 

Ruhrpott Roulette: Naja, eben dieser rasante Anstieg kommt ja nicht von ungefähr. Wie schon erwähnt, braucht es ab und zu einfach auch mal groben Unfug. Selbstironie ist ein gutes Mittel, sich selbst auch mal zu hinterfragen. Das lang tradierte, karikatureske Vorführen des Systems kann in anderen bewirken, sich selbst und die eigene Rolle im täglichen Wahnsinn zu hinterfragen.

Das sind aber auch keine neuen Informationen. Wie sich der Humor schon immer der Politik bediente, bediente sich auch die Politik schon immer beim Humor. Gemeinsam haben sie, dass sie Formen der Kommunikation und in allen Aspekten des Lebens beheimatet sind. Eine weitere Parallele: Sie sind die Kunst des Möglichen. Da wird wahrscheinlich jeder zustimmen, der schon mal in falscher Runde einen noch falscheren Witz erzählt hat.

Man sieht es aber auch im täglichen Leben; oder glaubt wirklich jemand, man könne ohne eine gehörige Portion Humor mit Grünen und Linken in einem Plenum sitzen? Humor scheint zumindest wichtig zu sein, um die Politik zu überstehen, ohne den Verstand zu verlieren. 

Die Tagesstimme: Eure bisherigen Videos schneiden mehrfach die Thematik des „Rechtsseins“ an. Wieso ist ein positives Selbstverständnis patriotischer Menschen unerlässlich? 

Ruhrpott Roulette: Ein wichtiger Teil dieses Selbstverständnisses ist es ja, sich zuzutrauen, selbständig zu denken. Ohne dies würde es wohl keiner bis zu uns schaffen. Betrachtet man die Verleumdungen, die sich unsere Systemmedien als “Berichterstattungen” zu bezeichnen erdreisten, wird das auf menschlicher Ebene schnell klar.

Ist man aber erstmal durch den Nebelschleier durch und hat sich an allen Strohmännern vorbei gedrängt, sieht man ja was die wahren Kernthemen sind. Wer sich dann für eben diese unsere Ziele stark macht, der kann ja eigentlich nicht mehr anders, als ein positives Selbstverständnis zu haben. Immerhin verfügt man über die eben beschrieben Qualitäten. 

Wichtig wird es dann wieder bei der Außenwirkung. Jeder Mensch mit einem gesunden Verstand im Schädel muss auf lange Sicht die Schere bemerken, die zwischen Wahrheit und Mediendarstellung besteht. Die aber nur sichtbar bleibt, solange wir sie aufhalten. Dafür unerlässlich: positives Selbstverständnis. 

Die Tagesstimme: Eure Liedparodie “Hetztape” erreichte innerhalb weniger Tage 55.000 Menschen – und wurde dann wegen eines Urheberrechtsanspruchs gesperrt. Zahlreiche andere Parodien desselben Liedes sind aber weiterhin verfügbar. Wird in der deutschen Kulturszene mit zweierlei Maß gemessen? 

Ruhrpott Roulette: Ja, auf jeden Fall! Ist aber klar eigentlich. Die finstere Macht, die halt zwingend für die eigene moralische Hegemonie gebraucht wird, sind wir halt nicht. Das ist ärgerlich und verhindert die Gleichbehandlung an dieser Stelle. Man stelle sich vor, zu viele Leute sehen das. Nachher beginnen die noch zu hinterfragen ob „Rechts sein“ wirklich das bedeutet, was doch so schön ins erzeugte Bild passt. Wie kacke wär das denn?

Aber um dies zu verhindern, gibt es offensichtlich ganze Firmen, die von der Arbeit existieren können, gemeingefährliche Subjekte wie uns aufzuspüren und off zu nehmen. Die Nachfrage nach dieser Form der selektiven Vorgehensweise scheint zu steigen. Sind aber natürlich alles nur Gerüchte.

Die Tagesstimme: Angenommen ich wäre Millionär, mein Kopf sprudelt vor Ideen über und ich habe Zeit ohne Ende. Wie kann man euch am besten unterstützen? 

