Gesellschaft

Berlin: Kontroverse um Greenpeace‐Farbaktion in vielbefahrenem Kreisverkehr

am großen Stern in Berlin laufen mehrere wichtige Hauptverkehrsadern der Bundeshauptstadt zusammen. Hier verschütteten Greenpeace-Aktivisten am Dienstagmorgen 3000 Liter gelbe Farbe. Symbolbild: Constantin Schäfer via Wikimedia Commons [CC BY-SA 3.0]

Für reichlichen Diskussionsstoff sorgt derzeit eine Protestaktion der Umweltschutz‐NGO Greenpeace in Berlin. Sie wollten damit für einen sofortigen Kohleausstieg werben.

Die Aktion fand am Großen Stern, dem geschichtsträchtigen Zentralplatz des Großen Tiergartens in Berlin‐Mitte statt. Dabei verschütteten etwa 15 Aktivisten im Berufsverkehr am Dienstagmorgen etwa 3000 Liter an gelber Farbe. In der Folge verteilten die zahlreichen Verkehrsteilnehmer die rutschige Substanz unfreiwillig im Straßenplanung. Eine Radfahrerin kam zu Sturz, die Polizei ermittelt wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz.

Farbe „nicht für Kanalisation geeignet”

Schon bald nach der Aktion – welche von oben gesehen eine Sonne darstellen soll und für den Kohleausstieg zugunsten von Solarkraft werben soll – mehrte sich Kritik. Experten bestätigen zwar, dass die verwendete Farbe „Spinellgelb” prinzipiell unbedenklich sei. Gleichzeitig weise deren Sicherheitsblatt unter anderem wegen schwermetallischer Bestandteile aus, dass diese nicht in Erdreich, Kanalisation oder Gewässer gelangen dürfe. Die Organisation widerspricht dieser Darstellung: „Nach dem ersten Regen ist das wieder weg.”

Immer wieder Kontroversen

Immer wieder stoßen die Aktionen der NGO nicht nur auf Befürworter – und offenbar kam es in jüngerer Vergangenheit bereits zur Beeinträchtigung von Infrastruktur, Kulturgut und Umwelt. So beklagte die peruanische Regierung 2014, dass ein Greenpeace‐Stunt die Scharrlinien des UNESCO‐Weltkulturerbe Nazca in Mitleidenschaft gezogen habe. Die Jahrtausende alten Bildnisse gelten als besonders empfindlich, bereits ein falscher Schritt könnte die Denkmäler beschädigen.

Greenpeace kämpft um guten Ruf

Auch Ungemach durch Exekutive und Gesetz sind für die Gruppe kein Neuland. Bei einem Protest gegen Erdöl‐Bohrungen nahe der kanarischen Inseln kam es zu Zusammenstößen mit spanischen Einsatzkräften. Die spektakuläre Erkletterung einer Statue in Wien führte jüngst zu einem milden Strafmaß – wegen „achtenswerten” Beweggründen. Auf der anderen Seite hat sich Greenpeace einen Ruf unbequemer, aber friedlicher Aktivisten erarbeitet. Dieser Ruf könnte durch die Verwerfungen rund um die Aktion in Berlin nun weiter unter Beschuss geraten.

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