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Meinung

Dokumentation: Vertraust du deinem Computer?

Redaktion

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Symbolbild "Künstliche Intelligenz"(CC0)

Die wohl größte Herausforderung im 21. Jahrhundert ist der Umgang des Menschen mit technischem Fortschritt und der damit einhergehend künstlichen Intelligenz. Schon jetzt sind unsere Lebenswelten von dem Gebrauch technischer Geräte nicht mehr zu trennen. Die Dokumentation Do You Trust This Computer gewährt Einblicke in die Zukunft der Künstlichen Intelligenz – sie ist bereits Teil unseres Lebens.

Beitrag von Tano Gerke

In der jüngsten Dokumentation von Chris Paine steht die ethische Frage und die Zukunft der künstlichen Intelligenz (artificial intelligence) im Mittelpunkt. Mit dabei sind die große Futuristen wie beispielsweise Elon Musk (Space‑X/Tesla) oder Ray Kurzweil (Google).

Kann die Technik den Menschen ersetzbar machen?

Intelligente Gesichtserkennung, selbstfahrende Autos oder eigenständig fliegende Drohnen sind keine Zukunftsvisionen mehr. Die Existenz dieser Technologien deuten darauf hin, dass der Mensch womöglich in naher Zukunft endgültig von einer Technologie überholt wird, die er mit menschlichen Mitteln weder bändigen noch kontrollieren kann. So ist das große Problem, das die Dokumentation aufzeigt, dass künstliche Intelligenz aus sich heraus kein Ziel und keine Bestimmung kennt, das heißt, aus sich heraus keine ethische Verpflichtung hat. Potentiell kann diese Technik also grundsätzlich für alles genutzt und instrumentalisiert werden.

Die viel grundlegendere Frage wird in der Doku jedoch nicht gestellt: Wie schafft es der Mensch, sich in dem Prozess der Technisierung nicht ersetzbar zu machen? An diese Frage werden wir in Zukunft anknüpfen.


Der Beitrag ist ursprünglich auf dem Kultur- und Theorieblog www.anbruch.info erschienen.

Hier können Sie die Dokumentation sehen:

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Interview

Gunacker (DO5): „Wir wollen die schweigende Mehrheit in Österreich vernetzen”

Redaktion

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von

ASDF Der Leiter der Bürgerbewegung "Die Österreicher", Jakob Gunacker, bei einer Veranstaltung in Graz. Bild: privat

Die Bürgerbewegung „Die Österreicher” (DO5) will in diesem Jahr „die größte patriotische Kundgebung der Zweiten Republik” veranstalten. Die Tagesstimme traf D05-Bundesleiter Jakob Gunacker, um über die neue Bewegung, ihre Ziele und Forderungen sowie das Verhältnis zu den Identitären und der FPÖ zu sprechen.

Die Tagesstimme: Sie sind Leiter der noch jungen Bewegung „Die Österreicher”. Was steckt hinter dieser neuen Gruppierung und welche Ziele verfolgt sie?

Gunacker: Wir sind eine patriotische Sammlungsbewegung, die parteiunabhängig ist. Das Ziel ist, dass wir alle Patrioten vernetzen, weil es in der letzten Zeit einfach so war, dass es in Österreich keine patriotische Bürgerbewegung gegeben hat. Also im Vergleich zu Deutschland, wo es zum Beispiel PEGIDA gibt, haben wir in Österreich nichts Vergleichbares. Und das sehen wir als sehr problematisch an, weil wir die metapolitische Lage grundsätzlich natürlich als sehr wichtig erachten. Der vorpolitische Raum ist die Grundlage für jede politische Wende und wenn wir wirklich eine patriotische Wende erreichen wollen, dann braucht es auch ein metapolitisches Vorfeld, das parteiunabhängig ist, also zum Beispiel eine Bürgerbewegung, so wie wir das machen wollen, die die Leute zusammenbringt und vernetzt.

Wir veranstalten dazu etwa Bürgertreffpunkte. Es gibt nämlich tausende Menschen, die patriotische Videos schauen, die aber nicht vernetzt sind, sich nicht kennen und nichts voneinander wissen, obwohl sie vielleicht sogar Nachbarn sind.

Die Tagesstimme: Und welches konkrete Ziel verfolgen „Die Österreicher” damit?

Gunacker: Zuallererst werden wir im Spätsommer eine Demonstration organisieren, wo etwa 5.000 Leute kommen sollen. Das Ziel ist es, die schweigende Mehrheit in Österreich zu vernetzen, zu aktivieren, auf die Straße zu bringen und damit ein Zeichen zu setzen. Wir wollen die größte patriotische Kundgebung der Zweiten Republik veranstalten.