Ruhrpott Roulette: Ah, also der typische Durchschnittsbürger, zumindest im grünen Weltbild. Wir versuchen ja gleich zu Beginn, einen Standard zu erreichen, den man auch im Fernsehen zeigen könnte. Da sind wir aber noch nicht. Wir arbeiten mit privater Ausrüstung, die natürlich begrenzt einsetzbar ist. Wir möchten uns qualitativ hinter niemandem verstecken müssen. Auch inhaltlich wollen wir noch ordentlich aufdrehen. Dazu fehlen uns allerdings noch die Mittel.

Mangel an Ausrüstung und derzeit nur ein Arbeitsplatz für die gesamte Post-Produktion, das macht es natürlich mühsam und zeitintensiv. Wenn qualitativ minderwertige Ausrüstung versagt, fällt uns mitunter ein ganzer Sketch weg, eine zweite Chance haben wir bei dieser Art der Vorgehensweise nicht. Da muss direkt alles sitzen. Sowas schlägt sich natürlich auch auf die Länge der Folgen nieder. Eine Erfahrung, die wir schon von Anfang an machen mussten. Wenn sich dann noch drei Leute im Studio vor einem Rechner tummeln müssen, steht man sich auch dabei im Weg und viele gute Ideen bleiben auf der Strecke.

Um dem Abhilfe zu schaffen, haben wir uns was ganz Originelles ausgedacht. Man kann uns was spenden! Da das jetzt für alle was Neues sein sollte, hier ein paar Möglichkeiten: 
https://www.paypal.me/RuhrpottRoulette1
https://www.patreon.com/ruhrpottroulette
https://www.subscribestar.com/ruhrpott-rou

Soviel zum Geld. Zeit haste auch zu viel? Schau unsere Videos mehrmals täglich, in voller Länge. Dazu noch drei bis fünf Kommentare, möglichst bis zum Rand gefüllt mit all deinen Ideen. Zu tun ist immer! Alternativ gehen wir auch gern mit dir ein Bierchen trinken (auf deinen Nacken natürlich).

Die Tagesstimme: Vielen Dank für das Gespräch!
Weiterlesen

Interview

Bystron (AfD) zum Migrationspakt: “Das Papier sollte ‘Merkel-Pakt’ heißen”

Monika Šimić

Veröffentlicht

am

ASDF Bild Petr Bystron (AfD): privat

Nachdem der UNO-Migrationspakt die Medienlandschaft in den vergangenen Wochen merklich dominierte, wollte Die Tagesstimme von Petr Bystron AfD-Obmann im Auswärtigen Ausschuss, wissen, wie er den Pakt und die aktuelle Debatte rund um das Thema sieht. Wir haben auch nachgefragt, ob patriotische Kräfte in Deutschland, ähnlich wie in Österreich, vielleicht doch noch eine Wende einleiten könnten.

Die Tagesstimme: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hielt am 10.12.2018 im Rahmen der UN-Konferenz in Marrakesch eine Rede, in der sie die Notwendigkeit und die Richtigkeit des UN-Migrationsabkommens betonte. Was halten Sie von der Rede?

Petr Bystron: Wie wir in den Unterlagen des Auswärtigen Amtes herausgefunden haben, geht der Migrationspakt auf die „politische Initiative“ der deutschen Bundesregierung zurück. Er wurde von Deutschland konzipiert und „personell und finanziell“ vorangetrieben, wie das Auswärtige Amt bestätigt. Damit ist klar: Mit dem UN-Migrationspakt soll das rechtswidrige Handeln Merkels seit 2015 nachträglich legitimiert werden. Es ist kein Zufall, dass Angela Merkel die einzige bedeutende westliche Führungspersönlichkeit in Marrakesch war. Schließlich ist es ihr Pakt. Das Papier sollte „Merkel-Pakt“ heißen.

