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Kultur

19. IfS-Sommerakademie: Die Zukunft Europas und der Nationalstaat

Redaktion

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am

Im September ist es wieder so weit: Dann treffen sich bis zu 130 junge „Neue Rechte” zur 19. Sommerakademie im deutschen Schnellroda. Neben politischer Bildungsarbeit und Diskussion steht dort auch das persönliche Kennenlernen im Vordergrund der Veranstaltung.

Von 7. – 9. September 2018 findet in Schnellroda (Sachsen-Anhalt) die bereits 19. Sommerakademie des Instituts für Staatspolitik (IfS) statt. Das Thema der Veranstaltungsreihe lautet diesmal „Die Zukunft Europas und der Nationalstaat”. Dabei soll neben der derzeitigen Lage Europas auch die Zukunft des Kontinents analysiert werden.

Erste Referenten bestätigt

Welche Rollen nimmt der Nationalstaat in West- und Osteuropa 2018 sein? Welche europapolitischen Initiativen sind mit dem Phänomen Emmanuel Macron verbunden? Wie blickt man auf Deutschland aus anderen Ländern Europas? Welche Chancen bieten sich angesichts der Visegrad-Staaten für eine alternative Politik auch in Deutschland? Diese und andere Fragen werden bei der kommenden Sommerakademie diskutiert.

Als Referenten treten diesmal unter anderem auf: der europapolitische Experte der AfD-Bundestagsfraktion Prof. Dr. Harald Weyel, der Privatdozent Dr. Ulrich Vosgerau, der in diesem Jahr mit seiner Studie Herrschaft des Unrechts eine Analyse zur Asylkrise vorgelegt hat, sowie der Politikwissenschaftler Benedikt Kaiser. Daneben werden noch weitere Referenten aus dem Ausland – aus Serbien, Kroatien, Dänemark und Ungarn – auf der 19. Sommerakademie sprechen.

Werbevideo IfS-Winterakademie 2015

Bildungsarbeit mit jungen Menschen”

Das vom Verleger Götz Kubitschek mitgegründete Institut für Staatspolitik gilt als „Denkfabrik der Neuen Rechten”. Regelmäßig veranstaltet das IfS Vortrags- und Diskussionabende und veröffentlicht diverse Schriften zu (meta-)politischen Themen.

Bei den zweimal jährlich stattfindenden Akademien betreibt man laut eigenen Angaben politische Bildungsarbeit mit jungen Menschen. Über 100 Schüler, Studenten und junge Auszubildende finden dabei ihren Weg zu den Akademien nach Schnellroda – nur wenige Meter vom fast schon berühmt-berüchtigten Rittergut von Götz Kubitschek und Ellen Kositza entfernt.

Die Akademie ist Teilnehmern unter 35 Jahren vorbehalten. Eine Ausnahme bildet aber der letzte Akademie-Tag: Die Vorträge von Weyel und Vosgerau sind für alle offen. Anmelden kann man sich unter der E‑Mail-Adresse anmeldung(at)staatspolitik.de.

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Kultur

Neuer Name: „Neue Ordnung” benennt sich in „Abendland” um

Stefan Juritz

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Die konservative Quartalszeitschrift Neue Ordnung aus Graz trägt ab sofort den Namen Abendland.

Graz. – Zu den Gründen für diesen Schritt äußerte sich Herausgeber Wolfgang Dvorak-Stocker im Editorial der neuen Ausgabe. Er verweist darauf, dass der Begriff „Neue Ordnung” zunehmend als eine „globalistische Überwindung der überlieferten Ordnungssysteme Europas” verstanden werde. In diesem Sinne bedeute „Neue Ordnung” die „Zerstörung der Nationalstaaten und der sie tragenden Werte”. Aber auch Neokonservative um George Bush jr. hätten den Begriff immer wieder verwendet. „Jede Nähe zu diesen Bestrebungen will unsere Zeitschrift tunlichst vermeiden”, betont Dvorak-Stocker.

Dvorak-Stocker: „Es geht uns um Europa”

Aus der Neuen Ordnung wurde deshalb Abendland. An der der inhaltlichen Ausrichtung soll sich jedoch nichts ändern. „Abendland” stehe für den Bezug auf „die ethnische, religiöse und kulturelle Tradition Europas und seiner Völker”, erklärt der Herausgeber. „Unsere Zeitschrift hat sich auch in den letzten Jahrzehnten in zahlreichen Artikeln immer wieder den historischen und geistigen Wurzeln unseres Seins gewidmet – nicht nur jenen Österreichs oder der deutschen Nation, sondern denen ganz Europas.” Genau dies solle der neue Name ausdrücken: „Es geht uns um Europa, um unseren Kontinent, um die Völker und die geistige Kultur dieses Erdteils”, fasst Dvorak-Stocker zusammen.