Die Tagesstimme: Das klingt nach einem sehr ambitionierten Ziel. Wie wollen Sie das erreichen?

Gunacker: Wir wollen die bereits überzeugten Patrioten durch Grund- und Basisaktivismus mobilisieren – etwa durch die vielen Bürgertreffpunkte in ganz Österreich. Diese Patrioten sollen regelmäßig Infostände organisieren, Flyer verteilen und Aktionen machen. Und so wollen wir auch die vielen FPÖ-Wähler in unser Boot holen und sie davon überzeugen, dass auch abseits der Wahlen noch mehr passieren muss.

Die Tagesstimme: Wie viele aktive Unterstützer hat die Bewegung denn bereits?

Gunacker: Interessenten gibt es derzeit um die 1.500 Leute und momentan unterstützen uns ca. 30 Personen finanziell.

Die Tagesstimme: Auf der Homepage findet sich ein Fünf-Punkte-Plan, in dem eine Leitkultur für Österreich gefordert wird. Was macht diese spezifisch österreichische Leitkultur für Sie aus und was müsste hier die Politik konkret umsetzen, um die Leitkultur zu fördern und zu stärken?

Gunacker: Eine Leitkultur ist notwendig, weil wir wollen, dass in Österreich, die österreichische Kultur auch in den nächsten 100 Jahren vorhanden ist und um sicherzustellen, dass Menschen, die sich hier nicht assimilieren oder anpassen wollen, einen gewissen Druck zu spüren bekommen. Dieser Druck ist notwendig, um eine natürliche Remigrationsrate zu erreichen. Wenn wir beispielsweise vom Kopftuchverbot reden: Dann gibt es einige, die danach freiwillig auswandern, weil es sie stört.

Was diese Leitkultur genau ausmacht, könnte man weit ausführen, ich möchte es aber auf ein paar prägnante Punkte reduzieren. Und zwar geht es darum, dass wir unsere Werte in den politischen Diskurs so einbringen, dass zum Beispiel der politische Islam Schwierigkeiten hat, sich hier auszubreiten. Kopftuchverbot in der Öffentlichkeit, für Lehrer, für Beamte…

Die Tagesstimme: Das ist jetzt eher eine negative Definition von Leitkultur. Wie würden Sie es positiv definieren?

Gunacker: Natürlich gibt es eine österreichische Kultur und sie ist etwas Positives. Es geht darum: Wir sind eine Bürgerbewegung, die gegen den Bevölkerungsaustausch auftritt. Das heißt, wir möchten, dass die Österreicher langfristig nicht zur Minderheit im eigenen Land werden. Und das erreichen wir eben dadurch, dass wir unsere Leitkultur in gewissen Bereichen durchsetzen. Und das ist nichts Negatives. Wir fordern ein Kopftuchverbot, weil wir eben nicht wollen, dass Frauen auf unseren Straßen verhüllt herumlaufen, da dann immer auch die Gefahr besteht, dass diejenigen, die nicht verhüllt sind, vor allem in Bezirken, wo Muslime die Mehrheit stellen, anders behandelt oder gar unterdrückt werden.

Für uns ist es etwas Positives, dass wir zu unseren Werten stehen. Die wollen wir auch vermitteln und dass sich in der Politik ganz klar abzeichnet, was unsere Werte sind und welche es nicht sind. Und diejenigen, die diese Werte nicht teilen, entweder einen Druck verspüren, sich anzupassen oder dass sie eben das Land verlassen müssen. Österreich ist eben Österreich und soll es auch bleiben.

Die Tagesstimme: Also ist es für Sie nicht legitim, wenn Migranten in Österreich ihre eigene Kultur erhalten und behaupten wollen?

Gunacker: Doch. Es gibt Minderheitenrechte, das hat es immer schon gegeben und es ist auch in unserer Verfassung verankert. Aber unsere Verfassung unterscheidet auch zwischen autochthonen Minderheiten und nicht-autochthonen wie zum Beispiel dem Islam, der sich hier ausbreitet und der in gewissen Altersbereichen bereits Mehrheiten darstellt. Der Große Austausch hat in vielen Bezirken in Wien bereits stattgefunden. Im 5. Bezirk haben wir nur noch 12 Prozent der Kinder, die Deutsch als Umgangssprache sprechen. Diese Entwicklungen muss man klar benennen.