Ihre Rede war – ebenso wie ihr ganzer Auftritt – die Bestätigung für den Merkelschen Paternalismus und Uneinsichtigkeit. Der Pakt kann nicht ohne die ausgetretenen Empfängerländer funktionieren. Ohne USA, Australien, oder aber auch unsere Nachbarn Österreich, Polen, Tschechien usw. ist dieser Pakt Makulatur. Anstatt ihre Niederlage anzuerkennen, fuhr Merkel trotzig nach Marrakesch und heischte Applaus der Afrikanischen Entsender-Länder.

Die Tagesstimme: Neben dem UNO-Migrationspakt wurde parallel der Flüchtlingspakt ausgearbeitet, der ebenfalls noch im Dezember von der UNO-Generalversammlung angenommen werden soll. Dieser soll, wie auch der Migrationspakt, „nicht bindend“ sein. Wie sehen Sie den Flüchtlingspakt?

Petr Bystron: Beide Pakte stellen eine Bedrohung für den existierenden rechtlichen Rahmen dar, der bislang Migration und Flucht regelt. Es ist ein Paradigmen-Wechsel. Anstatt Migration zu verhindern und Fluchtursachen zu bekämpfen, wird die Menschenwanderung nun verwaltet und gefördert.

Zwar handelt sich bei dem Flüchtlingspakt um kein „Abkommen“, sondern nur eine „Resolution“ welche nicht unterschrieben, sondern nur „zur Kenntnis genommen wird.“  Daraus leite sich also ausdrücklich keine Verpflichtung und auch kein Völkergewohnheitsrecht ab. Aber die Gefahr ist da, dass selbst solche Erklärungen von NGOs instrumentalisiert werden und als Grundlage für weitere Verstetigung der dort definierten Normen hergenommen werden. Wir bestehen darauf, dass das Volk der Bundesrepublik immer der Souverän bleiben muss, und wehren uns gegen jede Abgabe von Hoheitsrechten an nicht gewählte, demokratisch nicht legitimierte supranationale Gremien.

Die Tagesstimme: Deutschland hat den UNO-Migrationspakt neben vielen anderen Ländern am 10.12.2018 in Marrakesch angenommen. Welche merkbaren Nachteile könnten neben dem möglichen Verlust der eigenen Souveränität entstehen?

Petr Bystron: Der Migrationspakt verwischt die Unterschiede zwischen legaler und illegaler Migration. Er erklärt die Migration für etwas an sich Gutes. Von den negativen Aspekten sowie von illegaler Migration ist in dem Migrationspakt keine Rede mehr. Hier wird nur noch von „irregulärer“ Migration gesprochen, die es zu reduzieren gelte, möglicherweise auch dadurch, indem man sie einfach zu „regulärer“ Migration umdeklariert. Das können wir nicht hinnehmen.

Die weiteren Haupteinwände sind die Kennzeichnung des Paktes als „politisch verpflichtend“ durch das Auswärtige Amt und die geforderte Zensur im Rahmen der „Beseitigung aller Formen von Diskriminierung“ in der Berichterstattung. Dabei wird Diskriminierung nicht definiert. Es könnte sich also z.B. auch um die „Diskriminierung“ zwischen Inländern und Ausländern oder legalen und illegalen Migranten handeln, die verboten werden soll.

Die Tagesstimme: Sie haben vor Kurzem einmal erwähnt, dass vor allem patriotische Kräfte die Regierungsentscheidung in Österreich beeinflusst hätten. Denken Sie, dass patriotische Kräfte auch in Deutschland eine Wende hinsichtlich der Entscheidung zur endgültigen Unterzeichnung des Pakts bringen könnten?

Petr Bystron: Die Resonanz in der Bevölkerung in ganz Europa ist enorm, von Sizilien bis Schottland. Während Merkels illegale und undemokratische Grenzöffnung September 2015 auf Zuruf geschah und die Rechtsbrüche durch eine mündliche „Weisung“ erfolgten, die nirgends schriftlich festgehalten wurde, hat man hier endlich ein Dokument, dass die globalistische Open-Borders-Ideologie dieser postnationalen Elite auf den Punkt bringt. Dank der Aufklärungsarbeit von patriotischen Mitgliedern der Zivilgesellschaft in Österreich, Deutschland und ganz Europa wurde diese Gefahr erkannt, und in einigen Ländern auch gebannt.