Der Verleger hatte vor mehr als 20 Jahren die Zeitschrift Neue Ordnung von Ernst Graf Strachwitz und Franz Frank übernommen. Ziel der Zeitschrift war es seit den 1950er-Jahren, die katholische und die nationale Rechte in Österreich zu vereinen. In den letzten Jahren widmete sich die Neue Ordnung verstärkt auch der sozialen Frage und räumte kapitalismuskritischen Stimmen viel Platz ein, wie Dvorak-Stocker im Editorial betont.


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Kultur

Der Geist bewegt die Welt“ – 120 Jahre Antoine de Saint-Exupéry

Gastautor

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Antoine de Saint-Exupéry (1900–1944) ist aufgrund seines Bestsellers „Der kleine Prinz” (1943) weltberühmt. Von dieser Erzählung über ein außerirdisches Wesen, das durch stetes Fragen den wahren Dingen auf den Grund gehen möchte, wurden bis heute 140 Millionen Exemplare in über 100 Sprachen verkauft. Es ist ein Kinderbuch auch für Erwachsene, für Träumer jeden Alters, das der seit Jugendtagen zeichnerisch begabte Autor selbst illustrierte. Aber das Werk von „Saint-Ex“ ist weit umfassender. Und es ist fest verbunden mit der Welt des Fliegens.

Porträt von Benedikt Kaiser

Antoine Jean-Baptiste Marie Roger de Saint-Exupéry, 1900 in Lyon als Spross einer bis ins Kreuzzugszeitalter nachverfolgbaren Familie zur Welt gekommen, saß als Zwölfjähriger das erste Mal in einem Flugzeug, was ihn nach eigenem Bekunden in Ekstase versetzte. Zu jung für den Einsatz im Ersten Weltkrieg, beendete der auf Schlössern aufgewachsene Jugendliche 1917 die Schule und immatrikulierte sich im Fachbereich Architektur. Es folgten Leidenszeiten des jungen Technik- und Wissenschaftsbegeisterten, der von Anstellung zu Anstellung wechselte, ohne seiner Leidenschaft – dem Fliegen – näherkommen zu können. Erst 1926 wurde er in einem Flugunternehmen tätig, ein Jahr später wurde er Postflieger zwischen Frankreich und den Kolonien im Norden Afrikas. 1929 nahm er eine leitende Stelle im südamerikanischen Luftverkehr ein. Neben diesen Tätigkeiten als fliegender Kurier unternahm Saint-Exupéry diverse Rekordversuche.

Saint-Exupéry stürzt ab – und kämpft sich hoch

Seine Abenteuerlust und die Suche nach dem Neuen führten zweimal infolge eines Absturzes dazu, dass er lebensbedrohlich verletzt wurde. Einmal – in der libyschen Wüste – überlebte er dank Nomaden, die seinen Kameraden und ihn fanden. Das andere Mal, beim Flug von der US-amerikanischen Ostküste an die südamerikanischen Ausläufer Feuerlands im Jahre 1938, blieben nachhaltige gesundheitliche Schäden zurück, die ihn bis ans Lebensende marterten. Diese Erfahrungen sog der Tat-Mensch Exupéry auf: Er verarbeitete sie, neben verschiedenen Zeitschriftenbeiträgen, im „Südkurier” (1928), dem „Nachtflug” (1931) sowie in „Wind, Sand und Sterne” (1939).

Saint-Exupéry (rechts) und Generalresident Marcel Peyrouton (links) in Tunis (1935).

Der handelnde, tätige Mensch ist eines der Leitmotive Saint-Exupérys. Der Drang nach Handlung hieß bei ihm ganz konkret: Sehnsucht nach dem Fliegen. Gesundheitlichen wie weltanschaulichen Widrigkeiten zum Trotze in der Luftwaffe des „freien Frankreichs“ unter Charles de Gaulle (während der Süden des Landes unter Marschall Pétain mit den Deutschen kooperierte und der Norden von diesen besetzt gehalten wurde) erhielt Saint-Ex nach einem Aufklärungsflug über Arras das Kriegsverdienstkreuz mit Palme.