Also natürlich können Migranten ihre Kultur behalten, aber wenn eine Gruppe etwa durch sehr hohe Geburtenraten langfristig zur Mehrheit wird, muss man dagegensteuern. Das hat dann nichts mehr mit Minderheitenrechten zu tun, sondern es geht darum, dass die Mehrheitsgesellschaft aufrechterhalten bleibt. Das ist dann ein Schutz der Mehrheitsgesellschaft, der genauso legitim ist und im Art. 8 Abs. 2 des Bundesverfassungsgesetzes niedergeschrieben wurde. [„Die Republik (Bund, Länder und Gemeinden) bekennt sich zu ihrer gewachsenen sprachlichen und kulturellen Vielfalt, die in den autochthonen Volksgruppen zum Ausdruck kommt. Sprache und Kultur, Bestand und Erhaltung dieser Volksgruppen sind zu achten, zu sichern und zu fördern.”, Anm. der Redaktion]

Die Tagesstimme: Auf der Homepage ist neben Ihnen auch der Leiter der Identitären Bewegung Österreich, Martin Sellner, angeführt. Handelt es sich bei den Österreichern, wie etwa „Der Standard” schrieb, um einen Ableger der Identitären?

Gunacker: „Die Österreicher” sind eine eigenständige Gruppe, aber es gibt personelle Überschneidungen. Wir distanzieren uns auch nicht von den Identitären oder ihren Aktivisten. Sie sind bei den „Österreichern” herzlich willkommen. Wir sind allgemein offen für alle Patrioten beziehungsweise alle Menschen in Österreich. Der einzige gemeinsame Nenner, der vorhanden sein muss, ist, dass sie dem Fünf-Punkte-Plan gegen den Bevölkerungsaustausch zustimmen. Das heißt, wir sind auch offen für Migranten, für alle Altersgruppen etc., also für jeden, der mit uns in diesen fünf Punkten übereinstimmt.

Die Tagesstimme: Sie haben „Die Österreicher” anfangs als parteiunabhängig bezeichnet. Aber gibt es Kontakte zur FPÖ, die aktuell die einzige patriotische Partei im Parlament ist?

Gunacker: Nein, Kontakte gibt es keine und wir suchen sie auch nicht. Wir wollen gar keine Kontakte zur FPÖ oder zu anderen Parteien haben. Wir bleiben eine eigenständige und unabhängige Bürgerbewegung und es ist uns egal, welche Partei unsere Ziele umsetzt. Wir wollen auf gewisse Missstände aufmerksam machen, wir wollen den Bevölkerungsaustausch in den demokratischen Diskurs einbringen, damit die Parteien darüber debattieren.

Außerdem finanzieren wir uns ausschließlich über Spenden, die einfache Bürger uns zukommen lassen. Eigenständig und unabhängig.

Die Tagesstimme: Sie selbst sind als Person bisher ein politisch unbeschriebenes Blatt. Woher kam plötzlich der Impuls, Leiter einer Bewegung zu werden? Und waren Sie früher schon politisch aktiv beziehungsweise wie beschreiben Sie Ihren bisherigen politischen Werdegang?

Gunacker: Ich war zuvor identitärer Aktivist, davor aber überhaupt nicht politisch aktiv gewesen. Also eigentlich war ich früher sogar links, habe mich dann aber mehr politisch informiert und bin irgendwann zur Erkenntnis gekommen, dass im demographischen Bereich in Österreich einiges schief läuft. Ich habe gemerkt, dass die Österreicher langfristig zur Minderheit im eigenen Land werden. Es ist wichtig, dass man darüber spricht und ich finde es wirklich erschreckend, dass bis heute keine echte Debatte darüber stattfindet und dieses Thema pauschal als „Nazi” abgestempelt wird. Das sehe ich für unsere Demokratie und unseren Rechtsstaat als sehr problematisch an. Deshalb bin ich politisch aktiv geworden.

Die Tagesstimme: Sie scheinen im Internet auch als „zertifizierter Coach“ des „instinktbasierenden medizinischen Systems“ (IBMS) auf. Kritiker sprechen hier von einer Esoterik-Sekte. Das Mastermind dahinter ist ein gewisser Leonard Coldwell, der auch mit der Reichsbürger-Szene sympathisieren und Verschwörungstheorien verbreiten soll. Was hat es damit auf sich und wie stehen Sie dazu?

Gunacker: Also grundsätzlich habe ich mich sehr viel im alternativmedizinischen Bereich fortgebildet, unabhängig von Dr. Leonard Coldwell, unabhängig von IBMS. Ich habe sehr viel über Ernährung und Gesundheit gelernt, habe auch einige Schulungen gemacht in diesem Bereich.