Die Tagesstimme: Sie haben gesagt, dass der Petitionsausschuss im Bundestag mehrere Petitionen zum Migrationspakt blockieren würde. Der Obmann der AfD-Fraktion im Petitionsausschuss, Johannes Huber, sprach sogar von einem „Zensurausschuss“. Nun wurde eine Petition gegen den Migrationspakt auf der Internetplattform des Deutschen Bundestages veröffentlicht und bereits von über 107.000 Personen unterzeichnet. Kann das als Signal dafür verstanden werden, dass man dem Migrationspakt auch innerhalb der Gesellschaft eher kritisch gegenübersteht?

Petr Bystron: Die Verhinderung von 32 verschiedenen Petitionen war eine Farce. Als schließlich eine (!) von denen zugelassen wurde, sind allerlei technische Auffälligkeiten aufgetreten. Die Vorgänge um die Petitionen haben das Vertrauen der Bevölkerung in den Deutschen Bundestag als Institution und die Demokratie in diesem Land schwer beschädigt.

Es ist umso wichtiger, dass die Bürger weiterhin ihre Meinung kundtun, ihre Abgeordneten anrufen und weiterhin diejenigen Parteien unterstützen, die für eine bürgernahe und verantwortungsvolle Politik stehen.

Die Tagesstimme: Alexander Dobrindt (CSU) sprach bei der Generaldebatte im Bundestag am 21.11.2018 in Bezug auf den Migrationspakt unter anderem von „falscher Panikmache“. Wie bewerten Sie grundsätzlich die derzeitige Debatte im Deutschen Bundestag zum Thema Migrationspakt?

Petr Bystron: Wenn die Bundesregierung und die staatsnahen Medien nicht seit 2015 alles unternommen hätten, eine sachliche Berichterstattung über die negativen Seiten der Migration, über die überdurchschnittliche Kriminalität von Migranten, hohe Arbeitslosigkeit, den Schwulen- und Judenhass und die latente Frauenfeindlichkeit in diesen Gruppen zu verhindern, dann gäbe es nicht dieses fundamentale Misstrauen in der Bevölkerung, die Herr Dobrindt ansprach. Es ist wichtig, Ursache und Wirkung nicht zu verwechseln.

Am besten wäre es, die sogenannte Qualitätspresse würde aufhören, „Journalismus mit Haltung“ zu machen, und stattdessen wieder objektiv und ausgewogen berichten. Dann gäbe es auch keinen Platz für das, was manche „Panikmache“ nennen.

Die Tagesstimme: Vielen Dank für das Interview!
Weiterlesen

Interview

Fiß (Okzident Media): “Es braucht eine authentische Gegenöffentlichkeit!”

Julian Schernthaner

Veröffentlicht

am

ASDF Bild 'Journalisten-Utensilien'. Pexels [CC0] / Bild Fiß: privat / Collage: Die Tagesstimme.

Vor etwas mehr als einem Monat bekam die patriotische Publizistik mit Okzident Media einen ambitionierte Neuzugang. Im Tagesstimme-Interview erzählt Mastermind Daniel Fiß über die Beweggründe und Ziele des neuen Projekts – und warum es seiner Ansicht nach wichtig ist, für eine Gegenöffentlichkeit zu sorgen. 

Die Tagesstimme: Sehr geehrter Herr Fiß, am 12. Oktober ging das Projekt „Okzident Media“ offiziell an den Start. Wie bilanzieren Sie über die ersten sechseinhalb Wochen?

Daniel Fiß: Wir sind soweit mit dem bisherigen zufrieden. Nach sechs Wochen schon eine Gesamteinschätzung vorzunehmen, ist natürlich etwas schwierig. Das Projekt wurde aber bisher im eigenen Lager recht positiv angenommen und hat auch bereits den ein oder anderen Neuling angelockt. Die Leute finden es gut, dass es jetzt auch im deutschsprachigen Raum erste Versuche für multimediale Infoportale und Infrastrukturprojekte gibt, die neben Text auch Videoblogs und Podcasts anbieten.