Dies veranlasste ihn, 1942 die Erzählung „Flug nach Arras” zu publizieren. In ihr beschrieb er das Leben mit den Kameraden, das souveräne Dienen trotz der möglichen Niederlage, die Idee der bleibenden Résistance gegen die Feinde Frankreichs. Die Treue zum Vaterland verbot Saint-Ex ohnehin jedwede Kollaboration mit den Deutschen, obschon er de Gaulle ebenso instinktiv ablehnte wie er Marschall Pétain auf der anderen Seite der Front als Vaterfigur der Nation verehrte. Gleichwohl verblieb Saint-Exupéry im Lager de Gaulles: Man fühlt sich somit unweigerlich an das englische „Right or wrong – my country!“ auf Französisch erinnert. Dabei war Saint-Exupéry gewiss kein Republikaner. Das Prinzip der Gleichheit – elementarer Bestandteil der französisch-republikanischen Dreieinheit „Liberté, Egalité, Fraternité“ – irritierte ihn: Gleichheit existiere nur in konkreten Gemeinschaften, nie als Abstraktum.

Gleichheit? Nur vor Gott!

Beißende Kritik der Gleichheit und der „Vermassung“ ändern nichts daran, dass Saint-Exupéry von Liebe beseelt war und damit zu freizügig umging – seine zahllosen Liebschaften sprechen Bände. Zuallererst galt diese Liebe aber: Gott. Die fortschreitende Säkularisierung wurde von ihm kritisiert. Eine religiöse Renovatio wäre erforderlich, die Religion müsste „die Menschen ergreifen, sie kann sie sich nicht unterwerfen“. Dafür müsse sich der Mensch jedoch einiger Dinge gewahr werden:

„Jedes Herzklopfen, jedes Leid, jedes Verlangen, jede Schwermut am Abend, jede Mahlzeit, jede Mühe bei der Arbeit, jedes Lächeln, jede Müdigkeit im Laufe des Tages, jedes Erwachen, jedes Wohlbehagen beim Einschlafen – sie alle erhalten ihren Sinn durch den Gott, der durch sie hindurch zu lesen ist.”

Diese tiefe und alle Bereiche des Lebens berührende und strukturierende Gottgläubigkeit schützte Saint-Ex vor Hass auf die Gegner im Weltbürgerkrieg 1939–1945, aber auch vor unkritischer Solidarität mit den Alliierten in Form der Sowjetunion, die er als religiöser Mensch und konservativer Antikommunist ablehnte. Drohende Säuberungsaktionen gegen den möglichen Verlierer durch die anzunehmenden Siegerallianz von de Gaulle bis zu den Kommunisten fürchtete er. Er verlangte daher einen Akt des Vergessens für die folgende Nachkriegszeit in Frankreich. Bekanntermaßen wurde seine Hoffnung nicht gehört.

Kaum zu bezweifeln ist: Weder die Sieger noch die Verlierer des Zweiten Weltkrieges kämpften für das, wofür Saint-Exupéry eintrat. Dies hinderte ihn nicht daran, trotz fortwährender gesundheitlicher Unzulänglichkeiten weiter seinen Kriegsdienst zu leisten. Er startete am 31. Juli 1944 zu seinem letzten Aufklärungsflug im Großraum Grenoble, von dem er nie zurückkehrte. Ob seine Maschine von der deutschen Flak abgeschossen oder Opfer eines Unfalls wurde, ob er gar den Freitod vorzog, ist bis heute nicht final geklärt. Offiziell wird ein Abschuss vermutet. Doch sein letzter Brief vom Tage des Fluges, in dem Abschied anklingt, nährten zumindest Spekulationen über ein freiwilliges Ausscheiden aus dem Leben.

Ein Standbild von Saint-Exupéry bei einer Bootstour von einem See in der Nähe von Montreal, Kanada, Mai 1942 gefilmt.

Achtung vor Andersdenkenden – Saint-Ex statt Ausgrenzung

„Ein Mensch verdient Achtung”, so ein heute längst verworfenes Lebensprinzip Saint-Exupérys, „einerlei welche Ideen er vertritt“. 120 Jahre nach seiner Geburt sind derartige Maximen längst vergessen. Der Meinungskorridor wird enger, Andersdenkende werden durch den linksliberalen Mainstream ausgegrenzt und bekämpft. Das macht eine neue Lektüre von Saint-Ex umso dringlicher.