Abgesehen davon bin ich dann irgendwann auf das Thema Krebs gestoßen und fand die Ansätze, die Coldwell vertritt, medizinisch gesehen teilweise sehr interessant, habe aber seine politischen Kommentare oder Ähnliches nie richtig verfolgt. Ich bin der Meinung, dass jeder das Recht haben sollte eigene Ansichten zu vertreten. Nur weil ich Coldwells medizinische Ansätze interessant finde, bedeutet das nicht, dass ich in jedem Punkt seiner Meinung bin. Es ist einfach so, dass Coldwell aus den USA kommt und dort bedeuten Meinungsfreiheit & Libertarismus etwas anderes als hier. In Amerika ist das einfach libertär, was er sagt, in Deutschland und Österreich wird es der Reichsbürger-Szene zugeschrieben.

Wie gesagt, stimme ich nicht mit allem überein, was Coldwell sagt, ich finde aber seinen kritischen Zugang zur Schulmedizin interessant und da hat er meiner Meinung nach in vielen Punkten auch recht und ist ein wichtiges Sprachrohr. Das ist auch der Grund, warum ich zu Treffen gegangen bin – weil ich mich mit alternativmedizinischen Ärzten und anderen Leuten, die in diesem Bereich aktiv sind, vernetzen wollte. Ich habe es bei Menschen immer so gehandhabt, dass ich mir die Dinge herausgenommen habe, die mich interessieren, und den Rest, der mich nicht interessiert oder den ich ablehne, einfach links liegen gelassen habe.

Die Tagesstimme: Der mediale Fokus auf IBMS ist Ihrer Meinung also eine Verkürzung Ihrer Beschäftigung mit dem Thema und auch politisch nicht relevant?

Gunacker: Nein, politisch habe ich dieses Thema nie gesehen. Es war eine Vernetzungsmöglichkeit, um mit alternativmedizinischen Ärzten und Heilpraktikern in Kontakt zu kommen und mich mit ihnen auszutauschen und mich weiterzubilden. Als politische Plattform werden wir das nicht benutzen und es sind auch keine Kontakte vorhanden.

Die Tagesstimme: Sind Sie in dieser alternativmedizinischen Szene noch aktiv?

Gunacker: Nein, ich habe, als ich mich entschieden habe, politisch aktiv zu werden, meine Prioritäten neu gesetzt und mich davon gelöst. Ich habe Ausbildungen gemacht, hauptsächlich für mich selbst, um dieses Thema auch zu verstehen. Mit der Coach-Ausbildung wollte ich mich persönlich weiterentwickeln. Außerdem bin ich kein Mitglied mehr bei IBMS und habe mit den Leuten nichts zu tun. Ich wollte dort eben, wie erwähnt, Kontakte im alternativmedizinischen Bereich knüpfen. Dass Coldwell hier seine politischen Ansichten hereinbrachte, hat mich nie wirklich interessiert.

Die Tagesstimme: Vielen Dank für das Interview!

Jakob Gunacker ist ein 24-jähriger Wirtschaftsingenieur und Betriebsinformatiker aus Wien. Er leitet die patriotische Bürgerbewegung „Die Österreicher”

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Deutschland

Das Nachspiel von Thüringen: Eine linke Machtdemonstration

Marvin Timotheus Neumann

Veröffentlicht

am

ASDF Bodo Ramelow. Bild: Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons [Bild zugeschnitten]

Das Beben von Thüringen schlägt noch immer Wellen und ein wirkliches Abklingen der Turbulenzen ist noch nicht in Sicht. Zuletzt griff Angela Merkels Partei zu Mitteln, die ideologischer Säuberungen gleichen und die Gemüter weiter spalten werden. Doch was sich dieser Tage eigentlich vor aller Augen demonstriert, ist das Funktionieren von realer Macht, bei der auch die Bundeskanzlerin nur eine Akteurin ist.

Kommentar von Marvin Timotheus Neumann

Was ist also eigentlich genau geschehen? Die Abläufe überschlagen sich, dominieren seit Tagen die Presse und sind auch zu Genüge in ihrer Funktionsweise ausgeführt und analysiert worden. Doch nebst der Empörung über eine CDU und FDP, die in ihrer aufgezwungenen AfD-Phobie bereit sind, einem SED-Ministerpräsidenten zuzustimmen, und einer Bundeskanzlerin, die den demokratischen Föderalismus der Bundesrepublik praktisch per Anruf zunichte gemacht hat, sollte klar gemacht werden, was diesen politischen Sündenfall überhaupt erzwungen hat – nämlich die Mobilisierung des gesamten linken Lagers.