Wir haben ambitionierte Ziele mit Okzident Media und sind mindestens in der Hinsicht motiviert, dass dieses Projekt eine gewisse Lücke des patriotischen Info- und Strukturmilieus versucht zu füllen. Wir verstehen uns jedoch auch als Ergänzung des patriotischen Infomarktes, in dem wir angesichts der zunehmenden mainstreammedialen Verfälschungen sicherlich nicht der letzte neue Akteur sein werden.

Die Tagesstimme: Ihr tretet mit dem ambitionierten Ziel an, eine Gegenöffentlichkeit zu schaffen. Was kann man darunter verstehen – und weshalb ist es wichtig, eine solche Gegenöffentlichkeit zu schaffen?

Daniel Fiß: Der Begriff „Gegenöffentlichkeit“ wurde erstmals mit den 68ern populär. Er beschreibt einen Prozess, wo das mediale und öffentliche Informationsangebot nur lückenhaft und verfälscht erscheint. Die 68er haben dies damals aus einer rebellischen und antagonistischen Position heraus betrieben. Doch das 68er-Milieu ist inzwischen im inneren Mainstream angekommen. Daher orientiert sich auch der Begriff der “Gegenöffentlichkeit” in eine neue Richtung, die wir jetzt einschlagen müssen.

Unser Entschluss für Okzident Media lag in dem klassischen Verdruss gegenüber den herrschenden Medien. Doch es bringt nichts, sich selbst in seiner Ohnmacht gegenseitig zu bestätigen. Wir können nicht darauf vertrauen, dass die Medien ihre eigene ideologische Logik auf einmal völlig umkrempeln. Daher braucht es eigene Medien und eigene Öffentlichkeit, die sich als Gegenpol versteht.

Die Tagesstimme: Das patriotische Lager im publizistischen Sektor gewinnt durch ständig neue Projekte immer weiter an Zulauf. Mit welchen Impulsen und Projekten möchte sich „Okzident Media“ von seinen Mitbewerbern abheben?

Daniel Fiß: Okzident Media ist nicht nur als einzelnes Medienprojekt zu verstehen, sondern ein potentieller Kosmos an gegenkulturellen Info- und Strukturprojekten. Unser Fokus liegt natürlich auf dem multimedialen Sektor. Mit Podcast, Blog und Informationsvideos bedienen wir den klassischen Informationssektor. Wir sehen uns jedoch nicht als tagesaktuelles Nachrichtenportal, sondern wollen kommentieren, einordnen und strukturieren.

Langfristige und kontinuierliche Projekte sind insbesondere das Format „Ehrensache“, das Aktivisten und Akteure des patriotischen Milieus porträtiert, unser eigener wöchentlicher Podcast für lange Autofahrten, der zugespitzt und manchmal auch humorvoll die Nachrichtenwoche kommentiert. Es folgt bald eine Dokumentations- und Reportagereihe über verschiedene politische, gesellschaftliche- und Lebensalltagsthemen. Ich denke vor allem im Bereich eigener Dokumentations- und Reportagekanäle besteht noch eine Lücke, die wir schon zeitnahe mit ersten Formaten füllen wollen.

Dies beginnt bei politischen Dokumentationen wie über den „Patriotismus in Polen“, wo wir in Warschau den jährlichen Unabhängigkeitsmarsch begleitet haben und geht bis hin zu Lifestyle-Themen wie beispielsweise eine Kurzreportage über die Lost-Place-Bewegung, wo wir junge Menschen begleiten, die sich alte Bunkeranlagen und verfallene Gebäude anschauen und über Motive, Beweggründe und ihre Faszination sprechen. Es braucht eine authentische Gegenöffentlichkeit – und genau solche Sachen sind dafür ideal.

Die Tagesstimme: Als ‚Flagship-Projekte‘ habt ihr, wie bereits erwähnt, das Porträtformat „Ehrensache“ und euren Podcast vorausgeschickt. Beides zielt dem Augenschein nach vor allem auf ein junges Publikum ab. Wieso ist es wichtig, gerade junge Menschen zu politischen und gesellschaftlichen Themen anzusprechen?