Über den Autor:
Benedikt Kaiser, Jg. 1987, ist Politikwissenschaftler (M.A.) und Publizist. Er ist Lektor im Verlag Antaios und Redakteur der Zeitschrift Sezession. Dort erschien im 91. Heft (August 2019) ein ausführliches Autorenporträt zu Antoine de Saint-Exupéry. Erstmals beschäftigte er sich mit dem französischen Solitär in Heft IV/2012 der Grazer Quartalszeitschrift Neue Ordnung.


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Interview

Jean Raspail hat sich niemals mit dem Zeitgeist gemein gemacht”

Redaktion

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am

Am letzten Wochenende verstarb der französische Schriftsteller Jean Raspail im Alter von 94 Jahren. Das Werk dieses katholischen Reaktionärs umfasst Dutzende Bücher, die zum Teil auch ins Deutsche übersetzt wurden – am bekanntesten ist sicherlich sein apokalyptischer Roman „Das Heerlager der Heiligen”. Die Tagesstimme sprach mit Konrad Markward Weiß, der Raspails Roman „Die Axt aus der Steppe” ins Deutsche übersetzt und im Wiener Karolinger Verlag veröffentlicht hat. Im Interview erzählt Weiß von seinem Treffen mit dem Schriftsteller und schildert das Besondere am Werk Raspails.

Tagesstimme: Vor einer Woche starb der Schriftsteller Jean Raspail im Alter von 94 Jahren. Sie haben Ihn 2016 in Paris besucht. Wie war Ihr erster persönlicher Eindruck von ihm?

Weiß: Derselbe, wie bei allen weiteren Kontakten, sei es brieflich, telefonisch oder bei meinen alljährlichen Besuchen: Jean Raspail war der Kavalier der alten Schule par excellence: Höflich, charmant, elegant, dabei herzlich und voller Interesse an seinem Gegenüber. Aber eben weit, weit entfernt von jeder distanzlosen Vertraulichkeit. Ein kleine Anekdote macht das deutlich: Selbstverständlich sprach ich Raspail immer mit Monsieur an, während er mich ebenfalls siezte, nach einiger Zeit aber in Verbindung mit meinem Vornamen. Er hatte den Takt, diese auch dem großen Altersunterschied geschuldete Asymmetrie immer wieder zu erwähnen und über Alternativen nachzudenken – aber zum Glück auch das Fingerspitzengefühl, es dann letztlich dabei zu belassen, zu meiner großen Erleichterung.

Tagesstimme: Sie haben im vergangenen Jahr den Roman „Die Axt aus der Steppe“ ins Deutsche übersetzt und im Karolinger Verlag veröffentlicht. In dem Roman reist Raspail „auf verwehten Spuren“, wie es im Buchtitel heißt. Auch hier zeigt sich ein zentrales Motiv in seinem Gesamtwerk: nämlich der Untergang bedrohter Kulturen. Alain de Benoist nannte Raspail einmal einen „Propheten des Untergangs“. Eine aus Ihrer Sicht korrekte Bezeichnung?

Weiß: Von den letzten Ainu, den Ureinwohnern Japans, zu den Uru in den Anden, von den letzten Alakaluf-Seenomaden in der Magellanstraße bis zum langen Todeskampf der Westgoten in Südfrankreich: Jean Raspail ist auf seinen Reisen um die Welt den Fährten der jeweils Letzten ihrer Art gefolgt. Er wollte in ihrem letztem Abendrot noch einen Blick auf diese Kulturen werfen. Es war aber nicht deren Untergang, der ihn interessierte, sondern ihre Andersartigkeit, die sie sich im besten Fall erhalten hatten, über viele Jahrhunderte, als immer kleinere, immer bedrängtere Minderheit. Oder eben umgekehrt der Moment, wo sie sich selbst verloren hatten, der Anfang von ihrem Ende. Raspail ging es nicht um den Untergang, sondern um das Andenken, um das Bewahren eines letzten Flämmchens. „Barde vergangener Völker und Lebensweisen“ trifft es also insgesamt eher.

Der Verleger und Übersetzer Konrad Markward Weiß. Bild: privat

Tagesstimme: Im deutschsprachigen Raum war Raspail vor allem wegen seines 1973 erstmals erschienenen apokalyptischen Romans „Das Heerlager der Heiligen“ bekannt. Gerade durch die große Asylkrise 2015, also Jahrzehnte später, gewann das Buch wieder an Bedeutung und Aktualität. Hatte Raspail ein besonderes Gespür für gesellschaftliche Entwicklungen, oder wie erklären Sie sich die vielen Parallelen zwischen Roman und Wirklichkeit?