Linke Macht

Die von Steuergeldern getragenen Anti-Rechts-Netzwerke schickten ihren Gesinnungsmob auf die Straße, die linksliberalen Haltungsjournalisten setzten dies als bedeutsame Bürgerproteste in Szene und erhöhten damit den Druck auf die FDP und CDU. Dadurch noch stärker motiviert, vandalisierten linksextremistische Autonome Parteieinrichtungen und bedrohten die Familie des neuen Ministerpräsidenten Kemmerich. Etablierte Politiker links der Mitte kramten obendrein 90 Jahre alte Schwarzweiß-Fotos aus der Mottenkiste und warfen mit Holocaust- und NS-Machtergreifungsanalogien um sich. Was für den nicht von linksliberalen Ideologemen vernebelten Bürger als reine Farce und Beleg einer hysterischen linkslastigen Öffentlichkeit wirkte, funktionierte letztendlich als gewaltige – und vor allem erfolgreiche Machtdemonstration.

Wer die Konzepte und Theorien der kulturellen Hegemonie oder der Metapolitik kennt, der hat sich in den letzten 96 Stunden an einem Paradebeispiel ihrer Praxisumsetzung ergötzen können. Obgleich Bodo Ramelow nicht gänzlich unbeliebt in Thüringen ist und die FDP selbst keine Mehrheit hinter sich sah, war das Ergebnis von Kemmerichs Wahl parlamentarisch legitim. Doch von den Parlamenten fließt eben nur ein Teil der Macht. Es sind die vielen Vereine, NGOs, Institutionen und natürlich Pressehäuser, die tatsächlich den Ton im Land angeben.

Wenn aus all diesen Reihen das Bild eines faschistischen Putsches gegen die liberale Demokratie erzeugt wird, dann strahlt dies selbst in Räume, die sich linken Weltbildern anderweitig nicht bedienen. Dann ist Björn Höcke ein zweiter Adolf Hitler, dann gibt es eine Verschwörung der Mitte – in diesem Fall CDU und FDP – mit den neuen Nazis, und dann riecht es schon förmlich nach KZ. Wer dieser Darstellung widerspricht, wird einfach dazu gereiht, und eine in erster Linie auf Machterhalt zielende CDU muss dieses Narrativ annehmen und sich selbst stärker nach links bewegen – und dafür die eigenen Reihen säubern.

Vom Gegner lernen

Das größte Versäumnis eines patriotisch-konservativen Lagers, ist seither das dogmatische Ablehnen des Gegners Strategien und Theorien – nicht erst seit der Postmoderne, aber insbesondere im Zuge des Aufblühens ihres linken Avatars, der 68er-Bewegung. Die Gründe dafür sind zahlreich. Man möchte mit Anstand und Ehre, mit ehrlichen Mitteln den politischen Kampf gewinnen. Zugleich ist die klassisch-bürgerliche DNS – also ein Beharren
auf Sachlichkeit, auf Vernunft und Debattenkultur, auf das sanfte Ausdiskutieren von großen Fragen – ein Überbleibsel längst untergegangener Zivilisationsnormen, die von der WerteUnion bis zu AfD getragen wird. Während man in klassisch bourgeoiser Manier, über alles rumzulabern und nach gängigen Regeln der Gesetzbücher zu behandeln glaubt, fährt der politische Feind sein gewaltiges Waffenarsenal auf und überrumpelt die FDP, die CDU und bisher noch in vielen Fällen die AfD – und hebelt einen demokratisch legitimen Prozess aus den Angeln. Als Reaktion bietet man lediglich empörte Tweets, über die sich der Gegner dann auch noch lustig machen kann. Denn es ist ein Ausdruck von Schwäche und fehlenden Durchblicks.

Die Vorstellung, nur mit parlamentarischen Beschlüssen oder sachlichen Debatten, die Öffentlichkeit, die Gesellschaft und letztendlich die Macht gestalten zu können, ist so antiquarisch wie einige ihrer Vertreter. Mit einem Parlamentspatriotismus (Martin Sellner) ist nur etwas zu erreichen, wenn er in einem Wechselspiel mit vorpolitischen Instanzen und kulturrelevanten Gruppen und Medien einer Gegenöffentlichkeit auftritt. Durch einen daraus resultierenden Mechanismus wird ein politisches Thema von regionaler Größe dann zu einem gesamtkulturellen Ereignis. Ohne die Beeinflussung der öffentlichen Meinung durch mediale Kampagnen oder Massenbewegungen fällt eine Partei und wie im Falle der
FPÖ sogar eine gesamte patriotische Regierung. Die Macht konzentriert sich nicht nur im Parlamentssaal, sondern in Redaktionsstuben und auf Konzertbühnen gleichermaßen. Etwas weniger Krawatte und ein wenig mehr Mikrofon, würde auch der AfD endlich mal guttun;
das Greifen nach Einfluss und Macht ist vielleicht ein teilweise schmutziges Spiel, aber die Verweigerung der Teilnahme, garantiert bereits die Niederlage.