Daniel Fiß: Viele reden heute darüber, dass die Jugend der westeuropäischen Länder hoffnungslos an linke Informationsangebote und politische Initiativen verloren sei. Doch die Statistiken zeigen, dass der Rebellionsdrang noch nicht vollständig verloren ist. Es gibt durchaus eine nicht zu unterschätzende Zahl an unter 30-Jährigen, die durchaus patriotische Medien konsumieren wollen. Am Wahlverhalten in Deutschland lässt sich dies teilweise noch deutlicher ablesen.

Die AfD erzielt ihre stärksten Wahlergebnisse schließlich in der Altersgruppe “28 – 45 Jahre”, während die „Volksparteien“ CDU und SPD insbesondere bei den über 50-Jährigen am stärksten punkten. Fairerweise: Auch die Grünen sammeln einiges an jungem Potential ein. Doch es baut sich nach und nach ein Gegengewicht auf. Für diesen Konterpart wollen wir ein attraktives Informationsangebot schaffen.

Die Tagesstimme: Im Vorlauf spracht ihr vom Plan, eine eigene Nachrichten-App zu entwickeln. Wie heißt sie, was kann sie – und vor allem, wo findet man sie?

Daniel Fiß: Die App heißt „Okzident News“ und ist aktuell nur in der Desktopversion verfügbar. Als Handyapplikation sind wir bereits in der Beta-Phase und hoffen, dass wir noch dieses Jahr die App für alle verfügbar machen können. „Okzident News“ ist in Reaktion auf die damalige Social-Media-Löschwelle zahlreicher Accounts patriotischer Organisationen auf Facebook und Instagram entstanden.

Insbesondere die Identitäre Bewegung war davon in absurder Art und Weise betroffen. Doch auch die Entwicklungen in Deutschland rund um das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) haben gezeigt, dass die Politik sich zunehmend einen totalitären Habitus aneignet. Unter dem ominösen Begriff von „Hatespeech“ versucht sie, alle Meinungen zu zensieren, die sich nicht mehr im linken Meinungskorridor bewegen.

Die Tagesstimme: Ihr wart unlängst beim polnischen Unabhängigkeitsmarsch vor Ort, und habt damit die Möglichkeit gewonnen, exklusive Eindrücke zu sammeln. Wie habt ihr die Veranstaltung erlebt und wie beurteilt ihr die kritische Berichterstattung zahlreicher etablierter Medien?

Daniel Fiß: Der Marsch war für unser Okzident-Media-Team ein wirklich erhebendes Ereignis. Robert und meine Person sind ja nicht nur Journalisten, sondern auch politische Aktivisten. Die deutschen Medien haben tatsächlich mal wieder in einer völligen Parallelwelt gelebt. Man muss einigen Korrespondenten immerhin zugutehalten, dass sie wenigstens vor Ort waren. Sie bekommen es jedoch nicht hin, auch die politisch-korrekte Brille aus Deutschland abzunehmen und einen Perspektivwechsel vorzunehmen.

Ein Artikel im Tagesspiegel hat sich jedoch mit besonderer Lächerlichkeit hervorgetan. Dort sprach man davon, dass die Stimmung durch das Abbrennen von Rauchfackeln getrübt wurde. Dass die Pyrotechnik dort seit Jahren zur allgemeinen Atmosphäre gehört und fast jeder zweite dort Pyrotechnik besitzt und sich auch sonst keiner beschwert, zeigt wirklich das generelle Unverständnis des Tagesspiegels. Ansonsten hat die Reise nach Warschau jedoch auch verdeutlicht, dass Patriotismus und Heimatliebe hier auf einer ganz anderen Ebene stattfinden.