Weiß: Um an vorhin anzuschließen: Raspail hatte rund um die Welt so oft erlöschende Kulturen kennengelernt, dass er sehr genau wusste, was stets der Todeskeim gewesen war: Die Preisgabe der eigenen Identität: Von Stammesbewusstsein, Glaube, Traditionen, Ahnenverehrung, Sitten, Tabus – der Verlust der eigenen Lebensweise in jeder Hinsicht. Als er nach dem „nomadischen Teil seiner Existenz“ endgültig nach Frankreich zurückkehrte und viele dieser Symptome auch in seiner Heimat immer deutlicher wurden – es waren die Jahre nach 1968 – konnte er Kraft seiner vielen entsprechenden Erfahrungen „hochrechnen“, wohin auch hier die Reise gehen würde. Dass es ihm, bis zur geradezu beängstigend präzisen Wiedergabe des Neusprechs der „Eliten“ des Jahres 2015, also 40 Jahre im Voraus gelungen ist – da kam dann das Genialische dieses Schriftstellers hinzu.

Tagesstimme: Als Übersetzer kennen Sie Raspails Stil aus dem französischen Original. Wie würden Sie seine Art zu schreiben charakterisieren?

Weiß: Immer wieder: Mit dem klassisch raspailesken Vierklang, der sich durch sein ganzes Werk zieht: Stolz, Ironie, Zärtlichkeit, Melancholie. In diesem Tonfall erzählt Raspail seine Geschichten, darum kreisen seine wiederkehrende Leitmotive und dieser Vierklang charakterisiert auch gewisse archetypische Figuren, denen man bei ihm immer wieder begegnet. Während Literatur heute ja sonst weit überwiegend von Frauen gekauft und gelesen wird, begeistern Raspails Bücher und sein Stil erfahrungsgemäß mehrheitlich Männer; hier kommt wohl „das Kind im Manne“ ins Spiel… Aber in den seltenen Fällen, wo „Stolz, Zärtlichkeit und Melancholie“ Raspails literarisches Spiel an die Grenze eines „too much“ bringen, kommt als Vierte im Bunde rechtzeitig seine Ironie einher.

Tagesstimme: Raspail war Katholik, Traditionalist, Reaktionär und Monarchist – und befand sich damit in totaler Opposition zum heutigen modernen linksliberalen Zeitgeist. Für Karlheinz Weißmann war er einer der letzten Repräsentanten einer fast schon verschwundenen Welt. Ist es vielleicht genau diese Haltung, die Jean Raspail so besonders macht und die auf den Leser so faszinierend wirkt?

Weiß: Stellen wir den Vergleich mit den Mächtigen in heutigen Demokratien westlichen Zuschnitts an, sogar und gerade mit den Regierenden: Da ist ein fast schon verzweifeltes Bemühen, so zu sein, wie alle anderen auch, jeder Zeitgeistvolte atemlos zu folgen, ihr das Traditionelle und das Eigene bereitwillig zu opfern. Jean Raspails Haltung war ziemlich genau das Gegenteil von alldem. Das ist vielleicht eine Erklärung. Raspail hat sich während seines gesamten langen Lebens niemals mit dem Zeitgeist gemein gemacht und immer seine Haltung bewahrt; er hat dafür nicht Verständnis erheischt, sich nicht entschuldigt, nichts relativiert, sich nicht distanziert. Für ihn daraus resultierende Nachteile waren ihm einigermaßen gleichgültig. Ein Aphorismus unseres Autors Michael Klonovsky charakterisiert treffend auch Jean Raspail. Er war „ein Reaktionär, das heißt: Ein Konservativer, der keinen Wert mehr darauf legt, von irgendjemandem eingeladen zu werden.“

Tagesstimme: Vielen Dank für das Gespräch!

Über die Person:

Konrad Markward Weiß, Jahrgang 1977, lebt und arbeitet in Wien als Verleger, Übersetzer und Publizist sowie im Bereich der Unternehmenskommunikation. Er ist patagonischer Vizekonsul zu Wien.

Karolinger Verlag: https://www.karolinger.at


Weiterlesen:

„Es lebe der König – Erinnerungen an Jean Raspail (1925 – 2020)” (von Konrad Markward Weiß)

„Jean Raspail im Alter von 94 Jahren verstorben”


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