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Interview

Sacha Korn: „In Deutschland ist Musik mittlerweile sehr angepasst”

Redaktion

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ASDF Der deutsche Musiker Sacha Korn. ©EP Musik

Im Tagesstimme-Interview spricht der patriotische Künstler Sacha Korn über seine Leidenschaft für die Musik und vergleicht die Musikszenen Deutschlands, Osteuropas und den USA. Dabei kritisiert er besonders die politische Angepasstheit in der deutschen Musikbranche. Außerdem erzählt Sacha Korn über die Zusammenarbeit mit dem patriotischen Bürgernetzwerk Ein Prozent.

Die Tagesstimme: Herr Korn, Sie sind schon einige Zeit als Musiker tätig. Für die Leser, die Sie noch nicht kennen: Wie würden Sie Ihre Musik beschreiben?

Korn: Hallo, guten Abend! Ich weiß, es gibt tausend Schubladen für die richtige Einordnung. Aber prinzipiell würde ich sagen: Rockmusik. Teilweise mit poppigen Einflüssen, was die Melodieführung angeht und teilweise mit starken Einflüssen aus dem Hardrock/Metal.

Die Tagesstimme: Woher kommt überhaupt Ihre Leidenschaft für die Musik?

Korn: Mein Opa war Musiker. Er hat damals im Film live Musik gespielt. Bei „Unter den Brücken“, der bei uns am Wannsee spielt, wurde er während der Dreharbeiten verhaftet. Jedes Jahr wird der Film im Fernsehen wiederholt und ich schaue ihn mir heute noch an. Er hat aber auch so sehr viel live gespielt, auch im Rundfunk. Das findet man als Kind cool, ich habe sehr viel Zeit mit ihm verbracht. Er spielte fünf Instrumente – alle unglaublich sicher und gut.

Mein Vater war ebenfalls Musiker und später als Tontechniker unterwegs. So kam ich als Jugendlicher mit der DDR-Musikszene zusammen: Pankow, City, Puhdys etc.

Mein Schlagzeuger, mit dem ich seit 15 Jahren spiele, trommelte damals bei der DDR-Kultband Babylon, zu deren Konzerte ich als 14-Jähriger ging. Übrigens steuerten Babylon zum DDR-Kultfilm „Coming Out“ das Lied „Dynamit“ bei. Damals interessierte mich aber eigentlich nur westliche Musik: Metallica, AC/DC usw. Leider konnte man die aber fast nie live sehen.

Die Tagesstimme: Sie haben in Deutschland und in den USA (an der renommierten „Los Angeles Music Academy”) studiert und waren dann lange in Osteuropa. Haben diese verschiedenen Stationen Sie auch musikalisch geprägt?

Korn: Absolut! Das mag komisch klingen, aber ich habe speziell durch meinen Aufenthalt in Osteuropa sehr viel über Stimmungen und Farben in der Musik gelernt, die allerdings nicht über einen musiktheoretischen Ansatz kommt, sondern vom melancholisch geprägten Lebensumfeld. In den USA habe ich die musikalischen Grundlagen durch eine Jazzausbildung lernen dürfen, was extrem dabei hilft, Farbe in ein Lied zu bringen. Wie ich finde, von den Besten der Besten.

Ich bin für beide Erfahrungen sehr dankbar. Am Anfang war es schwierig, die Hochschule vom „Leben auf der Straße“ und den Clubs zu trennen und einfach „das Leben“ auf sich wirken zu lassen. Irgendwann konnte ich aber beides sehr gut miteinander verbinden. Für meine Musik und die Art, mit bestimmten Harmonien Stimmungen zu erzeugen, ist es ein sehr wichtiger Prozess gewesen.

Die Tagesstimme: Können Sie das unseren Lesern genauer erklären?