Während wir es in Deutschland zunächst als politischen Kampfbegriff verwenden, der auch hauptsächlich in der politischen Sphäre zum Ausdruck kommt, ist es in Polen vielmehr ein allgemeines gesellschaftliches Lebensgefühl, welches sich gar nicht mit irgendwelchen politischen Debatten verknüpft. Hier gilt Patriotismus als selbstverständlich, etabliert und normalisiert. Unsere Eindrücke werden wir jedoch auch in einer Reportage verarbeiten, die in den nächsten ein bis zwei Wochen auf unseren Kanälen erscheinen wird.

Die Tagesstimme: Die zentralen Akteure sind bislang hauptsächlich Mitglieder der „Identitären Bewegung“. Versteht ihr euch als ausgewiesen identitäres Projekt – oder kann bei euch jeder Patriot mitmachen, der das nötige Interesse und die Fähigkeiten mitbringt?

Daniel Fiß: Das Projekt steht grundsätzlich Patrioten offen. Wir verstehen uns im Übrigen auch nicht als Nachrichtenseite, die irgendeinen Objektivitätsanspruch haben müsste. Klar sind wir Patrioten und das tragen wir auch nach außen. Unsere Formate sind nicht auf reine Neutralität ausgelegt. Wir glauben im Übrigen auch nicht, dass es diese Neutralität in den Mainstreammedien gibt.

Der Skandal liegt jedoch darin, dass sie sich heuchlerisch hinter dieser vermeintlichen Neutralität verstecken. Wir versuchen jedoch eher, eine Art patriotisches und gegenkulturelles Informationsangebot zu schaffen. Und angesichts der zahlreichen Angebote, die es auf der linken Seite gibt, ist der Neutralität auch Genüge getan, wenn sich von rechts hier auch einige informative Gegenstimmen etablieren.

Die Tagesstimme: Vielen Dank für das Interview!
Weiterlesen

Journalismus für Patrioten

Die Tagesstimme ist Journalismus für Patrioten! Wir sind unabhängig und benötigen deshalb jeden Euro, um die Menschen schonungslos aufzuklären.

Verein für unabhängige Medien- und Informationsarbeit
IBAN: AT06 6000 0803 1023 8922
BIC: BAWAATWW

Paypal: [email protected]

Oder >> hier Förderer werden! <<

Werbung

Schwerpunkt

Kulturvor 1 Woche

München: Schriftsteller Hans Bergel hält Lesung bei Burschenschaft

Am 22. Mai 2019 veranstaltet die Burschenschaft Danubia München eine Lesung mit dem Siebenbürger Schriftsteller Hans Bergel. In seinen Werken...

Gesellschaftvor 2 Monaten

Liederbuchaffäre: Auflösungsverfahren gegen Germania eingestellt

Etwas mehr als ein Jahr nach dem Aufkommen der Vorwürfe gegen die pennale Burschenschaft Germania zu Wiener Neustadt endete auch...

Kulturvor 3 Monaten

Tradition seit 1864: Das Kremser Farbenkränzchen jährt sich zum 155. Mal

Mit dem 155. Kremser Farbenkränzchen endet die diesjährige Ballsaison der österreichischen Studentenverbindungen. Krems. – Jedes Jahr veranstalten die Kremser Studentenverbindungen...

In eigener Sachevor 3 Monaten

Studie zu Liederbuch-Affäre: Vorwürfe waren falsch

Am Freitag präsentierte der Arbeitskreis Nautilus eine erste kritische Aufarbeitung der sogenannten “Liederbuch-Affäre” rund um FPÖ-Politiker Udo Landbauer und die...

Gesellschaftvor 4 Monaten

“Ostmark”: Burschenschaft kontert Darstellung als angeblicher NS-Begriff

Seit dem Wochenende braut sich eine Kontroverse rund um einen von einer Burschenschaft kürzlich verwendeten Begriff zusammen, welche Kommentatoren als...

Gesellschaftvor 4 Monaten

“Europa am Abgrund”: Bestseller-Autor Markus Krall spricht in Ried

Die Rieder Mittelschulverbindung “Germania” organisiert einen Vortrag mit dem Finanzexperten Markus Krall. Ried/Innkreis. Am morgigen Freitag veranstaltet die Rieder Mittelschulverbindung...

Beliebt