Korn: Ich versuche meine Lieder mit vielen Harmonie-Optionen zu schreiben, die über eine einfache Bestimmung des Tongeschlechts hinausgehen. Also im Prinzip so, wie man es im Jazz finden kann. Das ist sicherlich ungewöhnlich in der Pop-Rockmusik heutzutage. Wenn man sich aber das Songwriting der 80er anhört, etwa Hall & Oats etc., findet man es überall. In meinen Augen ist das Handwerk. Denn genau diese Optionen, also genauer gesagt, Alterationen, heben sich vom Einheitsbrei ab, erzeugen Spannung oder geben eben ganz eigene Klangbilder. Ich denke, das kann man bei meinen Lieder erkennen, wenn man hinhört. Das Lied „Mein Land“ sind prinzipiell nur Jazzakkorde, es hat aber trotzdem eine sehr klare Melodieführung. Wir haben auf der neuen Platte eine ganz neue Version eingespielt. Mir gefällt das sehr gut.

Es kann ja trotzdem rockig, poppig oder metallastig gespielt werden. Für mich entsteht dadurch eine klarere Melodieführung, die wichtig ist, um die textliche Stimmung zu transportieren.

Die Tagesstimme: Und wie würden Sie die Musikbranchen in den USA, Deutschland und in Osteuropa vergleichen?

Korn: In den USA geht man sehr unvoreingenommen an die Dinge heran, so auch in der Musik. Es wird aber sehr schnell, extrem theoretisch und praxisbezogen zugleich. Für mich gibt es prinzipiell zwei Herangehensweisen: Die eine kommt aus der klassischen Musik, also Bach, Beethoven, Mendelssohn Bartholdy etc. Die andere Annäherung geht über den Jazz. Wobei ich finde, dass ich in Bach und Beethoven auch sehr viel Jazz hören kann. Wobei mir beim Jazz das Improvisieren einfach besser gefällt. Da kommt das Können unglaublich zur Geltung. Das kann man sich so vorstellen wie einen Kampfsportler, der viel Sparring und Wettkämpfe macht, und einen Theoretiker, der einfach alle Übungen nur brutal auswendig lernt und sich dann auch nur innerhalb dieser bewegen kann, in einem realen Kampf aber unterlegen ist, weil er sich auf die Situationen nicht einstellen kann. Es ist einfach nicht vorhersehbar.

Ich möchte aber dazu sagen, dass Künstler wie Mendelssohn Bartholdy, Bach und Beethoven mich ebenso beeindrucken. Es sind ja auch die Originale! Sie haben es geschafft, etwas Neues zu schöpfen. Gerade Beethoven ist für mich eine Art schöpfergleiches Genie. Ich könnte ihnen stundenlang zuhören. In Osteuropa beeindrucken mich natürlich die russischen, klassischen Komponisten, aber auch zu Stalins Zeiten, Schostakowitsch beispielsweise. Da schwingt immer sehr viel russische Seele mit. Unglaublich! Polen hat sehr tolle Alternativ-Musiker, wie Marek Grechuta, für den mein Vater mal in der Kongresshalle arbeitete, zu DDR-Zeiten. Aber auch wirklich sehr interessante Punkbands. Das Interessante daran ist, dass diese polnischen Punkbands nicht unbedingt links einzuordnen sind, sondern durchaus sehr patriotisch sind. Als ich in Lodz gelebt habe, spielte mein Nachbar – und immer noch einer meiner besten Freunde – in verschiedenen Punkbands. Ich habe sehr viel von ihm gelernt. Gerade weil wir jahrelang so eng befreundet waren und wir im täglichen Leben sehr viel gemeinsam erlebten. Er ist kein gelernter Musiker, aber hat eine tiefe Melancholie, ein sehr gutes Gefühl für Stimmungen, gemischt mit tollen Texten. Wie gesagt, Punk in Polen ist nicht unbedingt links. In Deutschland ist Musik mittlerweile sehr angepasst und ähnlich wie im Journalismus, sehr „haltungsbezogen“. Es gibt, bis auf wenige Ausnahmen, zu viele Kopien.

In den 80ern fand ich die Neue Deutsche Welle extrem innovativ, der Metal aus der Essener Gegend war Weltklasse. In den 90ern waren Techno und Rammstein ein absolutes Highlight. Wobei Rammstein wiederum auch ein Negativ-Beispiel dafür sind, sich durch ihre Texte wieder zu demontieren und unglaubwürdig zu machen. Das ist dieses „Haltungs-Ding”, wovon ich sprach. Echt waren natürlich auch die Böhsen Onkelz, auch wenn es musikalisch eher klassische englische Rockmusik war, woran sie sich ausrichteten, haben sie durch ihre auf die deutsche Realität bezogenen Texte schon etwas losgetreten, was es so noch nicht gab. Diese naive Unvoreingenommenheit ist einfach super! Ekelhaft dagegen sind die ganzen „Deutschrock“ Kopien, die sich dadurch kennzeichnen, musikalisch unterirdisch und textlich ständig in der Opferrolle zu sein. Gern spielen sie alle den Underdog, der den Bezug zur Straße hat, inklusive dem Verständnis für „den kleinen Mann“ und seine Probleme – was paradoxerweise als „rechts“ gilt in diesem Land. Sich dann aber sofort wieder distanzieren, um ja vom linken Mainstream noch erfasst zu werden. Widerlich! Ich habe während meiner Zeit als Sänger bei der EBM/Elektro-Band Funker Vogt diesen rückgratlosen, karrieregeilen Pöbel persönlich kennenlernen müssen.

Die Tagesstimme: Erst kürzlich meinten Sie, sie kennen die Zustände „von Moskau bis L.A“ und nirgends werde Kunst so zensiert wie in Deutschland. Woran kann man das konkret festmachen?

Korn: Ich habe das in der Frage davor ja schon ein bisschen angerissen. Ich denke, der große Unterschied besteht darin, dass man in keinem Land der Welt als „rechts“ gilt, wenn man gesellschaftliche Probleme offen anspricht, ohne dabei ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Hier ist ja jeder ein „Nazi“, der offen Fakten, Zahlen, Daten oder Täternamen nennt. Sowas ist beispiellos.

Die Tagesstimme: Sie arbeiten nun auch mit dem patriotischen Bürgernetzwerk „Ein Prozent” zusammen. Ein Teil der Einnahmen der neuen Single „Unsere Kraft“ soll direkt in die Förderung patriotischer Nachwuchskünstler fließen. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit und was erhoffen Sie sich von der Unterstützung junger patriotischer Künstler?

Korn: Ich erhoffe mir dadurch, etwas mehr Bewegung in die politisch unkorrekte Gesellschaftskritik der deutschen Kunst im Allgemeinen zu bekommen. Es wagen sich ja immer mehr aus ihrer Deckung. Auch sehr bekannte Künstler. Ich war neulich sehr überrascht von einer Ansage von Heinz Rudolf Kunze, während eines seiner Konzerte. Das müssen wir nutzen, neue Künstler fördern und entdecken und eventuell auch etablierten ein neues Forum bieten.

Ein Prozent” ist gut vernetzt, offen für Neues und sehr engagiert. Ich sehe aus dieser Richtung viel Bewegung und offene Sinne. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass mir die links bis linksextrem, auf jeden Fall antideutsch-dominierte Musikszene jenseits dessen verstaubt und spießig erscheint. Weil jeder nur noch Haltung vor sich her trägt und das in den Fokus stellt.

Musik und Kunst im Allgemeinen sollte aber die Speerspitze der gesellschaftlichen Evolution sein und damit natürlich überhaupt nicht darauf achten, ob man jetzt irgendwelche Randgruppen verletzt oder dem Mainstream gefällt. Das ist ja wohl absolut ekelhaft! Kunst darf und muss übertreiben. Wir halten ja letztendlich der Gesellschaft den Spiegel vor das Gesicht. Wie soll das funktionieren, wenn wir immer politisch korrekt rüberkommen und gefallen wollen?

Die Tagesstimme: Sehen Sie sich denn selbst als politischen Musiker? Also wollen Sie auch politisch wirken?

Korn: Ich halte mich für einen Menschen, der allgemein Alternativen sucht, wenn es nur einen Weg zu geben scheint. In der Musik geht es mir darum, nicht mit der Masse zu schwimmen und meinen Blick auf die wichtigen gesellschaftlichen Brennpunkte zu richten. Leider wird diese Sichtweise in diesem Land politisch missbraucht. Das möchte ich ändern.

Die Tagesstimme: Nochmal zurück zur Musik. Im nächsten Jahr erscheint Ihr neues Album „Heimat“. Was erwartet die Hörer?

Korn: Textlich bewegt es sich sozusagen azyklisch um das Thema Heimat, was von mir – entgegen der Stoßrichtung des Mainstreams mit all seinen einfarbigen Künstlern – positiv besetzt wird.

Die Tagesstimme: Und sind auch Konzerte im deutschsprachigen Raum geplant?

Korn: Selbstverständlich. Es stehen Konzerte in Sachsen, Thüringen und Berlin/Brandenburg an. Weitere – noch nicht bestätigte – Konzerte sind in der Planung. Österreich würde mich sehr reizen. Vielleicht liest ja ein Veranstalter mit… (lacht).

Die Tagesstimme: Vielen Dank für das Interview!

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